Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Vom Klärwerk zur grünen Parkanlage: Der BernePark in Bottrop

Vom Klärwerk zur grünen Parkanlage: Der BernePark in Bottrop

Emscher BernePark Bottrop

Emscher
Emscher-Weg
Bottrop

Wer hätte gedacht, dass in einem ehemaligen Klärbecken irgendwann wieder Enten und Fische schwimmen werden? Inmitten der Metropole Ruhr im BernePark in Bottrop, dort wo die Berne in die Emscher mündet, überrascht uns die Natur. Hier, wo noch in den 1950er Jahren eines der größten und fortschrittlichsten Klärwerke Europas in Betrieb war und den Abwasserkanal Emscher reinigte, befindet sich heute ein außergewöhnlicher Ort der Naherholung im Emscher Landschaftspark.

Wir machen uns auf den Weg in den Stadtteil Ebel im Bottroper Süden. Über eine Brücke erreichen wir die Siedlung, die mit ihren 1.500 Einwohnern und Einwohnerinnen auf der Emscher-Insel liegt und von Emscher und Rhein-Herne-Kanal umschlossen wird. Gleich am Stadtteileingang zeigt uns eine Infotafel den Weg zum BernePark und nach wenigen Schritten erreichen wir diese kleine grüne Oase.

Wir verschaffen uns schnell einen Überblick über das Gelände, auf dem neben baulichen Überresten des Klärwerks Bernemündung aus den 1950er Jahren ein Restaurant im ehemaligen Maschinenhaus der Anlage, ein Färbergarten und das sogenannte „Parkhotel“ zu finden sind. Uns fallen sofort die beiden runden umgebauten Klärbecken auf, die jeweils einen Durchmesser von 73 Metern haben und mit Stegbrücken versehen sind. Das erste Klärbecken wurde zu einer Teichanlage umgestaltet. Wir wollen es uns natürlich genauer ansehen und laufen über die Stegbrücke in die Mitte des Beckens bis zu einer kreisrunden Holzplattform, von der aus wir einen wunderbaren Blick auf die Wasserlandschaft und ihre Umgebung haben. Wir betrachten das klare Wasser des Teichs, auf dem eine Ente gemütlich ihre Kreise zieht. Die Sonne scheint uns ins Gesicht und wir können uns kaum vorstellen, dass sich genau hier früher einmal übel riechendes Abwasser befand. Heute entdecken wir in dem Becken viele Goldfische, von denen sich die meisten scheinbar direkt neben der warmen Betonwand am wohlsten fühlen. Die grüne Wiese, die das Becken umgibt, ist mit Bänken gesäumt und lädt zum Verweilen ein.

Theater der Pflanzen BernePark

Theater der Pflanzen
BernePark
Bottrop

Wir laufen über die Terrasse des Restaurants, das sich im ehemaligen Maschinenhaus befindet, zum „Theater der Pflanzen“ im zweiten Klärbecken. Seine ursprüngliche Funktion lässt das Becken nur noch erahnen, denn es wurde von dem niederländischen Künstler Piet Oudolf und dem schottischen Landschaftsarchitekturbüro Gross. Max zu einem Senkgarten umgestaltet. Hier sind über 21.000 Stauden und Blumen angepflanzt, die bis zum Sommer zu einer vielfältigen und bunten Blütenpracht heranwachsen. Das Kunstwerk erinnert uns an ein Amphitheater. Module aus weißem Stein, niedrigen Mauern mit Holzoberfläche oder Pflanzenbeete wechseln sich ab und gewinnen nach außen hin wie die Sitze eines Theaters immer weiter an Höhe. Wir machen eine kleine Pause auf einem der Holzsitze und genießen weiter die Frühlingssonne.

Das „Theater der Pflanzen“ ist natürlich nicht die einzige botanische Attraktion des Geländes. Als wir zurück zum Hauptweg laufen, entdecken wir hinter dem Maschinenhaus den sogenannten Färbergarten. Wusstet ihr, dass man mit den Pflanzen eines Färbergartens Naturfarben herstellen kann? So eignet sich zum Beispiel die Schwertlilie, um blaue Farbe herzustellen, während der Schwarzdorn für die Herstellung von Rottönen verwendet werden kann. Der Färbergarten wurde von der Emschergenossenschaft zusammen mit sevengardens e.V. und der GAFÖG GmbH ins Leben gerufen, um für umliegende Schulen und Vereine mit der Herstellung von Naturfarben ein attraktives umweltpädagogisches Angebot zu schaffen.

Neben dem „Theater der Pflanzen“ sehen wir von weitem bunte Figuren auf hohen Masten, die zu einem schönen Spielplatz gehören. Hier finden die kleinen Besucher und Besucherinnen, was ihr Herz begehrt: Sandkästen, Rutsche, Kletternetz und drei große rote Schaukeln am Hang des ehemaligen Klärbeckens, auf denen man gefühlt bis in den Himmel schaukeln kann.

An dem ehemaligen Wasserbecken entdecken wir eine Infotafel, die auf zwei Kunstwerke der „EMSCHERKUNST.2010“ aufmerksam macht. Der deutsche Künstler Mischa Kuball und der amerikanische Künstler Lawrence Weiner verewigten sich mit ihren Lichtinstallationen im BernePark. Der Slogan „Catch as you can“ von Lawrence Weiner auf dem Dach des Restaurants erinnert in seiner bunten Reklameschrift an die Zeit der Entstehung des Gebäudes. Mischa Kuball hingegen inszenierte an den runden Beckenrändern eine animierte Lichtinstallation. Sobald die Sonne untergeht, erinnern leuchtende LED-Rohre an vergangene Zeiten, als die Stegbrücken der Becken noch in Betrieb waren und sich drehten.

Parkhotel BernePark

Parkhotel
BernePark
Bottrop

Wenn ihr etwas länger als nur einen Nachmittag im BernePark verbringen möchte, könnt ihr euch auf eine der wohl außergewöhnlichsten Unterkünfte in der gesamten Metropole Ruhr freuen. Mit dem Projekt „Parkhotel“ hat der österreichische Künstler Andreas Strauss in fünf Kanalrohren, die idyllisch unter einer Baumreihe im BernePark liegen, eine Herberge der etwas anderen Art geschaffen. Von innen sind die Rohre mit allem eingerichtet, was ihr für die Nacht braucht: Matratze, Decken und einer Nachttischlampe. Ein Bullauge in der Decke des Rohrs sorgt für Licht. So könnt ihr nachts wunderbar den Sternenhimmel beobachten und wenn ihr die Tür öffnet, schaut ihr geradewegs auf das „Theater der Pflanzen“. Falls ihr jetzt Lust auf diesen ausgefallenen Schlafplatz inmitten des Emscher Landschaftspark bekommen habt: Ihr könnt es euch vom 01. Mai bis zum 30. September in der Röhre mit 3 Metern Länge und 2,40 Metern Durchmesser gemütlich machen. Kostspielig ist die Unterkunft nicht, denn jeder bezahlt genau so viel, wie ihm sein Aufenthalt wert ist, nach dem Prinzip „Pay as you want“.

Schafherde Stadtteileingang Ebel-Nord

Schafherde
Stadtteileingang Ebel-Nord
Bottrop

Hinter den Kanalrohren des „Parkhotels“ führt der Emscher-Weg am BernePark vorbei, auf dem wir unseren kleinen Frühlingsspaziergang fortsetzen. Wir werfen einen Blick auf die Emscher, die neben uns her fließt und das strahlende Blau des Himmels widerspiegelt. Über den Emscher-Weg erreichen wir mit wenigen Schritten den Stadtteileingang von Bottrop-Ebel. Hier, unter der Autobahnbrücke der A42, entdecken wir ein weiteres Kunstwerk: Eine Herde Schafe grast am Emscher-Deich. Diese schöne Inszenierung aus Beton-Schafen wurde vom Künstler Guido Berndsen und den Kindern der Schiller-Grundschule im Rahmen des Programms „Soziale Stadt NRW“ gestaltet. Die Schulkinder malten nach ihren Vorstellungen Bilder von verschiedenen Schafen, die der Künstler vergrößerte und anschließend aus Beton in original Schafsgröße nachfertigte. Nun schmücken die Beton-Schafe den Stadtteileingang Ebel-Nord und begrüßen alle Besucher und Besucherinnen der Siedlung.
Neben den Schafen befindet sich die sogenannte „Emscher-Galerie“, die großformatige und farbenfrohe Fotos präsentiert, die unter der Autobahnbrücke angebracht sind. Die Fotos sind ein weiteres Kunstprojekt der Schiller-Grundschule und der Künstlerin Anja Bardey, in dem die Kinder mit den kleinen Figuren, die auf den Fotos abgebildet sind ihren Lebenstraum inszenieren. Ein weiteres Foto zeigt die ehemalige 5-Pfennigs-Brücke, die bis zu den 1970er Jahren an diesem Ort stand und Westfalen mit dem Rheinland verband. Wer die Brücke überqueren wollte, musste deshalb Wegezoll beim Brückenwärter zahlen. Nur die Bergleute auf ihrem Weg zur Arbeit durften die Brücke frei passieren.

Übrigens: Der Emscher-Weg führt von der Quelle der Emscher in Holzwickede bis nach Dinslaken, wo der Fluss in den Rhein mündet. Wer also den Besuch im BernePark mit einer Radtour verbinden will, kann bis zu 100 Kilometer an der Emscher entlang durch den Emscher Landschaftspark radeln und einen spannenden Einblick in die neue urbane Flusslandschaft des Neuen Emschertals gewinnen, die mit noch verwunschenen Orten, Kunstwerken, herrlichen Aussichtspunkten, gemütlichen Picknickplätzen und vielen Orten der Industriekultur und Industrienatur zu einer wunderbaren Erlebnisreise einlädt.