Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Vollmondwanderung auf der Halde Großes Holz

Vollmondwanderung auf der Halde Großes Holz

Man merke: Wenn man aus Dortmund kommend über die Autobahn zur Halde Großes Holz fahren will, sollte man darauf achten, die Ausfahrt Kamen/Bergkamen zu erwischen.

Als wir an der Halde angekommen, finden wir den Besucherparkplatz an der Erich-Ollenhauer-Straße gegenüber der Binsenheide schon gut gefüllt vor und sind froh, dass die Gruppe noch nicht ohne uns losgestapft ist. Die Vollmondwanderung auf die Halde Großes Holz im Emscher Landschaftspark möchten wir nämlich auf keinen Fall verpassen! Rund 50 Bewohnerinnen und Bewohner der Metropole Ruhr tummeln sich bereits um unseren Tourguide Olav Möllemann. Ihre Füße stecken in robustem Schuhwerk, die Ärmel von Fleecejacken sind auf Hüften verknotet, die meisten haben Rucksäcke geschultert. Ob groß, ob klein, jung oder alt – gemeinsam geben wir auf jeden Fall ein professionelles Bild einer gut vorbereiteten Wandergruppe ab. Auch Olav scheint zufrieden – es kann losgehen!

Vollmondwanderung Logo Bergkamen

Vollmond über der Halde Großes Holz

Zahlreiche Kinder sind in unserer Wandergruppe, die Olav fröhlich hinterher rennen. Doch werden sie in ihrem 30 Meter Sprint gleich dreimal gestoppt, denn auch der Fuß der Halde hat bereits viel Sehenswertes zu bieten. Die Anzahl der Teilnehmenden sei, laut Olav, immer unterschiedlich, je nachdem, wie das Fernsehprogramm und das Wetter ausfallen. Jetzt ist die letzte Woche der Sommerferien, die nutzen viele Eltern noch ausgiebig aus, um Ausflüge mit ihren Kindern zu unternehmen. „Die Umgebung ist ein idealer Lebensraum für Pflanzen und Tiere,“ betont Olav, zeigt auf Kletten und Eberesche (den meisten wohl als Vogelbeere bekannt) und erzählt uns die Sage vom Waldgeist, der die Eberesche bitter machte, um dafür zu sorgen, dass weniger Menschen, dafür aber mehr Vögel in den Genuss der Beeren kommen. Weiter geht’s, einen ziemlich steilen Anstieg hinauf. Ein Jogger kommt uns entgegen. „Ja, bergab kann jeder joggen!“ und „Du Schande, eh“, hören wir manch Mitlaufende schniefen. Gemeinsam gelingt uns das Erklimmen der zweitgrößten Haldenlandschaft der Metropole Ruhr aber sehr gut – und die kurze Anstrengung lohnt sich!

Blauer Leuchtturm

Blauer Leuchtturm

Es dämmert, die „blaue Stunde“ hat begonnen, die Zeit der Fledermäuse. Generell begleitet uns die Farbe Blau auf unserem Weg auf das Haldenplateau: Gleich neun Bergkamens ehemaliger Zeche Monopol nachempfundene blaue Leuchttürme säumen den Weg und sorgen gemeinsam mit dem sich rot färbenden Horizont für ein romantisches Farbenspiel. „Es ist so wunderschön hier!“, seufzt ein kleiner Junge neben uns, während er die Lichtskulptur IMPULS auf der Adener Höhe betrachtet. Und in der Tat: Diese Sicht ist wunderschön und wert, geteilt zu werden. Blau ist hier eine warme Farbe: Die Nähe zum Wasser, zum Datteln-Hamm-Kanal, oben auf den Wiesen der Natternkopf, eine blau blühende Pflanze inmitten der abwechslungsreichen Industrienatur, die ausgesäht wurde, um den blauen „Anstrich“ der Halde zu unterstützen. „Der Natternkopf ist bereits von stärkeren Pflanzen weggedrängt worden, aber wenn die Natur das so will, dann ist das so. Jede Pflanze hier sorgt dafür, dass ein Tier einen Lebensraum findet – über die Wiesen- und Weidenflächen freuen sich Bienen und auch Rehe.“ Leider reagiert die Wärmebildkamera in Olavs Hand heute nur auf den Rauch des Kraftwerks und auf uns Wanderer, so dass wir keine größeren Tiere erspähen können.

Kinderspaß auf der Halde Großes Holz

Kinderspaß auf der Halde Großes Holz

So erfreuen sich die Kinder an den Schnecken und Fröschen am Wegesrand. „Ist ja eine Vollmondwanderung und keine Safari“, schmunzelt unser Guide – und Recht hat er. Und da heute Nacht kein Wölkchen den Himmel bedeckt, bekommen wir den Mond in voller Pracht geboten. „Hast du auch schon den Mann im Mond gesehen?“, fragt ein Großvater seine Enkelin. Die große goldene Kugel scheint den Wanderinnen und Wanderern im Emscher Landschaftspark zuzulächeln und taucht die Industriekultur und Industrienatur in das schönste Licht. Vom Haldengipfel bieten sich uns einmalige Ausblicke bis nach Hamm und ins Münsterland. Wir erkennen das Lippekraftwerk Lünen und den Florian, den Fernsehturm Dortmunds, der in der Ferne ziemlich klein wirkt. „Die Lichter könnten auch von einem Kraftwerk stammen.“, sagt eine junge Dame neben uns. „Von hier oben sieht das nicht wie eine Großstadt aus.“ Und es stimmt: Befindet man sich auf einer der zahlreichen Halden in der Metropole Ruhr, bekommt man einen Eindruck von der weiträumigen Ausdehnung des Emscher Landschaftsparks, der mit seiner Fläche von 450 km² der größte Regionalpark Europas ist. Während wir also auf die leuchtenden Städte hinunterschauen, sind wir uns einer Sache sicher: So schön wie die Halde Großes Holz ist, möchten wir auf jeden Fall noch andere Gipfel der Metropole Ruhr erkunden und die Panoramen des Emscher Landschaftsparks genießen.