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Spaziergang durch das Künstlerviertel Isenbergplatz in Essen

Spaziergang durch das Künstlerviertel Isenbergplatz in Essen

Mitten im Ruhrgebiet ist mit dem Isenbergplatz in Essen ein Künstlerviertel à la Prenzlauer Berg zu finden. Wir nehmen die Gegend im Essener Südviertel heute genauer unter die Lupe und freuen uns auf einen lockeren Bummel durch Cafés und Geschäfte.

Der Platz ist Anfang der 70er Jahre durch eine Stilllegung des Straßenverkehrs auf Teilen der Isenberg- und Relinghauserstraße entstanden. Interessanterweise ist der Isenbergplatz offiziell erst seit 2013 im Straßenverzeichnis der Stadt Essen eingetragen und wurde vorher nur im Volksmund so genannt.

Im Wohngebiet rund um den Isenbergplatz angekommen, schauen wir uns erst einmal um. Die Sonne scheint und taucht alles in ein warmes Licht. Radfahrer und Radfahrerinnen, Gassigeher und Gassigeherinnen und Kinder auf City-Rollern kommen uns entgegen. Unser erster Stopp ist ein von massiven Bäumen geschützter Spielplatz. Dieser bildet mit seiner Lage das Herzstück des Isenbergplatzes. Wir setzen uns auf eine Bank, lassen die Gedanken schweifen und sehen uns das bunte Treiben an. Um uns herum sitzen Mütter und Väter, die sich miteinander unterhalten, während ihre Schützlinge ihnen fleißig Sandkuchen backen. Neben einer Wippe und einem Klettergerüst mit Rutsche, gibt es in direkter Nähe des Spielplatzes auch zwei Tischtennisplatten, mit denen auch die Älteren auf ihre Kosten kommen. Hätten wir das gewusst, wären auf jeden Fall auch Tischtennisschläger mit in unseren Rucksack gewandert.

Nach unserer kurzen Verschnaufspause machen wir einen Abstecher in die „the postiv not only second hand boutique“. Im Laden erwartet uns ein Mix aus knalligen Farben, allerlei Stoffen und orientalischen sowie wilden Mustern. Überall stapeln sich Levi Strauss Hosen und auf dem Boden liegen Converse Chucks in verschiedensten Ausführungen. Es sind viele Anziehsachen auf wenig Raum und doch wirkt alles sehr harmonisch. Musik dudelt leise vor sich hin und wir fühlen uns sofort wohl. Der Laden lädt zum Stöbern ein und mit ein wenig Zeit lässt sich sicher der ein oder andere Schatz finden.

Direkt gegenüber befindet sich „von Grünstadt“. Schon beim Betreten des schnuckelig kleinen Ladens haben wir einen angenehmen, kräuterähnlichen Duft in der Nase. Die aus einzelnen Kisten bestehenden Regale, gefüllt mit Haushaltswaren und Körperpflegeprodukten, stapeln sich bis an die Decke. Des Fokus des gesamten Sortiments liegt ganz klar auf Nachhaltigkeit. Von der Bambus-Zahnbürste, über Edelstahl-Trinkhalme, bis zur Deo-Creme: Wer etwas für seinen ökologischen Fußabdruck tun und sein Konsumverhalten reduzieren möchte, ist mit den hier verkauften Produkten bestens bedient. Wir sind begeistert und lassen uns beim Durchforsten des Angebots inspirieren, was wir denn alles veranstalten können, um unseren Alltag in Zukunft grüner zu gestalten. Beim Verlassen des Ladens wird uns klar, dass jemand, der auf der Suche nach großen Modeketten, die sich aneinanderreihen ist, hier nicht fündig werden wird. Die einzigartigen Geschäfte heben sich von der Masse ab, versprühen einen ganz besonderen Charme und machen es um so interessanter durch die angebotenen Waren zu stöbern.

Günni Semmler gewidmetes Denkmal Isenbergplatz, Essen

Günni Semmler gewidmetes Denkmal
Isenbergplatz, Essen

Um uns ein wenig von unserem Streifzug zu erholen, machen wir uns auf den Weg ins Café „Click“. Auf dem Hinweg bewundern wir die grünen Fleckchen, die überall um den Platz zu finden sind. Mal sind es Stiefmütterchen, mal Tulpen, die aus den Töpfen vor den Haustüren der Anwohner und Anwohnerinnen sprießen. Vor einigen Türen stehen Kisten mit Büchern oder Tassen zum Verschenken. An manchen Wänden sind Girlanden aufgespannt. Es muss bestimmt toll sein in dieser Nachbarschaft zu leben, denken wir. Im Café angekommen, setzen wir uns im Innenhof in die Sonne und lassen uns Kaffee und Kuchen schmecken. Direkt neben uns steht eine Bronzestatue, ein Denkmal, dass 2007 dem verstorbenen Straßenkünstler Günni Semmler gewidmet worden ist. Er war in der Essener Kneipenszene bekannt wie ein bunter Hund und sang sich in die Herzen der Bevölkerung.

Aber nicht nur im „Click“ lässt es sich aushalten. Das Café „Gold Bar“ zum Beispiel, verlegt Teile ihrer Vintage-Innenausstattung vors Lokal und lädt zum gemütlichen Verweilen ein. Vor allem bei so schönem Wetter wie heute spielt sich das Leben draußen ab. Mit Bänken und Stühlen werden überall kleine Oasen geschaffen, um aus dem Großstadttrubel zu entfliehen. Die Bewohner und Bewohnerinnen quatschen, sonnen sich und entspannen miteinander.

Blick auf die nach außen verlegte Innenausstattung der „Gold Bar“ Isenbergplatz, Essen

Blick auf die nach außen verlegte Innenausstattung der „Gold Bar“
Isenbergplatz, Essen

Wer jetzt Lust auf einen Umzug in das Wohngebiet rund um den Isenbergplatz bekommen hat, der muss bereit sein eine Menge Geld in die mittlerweile angesagte Gegend zu investieren. Preislich hält das Viertel nämlich locker mit Rüttenscheid mit. Die Entwicklung die hier dem Block im Essener Moltkeviertel widerfahren ist, bei der einfallsreiche Leute günstige Wohnviertel beziehen und sie durch eigene, originelle Cafés und Boutiquen attraktiv für vermögendes Publikum machen, welches die Mietpreise wiederum in die Höhe treibt und die „Alteingesessenen“ damit dementsprechend verscheucht, wird Gentrifizierung genannt.

Es ist aber auch wirklich schön hier. Im Essener Südviertel pulsiert das Leben und wir sind mittendrin. Auch in der Umgebung gibt es eine Menge zu Entdecken. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt beispielsweise das Aalto Musiktheater, welches Spielstätte für die regelmäßig stattfindenden Opern und Ballettaufführungen ist. Ebenso liegt der Essener Stadtgarten direkt um die Ecke und appelliert mit seiner gepflegten Grünanlage zum Innehalten. Besonders beeindruckend finden wir auch das ebenfalls gut zu Fuß zu erreichbare „Café Livres“, ein Büchercafé, in dem man sich bei einem warmen Getränk in eines der frei zugänglichen Bücher vertiefen kann. Des weiteren finden häufig Lesungen und Poetry Slams, denen man entspannt bei einer Tasse Tee lauschen kann, statt. Steigt man in die Bahn, ist die sich im Emscher Landschaftspark befindende Zeche Zollverein, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist, nicht weit entfernt.

Unser Spaziergang neigt sich langsam dem Ende zu und wir verlassen das Viertel rund um den Isenbergplatz. Die laute, große Hauptstraße auf der wir ankommen, wirkt im Vergleich zum malerischen Künstlerviertel wie eine ganz andere Welt. Wir freuen uns, dass wir heute eine friedliche Oase für uns entdeckt haben und das diese sich dazu auch noch mitten in der Metropole Ruhr befindet!