Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Spaziergang an der Emscher: Hochwasser-Rückhaltebecken und Hof Emschertal

Spaziergang an der Emscher: Hochwasser-Rückhaltebecken und Hof Emschertal

Emscher Weg Hochwasser-Rückhaltebecken/Hof Emschertal Castrop-Rauxel

Emscher Weg
Hochwasser-Rückhaltebecken/Hof Emschertal
Castrop-Rauxel

Es ist Wochenende und Kaffeezeit – und wir haben Lust auf einen gemütlichen Spaziergang im Emscher Landschaftspark mit anschließendem Cafébesuch, einem leckeren Stück Kuchen und cremigen Caffè Latte. Daher machen wir uns auf nach Castrop-Rauxel zum Hof Emschertal, der sich am größten Hochwasser-Rückhaltebecken der Emscher an der Stadtgrenze zu Dortmund befindet. Über den Emscher Weg, einem der attraktiven Rad- und Wanderwege in der Metropole Ruhr, laufen wir entspannt an der Emscher entlang, die unterhalb von uns munter dahin fließt. Möwen kreisen über dem Fluss, Enten planschen im Wasser herum und Kaninchen flitzen über die Wiese am Ufer. Die Emscher ist gesäumt von üppigen Pflanzen, die kräftig blühen und für farbenfrohe Akzente in der neuen naturnah gestalteten urbanen Flusslandschaft der Metropole Ruhr sorgen. Auch am Weg wachsen blühende Wiesenblumen, in deren prächtigen Blüten Bienen auf Nahrungssuche vor sich hin summen. Mit uns erfreuen sich viele weitere Menschen an diesen hübschen Motiven, die den Emscher Weg für eine Radtour, eine Joggingrunde oder wie wir für einen Sonntagsspaziergang nutzen.

Hochwasser-Rückhaltebecken/Hof Emschertal Castrop-Rauxel

Hochwasser-Rückhaltebecken/Hof Emschertal
Castrop-Rauxel

Am rechten Wegrand erblicken wir zwei Emscherperlen, die an zehn ausgewählten Orten zwischen der Emscherquelle in Holzwickede und der Emschermündung in Dinslaken über den Emscher-Umbau informieren und spannende Einblicke in das Generationenprojekt im Emscher Landschaftspark geben. Die Emscherperlen haben die Form eines Kanalrohres, sind 2,70 m hoch, 80 cm breit und knallblau – und damit als Landmarke und Infotafel schon von weitem sehr gut erkennbar. Mit Bank und Fahrradparkplatz laden sie zum Verweilen ein und erzählen die Geschichte ihres Standorts: den Bau des größten Hochwasser-Rückhaltebeckens an der Emscher. Wir erfahren, dass sich das Becken über eine Fläche von 33 Hektar erstreckt und damit doppelt so groß wie der PHOENIX See in Dortmund-Hörde ist, also ungefähr so groß wie 46 Fußballplätze. Allerdings steht es im Gegensatz zum PHOENIX See nur sehr selten vollständig unter Wasser – und das ist auch gut so, denn nur bei extremen Hochwassern staut das Becken zurück und füllt sich, um tief liegende Städte der Metropole Ruhr wie Herne, Gelsenkirchen, Essen oder Oberhausen vor Schaden zu schützen. Neben dem Rückhaltebecken befindet sich zudem ein sogenanntes Drosselbauwerk, das wie eine Art Talsperre im Neuen Emschertal funktioniert: Sobald starker Regen einsetzt und Hochwassergefahr besteht, wird die durch das Becken fließende Emscher langsam zurückgestaut und damit praktisch angehalten.

Hochwasser-Rückhaltebecken Emscher Castrop-Rauxel

Hochwasser-Rückhaltebecken Emscher
Castrop-Rauxel

Wir schlendern weiter den Emscher Weg entlang und biegen wenige Meter hinter den Emscherperlen nach links ab zum Hof Emschertal, den wir bereits auf der gegenüberliegenden Flussseite in ganzer Pracht erblicken. Eine lange gerade Brücke führt uns trocken und sicher über die Emscher. Mit ihr beginnt auch der „Rundweg Hochwasser-Rückhaltebecken“, der dieses neue spannende Naherholungsgebiet mit einzigartigen Naturräumen im Emscher Landschaftspark erschließt, in dem viele seltene Vögel brüten oder auf ihrer Reise ins Winterquartier auftanken. Hinter der Brücke folgen wir dem Weg am Rückhaltebecken entlang. Zahlreiche Möwen, Enten und Blässhühner ruhen sich zwischen Schilfpflanzen und Wiesenblumen in dem Becken aus, dessen Wasserstand heute so niedrig ist, dass an einigen Stellen der Grund zu sehen ist. Es ist herrlich hier, die Sonne scheint und ein leichter Wind sorgt für Abkühlung. Eine Entenmutter übt das Schwimmen und Tauchen mit ihren Küken, während sich unterhalb von uns ein Reiher mit breiten Schwingen in die Lüfte erhebt, um sich an einer anderen Stelle am Rückhaltebecken wieder auf Fischfang zu begeben. Immer wieder bleiben wir stehen, machen Fotos und beobachten die wunderbare Natur um uns herum: Weites Grün, Wiesen, Wald und Felder und vor uns die spannende Wasserlandschaft, die so idyllisch und gleichzeitig so wichtig für den Hochwasserschutz in der Metropole Ruhr ist.

Als wir schon beinahe Hof Emschertal erreicht haben, fesselt ein weißes quadratisches Becken unsere Aufmerksamkeit. Eine orangefarbene Infostele verrät uns, dass es sich hierbei um das Kunstwerk „Black Circle Square/Schwarzes Kreisquadrat“ des italienischen Konzeptkünstlers Massimo Bartolini für die EMSCHERKUNST.2016 handelt. Die performative Skulptur wurde in Anlehnung an den Maler Kasimir Malewitsch geschaffen, dessen Schlüsselwerke „Schwarzes Quadrat“ und „Schwarzer Kreis“ von 1915 in der Kunstgeschichte als Wendepunkt der Malerei gelten und als Ikonen der Moderne bezeichnet werden, wobei Moderne hier vor allem die Industrialisierung meint, in deren Rahmen die Emscher von einem natürlichen Fluss in einen Abwasserkanal verwandelt wurde. Daher zieht Bartolini mit „Black Circle Square“ eine Verbindung zwischen der Industrialisierung des Ruhrgebiets, der Geschichte der Emscher und den 100 Jahre alten Gemälden von Kasimir Malewitsch: Im Maßstab 1:10 hat der Künstler als Blow Up in einem weißen Plateau einen schwarzen Kreis implementiert – und das in Form eines Pools mit Wasser, der übrigens nicht nur eine künstlerische Bedeutung für die Installation hat, sondern gleichzeitig auch Löschteich für Hof Emschertal ist. Der Wille nach einer Neugestaltung der Zukunft ist das zentrale Thema der Skulptur, die damit auf den Emscher-Umbau verweist und die naturnahe Gestaltung einer neuen urbanen Flusslandschaft in der Metropole Ruhr.

Über einen Weg, der an dem Kunstwerk „Black Circle Square“ vorbeiführt, betreten wir schließlich die 1860 erbaute Anlage von Hof Emschertal mit ihrem großen Innenhof und hübschen Fachwerkbauten.  Nachdem das Hauptgebäude aufwändig mit ökologischen Baustoffen wie Lehmputz und Holzfaserplatten renoviert wurde, wurde Hof Emschertal 2017 feierlich für die Öffentlichkeit geöffnet. Eine farbenfrohe Insel mit roten, weißen, orangenen und gelben Blumen bildet das Herz des Innenhofes und bietet mit ihren Zierpflanzen einen charmanten Kontrast zu dem Gemüsegarten des Falken Bildungs- und Freizeitwerk Dortmund e.V., in dem Gurken, Möhren, Kohlrabi, Rote Beete, Tomaten, Bohnen, Paprika und noch viele gute gesunde Sachen mehr wachsen. Vor den ehemaligen Stallungen gibt es Insektenhotels zu bestaunen und dekorative Tränken, die unter anderem mit Tomaten und bunten Petunien bepflanzt sind. Wir schauen uns noch ein wenig auf Hof Emschertal um, bevor wir es uns schließlich in dem kleinen Hofcafé mit Sonnenterrasse gemütlich machen und endlich das tun, weswegen wir heute zu unserem Ausflug in den Emscher Landschaftspark aufgebrochen sind: Kaffee trinken und Kuchen essen. Ein perfekter Sonntag im Emscher Landschaftspark! Und wann schaut ihr mal auf einen Kaffee am Hof Emschertal vorbei? :-)