Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Schlosspark Herten: Barockgarten und englischer Landschaftspark

Schlosspark Herten: Barockgarten und englischer Landschaftspark

Heute machen wir eine Zeitreise und begeben uns im Emscher Landschaftspark auf die Spuren des höfischen Lebens im 18. und 19. Jahrhundert im Ruhrgebiet – genauer gesagt in Herten, wo sich am Rand der Innenstadt der denkmalgeschützte Schlosspark Herten mit einem barocken Wasserschloss befindet. Bereits am Eingang zu diesem Schmuckstück unter den Gartenanlagen im regionalen Park der Metropole Ruhr erfahren wir eine ganze Menge über die damals übliche Landschaftsgestaltung. Von 1650 bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Schlosspark Herten als französischer Barockgarten angelegt – also in einem beliebten zeitgenössischen Stil mit geometrischen Formen, strenger räumlicher Ordnung und kunstvollen Elementen. Noch heute durchziehen schnurgerade Alleen in einer sternartigen Komposition den Park, die verschiedene Plätze miteinander verbinden. Zwischen 1814 und 1817 wandelte der Düsseldorfer Hofgärtner Professor Maximilian Friedrich Weyhe den Schlosspark Herten schließlich zu einem englischen Garten um, wobei er jedoch die ursprünglichen Strukturen des Barockgartens weitgehend beibehielt. Diesen Mix aus französischer und englischer Landschaftsgestaltung, der einmalig in der Metropole Ruhr ist, wollen wir uns einmal ganz genau anschauen!

Rosengarten Schlosspark Herten

Rosengarten
Schlosspark
Herten

Wir betreten den Park und stehen direkt auf einem seiner Plätze: dem Herkulesplatz. Groß und rund ist er und mit langen Sitzbänken ausgestattet, die zu einer Rast einladen. Der Platz war bereits Teil des Barockgartens, allerdings war er damals wahrscheinlich noch eckig und bekam seine runde Form erst im Rahmen der Umgestaltung zum englischen Landschaftspark. Seinen Namen hat er vermutlich einer Herkulesstatue zu verdanken, die ursprünglich auf dem Platz stand. Als immer noch gut erkennbare Gestaltungsstrukturen des Barockgartens gehen mehrere Wege sternförmig vom Herkulesplatz ab. Wir wählen direkt den ersten Weg rechts von uns und folgen ihm bis zu einem weiteren Element der Parkgestaltung: dem Rosengarten. Kern der Anlage sind zwei große runde Beete mit prächtigen Rosen und duftendem Lavendel, um die Bienen und Schmetterlinge schwirren. Auch hier stehen Sitzbänke für eine entspannte Auszeit bereit. Am Rand des Rosengartens entdecken wir eine der vielen botanischen Kostbarkeiten, die der Schlosspark Herten zu bieten hat. Es ist eine Honoki-Magnolie aus Japan, die wie viele weitere exotische Pflanzen im Schlosspark von den früheren Schlossbesitzern aus fernen Ländern mit nach Herten gebracht wurde.

Wir gelangen an eine T-Kreuzung und erspähen hinter grünen Büschen und Bäumen einen breiten Graben und mehrere Gebäude, die nach Wasserschloss aussehen. Wir biegen nach links ab und stehen nach wenigen Metern tatsächlich an der wunderschönen Schlossanlage, die bereits 1376 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Brücke über den Wassergraben zum Schlosseingang ist mit einem roten Teppich ausgelegt, Stehtische mit weißen Hussen und in Glasvasen schwimmende Rosenblüten sind aufgestellt und kleine Rosensträuße sind mit langen weißen Schleifen am Brückengeländer befestigt worden. Ganz klar: Hier findet heute eine Hochzeit statt! Brautpaare können sich nämlich nicht nur standesamtlich im Schloss trauen lassen, sondern hier auch gleich ihren besonderen Tag mit ihren Gästen gebührend feiern und den umliegenden Park als Kulisse für ihre Hochzeitfotos nutzen.

Wir folgen dem Weg um das Schloss herum, vorbei an einem Tulpenbaum aus Nordamerika, der am Rand der sogenannten Narzissenwiese steht. Die Narzissenwiese ist mit über einer halben Million Osterglockenzwiebeln bestückt und bringt jedes Jahr im Frühjahr mit einem Meer von gelben Blüten reichlich Farbe in den Schlosspark Herten. Früher befand sich hier eine terrassierte Schmuckanlage mit zahlreichen Blumen und Gehölzen als ehemaliges Kernstück des Parks, die schließlich in eine offene Wiesenfläche umgestaltet wurde. Neben der Narzissenwiese, die übrigens nicht betreten werden darf, bietet der Schlosspark Herten viele große Wiesen für einen entspannten Tag im Emscher Landschaftpark mit Picknick, Sonnenbad, Spiel und Spaß. Es ist sehr warm heute und die meisten Menschen ruhen sich auf Picknickdecken oder Parkbänken aus, lesen ein Buch, hören leise Musik oder genießen einfach die Umgebung bei einer Unterhaltung oder einem gemütlichen Spaziergang. Durch eine Allee, die mit hohen und so dicken Bäumen gesäumt ist, dass man ihre Stämme nicht mit beiden Armen umfassen kann, schlendern wir am Schlossgraben entlang. Das Schloss liegt malerisch vor uns in der Sonne, ein paar Gänse schwimmen gemächlich auf dem Wasser. Barocke Hofidylle pur!

Schlossteich Schlosspark Herten

Schlossteich
Schlosspark
Herten

Einige Meter weiter entdecken wir „Neptun XXL“, eine große Kletterpyramide mit Seilen, die 9 Meter hoch und mit 1.840 Metern Seil das erste Spielgerät dieser Art in Deutschland ist. Auf der Liegewiese daneben sucht eine Gruppe Jugendlicher Schatten unter Bäumen und läutet mit Musik und guter Laune das Wochenende ein, während eine Schar Gänse träge auf der Wiese grast. An der nächsten Wegkreuzung leuchtet uns eine Blumeninsel mit Gräsern und blühendem Storchenschnabel entgegen, in dessen blau-violetten Blüten summende Bienen stecken. Wir überqueren eine kleine Brücke und biegen nach links ab zu den Schlossteichen. Über wenige Stufen erreichen wir einen Steg mit Sitzbänken, von dem wir einen Panoramablick auf das Wasser genießen. Gänse, Enten und Blässhühner schwimmen auf dem Teich, ein kleines Küken traut sich nicht ins Wasser und piepst am Ufer nach seiner Mutter, ein Reiher landet mit mächtigem Flügelschlag neben dem Steg und verharrt regungslos auf der Suche nach Nahrung. „Der Schlosspark ist unser Lieblingspark“, erzählt uns Gisela, die wir mit ihrem Mann Ernst am Schlossteich treffen. „Es gibt so viel zu sehen: das Wasserschloss, schöne alte Bäume, viele Tiere. Der Park ist so vielfältig, je nach Lust und Wetter gehen wir hier eine kleine Runde oder eine große Runde spazieren oder fahren mit dem Rad vorbei. Man kann nämlich von hier aus ganz wunderbar bis zum Landschaftspark Hoheward mit der Zeche Ewald, der Halde Hoheward und dem Ewaldsee und noch weiter bis zum Rhein-Herne-Kanal fahren.“ Das ist ein guter Tipp für eine schöne Radtour durch den Emscher Landschaftspark. Den werden wir uns auf jeden Fall merken! Aber heute sind wir zu Fuß unterwegs und setzen unsere Entdeckungsreise durch den Schlosspark Herten weiter per pedes fort.

Schlosskapelle Schlosspark Herten

Schlosskapelle
Schlosspark
Herten

Unsere nächste Station ist der Schlosshof, den wir über eine Steinbrücke betreten. Hier befindet sich die Schlosskapelle, die in ihren Ursprüngen aus dem 14. Jahrhundert stammt und von Schloss Grimberg Stein für Stein abgetragen und neben dem Hertener Schloss wieder aufgebaut worden ist. Auf der Wiese vor der Kapelle befindet sich eine Marienstatue mit Jesuskind, daneben mümmeln Kaninchen friedlich ihren Nachmittagssnack. Herzschmuck an der Kapelle und im Schlosshof zeigt, dass die Hochzeitsgesellschaft ebenfalls Zeit an diesem hübschen Ort verbracht hat.

Tabakhaus Schlosspark Herten

Tabakhaus
Schlosspark
Herten

Da es im Park auch noch einiges zu entdecken gibt, verlassen wir die Schlossanlage und widmen uns wieder ganz den Elementen des Landschaftsparks. Neugierig lassen wir uns über kleine, verschlungene Wege und breite Alleen entspannt durch die charmante Anlage treiben und lassen uns überraschen, wo die Wege uns noch überall hinführen: Zur Orangerie, die – 1725 im Stil der italienischen Spätrenaissance als kunstvoller Bestandteil des Barockgartens erbaut – unter anderem als Gartenkasino und Speisesaal diente und heute nur noch als Ruine erhalten ist. Zum Tabakhaus, das von den Grafen Riacourt als Raucherkabinett genutzt wurde, da die damals neumodische Sitte des Rauchens im Schloss nicht geduldet wurde. Vorbei an einem Taschentuchbaum aus dem chinesischen Hochland, der über 125 Jahre alt ist. Zum Theaterplatz, auf dem Aufführungen im Freien stattfanden. Und zum Irrgarten, der eigentlich gar kein Irrgarten ist, sondern ein gegen Ende des 19. Jahrhunderts angelegter offener Hain, in dem kleine Pfade und Plätze die Form eines Labyrinths andeuteten. Es macht großen Spaß, den Schlosspark Herten zu erkunden. An allen zentralen Gestaltungselementen des Barockgartens und des englischen Landschaftsparks sind spannende Infotafeln angebracht, die die jeweilige Sehenswürdigkeit ganz genau erklären. Eine Übersichtskarte auf jeder Tafel sorgt dafür, dass wir uns gut im Schlosspark Herten orientieren können und schnell und einfach zur nächsten Station finden.
Fazit des Tages: Der Schlosspark in Herten ist eine wunderschöne und vielfältige Gartenanlage im Emscher Landschaftspark, die auf jeden Fall einen Ausflug wert ist! Solltet ihr euch also demnächst unbedingt selbst einmal ansehen! ;-)