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Emscherlandschafts Park
Radwandern an der Seseke im Emscher Landschaftspark

Radwandern an der Seseke im Emscher Landschaftspark

Der Emscher Landschaftspark begrüßt uns erneut mit wundervollem Wetter und der Tag eignet sich perfekt für unsere nächste spannende Fahrradtour! Unser heutiges Ziel befindet sich in der östlichen Region des Emscher Landschaftsparks. Von Lünen nach Bönen hat der Lippenverband einen Fuß- und Fahrradweg errichtet, und zwar den „Seseke –Weg“. Der 25 km lange Radweg bildet eine direkte Verbindung zwischen Bönen über Kamen und Bergkamen bis zur Mündung in die Lippe in Lünen.  Zusätzlich zu der wunderschönen Landschaft, die es auf der Strecke zu erkunden gibt, erwarten uns auf dem Seseke- Weg noch zahlreiche Highlights vom Kunstprojekt ÜBER WASSER GEHEN.

Bevor wir mit unserer Radtour beginnen, befassen wir uns mit der Frage, was den Fluss Seseke so besonders macht. Wegen des Bergbaus wurde die Seseke Ende des 19. Jahrhunderts begradigt und als Abwasserkanal benutzt und verschmutzt. Dies erhöhte die Hochwassergefahr. In den 80er Jahren folgte das Sesekeprogramm. Dazu wurde der ganze Fluss umgestaltet: offene Abwasserableitungen wurden beseitigt, Kläranlagen wurden errichtet, Hochwasserschutzmaßnahmen wurden getroffen und die Wasserläufe wurden ökologisch umgestaltet. Das Abwasser fließt heute unterirdisch, sodass Flüsse und Bäche geschont werden und sich die Natur frei entfalten kann.

Die Renaturierung der Seseke wurde seit 2010 von dem einzigartigen Kunstprojekt ÜBER WASSER GEHEN begleitet. Es handelt sich hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt der Partner Bergkamen, Bönen, Dortmund, Kamen, Lünen, Unna, Kreis Unna und dem Regionalverband Ruhr. Zwölf internationale Künstler kreierten dafür temporäre und permanente Kunstwerke, die am Flussufer platziert wurden. Die kreativen Installationen, die mit dem Thema Wasser zu tun haben, dienen als besondere Anregung den Seseke-Weg zu befahren und sorgen für ein unvergessliches Erlebnis.

Seseke-Weg Bönen

Seseke-Weg Bönen

Unsere Radtour beginnt in Bönen, wo wir uns an der Radstation der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ein Fahrrad ausleihen. Bevor wir vom „Treffpunkt Seseke-Weg“ am Butterwinkel in Flierich, der gleichzeitig ein Aussichtshügel ist, losfahren, genießen wir noch die Aussicht. Im Ort  Bönen Flierich gibt es zudem eine entzückende kleine Kirche aus dem 12. Jahrhundert und Fachwerkhäuser zu besichtigen. Wir folgen dem Radweg, der uns durch grüne Ackerlandschaften führt. Der Seseke-Weg wird zu einem straßenbegleitenden Radweg. Anschließend folgen wir ungefähr 2 km lang der Kamenerstraße und durchfahren das Naturschutzgebiet Sandbachtal, wo der Sandbach, ein Nebenfluss der Seseke, hindurch fließt. Danach biegen wir rechts in die Kleystraße ab und radeln einen schmalen und asphaltierten  Wirtschaftsweg

Seseke-Weg Kinderbilder am Radweg

Seseke-Weg Kinderbilder am Radweg

entlang. Hier dehnt sich das Rückhaltebecken der Seseke aus.

Wir nähern uns langsam dem Bönener Förderturm Ostpol, den man schon während der Fahrt, länger im Blickwinkel hat. Schon bald springen uns bunte Kinderbilder ins Auge, die am Fluss Zaun des Radweges montiert sind. Nach dem wir am Schwarzen Weg die Bahnstrecke Unna-Hamm überquert haben, treffen wir am Zechengelände Königsborn in Bönen ein. Ein paar nette Spaziergänger erzählen uns, dass der Förderturm Ostpol ein bedeutungsvolles Industriedenkmal  und das Wahrzeichen Bönens ist. Nachts erstrahlen der Ostpol und der 100 km entfernte Förderturm Rossenray des Bergwerkes West, durch die Lichtinstallation Yellow Marker in einem gelben Licht und versinnbildlichen damit eine Verbindung zwischen Ost und West.

Seseke-Weg Förderturm Ostpol Bönen

Seseke-Weg Förderturm Ostpol Bönen

Seseke-Weg ,,Abnehmende Aussicht"  ÜBER WASSER GEHEN Bönen

Seseke-Weg ,,Abnehmende Aussicht” ÜBER WASSER GEHEN Bönen

Vom Schwarzen Weg folgen wir der Beschilderung, welche uns an einer Kläranlage am Rexebachweg entlang führt. Wir fahren weiter auf den Landstraßen entlang des Flusses und freuen uns das erste Kunstwerk des Projektes ÜBER WASSER GEHEN anzutreffen. ,,Abnehmende Aussicht“ (2010) vom Künstler Bogomir Ecker zeigt fünf Straßenlaternen, die den Rexebach beleuchten. Zudem sind an jeder Lampe rote Überwachungskameras angebracht. Die Installation bildet eine Szenerie der behaupteten Beobachtung an einem ansonsten unbeobachteten Bachabschnitt und spielt mit Realität und Fiktion.

Wir überqueren die Stadtgrenze nach Kamen und legen in Heeren-Werve an dem ersten Rastplatz an der Seseke Brücke eine kleine Pause ein, um das zweite Kunstwerk von ÜBER WASSER GEHEN zu begutachten. ,,Here comes the rain“ (2013) von Köberling/Kaltwassee zeigt Modelhäuser des 20. und 21. Jahrhunderts im Maßstab 1:10. Es repräsentiert drei Modellhäuser in jeweils unterschiedlichen Baustilen. Zwei der aus Beton und Edelstahl bestehenden Häuser befinden sich auf der einen Seite des Flusses und eins auf der

Seseke-Weg  ,,Here comes the rain" UNTER WASSER GEHEN Heeren-Werve

Seseke-Weg ,,Here comes the rain” UNTER WASSER GEHEN Heeren-Werve

anderen Seite. Der enorme Größenunterschied zwischen dem Fluss und den Häuser soll die Anfälligkeit von Naturkatastrophen wiederspiegeln.

So langsam nähern wir uns dem nächsten Kunstwerk, welches sich in der Nähe von Eisenbahnstrecken befindet. Der ,,Wachsende Steg“ vom Bureau Baubotanik ist ein weißer, in den Bäumen versteckter Aussichts-Stahlsteg. Dieser ist so zugewachsen, dass man zwei Mal hinschauen muss um ihn zu finden. Direkt in der Nähe befindet sich  die Fünf-Bogen-Brücke (1846), welche einer der ältesten und im Originalzustand befindenden Brücken in Deutschland ist und die Seseke und den Radweg überquert.

Die ländliche Landschaft ändert sich so langsam in eine städtische, da wir uns jetzt mitten in Kamen befinden. Wer möchte kann den berühmten schiefen Kamener Kirchturm besichtigen. Wir durchfahren ein Gewerbegebiet, erblicken das Fördergerüst der Zeche Monopol und folgen der Beschilderung, die uns zum Kunstwerk

Seseke-Weg ,,Pixelröhre" UNTER WASSER GEHEN Kamen

Seseke-Weg ,,Pixelröhre” UNTER WASSER GEHEN Kamen

,,Pixelröhre“ (2010) führt. Das Werk von Winter/ Hörbelt repräsentiert eine Röhre, die an einen Abwasserkanal erinnern soll. Das einzigartige an der Röhre ist ihre komplette spiegelartige Fläche. Wenn man durch die Röhre hindurch sieht, blickt man auf die Mündung des Körnebachs. Danach überfahren wir die Zufahrt der Kläranlage Kamen-Körnebach und lassen Kamen-Mitte hinter uns.

Seseke-Weg ,,JETZT" UNTER WASSER GEHEN Kamen

Seseke-Weg ,,JETZT” UNTER WASSER GEHEN Kamen

Wir befinden uns nun im Vorort Methler und radeln weiter zum Kunstwerk ,,JETZT, wo der Braunbach in die Seseke fließt. Christian Hasucha  kreierte eine große Wand aus Gabionen. Gabionen sind Stahlkäfige, die mit Steinen gefüllt sind. In der Mitte sind Buchstaben freigelassen, die das Wort JETZT formen. Das Werk beschreibt einen Moment, welcher aber im nächsten Moment schon wieder in der Vergangenheit liegt. Die Buchstaben bieten es an, eine kurze Sitzpause einzulegen.

Der Radweg führt uns nun an einer Autobahn und einem Privatfriedhof vorbei. In der Ferne sind die Rauchwolken des Trianel- Kraftwerkes von Lünen zu sehen, welche als Orientierungsstütze dient. Der Radweg sowie auch der Fluss nehmen in dem Teil der Strecke eine S-Form an. Genau dort befindet sich das Kunstwerk ,,Line of Beauty-das fünfte Klärwerk. Die Künstlerin Susanne Lorenz erschuf hier eine Art biologischen Wasserfilter und stellt den historischen

Seseke-Weg ,,Line of beauty-Das fünfte Klärwerk" UNTER WASSER GEHEN

Seseke-Weg ,,Line of beauty-Das fünfte Klärwerk” UNTER WASSER GEHEN

Verlauf des Flusses und der Kanalisierung dar. Nach kurzer Dauer haben wir Bergkamen erreicht. Wir fahren weiter und entdecken auch schon das

Seseke-Weg  ,,Landschaft im Fluss" UNTER WASSER GEHEN

Seseke-Weg ,,Landschaft im Fluss” UNTER WASSER GEHEN

nächste Kunstwerk ,,Die Landschaft im Fluss“ von Thomas Stricker.  In dem Fluss ist eine Insel zu sehen, die von Sumpfzypressen bewachsen ist. Wir nehmen uns ein Moment, setzen uns auf die Bank am Rastplatz und genießen die Sicht auf die wundervolle Landschaft.

Nach einer kurzen Pause überqueren wir nun eine Brücke und passieren dabei die Stadtgrenze nach Lünen, an dieser Stelle ist der Radweg am weitesten vom Fluss entfernt. An einer Gärtnerei und weiteren Feldern vorbei führt der Weg uns langsam wieder ans Ufer, wo wir ,,Hogarth’s Dream“, das letzte Kunstwerk auf dem Seseke-Weg

Seseke-Weg ,,Hogarth's Dream" ÜBER WASSER GEHEN

Seseke-Weg ,,Hogarth’s Dream” ÜBER WASSER GEHEN

bestaunen können. Diemut Schilling kreierte eine gewellte, hölzerne Bank optisch im Stil der ,,Line of beauty“.

Unser nächstes Ziel ist der Seepark Lünen, wo wir uns ein Eis gönnen und unsere Reise für heute beenden. Im Großen und Ganzen war es ein sehr gelungener Ausflug. Die Radwege waren größtenteils asphaltiert, leicht befahrbar und gut beschildert. Wer seinen Ausflug noch weiter führen möchte hat die Möglichkeit, seine Radtour auf einen der anschließenden Radwege, wie zum Beispiel auf dem Emscher-Park Radweg auszuweiten. In der  Umgebung befinden sich des Weiteren die Zeche Grillo, Victoria und Zeche Königsborn denen man auch noch einen Besuch abstatten kann. Für Panoramaausblicke kann man die Halde Große Holz und die Preußenhalde besteigen, die sich im Umkreis befinden.