Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Radfahren im Emscher Landschaftspark: Die Erzbahntrasse

Radfahren im Emscher Landschaftspark: Die Erzbahntrasse

Wasserturm an der Jahrhunderthalle, Westpark Bochum

Wasserturm an der Jahrhunderthalle
Westpark
Bochum

Wir sind heute mal wieder sportlich im Emscher Landschaftspark unterwegs. Denn wir machen eine Fahrradtour über den Panoramaweg Erzbahntrasse, der den Westpark Bochum mit dem Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen verbindet. Wie der Name schon verrät, wurde die Erzbahn einst genutzt, um einerseits Erze vom Hafen Grimberg in Gelsenkirchen zu den umliegenden Hüttenwerken des „Bochumer“- und des „Schalker Vereins“ zu transportieren und andererseits, um Steinkohle und Koks von dem umliegenden Zechen zum Hafen zu bringen. Aber das ist alles Historie. Denn als die Erzbahn ab 1993 nicht mehr für den industriellen Transport genutzt wurde, wurde sie zu einem attraktiven Rad- und Wanderweg in der Metropole Ruhr ausgebaut. Da zur Zeit ihres Baus bereits verschiedene Eisenbahnstrecken in der Region vorhanden waren, wurde die Erzbahn auf einem 15 Meter hohen Damm errichtet. Wenn ihr auf der Erzbahntrasse unterwegs seid, werdet ihr das schnell bemerken: Insgesamt führt euch der Panoramaweg über 15 architektonisch wertvolle Brücken. Zudem gibt es viele interessante Sehenswürdigkeiten der Metropole Ruhr entlang der Trasse zu sehen, wie beispielsweise die Zeche Carolinenglück,die dazugehörige Glückauf-Siedlung, die Zeche Hannover 1/2/5, die Arbeitersiedlung Dahlhauser Heide und die noch vorhandenen Anlagen der Zechen Pluto-Wilhelm und Unser Fritz 2/3.

Wir starten unsere winterliche Radtour im Westpark Bochum. Dort fahren wir zunächst an der Jahrhunderthalle vorbei, die einer der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur ist. Da es noch früh am Vormittag ist und noch ein wenig Raureif auf der Halle liegt, erscheint uns die Industriekathedrale heute in einer ganz besonders stimmungsvollen Atmosphäre. Hinter der Jahrhunderthalle blitzt bereits  die spektakuläre Konstruktion der Erzbahnschwinge auf. Wir fahren über den Wassergraben im Westpark die Anhöhe hinauf und nähern uns der in S-Form schwingenden Brücke, die mit Drahtseilen befestigt und ein architektonisches Meisterwerk ihres Ingenieurs Professor Jörg Schlaich ist. Wir bleiben ein paar Minuten oben auf der Brücke stehen, lassen uns den Wind um die Nase wehen und beobachten das Geschehen um uns herum. Unter uns fahren Autos entlang und neben uns wagen sich ein paar Läuferinnen und Läufer in sommerlicher Bekleidung auf die Erzbahnschwinge. Brr, da sind wir richtig froh, dass wir uns zuhause so dick eingepackt haben. Weiter

Jahrhunderthalle Bochum Westpark

Jahrhunderthalle
Westpark
Bochum

geht’s, schließlich haben wir ja noch 10 Kilometer vor uns. Als nächstes kommen wir an der ehemaligen Zeche Carolinenglück vorbei, von der heute noch der Malakowturm und das Strebengerüst der Bauart Zschetzsche erhalten sind, die wir von der Trasse aus bewundern können. Die Fahrt auf der Erzbahntrasse ist sehr angenehm. Der Radweg ist wunderbar ausgebaut, es gibt keine Steigungen, er ist überall asphaltiert und selbst wenn ihr noch ungeübte Radfahrer und Radfahrerinnen seid, ist die Erzbahntrasse eine tolle Strecke für den Einstieg. Unsere nächste Station ist die  Arbeitersiedlung Dahlhauser Heide, im Volksmund auch „Kappes-Kolonie“ genannt, die zwischen 1907 und 1915 nach dem Vorbild der englichen Gartenstadt erbaut worden ist. Dazu müssen wir die Erzbahntrasse allerdings verlassen, um in die Siedlung in Bochum-Hordel zu gelangen. Die Häuser dort erinnern uns an westfälische Bauernhöfe. Kein Wunder, denn sie sind im sogenannten „Heimatstil“ gebaut, der der Siedlung bewusst einen dörflichen Charakter und eine heimatliche Idylle verleiht. Wir drehen eine Runde durch diese besondere Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets, die seit Ende der 1970er Jahre unter Denkmalsschutz steht und fahren wieder zurück auf die Erzbahntrasse. An der sogenannten „Roten Brücke“, die Erzbahnbrücke 4 geht ein Weg zur ehemaligen Zeche Hannover ab, die heute  einer der acht Standorte des LWL-Industriemuseums ist. Für die Arbeiter der Zeche Hannover wurde übrigens auch die Dahlhauser Heide errichtet. Das Museum werden wir auf jeden Fall das nächste Mal besuchen, wenn wir wieder auf der Erzbahntrasse unterwegs sind. Aber heute ist der Weg unser Ziel und wir radeln weiter in Richtung Gelsenkirchen.

Zeche Carolinenglück, Bochum

Zeche Carolinenglück
Bochum

Da wir mittlerweile hungrig geworden sind, legen wir eine Pause an der Erzbahnbude ein, einem Kiosk mit Getränken und kleinen Snacks, wo wir uns auf die bereitgestellten Sitzbänke niederlassen. Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, gesellt sich ein älteres Ehepaar zu uns. Es sind Christa und Uwe, die wie wir heute das klare, sonnige Winterwetter bei einer Fahrradtour genießen. „Seitdem wir beide in Rente sind, erkunden wir regelmäßig die Radstrecken des Ruhrgebiets. Einerseits um uns fit zu halten, anderseits um neue Orte und Wege hier zu entdecken“, erzählt uns Christa. „Genau, und im Sommer kommen dann auch noch die Enkel und der Picknickkorb mit“, fügt Uwe schmunzelnd hinzu. Im Gegensatz zu uns wollen die beiden zum Landschaftspark Mechtenberg fahren. An der Erzbahnbude zweigt nämlich der Radweg „Kray-Wanner-Bahn“ ab, der die Erzbahntrasse mit dem Zollvereinweg verbindet und direkt zum Landschaftspark Mechtenberg führt. Zu diesem gehört zum einen der Mechtenberg, einer der wenigen natürlichen Hügel der Metropole Ruhr, und zum anderen die Halde Rheinelbe mit ihrer Landmarke „Himmelstreppe“ von Herman Prigann, die  zu den Panoramen der Route der Industriekultur gehört.

Will man noch weitere spannende Erlebnisorte im Emscher Landschaftspark erkunden, fährt man über den Zollvereinweg weiter zum UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen mit dem Zollverein Park, der mit seiner spannenden Industrienatur immer einen Ausflug wert ist. Und von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung zur Schurenbachhalde und zum Nordsternpark in Gelsenkirchen, die man über die Panoramatrasse Nordsternweg erreichen kann. Wir finden es richtig klasse, dass das gesamte Wegenetz im Emscher Landschaftspark so gut ausgebaut ist. Mithilfe mehrerer Brückenbauten könnt ihr einfach und schnell über zahlreiche  Panoramawege die Industriekultur und die Industrienatur erleben und von einem spannenden Erlebnisort zum anderen gelangen. Und das ist ja auch genau das Besondere, das den Emscher Landschaftspark so attraktiv macht. Die Ausflüge zum Landschaftspark Mechtenberg, zum Zollverein Park, zur Schurenbachhalde und zum Nordsternpark heben wir uns allerdings für einen anderen schönen Sonnentag auf und radeln weiter auf der Erzbahntrasse. Dabei überqueren wir eine weitere der 15 Brücken der Erzbahntrasse, die Pfeilerbrücke, die direkt hinter der Erzbahnbude beginnt. Ab 1918 als Anbindung an die Zeche Alma gebaut, ist sie die längste Brückenkonstruktion der Erzbahn und besteht aus drei verschiedenen Abschnitten. Sie wirkt riesig auf uns, mit ihrer Höhe von fast 15 Metern und ihrer Länge von 265 Metern. Von der Brücke

Erzbahnbrücke 4, Erzbahntrasse, Bochum

Erzbahnbrücke 4
Erzbahntrasse
Bochum

aus blicken wir ein paar Minuten auf die grüne Natur unter uns, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Die nächsten beiden Orte, an denen wir vorbei radeln, sind die Halde Pluto-Wilhelm, die Halde Unser Fritz 2/3 und die ZOOM Erlebniswelt. Als wir schließlich das Ende der Erzbahntrasse erreichen, staunen wir nicht schlecht. Das Konstrukt, das vor uns liegt, sieht ähnlich schwungvoll aus, wie die Erzbahnschwinge, an der wir gestartet sind. Allerdings ist diese Brücke nicht S-förmig, sondern macht einen großen Bogen über dem Rhein-Herne-Kanal. Es ist die Grimberger Sichel, eine der spektakulärsten Brückenbauten im Emscher Landschaftspark. Wusstet ihr, dass die Grimberger Sichel sogar mit dem European Steel Bridges Award 2010 ausgezeichnet wurde, der sie als  herausragende Stahl-Brückenkonstruktion würdigt? Und das völlig zu Recht, wie wir finden.

Für heute haben wir unser Ziel erreicht und lassen die ganze Radtour noch einmal Revue passieren.  Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir sind immer noch beeindruckt davon, wie viel wir in den letzten beiden Stunden gesehen haben. Es wird natürlich nicht unsere letzte Fahrradtour im Emscher Landschaftspark gewesen sein, da es hier so viele spannende Strecken zu entdecken gibt. Erkundet die Metropole Ruhr doch auch mal auf zwei Rädern. Andere tolle Radwege sind zum Beispiel der Seseke-Radweg von Bönen nach Lünen, der Springorum Radweg in Bochum oder der Grüne Pfad von Oberhausen nach Duisburg. Oder sucht euch eine spannende Schnitzeljagd durch den Emscher Landschaftspark aus. Wofür ihr euch auch entscheidet: Wir wünschen euch eine gute Fahrt und viel Spaß mit eurem Rad im regionalen Park der Metropole Ruhr! ☺