Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Radfahren im Emscher Landschaftspark: Die Bahntrasse Gruga-Heißen

Radfahren im Emscher Landschaftspark: Die Bahntrasse Gruga-Heißen

Bahntrasse Gruga-Heißen

Bahntrasse Gruga-Heißen
Essen/Mülheim

Endlich hat die Freiluftsaison begonnen und wir nutzen das schöne Wetter für eine Radtour durch den frühlingshaften Emscher Landschaftspark. Wir holen unser Fahrrad aus dem Keller und machen uns auf den Weg zur ehemaligen Bahntrasse Gruga-Heißen, die von Essen-Rüttenscheid bis nach Mülheim führt. Wo wir heute gemütlich entlang radeln können, rauschten zu Zeiten der Montanindustrie noch die Güterzüge entlang. Denn wie viele weitere Bahntrassen in der Metropole Ruhr diente auch die Trasse Gruga-Heißen einst dazu, um die verschiedenen Hütten- und Bergwerke der Region miteinander zu vernetzen. So brauchte man die Gruga-Heißen-Trasse vor allem, um die umliegenden Fabriken mit Kohle aus den Gruben im Ruhrtal zu versorgen.

Doch das liegt lange Zeit zurück. Heute wird das außergewöhnliche Erbe der Metropole Ruhr anders genutzt. Seit 2001 ist der Bahnverkehr der Gruga-Heißen-Trasse komplett stillgelegt. Die Strecke  wurde zu einem attraktiven Rad- und Wanderweg umgebaut, der zu sportlicher Aktivität und ausgiebigen Spaziergängen einlädt. Und so kann man seit 2005 den Streckenabschnitt vom Grugapark bis nach Mülheim-Heißen entlang radeln und spannende Standorte der Industriekultur und Industrienatur in der Metropole Ruhr entdecken.

Und nicht nur hier ist damit ein wahres Paradies für Radfahrer und Radfahrerinnen entstanden, denn durch das ausgebaute Radwegnetz lässt sich der gesamte Emscher Landschaftspark bequem per Rad erkunden. Der Emscher Park Radweg verknüpft als Rundweg von Duisburg bis Hamm mit einer Länge von 230 Kilometern viele Ankerpunkte der Route der Industriekultur und Standorte des Emscher Landschaftsparks miteinander. Die Erzbahntrasse und der Springorum Radweg in Bochum oder der Seseke-Weg, der von Bönen nach Lünen führt, sind ebenfalls wunderbare Strecken für abwechslungsreiche Radtouren und ausgiebige Spaziergänge durch die Metropole Ruhr.

Bahntrasse Gruga-Heißen

Bahntrasse Gruga-Heißen
Essen/Mülheim

Wir beginnen unseren Ausflug am malerischen Grugapark im Essener Süden, wo der Streckenabschnitt der Gruga-Heißen-Trasse anfängt. Eine Infotafel erzählt uns die Geschichte der Trasse. Wusstet ihr, dass früher alle Eisenbahngesellschaften in privater Hand lagen? Die Gruga-Heißen-Trasse war im Besitz der sogenannten Rheinischen-Eisenbahn-Gesellschaft, eine der vier großen Eisenbahngesellschaften im Ruhrgebiet. Um für einen lückenlosen Transport zu sorgen, verbanden die Eisenbahngesellschaften schon vor ihrer Verstaatlichung ihre verschiedenen Eisenbahnstrecken zu einem zusammenhängenden Netz.

Bevor wir losfahren werfen wir einen Blick nach links, auf die 65 Hektar große Parkanlage des Grugaparks. 1929 wurde der Park eröffnet und zwar als erste Gartenausstellung Deutschlands. Seitdem ist der Grugapark ein idyllischer Ort für jeden, der Erholung vom Trubel der Stadt sucht. Mit seinem botanischen Garten, einem Tierpark, den Spiel-, Sportplätzen und riesigen Liegewiesen ist er ein wunderschönes Ausflugsziel, um die Seele baumeln zu lassen.
Während der ersten Meter unserer Radtour können wir den weitläufigen Park noch eine Weile links von uns sehen, bis sich schließlich ein Hügel neben uns erhebt und wir die Fläche nicht mehr überblicken können. Das nächste Straßenschild macht uns auf die Siedlung Margaretenhöhe aufmerksam. Auch wenn wir gerade erst in Schwung gekommen sind, halten wir für einen kleinen Abstecher in diesen hübschen Stadtteil an, denn die Margarethenhöhe gilt als erste Gartenstadt Deutschlands und als ein Beispiel für menschenfreundliches Wohnen in der Stadt. Gegründet wurde sie von Margarethe Krupp, der Witwe des bekannten Industriellen und Unternehmers Friedrich Alfred Krupp. Mit der Margaretenhöhe wurden günstige Wohnbedingungen für Mitarbeiter des Krupp-Konzerns geschaffen, die die Vorteile des Stadt- und Landlebens in sich vereinen. Auch heute bietet sie für rund 7.000 Essener ein besonderes, schönes Zuhause. Um in die Siedlung zu gelangen, gehen wir einen Hang links des Weges hoch und schon stehen wir inmitten des heimeligen Stadtteils. Die einheitlichen Reihenhäuser sind mit grünem Efeu bewachsen und in den Vorgärten blühen bunte Frühlingsblumen. Besonders gut gefallen uns die kleinen Gassen mit ihren klingenden Straßennamen, wie „Trautes Heim“ oder „Sonnenblick“. Wir drehen eine Runde über den rechteckigen gemütlichen Marktplatz und radeln schließlich weiter.

Bahntrasse Gruga-Heißen

Bahntrasse Gruga-Heißen
Essen/Mülheim

Wir genießen den Weg, der ohne große Anstrengung zu fahren ist, denn er führt ohne jegliche Steigungen oder Unterbrechungen durch Kreuzungen geradewegs nach Mülheim. Neben uns nutzen viele Jogger und Joggerinnen die gut befestigte Strecke. Der Wegesrand ist gesäumt mit Bänken, die zum Verweilen einladen. Die Vögel zwitschern und wir freuen uns über die ersten weißen Blüten der Sträucher. Rechts von uns plätschert fröhlich der Borbecker Mühlenbach. Eine Infotafel der Emschergenossenschaft erklärt uns, dass im Rahmen des Emscher-Umbaus viele Projekte für die Renaturierung offener Schmutzwasserquellen umgesetzt wurden. Und so verbesserte sich auch hier am Borbecker Mühlenbach die Wasserqualität enorm und ist nun abwasserfrei. Viele Tiere und Pflanzen sind in das grüne Biotop zurückgekehrt. Wir betrachten eine Weile das klare Wasser des Bachs, der sich fast die gesamte Strecke rechts neben uns her schlängelt und entdecken viele kleine Fische, die sich zwischen den Steinen im klaren Wasser verstecken. Auf der anderen Seite des Ufers putzt sich ein Wasservogel das Gefieder und lässt sich auch von unseren neugierigen Blicken nicht aus der Ruhe bringen.

Gemütlich folgen wir dem Weg unter sanierten Eisenbahnbrücken und Tunneln hindurch, vorbei an den anliegenden Essener Stadtteilen Holsterhausen und Fronhausen. Nach kurzer Zeit ist auch schon das Rhein-Ruhr-Zentrum in Mülheim ausgeschildert. Hier machen wir uns auf den Rückweg und lassen den Ausflug mit einem leckeren Eis auf dem sonnigen Marktplatz der Margaretenhöhe ausklingen.

Übrigens: Falls ihr noch weiter durch den Emscher Landschaftspark radeln wollt, leitet euch die Gruga-Heißen-Trasse geradewegs auf die Rheinische Bahn weiter. Die Rheinische Bahn bildet das westliche Teilstück des Radschnellwegs Ruhr RS1, das seit Mai 2015 vom Rheinischen Platz in Essen bis an die Stadtgrenze in Mülheim führt. In Zukunft soll der Radschnellweg RS1 noch weiter ausgebaut werden, um schließlich auf 101 Kilometern als „der schnellste Weg durchs Revier“ von Duisburg bis Hamm die gesamte Metropole Ruhr zu vernetzen.