Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
PicknickSlam Emscher Landschaftspark in Essen

PicknickSlam Emscher Landschaftspark in Essen

Es regnet. Nein, es gießt. Es gießt wie aus Eimern – Dabei ist es genau 18 Uhr, und wir wollen doch los in den Emscher Landschaftspark in den ZOLLVEREIN Park auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein, wo heute der PicknickSlam Emscher Landschaftspark stattfinden soll. Da aber im Internet geschrieben steht, dass die Veranstaltung bei Regen trotzdem stattfinden soll, schnappen wir uns Decke und Pulli und machen uns auf den Weg in den Essener Norden.

PicknickSlam Emscher Landschaftspark

Picknick “Unter freiem Himmel 2016″

Auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes angekommen, werden wir von der faszinierenden Kulisse der ehemaligen Steinkohlezeche begrüßt. Vorbei am Ruhr Museum bahnen wir uns den Weg in Richtung ZOLLVEREIN Park. Auch wenn wir aus Essen kommen und uns das Gelände der Zeche nicht fremd ist, ist es aber dennoch zu groß, als dass wir genau wüssten, wohin wir laufen müssen. Deswegen sind wir froh als wir nach ein paar Metern Fußweg direkt den gelben Informationsstand des Emscher Landschaftsparks entdecken. Dort werden wir von zwei jungen Damen begrüßt, die uns nicht nur den Weg zum heutigen PicknickSlam Emscher Landschaftspark weisen, sondern uns auch mit Broschüren über den Emscher Landschaftspark und Foldern für die nächsten Veranstaltungen, insbesondere im Rahmen des ErlebnisprogrammsUnter freiem Himmel“, versorgen: Das StreetFoodPicknick Emscher Landschaftspark am Tetraeder auf der Halde Beckstraße im August, gefolgt vom MusikPicknick Emscher Landschaftspark am PHOENIX See in Dortmund und dem Genießermarkt Emscher Landschaftspark am Haus Ripshorst im September. „Das hört gleich auf zu regnen!“, sagt eine andere Wegsuchende unter einem großen, grünen Regenschirm – und sie soll Recht behalten. Sie klemmt sich noch schnell eine Picknickdecke unter den Arm: „Die bekommt ihr kostenlos als Dankeschön, wenn ihr einen Feedback-Bogen zum Erlebnisprogramm Emscher Landschaftspark ausfüllt!“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, zu gut ist uns noch das SunsetPicknick Emscher Landschaftspark auf der Halde Hoheward in Herten/Recklinghausen in Erinnerung.

Jason BArtsch Logo

Moderator Jason Bartsch

Anschließend laufen wir über die Gleisharfe in den ZOLLVEREIN Park zum Färbergarten. Vor dem ehemaligen Stellwerkhäuschen warten schon einladende rote Picknickdecken und Liegestühle nur darauf, besetzt zu werden. Wir machen es uns sofort bequem. Gegen 19.30 Uhr geht es los. Moderator Jason Bartsch betritt die Bühne und führt mit viel Witz und Charme durch den Abend und erfreut das Publikum mit kurzen Anekdoten. Fünf Slammer und Slammerinnen wetteifern heute um die Dichterkrone im Emscher Landschaftspark: Noah Klaus, Jay NightwindOlga LakritzYannick Steinkellner und Sandra Da Vina begeistern die Zuhörenden mit ihren selbst geschrieben Texten, so dass die Abstimmungen darüber, wer letztendlich ins Finale einziehen darf, äußerst knapp ausfällt.

Sandra Da Vina ist die erste Finalistin. Sie präsentiert einen Text über den ersten Kuss, fragt sich, warum Liebende manchmal so zögernd sind, möchte Küsse, Liebe, Taten: „Worauf warten wir?“ – und fordert am Ende auch uns auf, romantisch aktiv zu werden: „Worauf wartet ihr?“. Begeisterter Applaus und der Einzug in die Endrunde ist ihr damit gewiss. Bevor die nächste Slamrunde startet, ist erstmal Pause. Wir schlendern zum Fruchtflitzer und zum Imbisswagen und versorgen uns mit Snacks und Getränken.

Publikum PicknickSlam Emscher Landschaftspark

Publikum PicknickSlam Emscher Landschaftspark

Während ich mit einem Kaffee in der Hand auf meine „bitte nicht scharf“ – Currywurst warte, erzählt mir eine andere Wartende wie schön sie den PicknickSlam Emscher Landschaftspark inmitten der Industrienatur findet. Sie habe schon ein paar Poetry Slams besucht, aber selten vor einer so außergewöhnlichen Kulisse. Und das finden wir auch: Trotz des Wetters haben wirklich außerordentlich viele Menschen den Weg zum ZOLLVEREIN Park gefunden. Das Publikum ist dabei sehr gemischt: Jung und Alt tummeln sich auf der Wiese, kuscheln sich in ihre Decken, snacken kleine Speisen und sind ganz Ohr sobald einer der Slammer und Slammerinnen die Bühne betritt. Deren Worte berühren, haben Strahlkraft und Tiefe; sie amüsieren und regen gleichzeitig zum Denken an; sie treffen den richtigen Ton, sind politisch und humoristisch. Der Österreicher Yannick Steinkellner verbindet seine Sätze in so beeindruckender Art und Weise miteinander, dass sie so fließend strömen, wie es eben noch der Regen getan hat.

Während wir weiter aufmerksam zuhören, ertappen wir uns auch immer wieder dabei, die Umgebung zu bewundern: Die Wolken des Himmels, über dessen Bedeutung Olga Lakritz vorher in einem ihrer Texte philosophiert (Warum gibt es im Deutschen nur das Wort „Himmel“ für den Wohnort der Engel und den Raum über der Erde, im Englischen aber die Unterscheidung zwischen „heaven“ und „sky“?) haben sich mittlerweile orange verfärbt, das backsteinfarbende Stellwerk wird von blauen Scheinwerfern angestrahlt, der Färbergarten Zollverein macht seinem Namen alle Ehre. „Gonito ergo sum – Ich gönne also bin ich“, sagt der Gewinner des Abends Noah Klaus in seinem Text über die Philosophie des “Sich-hart-Gönnen-Könnens”, der sich wie ein wissenschaftlicher Aufsatz mit den kleinen und großen Freuden des Lebens auseinandersetzt. Noah spricht uns damit aus der Seele, so haben wir uns heute einen schönen Abend gegönnt! Etwas durchgefroren, aber rundum beseelt, schlendern wir zurück zum Parkplatz. Fazit des PicknickSlams Emscher Landschaftspark: „Am Ende überwiegt beides“, um mal aus Jay Nightwinds Text „Lukas Podolski“ zu zitieren – Das Bedauern, dass ein so schöner Abend zu schnell umgegangen ist und die Freude auf die nächsten Veranstaltungen des Erlebnisprogramms Emscher Landschaftspark vor der Kulisse von Industrienatur und Industriekultur, die wir uns auf jeden Fall auch „hart gönnen werden“.