Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
“Park der 5 Hügel” im Emscher Landschaftspark: Der Krupp-Park in Essen

“Park der 5 Hügel” im Emscher Landschaftspark: Der Krupp-Park in Essen

1811 gründete der Unternehmer Friedrich Krupp eine Gussstahlfabrik in Essen. Acht Jahre später vergrößerte er die Fabrikation und eine neue Anlage ging vor dem Limbecker Tor in Essen-Altendorf in Betrieb. Unter seinem Sohn, Alfred Krupp, vergrößerte sich die Krupp-Gussstahlfabrik rasant und stieg in den 1870er Jahren zum größten Unternehmen Europas auf, das sich mit seinen Industriebauten, Versorgungsapparaten, Verkehrsanlagen und Arbeitersiedlungen über eine Fläche von 360 Hektar erstreckte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werksgelände schwer zerstört, erhaltene Fabrikgebäude wurden demontiert und das Areal fiel brach. Rund 200 Jahre lang war es nicht zugänglich für die Öffentlichkeit, die alten Industrieanlagen machten eine Verbindung der Stadtteile Essen-Mitte und Essen-Altendorf unmöglich. Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes „Krupp Gürtel“ wurde schließlich die Thyssen-Krupp-Hauptverwaltung auf dem alten Werksgelände der ehemaligen Gussstahlfabrik errichtet und das Areal zu einem hochwertigen Büro-, Gewerbe- und Wohnstandort im Emscher Landschaftspark entwickelt. Dabei durfte natürlich auch ein attraktiver Erlebnisort für die Naherholung nicht fehlen – und so schlug 2009 die Geburtsstunde des Krupp-Parks, der nicht nur zu einem besseren urbanen Klima und einer nachhaltigen ökologischen Stadtentwicklung im Essener Westen beiträgt, sondern auch die für lange Zeit getrennten Stadtquartiere wieder enger zusammenrücken lässt.

Rheinische Bahn – Abschnitt Essen Brücke Helenenstraße Krupp-Park Essen

Rheinische Bahn – Abschnitt Essen
Brücke Helenenstraße
Krupp-Park
Essen

Wir schauen uns diese grüne Oase im Emscher Landschaftspark zwischen der City Essen und dem Stadtteil Altendorf heute einmal genauer an. Der Krupp-Park ist insgesamt etwa 23 Hektar groß, rund 1,3 Kilometer lang und bildet im Krupp-Gürtel den westlichen Abschluss des neuen Stadtquartiers. Wir betreten den Park an der Nordseite durch einen Torbogen, der in einer von Gittern umfassten Steinmauer eingelassen ist. Uns fallen sofort die vielen Radfahrerinnen und Radfahrer auf, die uns auf unserem Weg sowohl überholen als auch entgegen kommen. Wo die wohl alle herkommen und hinwollen? Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Die Rheinische Bahn, eine der attraktiven Rad- und Wandertrassen in der Metropole Ruhr, läuft hier entlang. Sie bildet mit einer Länge von rund 10 Kilometern das westliche Teilstück des geplanten RS1 – Radschnellweg Ruhr, der parallel zur A 40 angelegt werden soll, und lädt bereits jetzt schon zum schnellen Pendeln mit dem Rad zwischen Essen und Mülheim an der Ruhr ein – ohne nennenswerte Kreuzungen und Steigungen. Da die Rheinische Bahn bis zum Universitätsviertel führt, ist sie insbesondere für Studierende attraktiv, die über die Trasse schnell und bequem zu ihren Vorlesungen radeln können. So wie Jamela, die wir am Parkeingang treffen. „Ich fahre jeden Tag mit dem Rad über die Rheinische Bahn zur Uni. Selbst bei Regen“, erzählt sie uns. Ganz schön sportlich – und umweltbewusst obendrein!

Während Jamela und die anderen Radfahrerinnen und Radfahrer den Weg nach rechts wählen, um weiter auf der Panoramatrasse zu radeln, bleiben wir erst einmal stehen und lassen den Anblick auf uns wirken, der sich vor uns auftut. Denn wir stehen direkt an einem kleinen See mit Seeplateau und Amphitheater, der von Schilf und Gräsern umgeben ist und in der warmen Sonne funkelt und glitzert. Auf dem Wasser schwimmen Enten und Gänse, Libellen schwirren im Schilf umher. Wir können es kaum glauben, dass dieser See mit dem Regen von den Dächern des ThyssenKrupp Quartiers gespeist wird. Aber genau so ist es: Das Regenwasser wird von den Dächern über einen Kanal zum Krupp-Park geleitet, wo es wieder über einen Düker an die Oberfläche kommt und über mehrere Gräben in den See gelenkt wird. Über einen Kanal gelangt es außerdem zum Borbecker Mühlenbach, einem Nebenlauf der Emscher. So wird gleichzeitig auch der ökologische Umbau der Emscher und ihrer Zuflüsse zu sauberen Wasserläufen und einer naturnahen urbanen Flusslandschaft unterstützt.

Panoramablick auf das ThyssenKrupp Quartier Krupp-Park Essen

Panoramablick auf das ThyssenKrupp Quartier
Krupp-Park
Essen

Wir laufen um den See herum zum Seeplateau und dem kleinen Amphitheater und dort wird uns auch klar, warum der Krupp-Park auch als „Park der 5 Hügel“ bezeichnet wird, denn wir stehen vor einer Treppe, die uns eine Anhöhe hinauf führt. Also erklimmen wir den ersten Hügel, steigen die 33 Stufen hinauf und genießen, oben angekommen, die Aussicht auf den Park und seine Umgebung. Im Norden erkennen wir das zweigeschossige Strebengerüst der ehemalige Zeche Vereinigte Helene-Amalie von 1936, das über dem Schacht Amalie erhalten geblieben, der auch heute noch für die Grubenwasserhaltung eine wichtige Rolle spielt. Im Osten erhebt sich die eindrucksvolle Kulisse der neuen Thyssen-Krupp-Hauptverwaltung. Unter uns sind Landschaftsgärtner mit der Grünpflege beschäftigt und mähen fleißig den Rasen der vielen Picknick- und Liegewiesen im Krupp-Park. Hier oben auf dem Hügel ist das Gras noch ungeschnitten und viele Wiesenblumen blühen in voller Pracht. In ihren blauen, violetten und rosafarbenen Blüten tummeln sich Bienen und Hummeln, auch zahlreiche Schmetterlinge um uns herum sind auf der Nahrungssuche. Wir schauen uns das geschäftige Treiben eine Weile an und folgen dann dem Weg wieder hinunter auf die tiefer gelegene Ebene des Parks. Zwischen den Anhöhen schlängelt sich ein gut befestigter Hauptweg durch die Parkanlage, von dem aus man immer wieder über schmale Treppen und Pfade auf einen der Hügel gelangen kann. Unser Spaziergang führt uns jedoch zunächst an einem großen Seil- und Kletterspielplatz vorbei, der mit Sicherheitsschaukeln, Wackelbrücke, Kletterburg, Röhren- und Raupenrutsche sowohl kleine als auch große Kinder zu Spiel und Spaß einlädt. Gegenüber vom Spielplatz erhebt sich der nächste Hügel, um den ein schmaler Weg herum führt. Wir folgen dem Weg und gelangen zu einem Fitness-Pfad mit verschiedenen Sportgeräten, auf dem fleißig trainiert wird. Jenny und Lisa sind mit ihrem Mitbewohner Markus hier, um sich fit zu halten. „Markus ist unser Personal Trainer“, erklärt uns Jenny grinsend. „Er passt auf, dass wir alle Übungen richtig machen und bei der Anzahl der Wiederholungen nicht schummeln.“ Ein paar Meter weiter sind Kemal und Deniz dabei, Push ups gegen eine kleine Mauer zu machen. Bei ihnen sieht das so leicht und einfach aus, dass man gar nicht auf die Idee kommen würde, das könnte in irgendeiner Weise anstrengend sein.

Spiel- und Sportanlagen Krupp-Park Essen

Spiel- und Sportanlagen
Krupp-Park
Essen

Auch wir wollen uns fit halten und steigen über eine kleine Treppe hinauf auf den Hügel, um auf der dahinter liegenden Seite unseren Spaziergang weiter auf dem Hauptweg fortzusetzen. Wir gelangen zur nächsten Sportanlage, die mit Basketballkorb, Bechvolleyballfeld und kleinen Fußballtoren ebenfalls zu Sport und Bewegung einlädt. Jonas, 6 Jahre alt, trainiert mit seinem Vater hier Elfmeterschießen und macht als Nachwuchsschütze eine richtig gute Figur. Wir sind fest davon überzeugt, ihn bei der Fußballweltmeisterschaft 2030 in der Nationalmannschaft zu sehen. Auch an den Sportplätzen gibt es einen Hügel zu erklimmen, und wir besteigen über eine Treppe den nächsten Gipfel. Eine herrliche Aussicht auf die Skyline der Essener City und den Stadtteil Altendorf mit seiner denkmalgeschützten Kirche St. Mariä Himmelfahrt, deren zwei Türme in den blauen Himmel ragen, belohnt unseren Aufstieg. Wir laufen über das Gipfelplateau, auf dem Bänke zum ausruhen und innehalten bereit stehen, und steigen über eine schmale Treppe – mit Blick auf die imposante Thyssen-Krupp-Haupverwaltung – wieder nach unten zum Hauptweg. Hinter der nächsten Kurve entdecken wir eine coole Skateranlage, auf der Jugendliche mit ihren Boards verschiedene Tricks üben. Beim Bau der Spiel- und Sportanlagen im Krupp-Park wurden übrigens über das Projekt „Heimatgefühle“ Kinder und Jugendliche aus dem Essener Stadtteil Altendorf mit einbezogen, die Wünsche und Vorschläge für die Spielbereiche gemacht haben. Schulen und engagierte Bürgerinnen und Bürgern übernahmen Patenschaften für die Grünflächen und Spielplätze und beteiligten sich darüber hinaus an Pflanzaktionen. Der Krupp-Park ist also mehr als nur ein Park für die Menschen in Essen-Altendorf: Er ist ein gemeinschaftliches Projekt, um das sich nach wie vor viele Menschen aus dem Stadtteil kümmern.

Skater-Anlage Krupp-Park Essen

Skater-Anlage
Krupp-Park
Essen

Natürlich gibt es auch gegenüber von der Skateranlage einen Hügel, und wir machen uns erneut an den Aufstieg bis nach ganz oben. Dieses Auf und Ab gefällt uns sehr an diesem Park: So ergeben sich auf unserem Spaziergang stets neue Panoramaausblicke, neue Sichtachsen und neue Perspektiven, bei denen wir immer wieder etwas anderes entdecken. Auf dem Gipfel befindet sich ein rundes Aussichtsplateau, von dem aus wir einen 360°-Rundumblick auf den Krupp-Park, das anliegende Stadtquartier und auf weitere Erlebnisorte im Emscher Landschaftspark mit seiner Industrienatur und Industriekultur genießen, wie das Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop, eine der beliebtesten Landmarken im regionalen Park der Metropole Ruhr. Unter uns beenden die Landschaftsgärtner die Grünpflege für heute und machen Feierabend, und auch wir treten so langsam den Heimweg durch den Krupp-Park an. Letzte Station auf unserem Spaziergang ist der Dükerauslauf, der sich am Parkeingang/-ausgang Berthold-Beitz-Boulevard befindet. Hier tritt das Regenwasser von den Dachflächen des ThyssenKrupp Quartiers, das, wie ihr ja jetzt wisst, über einen Kanal zum Park gelangt und über Gräben zum See geführt wird, wieder an die Oberfläche.

Wir verlassen an dieser Stelle für heute den Krupp-Park, um aber auf jeden Fall schon ganz bald einmal wieder an diesen besonderen Erlebnisort im Emscher Landschaftsparks zurück zu kehren. Oder auch zwei- oder dreimal. :-)