Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Paradies der Nachhaltigkeit im Emscher Landschaftspark: Der UmweltKulturPark in Dortmund

Paradies der Nachhaltigkeit im Emscher Landschaftspark: Der UmweltKulturPark in Dortmund

Wunderschöne Parkanlagen, eindrucksvolle Halden und zahlreiche Radwege hat der Emscher Landschaftspark zu bieten. Gerne genießen wir einen sonnigen Tag im Römerpark Bergkamen, erkunden die Halde Lothringen oder radeln entlang des City-Trails. Und was den Emscher Landschaftspark auch auszeichnet sind die Menschen, die dort leben, arbeiten und sich leidenschaftlich engagieren. Sie machen den Emscher Landschaftspark zu etwas ganz Besonderem. So auch die engagierten Privatpersonen des Fördervereins Permakultur Dortmund e.V., welcher sich den Themen Natur, Umwelt und Gärtnerei widmet. Unter dem Motto des Vereins „Erholung für Pflanzen, Tiere und Menschen“ setzt sich der Verein für die Natur- und Landschaftspflege ebenso wie für die Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung natürlicher Lebensgrundlagen ein.

Apfelbaum UmweltKulturPark Dortmund

Apfelbaum
UmweltKulturPark
Dortmund

Zentrales Projekt des 1986 ins Leben gerufenen Fördervereins ist der ca. 12 Hektar große UmweltKulturPark im Dortmunder Süden, welcher sich in direkter Nähe zur Technischen Universität Dortmund und dem Rüpingsbach befindet. Der Revierpark Wischlingen mit dem Naturschutzgebiet Hallerey ist ebenfalls nur wenige Minuten mit dem Auto oder Rad entfernt. Östlich des Parks ist der Rombergpark ebenso wie der Phoenix-See lokalisiert – zwei Orte, die zu Entspannung und erholsamen Spaziergängen einladen. Aufgrund der zentralen Lage inmitten dieser wunderschönen Standorte der Metropole Ruhr ist der UmweltKulturPark hervorragend in die Umgebung eingebunden.

Die Nutzung des UmweltKulturParks folgt den Prinzipien der Permakultur, welche den Zweck hat ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Lebensräume zu gestalten. Dieser Ansatz ist einzigartig im Emscher Landschaftspark, denn ein vergleichbares Projekt gibt es im Emscher Landschaftspark nicht. Der Park steht allen Gästen jederzeit offen und wird in diesem Rahmen als Naherholungsgebiet genutzt. Zudem findet am 29. September im UmweltKulturPark von 11 bis 16 Uhr das jährliche Herbstfest statt. Bei diesem gemütlichen Beisammensein könnt ihr den UmweltKulturPark in aller Ruhe genießen. Zudem habt ihr die Möglichkeit an Führungen durch den UmweltKulturPark teilzunehmen und euch die Arbeitsweise der Mitglieder aus nächster Nähe anzuschauen.

Was sich noch hinter der Leitidee einer Permakultur befindet hat uns Ulla Riesberg, vom Förderverein Permakultur Dortmund e.V., erzählt. Mit ihr haben wir uns getroffen, um mehr über den Förderverein sowie den UmweltKulturPark zu erfahren.

Sechs Fragen an Ulla Riesberg, Vorstand des Fördervereins Permakultur Dortmund e.V.:

1) Der Förderverein Permakultur Dortmund e.V. existiert bereits seit 1986. Wie kam es zur Gründung des Vereins und schließlich zur Entstehung des UmweltKulturParks?

Das Gelände des UmweltKulturParks ist als Ausgleichsfläche für den Bau der Universität und des Technologie-Parks ausgewiesen. Mitte der 80er Jahre fanden sich Raumplaner der Universität und andere Interessierte zusammen, um hier ein Permakultur-Projekt umzusetzen. Der UmweltKulturPark war das erste Permakultur-Projekt in Deutschland. Das Konzept für das Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Dortmund entwickelt, die dem Verein die Fläche im Rahmen eines Pachtvertrages zur Verfügung stellte. Als gemeinsames Ziel wurde die Schaffung eines sich selbstregulierenden Ökosystems nach den Prinzipien der Permakultur formuliert, mit den Bereichen Wohnung, Tierhaltung, Garten- und Waldzonen. Der Begriff UmweltKulturPark wurde gewählt, weil sich damit die Idee des Projektes Ökosysteme aufzubauen und Ökologie, Landwirtschaft und menschliches Leben und Arbeiten miteinander in Verbindung und Einklang zu bringen, ausdrücken lässt. 1988 wurde damit begonnen das Gelände, welches bis dahin in Form von Monokulturen als Acker- und Weideland genutzt wurde, nach den Prinzipien der Permakultur zu gestalten und zu bepflanzen.

2) Was verbirgt sich hinter der Idee von Permakultur und welches sind die Ziele, die Sie und der Verein mit dem Konzept im Emscher Landschaftspark verfolgen?

Das Konzept der Permakultur geht auf den Australier Bill Mollison zurück und ist eine verkürzte Form des Begriffs „permanent agriculture“, also dauerhafte Landwirtschaft. Ziel ist es, durch diese Anbaumethode den Boden dauerhaft funktionsfähig zu erhalten und Bodenverdichtung und Erosion durch dauerhaften Bewuchs mit mehrjährigen Pflanzen zu vermeiden. Mollison orientierte sich bei der Entwicklung seiner Ideen an den Wechselbeziehungen in natürlichen Ökosystemen, aber auch an den Anbaumethoden der australischen Ureinwohner. Ein wichtiges Grundprinzip der Permakultur ist, dass jedes Teil des Systems mehrere Funktionen hat und andererseits jede Funktion innerhalb eines Systems von mehreren Elementen erfüllt wird. Hierdurch soll die größtmögliche Stabilität und Flexibilität eines Systems, bei relativ geringem Energie- und Arbeitseinsatz, gewährleistet werden. Das Prinzip der Mehrfunktionalität lässt sich zum Beispiel anhand der Streuobstwiesen verdeutlichen:

  • Jedes Element hat mehrere Funktionen: Die Obstwiesen liefern einerseits Nahrung für den Menschen. Sie sind aber auch Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Tiere, insbesondere Vögel und Insekten, zum Teil auch für Nutzvieh, wie Schafe.
  • Jede Funktion wird von mehreren Elementen erfüllt: Damit die Obstwiese Nahrung für den Menschen liefert werden unterschiedliche Sorten Obstbäume angepflanzt. So kann sichergestellt werden, dass zum Beispiel in einem schlechten Apfeljahr andere Früchte wie Birnen, Pflaumen etc. zur Verfügung stehen.

    Teich UmweltKulturPark Dortmund

    Teich
    UmweltKulturPark
    Dortmund

Nachdem die ursprüngliche Idee Ökologie, Landwirtschaft und menschliches Leben und Arbeiten im UmweltKulturPark miteinander in Einklang zu bringen, nicht umgesetzt werden konnte, ist es heute Ziel des Vereins den UmweltKulturPark in seiner Struktur zu erhalten und die Denk- und Arbeitsweisen der Permakultur umzusetzen und Außenstehenden zu vermitteln. Dazu gehören unter anderem Methoden wie Mulchwirtschaft, Mischkulturen, der Anbau von alten Kulturpflanzen und mehrjährigen Pflanzen. Der Erhalt der Artenvielfalt spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle.

3) Der UmweltKulturPark zeichnet sich durch seine Pflanzen- und Tiervielfalt aus. Welche Pflanzen- und Tierarten haben sich im UmweltKulturPark angesiedelt?

Schon bei der Anlage des UmweltKulturParks wurde darauf geachtet eine Vielzahl heimischer Gehölze anzupflanzen, die Lebensraum für verschiedene heimische Tiere bieten. Viele der Gehölze sind gleichzeitig aber auch für den Menschen essbar wie z.B. Felsenbirne, gemeiner Schneeball, Schlehe oder Weißdorn. Bei der Auswahl der im Permakulturgarten angebauten Pflanzen geht es darum, dass diese entweder mehrjährig sind oder sich selber aussäen und dass jede Pflanze mehrere Funktionen erfüllt, also z.B. essbar ist, als Heilpflanze dient, den Boden verbessert, zur Abwehr von Schädlingen eingesetzt werden kann oder Nahrung und Lebensraum für Insekten ist. So gibt es eine Bandbreite essbarer Pflanzen, die als Spinatpflanzen genutzt werden können wie z.B. guter Heinrich, Gemüseampfer, rote und grüne Melde, roter Meier, Baumspinat Magenta Spreen und Neuseeländer Spinat.

Wilde Karde UmweltKulturPark Dortmund

Wilde Karde
UmweltKulturPark
Dortmund

Im UmweltKulturPark gibt es eine Vielzahl von Insekten wie Wildhummeln, Wildbienen und Erdwespen sowie unterschiedlichste Schmetterlinge und Nachtfalter. Molche, Grasfrösche und Erdkröten fühlen sich in und um den Teich und die diversen kleinen Tümpeln im Garten wohl. Die Samenstände der Wilden Karde werden im Winter von Schwärmen von Distelfinken besucht und auch andere Vögel wie verschiedene Meisen, Grün- und Buntspecht, Raubvögel und Eulen finden im Park ein zu Hause oder zumindest Nahrung.

4) Die Gründung im Jahr 1986 liegt nun schon mehr als 30 Jahre zurück. Wie hat sich der UmweltKulturPark seit seiner Entstehung entwickelt?

Sonnenfalle UmweltKulturPark Dortmund

Sonnenfalle
UmweltKulturPark
Dortmund

Wie erwähnt befanden sich auf dem Gelände des UmweltKulturParks Mitte der 80er Jahre Monokulturen von Acker –und Weideland. Betrachtet man die unterschiedlichen Vegetationszonen wie (Ur-)Wald, Obstwiesen, den renaturierten Bachlauf und ursprünglich als Hecken angelegte Bereiche rund um die Sonnenfallen heute, ist dies kaum vorstellbar. Schade ist, dass die Idee der Verbindung von Landwirtschaft, Leben und Arbeiten auf dem Gelände nicht umgesetzt werden und der Park daher nicht in seiner eigentlichen Form genutzt und bewirtschaftet werden kann. Nichts desto trotz ist er für Menschen, Tiere und Pflanzen eine kleine Oase innerhalb der Stadt.

5) Was würden Sie sagen: Warum ist der UmweltKulturPark so besonders im Emscher Landschaftspark?

Der UmweltKulturPark ist in meinen Augen etwas Besonderes, weil er versteckt und auf den ersten Blick sehr unspektakulär ist. Das Besondere des Parks – seine Vielfalt auf kleinem Raum – erschließt sich nicht unbedingt beim ersten Besuch.

6) Was ist Ihr Lieblingsort im Emscher Landschaftspark?

Mein Lieblingsort innerhalb des Emscher Landschaftsparks ist zweifellos der UmweltKulturPark. Daneben schätze ich den Emscher-Rad-Weg sehr und mag dort besonders das Kunstwerk „Kleine Weile“ des Berliner Künstler- und Architekturbüros „raumlabor“, das im Rahmen der Emscherkunst 2016 entstanden ist und immer noch dazu einlädt begangen und besungen zu werden.