Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Mobiles Museum: Das M:AI im Emscher Landschaftspark

Mobiles Museum: Das M:AI im Emscher Landschaftspark

Wer in der Metropole Ruhr den Emscher Landschaftspark besucht, kommt wohl nicht daran vorbei neben Grünflächen auch Baukultur im vollen Maße zu erleben. Wenn du dich für Architektur und Ingenieurkunst interessierst, hast du ganz bestimmt schon einmal was vom mobilen Museum gehört. Wenn nicht, dann stellen wir dir ganz herzlich das Unikat der Metropole Ruhr vor.

Das Museum für Architektur und Ingenieurkunst, kurz gefasst M:AI, ist ein Projekt der Landesinitiative StadtBauKultur NRW und wurde 2005 gegründet. Gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen macht sich das mobile Forum die Präsentation und Reflexion von Baukultur, Architektur und Ingenieurkunst in Nordrhein-Westfalen zur Aufgabe. Und jetzt kommt das Besondere: Ein Museumsbesuch, wie wir ihn kennen ist nicht möglich, denn das Museum besitzt kein festes Ausstellungshaus sondern ist, wie der Name schon sagt mobil unterwegs und immer an einem neuen Ort zu finden. Die feste Geschäftsstelle jedoch ist in Gelsenkirchen, wo wir uns mit Projektleiter Peter Köddermann getroffen haben um mit ihm ein Interview zu führen. Aber dazu später mehr.

Das M:AI zeigt an wechselnden Orten in ganz NRW, die Metropole Ruhr mit eingeschlossen, wie auch über die Landesgrenzen, Ausstellungen. Diese Ausstellungen werden

mobiles Museum Hallen des Kammgebäudes der Kokerei des Zollvereins in Essen

mobiles Museum Hallen des Kammgebäudes auf der Kokerei des Zollvereins in Essen

häufig  in Gebäuden gezeigt die mit dem jeweiligen Thema korrespondieren. Die Orte selbst werden so dann zu inszenierten Exponaten. Jedes Thema verfügt über ein eigenes, passendes Präsentationsdesign, so dass sich Baukunst mit allen Sinnen erfahren lassen kann. Aber nicht     nur Ausstellungen bietet uns das mobile Museum an, sondern auch temporäre Aktionen und künstlerische Interventionen. Bücher   zu Architekturthemen werden ebenfalls vom M:AI publiziert. Beraten wird das M:AI durch Architekten und Ingenieure und ist Partner   des internationalen Zusammenschlusses der Architektenmuseen, -zentren und –institute. Wenn es mal darum geht projektbezogene   Unterstützung zur erhalten, dann wird das Museum für Architektur und Ingenieurkunst von Hochschulen sowie Unternehmen aus der   Wertschöpfungskette Bauen des Ruhrgebiets, wie auch aus dem ganzen Land, unterstützt.

Museum für Architektur und Ingenieurkunst an der Kokerei des Zollvereins in Essen

Museum für Architektur und Ingenieurkunst an der Kokerei des Zollvereins in Essen

Die letzte Ausstellung des mobilen Museums im Emscher Landschaftspark wurde im Sommer   2014 gezeigt. Die Ausstellung mit dem Thema „Produktive Stadtlandschaften“ betrachtete nicht   nur urbane Landschaften mit dem Fokus auf der Entwicklung des   Emscher   Landschaftsparks, sondern auch die Begegnung von Kunst mit Ruhrgebietslandschaft, welche   zum Beispiel die inszenierten Halden als Resultat mit sich brachten. Gezeigt wurde   diese Ausstellung in einem Gebäude, welches bis dahin nicht der Öffentlichkeit zugänglich war – in den Hallen des Kammgebäudes auf   der Kokerei des Zollvereins in Essen. Mit spielerischen Auseinandersetzungen wie zum Beispiel durch Memory-Spiele oder   auch „Flächen-Monopoly“ wurde den Besuchern mehr über das Netzwerk des Emscher Landschaftsparks nähergebracht. Auch die   Studierenden des Fachbereichs Architektur der Hochschule für Kunst und Gesellschaft haben unter der Leitung von Prof. Florian Kluge und   Prof Willem-Jan Beeren ein riesiges Gespinst aus Nylonfäden zwischen Gebäude und Straße gespannt, um so einen passenden Eingangsraum für die Ausstellung zu erstellen. Ein weiteres Highlight, welches inmitten des Welterbes Zollverein stattgefunden hat, war zudem die „Picknicklounge 2014“ im Rahmen der UFH 2014. Wie auch sonst gab es durch das Erlebnisprogramm des Emscher Landschaftsparks  „Unter freiem Himmel“  ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Kultur und Musik, welches diesmal durch Architektur und Urban Gardening verstärkt wurde. Der Regionalverband Ruhr (RVR) hat somit mal wieder an einem der schönsten Orte im Park der Metropole Ruhr zu unvergesslichen Momenten verholfen.

Wie schon zuvor erwähnt haben wir uns mit dem Projektleiter des M:AI, Peter Köddermann, zusammengesetzt und ihm einige Fragen gestellt. Was die spannenden Besonderheiten des Regionalparks sind, was er sich für die Zukunft des Emscher Landschaftsparks wünscht und weitere Fragen beantwortet er uns im Interview.

Fünf Fragen an Peter Köddermann, Projektleiter des Museums für Architektur und Ingenieurkunst:

1)Warum ist der Emscher Landschaftspark für das M:AI interessant?

Der Emscher Landschaftspark ist noch immer das interkommunale Projekt im Umgang mit postindustriellen Landschaften.

2)Was sind die spannenden Besonderheiten des Regionalparks?

Der Emscher Landschaftspark ist ein Unikat. Niemals fertig (hoffentlich), regional ausgerichtet und besitzt ein riesiges Potenzial, Landschaft als offene Stadtlandschaft begreifen zu können. Damit könnte der Emscher Landschaftspark zu einem Labor für aktuelle und zukünftige Anforderungen an Agglomerationen werden. Den Emscher Landschaftspark zeichnet seine Multifunktionalität aus: Als Naherholungsraum, als Klimaregulativ, als Stadtentwicklungsraum, als Stadtlandschaft in der Agglomeration als Lebensraum. Sogar als wichtiger Bestandteil von Heimat! Die eigentliche Spannung des Emscher Landschaftsparks besteht allerdings darin, wann seine vielfältigen Wertigkeiten allseits verstanden werden und das bis dato beschriebene Landschaftskonstrukt Emscher Landschaftspark eine öffentliche und allgemeine Wirklichkeit erfährt. Dies mit Blick auf Pflege, Schutz und Entwicklung.

3)Die letzte Ausstellung des M:AI‘s mit dem Schwerpunkt auf den Emscher Landschaftspark ist mittlerweile 3 Jahre her. Wann dürfen wir euch denn wieder erwarten?

Das Jubiläum des Emscher Landschaftsparks 2020 bietet potenziell eine tolle Chance den Emscher Landschaftspark als eigenes, besonderes und wichtiges Projekt zu begreifen und vorzustellen. Natürlich ist das M:AI immer offen Themen wie „Emscher Landschaftspark und die neuen Anforderungen an städtische Räume“ zu diskutieren oder vielleicht im Vergleich mit anderen Raumentwicklungen auch zu spielen. Hier ist jedoch bisher nichts Konkretes in Planung, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

4)Welches Gebäude im Emscher Landschaftspark hättest du persönlich gerne entworfen?

Keines! Ich stehe fasziniert und voller Respekt vor verschiedenen Gebäuden und Ensembles als auch vor Landschaftsbauwerken im zentralen Ruhrgebiet.

Andererseits hege ich auch viel Unverständnis für z.B. neue Architektur, die sich noch immer nicht mit der Region oder dem Emscher Landschaftspark auseinandersetzt und von den Trägerschaften ermöglicht wird.

5)Welcher ist dein Lieblingsort im Emscher Landschaftspark und wieso?

Holgers Erzbahnbude. Hier funktioniert einmal der Emscher Landschaftspark, obwohl ihn niemand kennt!

6)Was wünschst du dir für den Emscher Landschaftspark der Zukunft?

Ich wünsche dem Emscher Landschaftspark, dass er seine Rolle als Flächenbereitsteller des Ruhrgebiets auf niedrigstem Niveau in Zukunft aufgeben kann. So würde er den Charakter verlieren als Reserveland für kommunales Allerlei zu gelten und müsste nicht mehr Räume für veraltete Raumentwicklungsprogramme preisgeben. Seine Sinnstiftung und Entwicklung ergäbe sich nicht mehr aus dem kleinsten gemeinsamen Teiler aller beteiligten Gebietskörperschaften, sondern er erhielte einen wirklichen Eigenwert der auch in der Öffentlichkeit wahrnehmbar wäre.

Der Emscher Landschaftspark muss sich, wie auch geplant, als wirklich innovativer Experimentierraum weiter ausbilden können um seine Einzigartigkeit als postindustrieller Landschaftsraum einerseits zu behalten und andererseits seine Offenheit für Neues nicht zu verlieren.

Der Emscher Landschaftspark sollte zukünftig als wichtiges, vielschichtiges, multifunktionales, räumlich festgelegtes und nicht zuletzt stadtverbindendes grünes Rückgrat anerkannt, begriffen und politisch verteidigt werden. Er verdient es verteidigt und gepflegt zu werden und er und seine Attribute verdienen es wirklich Wert geschätzt zu werden. Er wäre eine Chance für das Ruhrgebiet!

Ich würde mich sehr freuen, sollte es im Ruhrgebiet möglich werden auf die Frage „Wo ist eigentlich der Emscher Landschaftspark?“ zutreffende Antworten von Jedermann zu bekommen.

Gerne möchte ich den Lesern des Blogbeitrages folgende Fragen zur Entdeckung des Emscher Landschaftsparks mit auf den Weg geben. Fragen Sie sich doch mal selbst: Kennen Sie die aktuellen Emscher Landschaftspark Grenzen, können Sie die momentane Gebietskulisse beschreiben oder haben Sie Vorstellungen zum Umgang mit dem Emscher Landschaftspark in der Zukunft, welche Sie skizzieren können? Ich möchte Sie herzlichst einladen sich hierzu Gedanken zu machen und dies zu erkunden!

Ich wäre gespannt!