Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2016: Begegnungen im Landschaftspark Mechtenberg

Menschen im Emscher Landschaftspark 2016: Begegnungen im Landschaftspark Mechtenberg

Der Kies knirscht unter den Rädern unseres Autos, als wir in die Einfahrt zum Bauernhof am Mechtenberg in Essen abbiegen. Es ist noch früh am Morgen, das Hofcafé hat eben erst seine Pforten geöffnet, die Umgebung erwacht zum Leben. Wir betreten den kleinen Hofladen durch verglaste Türen und fühlen uns sofort willkommen. Die Dame hinter der Theke lächelt uns ebenso an wie die gut gefüllte Auslage: Zwischen frisch gebackenem Brot, verschiedenen Kuchen (denn sind wir doch mal ehrlich: Es ist nie zu früh für ein gutes Stück Kirschstreusel!) und erntefrischem Obst können wir uns kaum entscheiden. Deswegen lassen wir uns erst einmal von der schönen Inneneinrichtung ablenken und werfen einen Blick in den sonnigen Innenhof, an dessen Tischen schon einige Gäste ein leckeres Frühstück im Herzen des Emscher Landschaftsparks im Landschaftspark Mechtenberg genießen. Kinder sind auch dabei – generell bietet der Bauernhof viele Aktionen und Veranstaltungen für die kleinen Bewohner und Bewohnerinnen der Metropole Ruhr und ist somit ein Anlaufpunkt für die ganze Familie.

Gemüsegarten Landschaftspark Mechtenberg

Gemüsegarten
Landschaftspark Mechtenberg

Die Sonne über dem Emscher Landschaftspark scheint heute mit voller Kraft und wärmt uns mit ihren goldenen Strahlen. Die perfekten Rahmenbedingungen also für einen Spaziergang in der Kulturlandschaft zwischen dem Mechtenberg und der Halde Rheinelbe. Nach unserem Besuch am Bauernhof am Mechtenberg und einem herzhaften Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Wir laufen an grünen Ackerflächen vorbei und halten interessiert inne, als wir ein buntes Fleckchen Feld zu unserer Linken erspähen. Als wir näher treten, erkennen wir einen großen Gemüsegarten, den Vogelscheuchen und mehrfarbige Wimpelketten zieren. Neben uns steht Mea Voß. Sie ist eine von zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohnern der Metropole Ruhr, die einen Querstreifen der Erntefläche im Emscher Landschaftspark gepachtet haben, um diesen von Mai bis November zu pflegen und zu hegen – und die eigene Ernte dann stolz mit nach Hause zu nehmen. Ein Teil der Fläche ist schon bepflanzt, den „Wunschmeter“ kann jede Hobbygärtnerin und jeder Hobbygärtner so ansähen, wie es beliebt. Mea Voß sorgt sich schon seit vier Jahren um ihr Stück Acker: „Ich komme mehrmals in der Woche aus Bochum hierher, das sind ungefähr elf Kilometer. Ich bin im Sitzen tätig, aber sehr naturverbunden – die Ernte hier bildet meinen Ausgleich. Nach zwei Stunden Gartenarbeit bin ich wieder vollends entspannt“, erzählt sie uns und lädt uns ein, ihr zu ihrem Beet zu folgen. „Heute möchte ich die Arbeit erledigt haben, bevor die große Hitze kommt.“ Unsere Schuhe lassen wir zurück und betreten barfuß die nasse, die gewässerte Erde. Wir laufen an Kohl- und Kartoffelpflanzen vorbei, erkennen Kürbisse, Salatköpfe und Rote Beete. Besonders stolz ist Mea Voß auf ihren roten Mangold, der in dem schönsten Violett am Boden aufleuchtet. Sie wolle und kaufe kein anderes Gemüse mehr, erzählt sie, versorgt auch gern Nachbarn und Freunde mit ihrem ganz eigenen regionalen Anbau und schwärmt von tollen Sommerrezepten.

Gartenarbeit Landschaftspark Mechtenberg

Gartenarbeit Landschaftspark Mechtenberg

 

Während wir uns weiter unseren Weg an ihren Ernteschätzen über die weiche, feuchte Erde bahnen, berichtet sie vom freundschaftlichen Miteinander in dem Gemüsegarten. Mit uns befinden sich heute Morgen noch drei weitere Pächterinnen und Pächter auf der Fläche. Prompt werden wir von einer Dame angesprochen, ob sie uns zwei Zucchini schenken könne, sie habe so eine gute Ernte. Da sagt keiner nein! So verlassen wir dieses wunderbar individuell und gemeinschaftlich genutzte Fleckchen im  Landschaftspark Mechtenberg mit Dankbarkeit im Herzen und Gemüse in den Händen. Denn neben der Zucchini in prachtvoller Größe, gibt uns Mea Voß noch Möhren und roten Mangold mit. Was für ein wundervoller Start in den Tag!

Wir setzen unseren Spaziergang fort. Weiter geht’s, die Straße entlang Richtung Mechtenberg und dem darauf errichteten Bismarckturm. Vom Mechtenberg, einem der wenigen natürlichen Hügeln in der Metropole Ruhr, haben wir eine wunderbare Aussicht auf Landwirtschaft, Industrienatur, Industriekultur, Naherholungs- und Naturschutzgebiete. In der Ferne entdecken wir auch schon unser nächstes Ziel: Die Landmarke Himmelstreppe von Herman Prigann auf der Halde Rheinelbe.

Bismarckturm Landschaftspark Mechtenberg

Bismarckturm Landschaftspark Mechtenberg

Dieses imposante Bauwerk stets im Blick, folgen wir dem Rundweg Mechtenberg durch die Kulturlandschaft und überqueren die Mechtenbergbrücke nach Gelsenkirchen. Am Fuße der Halde Rheinelbe angekommen, folgen wir dem Weg hoch auf das Haldentop und halten inne – vor uns erstreckt sich der Emscher Landschaftspark und dank des schönen Wetters hat man eine klare, wolkenlose Sicht auf viele seiner Erlebnisorte. Die Schurenbachhalde in Essen ist genauso zu erkennen, wie die Halde Hoheward in Herten / Recklinghausen, auf der wir vor ein paar Wochen im Rahmen des SunsetPicknick Emscher Landschaftspark getanzt haben. Während wir die Aussicht genießen, kommen zwei Besucher die Halde hoch: Marina und Renée erklimmen die Treppen in schnellstem Tempo – das sieht so aus, als hätten sie das schon öfters gemacht. „Ja, ich komme seit bestimmt zwei, drei Jahren regelmäßig hier hoch“, bestätigt Renée. Marina besucht die Himmelstreppe zum zweiten Mal. Zusammen mit anderen Freunden hören sie Musik, quatschen und verzehren mitgebrachte Kost. „Wir schauen, dass kein Müll zurückbleibt, beziehungsweise, dass andere Besucher ihre Sachen wegräumen“, betont Marina. Man sorgt hier oben also nicht nur füreinander, sondern auch für die Halde selbst.

Himmelstreppe  Halde Rheinelbe

Himmelstreppe
Halde Rheinelbe

Für das leibliche Wohl ist also gesorgt, an dem Panorama von der Landmarke in Gelsenkirchen könne man sich aber nicht sattsehen, da sind Marina und Renée sich einig. Beide kommen aus Essen, die Halde Rheinelbe ist nah, auch andere Halden im Emscher Landschaftspark haben sie schon bestiegen. Marina erzählt begeistert von einem Besuch der Halde Beckstraße und dass jemand an der untersten Sprosse des Tetraeders eine Schaukel angebracht hatte. „Das war schon toll, zu schaukeln und dabei eine so tolle Aussicht zu haben.“ Und so wendet sie ihr Gesicht wieder der Sonne im Emscher Landschaftspark zu und genießt eben diese auch hier – die tolle Aussicht.