Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Zu Gast im Forststützpunkt Emscherbruch

Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Zu Gast im Forststützpunkt Emscherbruch

Er ist der größte Regionalpark Europas: Der Emscher Landschaftspark. Mit seinen Parks, Industriedenkmälern, Halden und Landmarken erstreckt er sich als regionaler Park der Metropole Ruhr von Duisburg bis Bergkamen. Über 450 km² Fläche bietet der Emscher Landschaftspark und damit eine einzigartige Vielfalt an Industrienatur, Industriekultur und Freizeitmöglichkeiten. Wie nutzen die Bewohner und Bewohnerinnen des Ruhrgebiets dieser vielfältigen Möglichkeiten? Wer gestaltet und pflegt den regionalen Park der Metropole Ruhr? Wir gehen diesen Fragen auf den Grund und führen regelmäßig Interviews mit Menschen, die sich für den Emscher Landschaftspark engagieren, sich darin erholen oder in ihm arbeiten.

Heute: Förster im Emscherbruch

Ewaldsee Emscherbruch Herten

Ewaldsee
Emscherbruch
Herten

Zum Emscher Landschaftspark gehören neben zahlreichen Parks und Halden auch spannende Naturschutzgebiete und Wälder, die ebenfalls zum Rad fahren und zum Spazieren in der Metropole Ruhr einladen. Eines dieser Naturschutz- und Waldgebiete ist der Emscherbruch in Gelsenkirchen und Herten, der bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine sumpfige Wald- und Wiesenlandschaft war, durch die sich die Emscher schlängelte. Die Montanindustrie, der Kohleabbau und die wachsenden Städte sorgten schließlich dafür, dass sich der saubere Fluss in einen befestigten, übelriechenden Abwasserkanal verwandelte und der natürlich gewachsene Emscherbruch verschwand. Heute bietet der Emscherbruch ein abwechslungsreiches Waldgebiet mit Sumpf- und Wasserflächen, die zum größten Teil durch Bergsenkungen entstanden sind. Der Ewaldsee in Herten beispielsweise ist das Zuhause vieler Tiere und Pfanzen, von denen einige streng geschützt sind. Soweit alles schön und gut. Aber wer kümmert sich um diese Flächen im Emscher Landschaftspark? Wer sorgt dafür, dass der Wald gesund bleibt? Wer setzt die Maßnahmen zum Naturschutz um? Wir wollen die Menschen kennenlernen, die diesen Kraftakt leisten. Einer von ihnen ist Förster Matthias Klar vom RVR Ruhr Grün. Er ist der Leiter des Reviers Mitte, das verschiedene Waldflächen in der Metropole Ruhr auf den Stadtgebieten Gelsenkirchen, Herten, Castrop-Rauxel, Herne, Bochum und Recklinghausen betreut, unter anderem den Emscherbruch. Wir besuchen ihn heute auf dem Forststützpunkt Emscherbruch und sind gespannt darauf, welche Aufgaben ein Förster im Emscher Landschaftspark hat und wie ein typischer Tag des Revierleiters im Forststützpunkt aussieht.

5 Fragen an Förster Matthias Klar, Revierleiter FBB Mitte, Team Waldbewirtschaftung West, RVR Ruhr Grün

1) Was sind Ihre Aufgaben hier als Förster im Emscherbruch?

RVR Ruhr Grün - Forststützpunkt Emscherbruch Emscherbruch Gelsenkirchen

RVR Ruhr Grün – Forststützpunkt Emscherbruch
Emscherbruch
Gelsenkirchen

Vom Forststützpunkt Emscherbruch aus werden die Waldflächen des Reviers Mitte in Gelsenkirchen, Herten, Castrop-Rauxel, Herne, Bochum und Recklinghausen forstlich betreut. Der größte Teil meiner Arbeit besteht in der Verwaltung und der Planung, was auf den Flächen passieren soll. Die Waldungen hier haben vor allem die Funktion der Naherholung und des Naturschutzes, sie sind also nicht zu forstwirtschaftlichen Zwecken vom Regionalverband Ruhr (RVR) angekauft worden. Daher haben die Bäume hier eher eine dienende Funktion. Es geht nicht darum, den Bestand zu schlagen und wertvolle Stämme für wirtschaftliche Zwecke zu ernten. Die Auflagen für den Naturschutz schränken die Bewirtschaftung sowieso sehr ein, teilweise haben wir hier Flächen, auf denen gar nicht gewirtschaftet werden darf. Als Förster muss ich daher in erster Linie pflegend und helfend eingreifen, wobei ich kein Förster bin, der sich als „Holzknecht“ den ganzen Tag an der Luft bewegt und sich allein nachhaltig ums Holz kümmert. Die klassischen Forstarbeiten wie Holzeinschlag, Kulturbegründung und die Pflege der Flächen übernehmen forstliche Unternehmen. Durch den damit verbundenen Verwaltungsaufwand, die Organisation von Waldführungen und Veranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit bin ich bei der Bestandspflege selten tatkräftig selbst im Einsatz, sondern steuere die Betriebsabläufe zum größten Teil vom Schreibtisch aus. Waldbauliche Planungen und Bestimmungen, welche Bäume weggenommen werden, lasse ich mir aber nicht nehmen, da zeichne ich selbst aus. Meine Mitarbeiter und ich kümmern uns vor allem intensiv um die Pflege der Erholungseinrichtungen und die Verkehrssicherung entlang von Straßen und Bebauung, d. h. wir achten darauf, dass Bäume, die umzufallen drohen, rechtzeitig gefällt und entsorgt werden, auch, um den Bestand zu halten. Bei meiner Arbeit greifen viele Dinge ineinander: Auf der einen Seite, den Wald gesund und als Naherholungsraum sicher und attraktiv zu halten, auf der anderen Seite durch Öffentlichkeitsarbeit die Besucher und Besucherinnen des Waldes abzuholen und über forstliche Maßnahmen aufzuklären.

2) Was ist das Typische an der Landschaft Emscherbruch? Was ist das Besondere?

Naturschutzgebiet Emscherbruch Herten

Naturschutzgebiet
Emscherbruch
Herten

Das Typische an Bruchwäldern und damit auch am Emscherbruch ist, dass viele Bereiche überschwemmt sind. Die Bäume, die dort gestanden haben, kommen mit dem vermehrten Wasser nicht zurecht und sterben ab. Dazu ist das Gebiet geprägt von Bergsenkungen, in denen sich Wasser angereichert hat. Hier kann man beispielsweise Fischreiher oder Amphibien sehen. Außerdem gibt es im Emscherbruch ein großes Vorkommen der Ringelnatter, die für Menschen vollkommen ungefährlich ist. Wir haben auch schon Ringelnattern hier im Forststützpunkt zu Gast gehabt, eine kleine Natter hat es sich sogar in einem unserer abgestellten Schuhe gemütlich gemacht. Das ist eben der Emscherbruch, ein sehr reizvolles Naherholungsgebiet, in dem eine Fläche in die andere über geht. Hier gibt es Ecken, da denkt man, man sei im Münsterland, dann kommt man zur nächsten Wegbiegung, blickt auf die Halde Hoheward oder die Halde Hoppenbruch und fragt sich: Wie kommt plötzlich der Berg hierher? An der nächsten Ecke riecht es auf einmal nach Kaffee, ein Geruch, der von dem Kaffeelager einer Supermarktkette neben der Halde Hoheward häufig durch den Wald zieht. Und dann brüllt auf einmal ein Seelöwe, der in dem benachbarten Gelsenkirchener Zoo, der ZOOM Erlebniswelt, lebt. Das ist die Kulisse, die untypisch typisch für den Emscherbruch ist: Man befindet sich im Wald und nimmt so viele verschiedene Dinge wahr, die für einen Waldbesuch total untypisch sind. Wir haben hier quasi einen Parkwald, kleine Forstorte, die nicht größer als 30 bis 100 Hektar sind, aber Flächen, die zusammenhängen. Das ist das Schöne. Man kann nur durch Wald von Gelsenkirchen nach Herten laufen und hat zu Fuß oder mit dem Rad kurze Wege. Das ist schon toll. Der Emscherbruch ist übrigens das erste zusammenhängende Waldgrundstück gewesen, das der RVR 1968, damals noch als Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR), käuflich für die Naherholung erworben hat. Daraus ist schließlich die Entwicklung einer eigenen Forstabteilung hervorgegangen.

3) Teile des Emscherbruchs stehen unter Naturschutz. Welche Tiere und Pflanzen sind hier besonders schützenswert?

Es geht vor allem um Artenvielfalt, darum, den Tieren und Pflanzen eine Chance auf einen gesicherten Lebensraum zu geben. Beim Ewaldsee geht es zum Beispiel um ein Gewässer, das Wasservögel beheimatet, die einfach Ruhe brauchen, wo sich Amphibien und Libellen angesiedelt haben, die an ruhig gestellten Uferbereichen ganz anders leben und sich entwickeln können als in Bereichen, in denen sie ständig von Waldbesucherinnen und -besuchern gestört werden. Daher wurden hier viele Maßnahmen zum Naturschutz getroffen. Die Herausforderung dabei ist, in einem Naherholungsgebiet, das intensiv von vielen Besuchern und Besucherinnen genutzt wird, geschützten Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Das ist nicht immer ganz einfach und erfordert Verständnis, Geduld und Zeit.

4) Was ist Ihre persönliche Lieblingsstelle in Ihrem Revier?

Der Emscherbruch und der Schlosswald Herten sind zwei sehr attraktive Flächen. Da findet man alles miteinander verquickt: Die waldbauliche Pflege, die Jagd, also die klassischen Arbeiten eines Försters, die ich hier miteinander verbinden kann. Die Waldungen hier sind für mich daher schon die persönlichen Highlights, außerdem befinden sie sich nah am Forststützpunkt und ich sehe direkt, wie sich der Wald entwickelt, wenn etwas gemacht worden ist. Das ist schon sehr spannend.

5) Was schätzen Sie persönlich an Ihrer Arbeit?

Alte Bahntrasse Emscherbruch Herten

Alte Bahntrasse
Emscherbruch
Herten

Ich persönlich schätze an meiner Arbeit die Verantwortung für die Fläche. Für mich besteht hier ein unausgesprochener Generationsvertrag mit dem Auftrag, den Wald zu pflegen und ihn in einem guten, gesunden Zustand weiter zu geben, damit er seiner wichtigen Funktion für die Naherholung langfristig gerecht werden kann. Ich schätze es auch sehr, Verständnis für Wald und Natur anhand meiner Arbeit zu vermitteln. Denn das, was man sieht, kann man viel besser nachvollziehen als theoretische Vorträge. Ich sehe es daher als sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die Flächen für die Naherholung zu gestalten und Maßnahmen umzusetzen, die von der Öffentlichkeit positiv angenommen werden. Es ist toll, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Wälder und Freiflächen in der Metropole Ruhr von Besucherinnen und Besuchern so geschätzt und intensiv genutzt werden und damit auch zu zeigen, wie wichtig die Arbeit des Regionalverbandes Ruhr (RVR) in der Region ist.