Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Naturbildung und Umweltpädagogik in der Ökologiestation des Kreises Unna

Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Naturbildung und Umweltpädagogik in der Ökologiestation des Kreises Unna

Der Emscher Landschaftspark bietet mit Parks, Halden, Freizeitwegen, Industrienatur und Industriekultur eine vielfältige, wertvolle urbane Landschaft in der Metropole Ruhr. Doch was ist das Besondere an diesem einzigartigen Regionalpark? Wie nehmen Bewohnerinnen und Bewohner der Metropole Ruhr die neue urbane Kulturlandschaft wahr? Was erleben Freelancer, Angestellte und Ehrenamtliche, die tagtäglich im Emscher Landschafspark arbeiten oder sich für den Park engagieren? Das wollen wir wissen und führen daher regelmäßig Interviews, in denen wir unterschiedliche Menschen nach der Bedeutung dieses neuen Lebensraums in der Metropole Ruhr befragen.

Heute: Umweltpädagogen/Umweltpädagoginnen

Umweltpädagogik. Ein Begriff, den ihr bestimmt auch schon einmal gehört habt. Doch was genau ist Umweltpädagogik eigentlich? Menschen, die in urbanen Lebensräumen aufwachsen, haben meist wenig Zugang zur Natur und entwickeln häufig nur eine geringe Wahrnehmung für ihre Umwelt, da ihnen Gelegenheiten fehlen, die Natur zu entdecken und den Umgang mit ihr zu erproben. Anhand eigener, persönlicher Erfahrungen mit allen Sinnen lässt sich schließlich am besten etwas über die Natur und ökologische Zusammenhänge erlernen. Der Emscher Landschaftspark bietet viele Erlebnisorte der Industrienatur, an denen ihr die Tier- und Pflanzenwelt in der Metropole Ruhr ganz genau erforschen und unter die Lupe nehmen könnt. Umweltpädagogische Programme und außerschulische Lernorte geben euch dabei Inspiration und Hilfe. Einer dieser außerschulischen Lernorte, der sich die Themen Naturschutz und Umweltbildung ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat, ist die Ökologiestation des Kreises Unna in Bergkamen. Der ehemalige Bauernhof liegt im Osten des Emscher Landschaftsparks, lediglich 500m vom Nordufer des Datteln-Hamm-Kanals entfernt, und ist direkt an den Emscher Park Radweg angeschlossen.

1123 wird der „Oberhof Heil“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gegen Ende des 15. Jahrhunderts als Erbpacht an die Bauernfamilie Schulze Heil übergeben, die den Hof über mehrere Generationen hinweg rund 500 Jahre lang bewirtschaftet. Schließlich wird der Hof 1864 in zeitgemäßer Ausstattung in einer Mischbauweise aus Fachwerk und massiven Ziegel an der Stelle neu errichtet, an der er heute immer noch steht. Im Jahr 1990 wird der denkmalgeschützte Gutshof vom Kreis Unna erworben, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscherpark zur ersten Ökologiestation im Emscher Landschaftspark umgebaut und als Umweltbildungsstätte, Zentrum für naturschutzfachliche Arbeit und als Forum für ehrenamtlichen Naturschutz etabliert. Mittlerweile beheimatet die Ökologiestation des Kreises Unna sieben Einrichtungen aus den Bereichen Naturschutz, Umweltbildung und naturnahe, artgerechte Produktion- und Verarbeitung: Das Umweltzentrum Westfalen, die Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna e.V. (NFG), die Biologische Station Kreis Unna, den Naturschutzbund Deutschland (NABU) – Kreisverband Unna e.V., die RVR Ruhr Grün Parkstation & Forststützpunkt Ost, Biobauer Höhne mit Musterstall für artgerechte Tierhaltung und den Fleischzerlege- und -verarbeitungsbetrieb Neuland.

Die Ökologiestation bietet ein breites umweltpädagogisches Programm an, dessen Veranstaltungen dabei mithelfen, die Grundlagen für ein ökologisch sinnvolles Handeln, Verhalten und Entscheiden zu bilden. Spiele und Naturerlebnisse wecken dabei gleichermaßen das Interesse und die Neugier von Kindern und Erwachsenen. Bei Vorträgen über die Waldameise, Wanderungen durch den Barfußpark oder in Bastelworkshops mit Heu oder Filz erfahrt ihr so einiges über die Natur und die Stellung des Menschen im Ökologiesystem. Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich also auf jeden Fall! Aber auch das Außengelände der Ökologiestation bereitet auf viele interessante Einblicke in die Industrienatur des Emscher Landschaftsparks vor und bietet spannende Lehrstationen. Ein Erlebnisteich lädt auf Forschertouren in die Welt der Kaulquappen und Libellenlarven ein, ein Lehrbienenpfad macht das Leben der Wildbienen anschaulich und ein nach traditionell westfälischer Art gestalteter Bauerngarten präsentiert Nutzpflanzen und hübsche Zierblumen. Bei eurem Besuch in der Ökologiestation solltet ihr unbedingt auch einen kurzen Spaziergang durch die Apfelbaumallee zum Aussichtsturm machen, der sich in unmittelbarer Nähe des Hofes befindet. Von dort habt ihr einen herrlichen Panoramablick auf das Naturschutzgebiet Lippeaue mit seiner naturnahen Flusslandschaft.

Michael Bub ist Diplom Pädagoge und arbeitet beim Umweltzentrum Westfalen. Er ist für den Bereich Programm und Öffentlichkeitsarbeit in der Ökologiestation des Kreises Unna zuständig und hat uns genau erklärt, wie die umweltpädagogische Arbeit der Ökologiestation aussieht und welche Bedeutung sie als außerschulischer Lernort in der Metropole Ruhr hat.

 

5 Fragen an Michael Bub, Diplom Pädagoge, Programm & Öffentlichkeitsarbeit ÖkologiestationUmweltzentrum Westfalen gGmbH

1) Die Ökologiestation des Kreises Unna in Bergkamen befindet sich in einem denkmalgeschützten, ehemaligen Gutshof und vereint verschiedene Einrichtungen des Naturschutzes und der Umweltpädagogik unter einem Dach. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Warum bot sich insbesondere dieser Standort für die Einrichtung der ersten Ökologiestation im Emscher Landschaftspark an?

Die Ökologiestation ist ein Projekt der IBA, der Internationalen Bauausstellung Emscherpark von 1989 bis 1999. Der Umbau des alten Schulze-Heil Hofes konnte zu großen Teilen aus dem Ökologieprogramm Emscher Lippe (ÖPEL) finanziert werden. Die Ökologiestation befindet sich in unmittelbarer Nähe der Lippeaue, dem größten zusammenhängenden Naturschutzgebiet des Kreises Unna. Sie liegt außerdem im nördlichen Kreisgebiet, das in starkem Maße vom Kohlebergbau geprägt wurde, und symbolisiert damit den Willen zur strukturellen Erneuerung des ehemaligen Schwerindustriegebietes.

 2) Welche Aufgabe(n) hat das Umweltzentrum Westfalen in Bezug auf die Ökologiestation?

Die gemeinnützige GmbH Umweltzentrum Westfalen mit ihren Gesellschaftern Kreis Unna und Regionalverband Ruhr ist Betreiber der Ökologiestation und unterhält ein der Öffentlichkeit jederzeit zugängliches Wegenetz mit zahlreichen Apfel- und Birnbäumen historischer Sorten, eine Beobachtungsplattform mit Sicht in die Gewässer der angrenzenden Lippeaue, einen traditionellen westfälischen Bauerngarten, eine Teichanlage, die ausschließlich mit Regen- und Brunnenwasser gespeist wird, einen Wildbienenlehrpfad mit Hummelhaus sowie einen Honigbienenstand, ein Schüler-Labor, ein Wäldchen für Spiel und Lernen und ein Weidenspielgelände. Außerdem organisiert das Umweltzentrum Vorträge, Seminare, Ausstellungen, Exkursionen und Reisen mit dem Themenbezug Natur, Umwelt, Ökologie, Garten, dazu Klassenfahrten, Kennenlern- und Themenfahrten für Schulen und Kindergärten. Die Messe „Natur und Garten“ im Frühjahr und der „Tag des Apfels“ und das „Familienfest“ im Herbst sind seit über zwei Jahrzehnten Ereignisse, die zahlreiche Menschen anziehen. Alle Aktionen und Veranstaltungen zusammen haben jährlich über 20.000 Teilnehmer. Unsere Veranstaltungs- und Büroräume werden übrigens mit Holzhackschnitzeln (Abfall- bzw. Recyclingholz) beheizt, es gibt einen Brauchwasserkreislauf, gespeist mit Regenwasser, sowie eine dezentrale Abwasserentsorgung über eine Pflanzen(Wurzelraum)kläranlage.

3) Was zeichnet die Ökologiestation als außerschulischen Lernort im Emscher Landschaftspark besonders aus?

Die Ökologiestation bietet als außerschulischer Lernort eine Fülle von Möglichkeiten für Erleben, Staunen und Erfahren. Das „Be-greifen“ der Natur – eben auch mit den eigenen Händen – steht im Mittelpunkt der umweltpädagogischen Angebote und Themen wie „Papier schöpfen“, „Basteln mit dem Naturmaterial Heu“, „Verarbeitung von Schafwolle – Filzen“, „Landwirtschaft: Kartoffeln und Getreide“, „Insekten“, „Wasser“, „Boden“ oder „Wir schauen dem Imker über die Schulter“. Das Inklusionsprojekt „Altes Handwerk, alte Spiele – neu entdecken“ in den Sommerferien bringt Kinder mit und ohne Behinderung auf spielerische, ungezwungene und doch lehrreiche Art zusammen. Durch den aus Mitteln des Konjunkturpaketes II geförderten Neubau eines Gästehauses besteht nun auch die Möglichkeit mehrtägiger Angebote mit Übernachtung oder für Klassenfahrten mit den Themenschwerpunkten Natur und Umwelt.

4) Warum sind die Bereiche Naturschutz und Umweltpädagogik gerade für die heutige Zeit so überaus wichtig?

Die Aufmerksamkeit für Natur und Umwelt konkurriert mit zahlreichen anderen Aspekten der modernen Lebenswelt. Die Ökologiestation ist bestrebt, allen Teilen der Bevölkerung, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren, Altbewohnern und Migranten, Menschen mit und ohne Handicap, bereits Interessierten und Neulingen das Thema der Entdeckung und des Erhaltes unserer natürlicher Lebensgrundlagen nahe zu bringen. Diese Menschen werden mit ihren ganz unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, Vorerfahrungen, Wissensvoraussetzungen, mit ihren Fragestellungen, Interessen und Zielsetzungen ernst genommen, um auch in Zeiten enormer ökonomischer und sozialer Herausforderungen das Interesse am Schutz der Natur und der natürlichen Umwelt aufrecht zu erhalten.

5) Gibt es Anknüpfungspunkte zwischen der Arbeit/den Aufgaben der Ökologiestation und den weiteren Erlebnisorten des Emscher Landschaftsparks in Bergkamen, wie beispielsweise der Halde Großes Holz oder dem Naturschutzgebiet Beversee?

Ja, es gibt mehrere Anknüpfungen. Mit den Naturerlebnisführern „Beversee“, „Horstmarer Park“, „Wasser“, „Bauernhöfe Lippetal Hellweg“ oder dem Lippeführer liegen zusammen mit Fotobüchern und einem Radtouren- und einem Wanderreitführer verschiedene Publikationen vor, die eine vertiefende Erfahrung des östlichen Emscher Landschaftparks ermöglichen und fördern. Viele der Publikationen enthalten auch Kartenmaterial. Außerdem bietet die Ökologiestation zahlreiche Exkursionen, Führungen und Touren in diesem Gebiet an, die alle im Umweltportal der Metropole Ruhr unter dem Link umweltportal.metropoleruhr.de zu finden sind.