Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Landschaftsfotografen

Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Landschaftsfotografen

Der Emscher Landschaftspark bietet mit vielfältigen Parks, Halden und Landmarken, spannender Industriekultur und etlichen Kilometern Freizeitwegen eine facettenreiche urbane Landschaft in der Metropole Ruhr mit vielen Erlebnissen. Doch welche Bedeutung hat dieser Lebensraum für die Bewohner und Bewohnerinnen des Ruhrgebiets? Wir wollen wissen, wie die Menschen in der Metropole Ruhr die neu gestalteten Flächen nutzen, wie sie die urbane Kulturlandschaft wahrnehmen, welche Orte sie besonders schätzen und fragen einfach direkt nach – bei Männern und Frauen, die im Emscher Landschaftspark arbeiten, sich darin erholen oder sich für den Regionalpark engagieren.

Heute: Landschaftsfotografin Claudia Dreyße

Mit seinen neuen Gärten und Parks auf ehemaligen Industrieflächen, die für die Öffentlichkeit in der Vergangenheit nicht zugänglich waren, hält der Emscher Landschaftspark für Berufs- und Hobbyfotografen und -fotografinnen zahlreiche attraktive Motive einer neuen Landschaft bereit, die sich durch eine ganz besondere Mischung aus Industriekultur, Industrienatur und gestalteter Gartenkunst auszeichnen. Außergewöhnliche künstlerische Inszenierungen auf Halden wie die Landmarke Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop oder die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel, illuminierte Hochöfen, schroffe Fördertürme oder spektakuläre Brücken wie die Erzbahnschwinge im Westpark Bochum oder die Drachenbrücke im Landschaftspark Hoheward üben eine besondere Faszination auf die Künstler und Künstlerinnen aus und bieten vor allem für Landschaftsfotografinnen und –fotografen eine reiche Auswahl an Bildstoffen an. Claudia Dreyße, Fotografin aus Dortmund, hat an der Fachhochschule Dortmund Fotodesign studiert und ist für ihren Abschluss in den Emscher Landschaftspark hinaus gezogen, um für ihre Diplomarbeit „aufgespürt“: Auseinandersetzung mit der romantischen Landschaftsmalerei geeignete Fotomotive zu suchen. Welche sie gefunden hat und worin der besondere Reiz der urbanen Kulturlandschaft des Emscher Landschaftsparks für Fotoaufnahmen besteht, hat sie uns im Gespräch verraten.

 

Vier Fragen an Claudia Dreyße, Dipl.-Designerin und Dipl.-ing. Architektin (FH) aus Dortmund

1. Was macht den Emscher Landschaftspark mit seinen Erlebnisorten aus deiner Sicht so reizvoll für fotografische Arbeiten?
Ich finde vor allem die Vielfältigkeit des Emscher Landschaftsparks reizvoll. Man kann dort immer wieder Orte auf besondere Weise neu entdecken. Die Landschaft hat aufgrund der Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet ihren ganz eigenen Charakter und bietet viele Brüche und Gegensätze, die ich sehr spannend finde. Wenn man zum Beispiel die Schurenbachhalde besucht, sieht man rund um die Halde idyllische Fleckchen mit Feldern und Pferdekoppeln, während das Plateau der Halde mit dem schwarzen Schotter und der rauhen „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra an eine karge Mondlandschaft erinnert. Das macht aus meiner Sicht das besondere spezifische Landschaftsbild des Emscher Landschaftsparks aus, weil es eine Region im Wandel zeigt. Es ist ja eine „junge“ Landschaft, eine gestaltete Landschaft, die nicht fertig ist und sich noch weiter entwickelt. Man spürt die Entwicklung des Parks, den Prozess, dass hier noch etwas im Gange ist. Die Landschaft ist lebendig und in Bewegung, man spürt den Aufbruch, aber auch gleichzeitig noch die Vergangenheit. Das schafft den besonderen Reiz, dass die Vergangenheit hier nicht geleugnet wird, sondern in die Landschaftsarchitektur und Gartenkunst mit einbezogen wird und dass nicht versucht wird, sich der alten Situation einfach zu entledigen, sondern stattdessen mit ihr umgegangen wird. Für mich ist das eine Schönheit im Landschaftsbild, die sich neu definiert und mit dem Einbeziehen des Alten, Verschlissenen und Zerfallenen eine neue Form der Landschaftsästhetik schafft, die im scharfen Kontrast zu den tradierten Bildern von ebenmäßigen Landschaften mit unberührter Natur steht, die wir als „schön“ kennen. Dieses einmalige Zusammenspiel, das in dieser Form und in der räumlichen Dichte der Orte wohl neu und einzigartig ist, macht die besonderen Landschaftsbezüge im Emscher Landschaftspark und in der Metropole Ruhr für mich aus.

2. Wie bist du auf die Idee gekommen, den Emscher Landschaftspark mit seinem Standort Halde Großes Holz in Bergkamen in deine Diplomarbeit mit einzubeziehen?
Ich habe mich in meiner Diplomarbeit mit der Landschaftsmalerei der Romantik auseinandergesetzt, unter anderem mit Gemälden von Caspar David Friedrich. Die Horizontdarstellung in den Bildern vermittelt eine große Weite und Offenheit, der Blick in die Ferne ist dabei ein wichtiges Stilmittel. Ich war auf der Suche nach vergleichbaren Ausblicken und bin dabei auf die Halde Großes Holz in Bergkamen gestoßen, die natürlich als eine der größten und höchsten Halden in der Metropole Ruhr wie geschaffen ist für einen weiten Panoramablick. Die Ausblicke von der Halde Großes Holz auf die Landschaft sind sehr reizvoll, da sie Motive der Gegensätze zulassen wie zum Beispiel den Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal mit dem benachbarten Kraftwerk. Über die Erfahrung im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich weitere Halden im Emscher Landschaftspark entdeckt, das Thema vertieft und dazu ein Konzept zum Thema „Wachstum von Landschaften“ beim Wettbewerb des NRW.BANK.Kunstkalender 2009 eingereicht. Damit habe ich den 1. Platz belegt und durfte die Umsetzung des Kunstkalenders übernehmen, für den ich dann unter anderem die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen, die Halde Haniel in Bottrop und die Schurenbachhalde in Essen fotografiert habe.

3. Hast du Lieblingsorte im Emscher Landschaftspark? Welche Motive gefallen dir besonders gut?
Einer meiner Lieblingsorte ist die Halde Hoheward in Herten/Recklinghausen, die ist aufgrund ihrer Höhe und Größe schon sehr imposant. Und der Ausblick ist einfach fantastisch. Ich mag aber auch den Blick auf die Halde, wenn man zum Beispiel morgens über die Autobahn fährt und plötzlich erheben sich in der Dämmerung die Bögen des Horizontobservatoriums am Horizont, das ist schon sehr beeindruckend, wie von einer anderen Welt und lässt mich immer an den Science Fiction-Film „Contact“ denken. Ansonsten bin ich gern auf der Halde Großes Holz, weil ich die gestaltete Landschaft der Halde mag und das Konzept sehr stimmig finde. Mir gefällt die unaufdringliche schlichte Gestaltung der Halde und der Bruch zwischen der wild wachsenden Industrienatur und den gestalteten Vegetationsflächen, wie dem Gräserfeld auf dem Haldenplateau. Von den Parks gefällt mir der ZOLLVEREIN® Park in Essen am besten mit seiner wilden Industrienatur. Ich finde die Gestaltung der Gleisharfe sehr gelungen, die das Vorhandene mit Neuem kombiniert und sehr respektvoll Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

4. Hast du zum Schluss noch einen kurzen Tipp für Hobbyfotografen und -fotografinnen, die Landschaftsaufnahmen im Emscher Landschaftspark machen wollen?
Mein Tipp ist es, die Orte einmal bei Sonnenaufgang zu besuchen, um die Morgenstimmung einzufangen. Die ist sensationell, mit ganz besonderen Lichtsituationen, die die Orte noch einmal von einer ganz anderen Seite zeigt. Ein wirklich einmaliges Naturerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!