Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Erlebnispädagogik an der Emscher

Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Erlebnispädagogik an der Emscher

Der Emscher Landschaftspark ist in der Metropole Ruhr mit seinen Kunstwerken, Parks und auch seiner Größe ein neuer Erlebnisraum am Wasser. In ihm werden Industrienatur und Industriekultur für Groß und Klein erlebbar. Natürlich geht das nicht von ganz alleine und neben der Emschergenossenschaft und dem Regionalverband Ruhr gibt es viele kleinere Initiativen, die den Park zu dem machen, was er heute ist. Wir treffen die Vereine, Ehrenamtlichen und die Bewohner und finden heraus, was der grüne Emscher Landschaftspark für sie bedeutet.

Heute: Erlebnispädagogik und Jugendarbeit

Weit im Westen des Emscher Landschaftsparks wurde im Rahmen der Emscherkunst 2013 ein einzigartiger, vielseitiger Kulturtreffpunkt für Jugendliche geschaffen. Die Emscherkunst ist ein Projekt von Urbane Künste Ruhr, der Emschergenossenschaft und dem Regionalverband Ruhr und trägt aktiv dazu bei, aus Industriebrachen erlebbare Industrienatur zu machen. Die verschiedensten Projekte, wie zum Beispiel „Warten auf den Fluss“ an der Emscher-Insel in Essen, zeigen uns seit 2010 auf ihre Weise die Schönheit des Emscher Landschaftsparks .  Wir haben uns auf den Weg nach Oberhausen-Holten gemacht und Menschen getroffen, die das moderne Areal an einem sonnigen Vormittag genießen und auch die, die viel Herzblut und Handarbeit in ihren Emscherdamm gesteckt haben, denn so wird die neue Einrichtung treffend bezeichnet.

Nach einem kurzen Fußmarsch durch das beschauliche Oberhausen-Holten erreichen wir die Emscher. Von hier oben kann man den Holtener Bruch ein paar Meter weiter südöstlich nur erahnen, doch Schilder verraten, dass dort im Rahmen des Emscherumbaus bald eine gewaltige grüne Auenlandschaft entstehen und der Emscher in ihrem westlichen Teil ein neues Gesicht geben wird. Zum Emscherumbau gehört auch ein Abwasserkanal, der von der Kläranlage Dortmund-Deusen bis zur Kläranlage Emschermündung der Emscher zu einem neuen und sauberen Image verhelfen wird.  Auf dem Uferwall verläuft der 101 Kilometer lange Emscher-Weg , der die Emscherquelle in Holzwickede am Emscherquellhof mit dem Hof Emschermündung in Dinslaken verbindet. Vom Radweg aus ist es leicht zu sehen, das neue Jugendzentrum “Emscherdamm“. Aus der Vogelperspektive erkennt man auch die Wellenform, welche den Verlauf der Emscher künstlerisch nachahmt. Entlang der geschwungenen Betonwand betreten wir zuerst den Skatepark, welcher das kurvige Thema des Gebäudes mit seiner “Bowl“, den Rampen und den “Rails” gekonnt fortsetzt. Umgeben wird dieser von einer kleinen Mauer, beschriftet mit zahlreichen berühmten und weniger berühmten Sprüchen, die dem jugendlichen Geist des gesamten Areals gerecht werden. Am größten steht dort geschrieben: “Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?”. Den Künstlern zu Folge soll George Bernard Shaw dies so gesagt haben und regt uns damit zum Denken an. Wir laufen weiter, rechts von uns die “Welle” und links von uns die Emscher, und erreichen den Spielplatz, der von einem großen Kletternetz geprägt ist. Aus der Wand ragt das Ende einer Rutsche hervor. Wie kommt man denn bloß in diese Rutsche hinein? Dazu müssen wir die Welle besteigen, die auf der anderen Seite eine große abschüssige Rasenfläche ist. Von oben kann man nun die ganze Außenanlage, genannt “PlayLand” bewundern. Fast ganz oben befindet sich auch der Eingang der Rutsche, der in der Welle verschwindet. Wir sehen auch, dass sich noch etwas weiter am Fuße der Welle ein weiterer kleiner Spielplatz befindet. Dieser besteht aus vier kreativ gestalteten Betonkammern, die durch Rohre verbunden sind und zum Erkunden einladen. Mit einer Wasserpumpe können die Kinder hier eine Fontäne auf dem “Dach” der letzten Kammer in Bewegung setzten und sich an heißen Tagen eine kühle Erfrischung erarbeiten. Diese können sie bestimmt gut gebrauchen, wenn sie erst einmal  den dreiteiligen Kletterwald über ihren Köpfen  bezwungen haben.

Kletteranlage Emscherdamm im Emscher Landschaftspark

Kletteranlage Emscherdamm im Emscher Landschaftspark

Bisher waren wir ganz alleine, doch dann treffen wir Tobias und seine Kolleginnen, die eine Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen betreuen: „ Wir kommen von der Lebenshilfe Werkstatt am Waldteich, die ist gleich auf der anderen Seite der Emscher. Eigentlich wollten wir nur eine kleine Runde zum Supermarkt drehen, aber bei dem Wetter, sind wir dann doch noch über die Brücke und ein Stück auf dem Emscher-Weg gegangen.“ . Für die Betreuer und Betreuerinnen und ihre Schützlinge verschiedenen Alters ist der Emscherdamm Neuland, doch vor allem das große Klettergerüst weckt schnell die Begeisterung der jüngeren Gruppenmitglieder und sogar auch den Spieltrieb der Betreuer: „Wir müssen ja testen, ob das Ganze auch sicher ist“, rechtfertigen sie sich lachend. Kurze Zeit später treffen wir an der Skaterbahn noch auf Herrn Scholten und seinen Sohn. Sie kommen aus Oberhausen-Sterkrade und fahren häufiger extra wegen dieser Anlage nach Holten. Heute wollte sein Sohn unbedingt seinen brandneuen grün-schwarzen Cityroller ausprobieren und fegt gekonnt über die Rampen und durch die “bowl”, die große Betonmulde. Wenn sie mal mehr Zeit haben, genießen und erleben sie auch gerne andere Orte in der Metropole Ruhr. „Am liebsten ist uns der Kaisergarten hier in Oberhausen. Dort können wir locker einen ganzen Tag verbringen, denn jedes Familienmitglied kommt auf seine oder ihre Kosten.“

Schnell ist die Zeit vergangen, als dann pünktlich Dirk Wisnewski auf das Gelände fährt. Er kommt zusammen mit seinem Mitarbeiter Philipp und jeder Menge Werkzeug und Baumaterial. Dirk ist studierter Erlebnispädagoge und schon seit mehr als zehn Jahren die treibende Kraft im alten und natürlich auch im neuen Emscherdamm. Er geht voran und öffnet uns die Tür zum Innern der “Welle”. Was verbirgt sich wohl in dem grünen Damm? Wir betreten den Hauptraum, einen vielseitigen und gemütlichen Raum, der gerade so sprüht vor Kreativität. Wir setzen uns an die Theke, von der aus wir einen guten Blick in den ganzen Raum haben. “Alles hier ist Handarbeit”, erzählt uns  Dirk. Selbst die Theke ist ein ehemaliger Überseecontainer, den er und seine “Kids”, wie er liebevoll sagt, auseinander genommen und umgebaut haben. Die einstige Containerwand bildet nun die Verkleidung der Theke und der Containerboden ist die Thekenfläche. Selbst die rote Containertür hat ihren Platz hinter der Theke gefunden. Es ist kaum vorstellbar, wie viel Arbeit dort hineingesteckt wurde. Das Ergebnis jedoch ist unvergleichlich und verleiht der Theke ihren künstlerisch individuellen Charme. Auch auf die Details kommt es an: Das rockige und jugendlich rebellische Ambiente entsteht durch eine Rolle Stacheldraht, die über der Theke viele kleine kreative Details zusammenhält. Außerdem passt in den Raum eine erstaunlich große Bühne und professionell wirkende Ton- und Lichttechnik sind unter der hohen Decke befestigt. Natürlich haben Dirk und sein Team auch die Bühne selber gebaut und geben sich viel Mühe, diese auch zu nutzen. So treten regelmäßig Gruppen und Bands aus dem ganzen Ruhrgebiet auf. Es ist sogar schon eine Band aus Schottland aufgetreten. Genießen können die jungen Besucher und Besucherinnen die Bands in einer gemütlichen Sitzecke im Dämmerlicht. Anschließend an den großen Veranstaltungsraum gibt es eine kleine Werkstatt, in der viele Einzelteile des heutigen Emscherdamms entstanden sind. Nach dieser kleinen Tour durch das Gebäude, führen wir noch ein kleines Interview.

Dirk Wisnewski Leiter des Emscherdamms im Emscher Landschaftspark

Dirk Wisnewski, Leiter des Emscherdamms im Emscher Landschaftspark

Drei Fragen an Dirk Wisnewski, Verantwortlicher für die Jugendeinrichtung “Emscherdamm” :

Wie ist der “Emscherdamm” zu diesem kreativen Rückzugsort für die Jugendlichen der Umgebung geworden?

Unsere erste Wahl war vor über zehn Jahren ein Gebäude des ehemaligen Flugplatz Holten. Von dem alten Feuerwehrhaus war nach dem Krieg nur noch eine Brandruine übrig, doch mit den Jugendlichen hier aus der Umgebung haben wir alles aus dem Bau herausgeholt und uns ein echtes “Seelenwohnzimmer” geschaffen. Wir hatten unseren Emscherdamm schon lieb gewonnen, als wir von den Vorhaben um die Renaturierung der Emscher gehört haben. Wir konnten denen natürlich nicht im Weg stehen, auch wenn wir um unser Zuhause traurig waren. Umso größer war dann der Einsatz, den neuen Emscherdamm genau nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Unterstützt wurden wir von der renommierten slowenischen Architektin und Künstlerin Apolonija Å ušteršič und einem örtlichen Archtiektenteam, die ihre Pläne für die Emscherkunst 2013 gemacht hatten. Nach anfänglicher Skepsis und vielen Monaten an Planung und ersten Schritten trug die harte Arbeit erste Früchte. Das Außenareal war zuerst fertig, aber insgesamt hat es knapp sieben Jahre gedauert, bis wir hier einziehen konnten. Es steckt viel Handarbeit und Herzblut drin und natürlich sind wir noch längst nicht fertig. Aber mit der Zusammenarbeit der Kids schaffen wir auch das, was noch ansteht.

Was könnt ihr den Jugendlichen hier an der Emscher bieten?

Dieser Ort ist etwas ganz besonderes, wie man ja auch sieht und besonders wichtig sind für uns auch die Kinder und jungen Erwachsenen. Angefangen hat es mit LAN-Parties in unserem alten Emscherdamm und einfach der Möglichkeit, mit anderen Jugendlichen aus verschiedenen Altersgruppen eine tolle Zeit zu verbringen. Ein Highlight waren immer schon die Beachparties, die wir schon mehrmals veranstaltet haben. Dafür haben wir extra einen ganzen Laster Sand angefahren, Palmen aufgestellt und den Grill angeworfen. Inzwischen, speziell mit dem großen Raum haben wir mehr Möglichkeiten, Konzerte zu organisieren. In den letzten Jahren haben wir auch immer ein breit gefächertes Erlebnisprogramm angeboten. Das reicht von Abenteuerspielen im Emscher Landschaftspark  oder Ausflügen zum Kultur Kanal bis hin zu Ferienfreizeiten zum Beispiel in Süditalien. Vor allem ist der Emscherdamm aber ein gemütlicher Treffpunkt, um mit Freunden Spaß zu haben oder einfach nur zu “chillen”. Hilfreich ist auch die Lage an der Emscher, wodurch wir weniger Streitigkeiten mit den Nachbarn haben und das Grün vor der Tür.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft des Emscherdamms aus, speziell mit dem noch bevorstehenden Emscherumbau?

Solange die Kreativität hier fließt, und das tut sie, werden wir noch viel zu tun haben und den Emscherdamm weiter entwickeln. Sobald die Arbeiten am Holtener Bruch es uns erlauben, wollen wir noch einen Beachvolleyballplatz und ein Basketballfeld an das Gelände anschließen. Natürlich würde wir auch gerne unseren kleinen Kletterwald ausbauen, sobald wir die Zeit dazu haben. Genauso wie die Jugend, verändert sich auch der Emscherdamm immer wieder und er soll dieser einzigartige und authentische Treffpunkt bleiben, zu dem wir ihn gemacht haben.