Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Canu-Touring Wanne 32/02 e.V.

Menschen im Emscher Landschaftspark 2017: Canu-Touring Wanne 32/02 e.V.

Kaum ein anderes Naherholungsgebiet bietet solch eine Vielfalt an erlebnisreichen Freizeitangeboten, abwechslungsreicher Industrienatur und spannender Industriekultur wie der Emscher Landschaftspark. Doch sind sich die Bewohner der Metropole Ruhr dieser vielfältigen Möglichkeiten eigentlich bewusst?  Wie werden die neu gestalteten und genutzten Flächen bisher wahrgenommen? Wir gehen diesen Fragen auf den Grund und führen regelmäßig  Interviews mit Menschen, die sich für den Emscher Landschaftspark engagieren, sich darin erholen oder in ihm arbeiten.

Bootshaus Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Bootshaus Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

 

Heute: Canu-Touring Wanne 32/02 e.V.

Bootsgarage Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Bootsgarage Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Das Bootshaus des Canu-Touring Wanne 32/02 Vereins liegt unmittelbar am Ufer des Rhein-Herne Kanals in Herne. Als wir dort eintreffen, sehen wir bereits spielende Kinder und Jugendliche, die sich auf das Training vorbereiten und Erwachsene, die einen Kaffee im Clubhaus genießen. Das Bootshaus ist eine Anlaufstelle für alle Altersgruppen im Emscher Landschaftspark Gregor Slembek, Vorstandsvorsitzender und Trainer, begrüßt uns freundlich und führt uns über das Vereinsgelände. Wir werfen einen Blick in eine der sechs Bootsgaragen und blicken auf etliche Boote in allen vorstellbaren Größen und Farben. Die Schmuckstücke des Vereins sind die beeindruckenden Drachenboote, in denen bis zu 20 Leute Platz finden. Gregor Slembek erklärt uns, dass insgesamt 70 Vereinsboote und circa 90 Privatboote in den Garagen einquartiert sind. Die bisherige Außensportfläche erstreckt sich auf 2.700 m² – mit eigener Slipanlage, einem großen Spielplatz für Kinder und einer Zeltwiese. Das Gelände befindet sich im Neuaufbau, da im Jahr 2006 ein neuer Düker (Druckleitung), im Rahmen der Renaturierung der Emscher, auf dem Bootshaus-Grundstück angelegt werden musste. Seit 2012 versucht der Verein, das Gelände mithilfe von Sponsoren wieder in seiner alten Schönheit erstrahlen zu lassen. Geplant ist bereits der Aufbau einer Boulderwand, einer Tischtennisplatte und einer Slackline.

Schwimmwesten und Paddel Canu-Touring Wanne 32/02 e.V.

Schwimmwesten und Paddel Canu-Touring Wanne 32/02 e.V.

Heute schnuppern wir in das Vereinsleben hinein und unternehmen mit dem Kanu einen Ausflug auf dem Rhein-Herne-Kanal. Der Rhein-Herne-Kanal ist das Herzstück des KulturKanals, einem langfristigen Projekt mit dem Ziel, einen Raum für Tourismus, Freizeit und Kultur auf rund 70 Kilometern Länge – vom Duisburger Innenhafen bis zum Dattelner Meer – zu etablieren. Der KulturKanal bietet euch beispielsweise die Möglichkeit, den Emscher Landschaftspark mit seiner vielfältigen Industrienatur und Industriekultur vom Wasser aus zu entdecken. Diese Möglichkeit nutzen wir heute und beginnen, unsere Route entlang des Rhein-Herne Kanals zu planen. In westlicher Richtung, nicht unweit des Cranger Kirmes-Platzes, befindet sich die Anleger-Schleuse Wanne-Eickel. Desweiteren findet ihr hier die 11. Station der dauerhaften Freiluftausstellung „Bilder am Kanal“, die das künstlerische Leitsystem des KulturKanals seit der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, bildet.

Rhein-Herne-Kanal in Herne

Rhein-Herne-Kanal in Herne

Wir entscheiden uns, in die entgegengesetzte Richtung zum Stadthafen Recklinghausen zu paddeln. Auf dem Weg entdecken wir das 600 m² große Wandmosaik an der Außenfassade des Faulturms der ehemaligen Kläranlage Herne. Das Kunstwerk wurde im Rahmen der EMSCHERKUNST.2010 von der Frankfurter Künstlerin Silke Wagner entworfen. Wenige Meter weiter können wir bereits den Stadthafen Recklinghausen sehen, der zu einem Erlebnisareal mit attraktiven Freizeitangeboten im Emscher Landschaftspark umgestaltet wurde. Wir paddeln zum Ufer, befestigen unser Kanu und legen eine Pause in der gemütlichen Strandbar mit Blick auf den KulturKanal ein. Neben uns plant eine Gruppe junger Frauen eine Fahrradtour auf dem Emscher Park Radweg, der unmittelbar am Stadthafen Recklinghausen vorbeiführt.

Wir spazieren über eine Fußgängerbrücke, die über die Emscher führt, zum Umspannwerk Recklinghausen, das Teil des Museums Strom und Leben ist. Das Umspannwerk Recklinghausen gehört zu den 25 Ankerpunkten der Route der Industriekultur im Emscher Landschaftspark und liegt ebenfalls an der Themenroute „Chemie, Glas und Energie“.

Als wir wieder am Bootshaus eintreffen, erwartet uns schon der freudig strahlende Gregor. Zum Abschluss führen wir ein kleines Interview mit ihm:

Drei Fragen an Gregor Slembek, Trainer und Vorsitzender des Vereins Canu-Touring Wanne 32/02:

1. Welche Möglichkeiten bietet ihr den Menschen in der Metropole Ruhr?

Drachenboote Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Drachenboote Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Wir sind ein Familiensportverein und bieten beispielsweise Kanusport, Wanderfahrten, Wildwassersport, Drachenbootsport oder Seekajakfahrten für die ganze Familie an. Darüber hinaus können Firmen, Organisationen und Schulen an Teambuilding-Aktionen teilnehmen, wie zum Beispiel an einer gemeinsamen Fahrt  im Drachenboot mit anschließendem Grillen beim Sonnenuntergang. Parallel dazu bieten wir Ausgleichstraining in der Turnhalle mit Sportangeboten für Kleinkinder sowie für Erwachsene an. Wir treffen uns in der Sporthalle und schauen meist spontan, ob wir Handball, Volleyball, Fußball o.Ä. spielen. Wenn die Vereinsmitglieder Wasseraerobic ausprobieren möchten, organisieren wir eine Wasseraerobic Gruppe – jeder Wunsch wird berücksichtigt. Momentan besteht unser Verein aus 153 Mitgliedern, 40 davon sind Kinder und Jugendliche.

2. In der Vergangenheit habt ihr euch stets für Aktionen, wie für die Schifffahrtsparade auf dem KulturKanal im April 2017, engagiert. Gibt es weitere Projekte, in die ihr involviert seid?

Ja, sehr viele sogar! Vor einiger Zeit haben wir eine Selbsthilfegruppe in Kooperation mit der Initiative „TeamPink – Paddeln interkulturell. Nie alleine gegen Brustkrebs“ gestartet. Die Aktion ermöglicht erkrankten Männern und Frauen die einzigartige Erfahrung in einem Drachenboot den KulturKanal entlang zu paddeln und in die Industrienatur des Emscher Landschaftspark einzutauchen. Neben der Erfahrung eines Gemeinschaftsgefühls und neuer Lebensfreude können mit einem speziellen Trainingsprogramm die Lymphödeme immens verringert werden. Die bisherigen Teilnehmer/innen waren hellauf begeistert und sind kurzerhand in den Verein eingetreten.

Darüber hinaus haben wir in den letzten drei Monaten ein Team von der wewole Stiftung trainiert, die sich aus der ehemaligen Werkstatt für Behinderte in Castrop-Rauxel gebildet hat. Für uns war es eine spannende Herausforderung, 25 bis 30 Menschen mit motorischen und kognitiven Einschränkungen Kanu fahren beizubringen. Doch alle Beteiligten hatten viel Spaß und die Freude war besonders groß, als das Team bei einem Rennen am 30.06.2017 den 1. Platz errungen hat. In Zukunft ist eine Kooperation mit dem kommunalen Integrationszentrum Herne geplant.

3. Warum bot sich insbesondere dieser Standort für den Kanuverein im Emscher Landschaftspark an?

Spielplatz Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Spielplatz Canu-Touring Wanne 32/02 e.V. Herne

Man hat einen Standort unmittelbar am Kanal gesucht – da hat sich das Gelände des ehemaligen Sägewerks in Wanne bestens angeboten. Ursprünglich war der Verein ein Turnclub, der ein Interesse für den Wassersport entwickelt hat. Im Jahr 1932 wurden die ersten Boote von den Mitgliedern selbst entworfen und gebaut. Mein Großvater war an der Gründung des Vereins beteiligt. Der KulturKanal ermöglicht außerdem auch unterhalb der Wassersportvereine einen weitläufigen Kommunikationsraum. Wir haben zum Beispiel Verbindungen mit dem Oberhausener KanuClub oder der Wanheimer Kanu-Gilde in Duisburg und unterstützen uns gegenseitig. Ich sage immer „Nur gemeinsam ist man stark“.

Wir bedanken uns bei Gregor für den schönen Tag und die spannende Erfahrung, den Emscher Landschaftspark  aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Vom Wasser aus haben wir einen neuen, faszinierenden Ausblick auf die Metropole Ruhr erhalten!