Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Menschen im Emscher Landschaftspark 2016: Emscherkunst_Scout

Menschen im Emscher Landschaftspark 2016: Emscherkunst_Scout

Parks, Halden, Freizeitwege und Industriekultur: Der Emscher Landschaftspark bietet eine wertvolle, facettenreiche und vor allem erlebbare urbane Landschaft in der Metropole Ruhr. Aber wie genau erleben die Bewohner und Mitarbeiter vor Ort die neu gestalteten und genutzten Flächen? Wie nehmen sie die urbane Kulturlandschaft wahr? Welche Landmarken schätzen sie besonders? Um das herauszufinden, führen wir Interviews mit Menschen, die im Emscher Landschaftspark arbeiten, sich darin erholen oder sich für den Regionalpark engagieren, und fragen nach der Bedeutung dieses Lebensraums für die Bewohner der Metropole Ruhr. 

Heute: Emscherkunst_Scouts

Im Emscher Landschaftspark findet bereits zum dritten Mal die Ausstellung Emscherkunst statt, die seit 2010 den Emscherumbau begleitet und alle drei Jahre Kunstwerke entlang der Emscher präsentiert. Die Emscherkunst 2016 umfasst 24 Kunstwerke, 7 Kunstareale und 50 km Kunstroute, in denen sich die Künstler mit dem Umbau der Emscher und dem industriellen und strukturellen Wandel des Neuen Emschertals auseinander gesetzt haben. International renommierte Künstler von Ai Weiwei über Mark Dion bis hin zu Lucy und Jorge Orta tragen zu der vielfältigen, teils interaktiven Gestaltung der Route zwischen Herne und Holzwickede bei. Max Hölter ist einer von zahlreichen Scouts der Emscherkunst, die die Besucherinnen und Besucher vor Ort über die Ausstellungsprojekte und Kunstwerke der Emscherkunst 2016 informieren.

Emscherkunst Banner

Emscherkunst 2016

Wir besuchen den Stadthafen Recklinghausen, einen ehemals genutzten Kanalhafen. Auf der Brücke über dem Rhein-Herne-Kanal treffen wir uns mit Max. Heute zeigt sich die Metropole Ruhr von einer grauen, verregneten Seite – Max fällt in seinem orangenen Emscherkunst_Scout T-Shirt vor dieser Kulisse sofort auf. Der 25-jährige ist eingeschriebener Student an der Kunstakademie in Düsseldorf und hat gestern sein Bachelor-Abschlussprojekt seines Kunststudiums an der TU Dortmund eingereicht. Er habe sich also nicht nur selbst mit den Kunstwerken der Emscherkunst im Emscher Landschaftspark näher auseinander gesetzt, sondern sei auch im Rahmen seines Studiums auf den Job als Emscherkunst_Scout vorbereitet worden. „Ich stehe hier und rieche“, sagt Max und lacht. In der Tat können wir einen leichten Geruch wahrnehmen, den die Emscher noch verströmt.

Waste Water Fountain

Waste Water Fountain von SUPERFLEX

Wir schauen jetzt auf die Waste Water Fountain von der dänischen Künstlergruppe SUPERFLEX. „Das ist eines meiner Lieblingsstücke. Ohne didaktisch zu sein, zeigt die Fontäne die Schmutzigkeit der Emscher auf. Eine Fontäne, wie ein Schokobrunnen, ist ja eigentlich etwas delikates. In diesem Falle aber leider nicht.“ So verstopfen nicht zersetzbare Stoffe oft die Waste Water Fountain und werden dann mit einem großen Schwall hinaus katapultiert. Die Emscherkunst verspreche, laut Max, zweierlei: „Zum einen die erhöhte Lebensqualität durch den Wegfall des Gestanks. Zum anderen die Chance für eine andere, neue Stadtidentität. Essen hat ja zum Beispiel auch schon viel versucht in Richtung „Einkaufsstadt“ oder „Grüne Mitte Essen“. Seit 2010 hat sich die Region Kultur auf die Fahne geschrieben, um das große Vakuum zu füllen, das die Industrie hinterlassen hat. Und die Emscherkunst ist beispielhaft für diese Entwicklung. Ob diese Versprechen eingelöst werden, wird die Zeit noch zeigen.“

Analyse von Roman Signer

Analyse von Roman Signer

Wir schlendern gemeinsam zu Roman Signers Werk Analyse, das zum einen die Bestandteile der Emscher aufzählt und, zum anderen, den Fluss mit Wasser aus dem benachbarten Rhein-Herne-Kanal versorgt. „Die Emscherkunst beansprucht ja auch eine aufklärerische Aufgabe für sich“, erzählt Max. „Die Bewohner sollen sehen, dass was verändert wird. Viele kommen jetzt während der Ferien und das Gros der Leute ist sicherlich aus dem Bereich der Lehre, der kunstaffinen Mittelschicht.“ 2013 habe er auch schon als Emscherkunst_Scout gearbeitet, damals habe ihm das Projekt Breaking new von Anna Witt unheimlich gut gefallen. „Es war eigentlich mehr eine Art Dienstleistung: Anna Witt hat sich damals mit dem Stadtbild von Duisburg-Marxloh beschäftigt und ihr sind die Mengen an Sperrmüll aufgefallen. Aus diesem hat sie dann neue Möbel gezimmert, hat aus unbrauchbaren Teilen Neues geschaffen – die Anwohner konnten sich die Ergebnisse dann abholen. Das hat natürlich auch enorm viele Leute erreicht, die nicht so viel mit Kunst zu tun haben.“ Und genau das wolle die ambitionierte Ausstellung der Emscherkunst, laut Max, sie wolle den Draht zu den Bürgern herstellen.

Stadthafen Recklinghausen

Stadthafen Recklinghausen

Als hätte er Max‘ Worte gehört, begrüßt uns ein Spaziergänger, der sich gerade die Informationstafeln des Faulturms durchliest, mit den Worten „Hier kann man noch was lernen“. Silke Wagner hat die ehemalige Kläranlage mit dem 600 qm großen Mosaik “Glückauf. Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet” versehen, das die Geschichte des Bergbaus und den einhergehenden gesellschaftlichen Wandel aufzeigt. Wer mag, kann eine kostenlose Hotline anrufen und sich von Herbert Knebel mehr über den Turm erzählen lassen. Max grinst, als er die Nummer wählt: „Nimm einen typischen Ruhri und viele können etwas damit anfangen.“ Während er der Stimme des Komikers lauscht, erzählen uns der Spaziergänger und seine Frau, dass sie dieses Jahr auf jeden Fall noch zum PHOENIX See nach Dortmund fahren wollen. „Ganz toll ist auch die Künstlerzeche Unser Fritz am Rhein-Herne-Kanal. Und die Sicht von der Halde Hoheward auf das Feuerwerk der Cranger Kirmes. Die Kirmes startet heute auch wieder!“ Für Max hat das UNESCO-Welterbe Zollverein einen besonderen Reiz: Max kommt aus Essen und besucht die Zeche Zollverein regelmäßig. „Der Emscher Landschaftspark bietet auf jeden Fall eine ganze Menge für die Lebensqualität in der Metropole Ruhr. Ich könnte keineswegs behaupten, dass ich ungern hier wohne.“ Auf dem Rückweg schauen wir noch in einem Kiosk vorbei. Ja, „Kiosk“ steht über dem Eingang. Nicht „Bude“. „Hier ist so Ruhrpott, dass die es sich nicht auf die Fahne schreiben müssen“, lacht Max, nimmt einen Schluck seines Kakaos und schlendert als leuchtend orangener Farbklecks durch den Nieselregen zurück zur Emscher und den Kunstwerken der Emscherkunst 2016.