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Emscherlandschafts Park
Kunst und mediterranes Klima im Emscher Landschaftspark: Der Stadtteilpark Mont-Cenis

Kunst und mediterranes Klima im Emscher Landschaftspark: Der Stadtteilpark Mont-Cenis

Akademie Stadtteilpark Mont-Cenis

Akademie
Stadtteilpark Mont-Cenis
Herne

Uns erwartet südländisches Flair inmitten der Metropole Ruhr! Denn im Herzen des Emscher Landschaftsparks in Herne-Sodingen liegt der Stadtteilpark Mont-Cenis mit seiner außergewöhnlichen Akademie, in der das ganze Jahr über ein mediterranes Klima herrscht. Auf dem ehemaligen Zechengelände schufteten bis 1978 rund 4.000 Bergleute. Nach der Schließung passierte lange Zeit erst mal nichts, bis dann 1990 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park Pläne für eine Neunutzung der Brache geschmiedet wurden. Durch den neu entwickelten Stadtteilpark Mont-Cenis hat der Ortsteil Herne-Sodingen schließlich ein neues modernes Zentrum bekommen, das den Menschen als Ort der Naherholung oder als Arbeitsplatz dient.

Bei unserem Ausflug zum Stadtteilpark kommen wir dem Erbe der Vergangenheit Sodingens auf die Spur: Der Künstler Herman Prigann inszenierte im oval angelegten Park eine begehbare Skulptur, die heute als „Trümmerfeld“ aus Betonresten der ehemaligen Zeche an vergangene Zeiten erinnert. Wir spazieren auf  dem Rad- und Wanderweg, der einmal um das Gelände herum führt durch den Park. Die gut befestigte Strecke nutzen neben uns noch weitere Spaziergänger und Spaziergängerinnen für sich, um ein wenig frische Luft zu genießen. Bänke am Wegesrand laden uns zum Verweilen ein und neben der schönen Baumreihe aus Pappeln entdecken wir in regelmäßigen Abständen hohe Maste mit blauen Lichtpunkten. Der Künstler Mischa Kuball entwarf dieses Kunstwerk unter dem Namen „Oval Light“, das im Dunkeln schön zu betrachten ist. Unser Blick schweift über die große Wiese, auf der ausgelassen eine Gruppe Kinder spielt und die ersten Frühlingstage genießt. Der Weg führt rund um die Akademie Mont-Cenis, die als außergewöhnliche Landmarke das Zentrum des Stadtteilparks bildet. Ganz besonders beeindruckt sind wir von ihrer postmodernen Architektur mit den großen lichtdurchfluteten Räumen und meterhohen Holzsäulen. Und natürlich von dem mediterranen Klima, das durch Methoden der Wärmerückgewinnung im Glasbau entsteht, wodurch der Energieverbrauch des Geländes  übrigens um ganze 50% gesenkt wird. Das ganze Jahr herrschen hier gleich bleibende, wohlige Temperaturen. Palmen und Wasserbecken im Innenhof sorgen hier im Emscher Landschaftspark für eine Atmosphäre wie am Mittelmeer und wir geraten sofort in Urlaubslaune.

"Trümmerfeld" Stadtteilpark Mont-Cenis

“Trümmerfeld”
Stadtteilpark Mont-Cenis
Herne

Die Akademie Mont-Cenis wird hauptsächlich von der Fortbildungsakademie des Innenministeriums des Landes NRW und der Herner Stadtverwaltung genutzt. Da wir gern mehr über den Stadtteilpark Mont-Cenis und die Akademie erfahren wollen, insbesondere wie diese Fläche im Emscher Landschaftspark heute von Menschen genutzt wird und welche Bedeutung sie für die Einwohner und Einwohnerinnen im Herner Stadtteil Sodingen hat, treffen wir uns für ein Interview mit Jürgen Hattendorf, dem Fachbereichsleiter für Medien und Kommunikation der Fortbildungsakademie. Er erzählt uns, wie es zur Neugestaltung des Geländes kam und wie der Stadtteilpark Mont-Cenis heute positiv zum Herner Stadtbild beiträgt.

Sechs Fragen an Jürgen Hattendorf, Fachbereichsleitung Medien und Kommunikation, Fortbildungsakademie des Ministeriums des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen in Herne

1) Die Akademie Mont-Cenis gab den Impuls für die Neugestaltung des ehemaligen Zechengeländes in Herne-Sodingen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Nach dem Abbau der alten Zeche Mont-Cenis stand das gesamte Gelände leer und wurde nicht genutzt. Die Folge war, dass der Stadtteil Sodingen seine Bevölkerungsstruktur negativ verändert hat.  So war es der Wunsch der Stadt und der damaligen Landesregierung, dass sich hier etwas verändern sollte. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park wurde daher ein Konzept entwickelt, wie dieser Stadtteil umgestaltet werden konnte. Und wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts war die Akademie Mont-Cenis, ein Gebäude als besonderes bauliches Merkmal. Gleichzeitig wurde die Umgebung mit geplant, die anliegende Wohnbebauung und die gewerbliche Nutzung. Das hat dazu geführt, dass tatsächlich eine andere Wohnbevölkerung in den Stadtteil gezogen ist. Ein wesentlicher Vorteil dieses Standortes ist, dass er sehr gute Verkehrsanbindungen hat, zum einen an die Autobahn, zum anderen an den Öffentlichen Nahverkehr. Außerdem gibt es eine sehr gute öffentliche Nahversorgung mit Supermärkten, Drogerien usw. und ein tolles Freizeitangebot, denn der Revierpark Gysenberg liegt nur wenige Kilometer entfernt. Diese Vorteile wurden von der Bevölkerung schnell neu entdeckt und begeistert angenommen.

Baumreihe mit Pappeln Stadtteilpark Mont-Cenis

Baumreihe mit Pappeln
Stadtteilpark Mont-Cenis
Herne

2) Wie trägt die Akademie Mont-Cenis zum Strukturwandel im Emscher Landschaftspark bei?

Die Akademie Mont-Cenis war die Initialzündung für die Entwicklung des Stadtteils Herne-Sodingens. Denn mit der Akademie wurde auch das gesamte Umfeld mit Wohngebäuden und Gewerbeflächen neu geplant, so dass hier damit also eine Gesamtentwicklung des Stadtteils ausgelöst wurde. Zwar haben wir in der Akademie Mont-Cenis von der Zahl her relativ wenige Arbeitsplätze, erreichen jedoch mit dem Seminarbetrieb eine hohe Fluktuation von Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Das wiederum ist natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor für den Stadtteil, denn die Gäste werden hier im Hotelbereich untergebracht, nehmen Catering-Leistungen in Anspruch, gehen abends auf ein Getränk aus oder ins Schwimmbad und nutzen somit das Gesamtangebot des Stadtteils. Zwar ist dieser Wirtschaftsfaktor im Verhältnis zum Bergbau und der früheren Zeche Mont-Cenis natürlich sehr klein, aber für uns und für den Stadtteil heute dennoch sehr wichtig.               

3) Was sind die baulichen Besonderheiten des Stadtteilparks Mont-Cenis mit seiner Akademie?

Die Akademie mit der umgebenden Landschaft wurde als Gesamtkonzept konzipiert. Die große Grundfläche ist umrahmt von Bäumen und einer blauen Lichtanlage des Künstlers Mischa Kuball. Dadurch wird das ehemalige Zechengelände markiert. In der Mitte steht die Akademie Mont-Cenis, eine Glashülle, in der nochmals Gebäude stehen. Das ist einer der ersten Versuche der „Haus-in- Haus-Architektur“, die es jetzt in verschiedenen Gebäuden in unterschiedlichen Formen wieder gibt. Besondere Merkmale des Gebäudes sind das große Solardach, das Energie bringt und die starke Nutzung von Holz, das in Form von Holzträgern, Balken und Stämmen verwendet wird. Es sieht so aus, als seien Holz und Glas die tragenden Baumaterialien, tatsächlich ist natürlich Stahlbeton im Hintergrund. Dennoch wird das gesamte Gebäude von Holzstämmen getragen, genauer gesagt von Fichtenstämmen aus dem Sauerland, die bis zu 19 Meter hoch und sehr belastbar sind. Durch diese Konstruktion ist das Gebäude lichtdurchflutet. Die Größe des Raums  und diese Form der Beleuchtung spiegelt immer die Stimmung wider, die draußen herrscht. Das heißt, schönes Wetter und Sonnenschein spiegelt sich  auch im Gebäude verstärkt wider. Leider gilt das auch umgekehrt bei schlechtem Wetter. Luft und Natur funktionieren hier tatsächlich als gesamtarchitektonisches Konzept.

4) Welche verschiedenen Einrichtungen sind in der Akademie Mont-Cenis zu finden?

Wir haben hier drei verschiedene Einrichtungen im Haus. Einmal die Fortbildungsakademie des Innenministeriums mit dem gesamten Seminarbetrieb. Das ist die größte Einrichtung. Als zweite Einrichtung ist hier die Stadtverwaltung mit einigen Abteilungen vertreten. Schwerpunkt ist das Jugendamt, das entsprechend die Jugendlichen im Hause auch betreut. Und die dritte Einrichtung, die vor eineinhalb Jahren dazu gekommen ist, ist das Projekt Ruhr Valley. Das sind Gemeinschaftsunternehmen von verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Das Projekt dient dazu, das Thema Energie voran zu treiben und ist bei uns in der Akademie damit natürlich genau richtig. Natürlich gehört auch der Gewerbebereich in der Umgebung mit den verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten dazu.

5) Welche Aufgaben hat die Fortbildungsakademie?

Die Fortbildungsakademie hat eigentlich nur eine einzige Aufgabe: Die Fortbildung der Landesverwaltung. Und zwar aller Beschäftigten der Landesverwaltung für alle fachübergreifenden Aufgaben. Das heißt unsere Kunden und Kundinnen sind Verwaltungsangestellte des Ministeriums, von einfachen Sachbearbeitern und Sachbearbeiterinnen bis hin zu Abteilungsleitern und Abteilungsleiterinnen. Zu unseren Kunden zählen außerdem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Polizei, der Feuerwehr und aus den unterschiedlichsten Bereichen der Landesverwaltung NRW. Wir haben ganz bewusst ein gemischtes Publikum, das heißt, dass wir unsere Seminare für alle Beschäftigten der Landesverwaltung als Fortbildungsmaßnahme anbieten. Die Menschen, die zu uns kommen, erweitern hier also Kompetenzen: Sie  erwerben zusätzliche Qualifikationen, bereiten sich auf neue Tätigkeiten vor oder vertiefen ihre Kompetenzen in verschiedenen Bereichen. Pro Jahr haben wir 12.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die im Schnitt zwei bis drei Tage bleiben. Darüber hinaus sind wir in Kooperation mit anderen Partnern auch bundesweit tätig. Zum Beispiel bieten wir im Rahmen der Strukturfondförderung zentral ein Projekt für die gesamte Bundesverwaltung und alle Länder der Bundesrepublik Deutschland an. Von der Ostsee bis Bayern treffen sich alle hier in Herne. Daher setzt der Satz „Wir fahren mal nach Herne!“ in der Landesverwaltung ein klares Signal: Jeder weiß dann, dass es zu einer Fortbildung geht.

6) Wer kann das Seminarangebot der Fortbildungsakademie nutzen?

Unser Angebot richtet sich an die Beschäftigten der Landesverwaltung und ist damit auf den öffentlichen Dienst ausgerichtet. Daher haben wir auch Anfragen aus Kommunalverwaltung, Bundesverwaltung oder anderen Ländern, die dann im Rahmen freier Kapazitäten von uns zugelassen werden. Privatpersonen können unser Angebot leider nicht nutzen.