Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Industrienatur voller Abenteuer – der BUND-Naturerlebnisgarten im Emscher Landschaftspark

Industrienatur voller Abenteuer – der BUND-Naturerlebnisgarten im Emscher Landschaftspark

Herten. Eine Stadt, die viele von euch mit dem eindrucksvollen Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward in Herten/Recklinghausen und dem dort jährlich stattfindenden SunsetPicknick Emscher Landschaftspark in Verbindung bringen. Unweit des Landschaftsparks Hoheward befindet sich jedoch noch ein etwas verborgenes außergewöhnliches Erlebnis im Grünen, der BUND-Naturerlebnisgarten! Der BUND ist eine der größten Umweltverbände Deutschlands. Seine Mitglieder setzen sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz und regenerative Energien und für den Schutz bedrohter Arten und der Natur ein. Sigrun Zobel ist die Sprecherin der BUND Ortsgruppe in Herten und hat den BUND-Naturerlebnisgarten mit initiiert. Seit 1998 befindet sich auf dem ehemaligen Parkplatz der Zeche Schlägel & Eisen der BUND-Naturerlebnisgarten. Errichtet wurde der Garten im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park in Kooperation mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland.

Lehmbaustelle BUND-Naturerlebnisgarten Herten

Lehmbaustelle
BUND-Naturerlebnisgarten
Herten

Die ehemalige Schachtanlage Schlägel & Eisen 3/4/7 steht heute unter der Obhut der Stiftung für Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, wie unter anderem auch die Kokerei Hansa in Dortmund. Die Denkmäler der Industriekultur, denen sich die Stiftung annimmt, sind aufgrund ihrer außergewöhnlichen Geschichte aufgenommen worden und bieten die Möglichkeit Neues in der Metropole Ruhr zu erleben. Nicht ohne Grund hat sich die Stiftung auch der Schachtanlage Schlägel & Eisen angenommen, denn hier steht das älteste deutsche Strebengerüst der Bauart Promnitz. Mittlerweile hat sich die Industrienatur einen großen Teil des ehemaligen Industrieareals zurück erobert. Und der BUND-Naturerlebnisgarten lädt dazu ein, die Industrienatur auf diesem wilden Gelände mit allen Sinnen kennen zu lernen. Wir sind daher schon sehr gespannt auf den Erlebnisgarten, als wir dem Schild in die Einfahrt folgen. Von hier aus sehen wir bereits das Haupthaus und nach einem Blick um die Ecke entdecken wir den bunt bemalten Wohnwagen mit den Lettern des BUND-Naturerlebnisgartens. Ein paar Schritte weiter stehen wir mitten im grünen Paradies. Hinter einigen Büschen finden wir ein Tipi, das heute mithilfe der daneben liegenden Lehmbaustelle fertiggestellt werden soll. Wir schlendern zu einer Sitzgruppe mit Holzbänken und Tischen, die auf das Eintreffen der Kindergartengruppe und der Seniorengruppe warten. Wir suchen uns hier mit Sigrun Zobel einen Platz in der Sonne, um mehr über ihre Arbeit in der Industrienatur zu erfahren.

 

4 Fragen an Sigrun Zobel, Sprecherin der BUND-Ortsgruppe Herten:

1. Was zeichnet den BUND-Naturerlebnisgarten und seinen Standort hier im Emscher Landschaftspark insbesondere aus?

Der BUND-Naturerlebnisgarten und das feste Angebot, das wir hier bieten, sind einzigartig im Emscher Landschaftspark. Natürlich ist es auch besonders schön zu sehen, wie das  Gelände, das vollkommen verwildert und vermüllt war, von der Industrienatur zurückerobert wird. Unser Seminarhaus, das aus natürlichen biologischen Baustoffen errichtet wurde und ein Beispiel für umweltbewusstes Bauen ist, zeigt anschaulich, wie dieses ehemalige Areal von der Natur zurückerobert wurde.

Hochbeet BUND-Naturerlebnisgarten Herten

Hochbeet
BUND-Naturerlebnisgarten
Herten

2. Ihr sprecht viele verschiedene Zielgruppen an, wie z.B. Kindergarten- und Grundschulkinder, Jugendliche an weiterführenden Schulen, Flüchtlinge und Senioren und Seniorinnen. Wie vereint ihr eure Arbeit mit den verschiedenen Menschen?

In der Natur kann man viele Dinge lernen. Mit den Kindern kann man beispielsweise viel mit Lehm und Kräutern arbeiten. Mit den Jugendlichen von der weiterführenden Schule machen wir Boden- und Wasseruntersuchungen. Generell ist es für Menschen in jedem Alter wertvoll, der Natur näher zu kommen, in und von ihr zu lernen. Je nach Alter vermitteln wir die Inhalte der themenbezogenen Gruppen spielerisch und wollen, dass die Kinder sich frei entfalten. Besonders wichtig ist uns dabei die Nachhaltigkeit unserer Arbeit. Das bedeutet, dass wir versuchen, langfristige Kooperationen einzugehen mit Kindergärten und Schulen, sodass sie uns regelmäßig z.B. einmal im Monat oder öfter besuchen. Das haben wir bereits mit acht Kindergärten geschafft und auch drei Pflegeeinrichtungen sind Teil unseres Generationenprojekts.

3. Wie sieht eure Arbeit im BUND-Naturerlebnisgarten genau aus?

Wir arbeiten vor allem nach einem umweltpädagogischen Konzept, das bedeutet, dass wir anhand praktischer Erfahrungen Wissen über die Natur und ökologische Zusammenhänge vermitteln. Die Arbeit mit Kindern mit und ohne Behinderung oder Migrationshintergrund steht bei uns mit im Fokus, da der BUND-Naturerlebnisgarten für alle zugänglich ist. Inklusion ist gut durchführbar durch das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt. Mit unseren wiederkehrenden Gruppen erreichen wir inzwischen 6.000 Kinder aus dem Kreis Recklinghausen und Gelsenkirchen.

4. Für wen ist ein Besuch im Naturerlebnisgarten vor allem geeignet?

Besonders wertvoll ist es für Menschen mit Beeinträchtigung, ob körperlicher oder psychischer Art, zu uns zu kommen. Die Arbeit im Freien und das Vertrauen, das wir den Menschen hier schenken, sind intensive positive Erfahrungen. Das eigenständige Erledigen von Aufgaben und das Erreichen von Zielen sind wertvoll für das Selbstvertrauen. Das gemeinschaftliche Arbeiten stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Man merkt bei allen Kindern, die regelmäßig zu uns kommen, dass sie zu Beginn noch nicht viel mit der Natur und ihrer Umgebung anfangen können. Doch je öfter sie kommen, desto kreativer  werden sie, und desto experimentierfreudiger und offener werden sie. Durch die Arbeit in der Natur werden die Kinder lernfähig und aufmerksamer.