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Emscherlandschafts Park
Industrienatur im Emscher Landschaftspark: Stadtpark Rolandhalde in Oberhausen

Industrienatur im Emscher Landschaftspark: Stadtpark Rolandhalde in Oberhausen

Es ist die Zeit für gemütliche Herbstspaziergänge mit raschelnden Blättern unter den Füßen und wir genießen die bunte Landschaft bei strahlendem Sonnenschein im Stadtpark Rolandhalde in Oberhausen. Industriekultur und Natur vereinigen sich hier in der Ruhrmetropole zu einem Erholungsraum für die ganze Familie. Das Gelände um Halde Roland eignet sich wunderbar für einen kurzen Ausflug an der frischen Luft und hält einige Besonderheiten für Naturfreunde und Naturfreundinnen parat.

Bei unserer Ankunft im Stadtpark Rolandhalde bewundern wir die herbstliche Farbenpracht und wandern langsam auf den geraden Wegen und leichten Erhöhungen entlang. Links und rechts von uns ragen hohe Eichen- und Buchenbäume mit goldbraunen Blättern auf. Dahinter erstrecken sich grüne Wiesen und dichtes Unterholz. Auf den Parkbänken ruhen sich Hundebesitzer aus, während ein Vogelschwarm über die benachbarten Kleingärten kreist.

Ökologische Kleingartenanlage im Stadtpark Oberhausen

Ökologische Kleingartenanlage im Stadtpark Rolandhalde in Oberhausen

Halde Roland entstand auf dem südlichen Gelände der ehemaligen Zeche Roland im heutigen Ortsteil Oberhausen-Dümpten. Aufgrund der verringerten Nachfrage nach Steinkohle legte man diese schließlich im Jahre 1968 still. Sämtliche Übertageanlagen wurden daraufhin abgerissen und die Schächte aufgefüllt. Der übrig gebliebene Abraum wurde 1991 zur Berghalde aufgehäuft und ist heute durch die Initiative des Regionalverbands Ruhr als Stadtpark angelegt. Wir bleiben auf einer Weganhöhe stehen, von der wir mühelos den südlichen Teil überblicken können. Dort wurde eine ökologische Kleingartenanlage nach den Gestaltungs- und Nutzungsvorgaben der Internationalen Bauausstellung Emscher Park errichtet. Diese zeichnet sich als besonders umweltfreundlich aus, denn mit ihrer weitläufig gestalteten Wild- und Blumenwiese bietet sie viel Platz für verschiedene Pflanzen- und Tierarten. Kleintiere haben so die Chance zu überwintern und dienen zudem als Nahrungsquelle für Vögel. Die Wildblumenmischung aus Glockenblumen, Löwenzahn und Hornklee stellt vor allem im Frühjahr für Insekten eine große Nahrungsvielfalt zur Verfügung. Auf dem offiziellen Eingangsschild wird jedem hier ansässigen Kleingartenbesitzer*innen empfohlen, eine individuelle Wildblumeninsel im eigenen Gartenbereich anzulegen, um sinnvoll zum Naturschutz beizutragen. Als wir uns die Parzellen genauer anschauen stellen wir fest, dass neben den meisten Lauben Komposthaufen für die Herstellung von wertvollem Pflanzendünger aufgeschichtet sind. Wir entdecken außerdem einige Vogelhäuser und sogar zwei Bienenkästen.

Auf dem nächsten Schild zwischen zwei braunen Gartenhäusern erfahren wir mehr über Igel, die sich hier im Stadtpark Rolandhalde zwischen den Kleingärten zurückziehen und brüten. Laub-, Holz- und Steinhaufen dienen ihnen als Behausung. Davon finden wir viele am Wegesrand nur ein paar Meter von der Anlage entfernt. Bei Nacht durchstreifen sie dann die Blumenwiesen, Gärten und undurchdringlichen Hecken aus heimischen Gehölzen auf der Suche nach Nahrung. Wir lernen auch, dass Gartenbesitzer im Frühjahr nicht zu früh mit dem Umgraben und Pflanzen auf ihrem Grundstück beginnen sollten, denn die meisten Igel halten bis Mitte April noch Winterschlaf. Wir wollen die Igel an diesem warmen Herbstnachmittag nicht stören und drehen weiter unsere Runde über die Rolandhalde, deren Wege uns nun um eine schattige Kurve führen.

Hier überrascht uns eine Allee von Äpfel- und Pflaumenbäumen, zu deren Füßen frisches Fallobst liegt.

Pflaumenbäume im Stadtpark Rolandhalde

Pflaumenbäume im Stadtpark Rolandhalde

2008 haben Naturschützer*innen aus Essen auf der Rolandhalde im Rahmen einer Recycling-Aktion Obstbäume gepflanzt. Diese wird fortlaufend von T-Mobile und der Deutschen Umwelthilfe unterstützt und beinhaltet die Sammlung von alten, sowie kaputten Mobiltelefonen, welche dann schadstoffarm entsorgt oder wiederverwendet werden. Für jedes gesammelte Handy stellt T-Mobile Geld für Naturschutzprojekte zur Verfügung. So entstand die Streuobstwiese im Stadtpark Rolandhalde, die seither zu den artenreichsten Lebensräumen in der Kulturlandschaft des Emscher Landschaftsparks gehört. Frische Luft und nährstoffreicher Boden sorgen dafür, dass auf der Streuobstwiese Äpfel-, Pflaumen- und Kirschbäume jedes Jahr aufs Neue Früchte tragen. Wer etwas zur langfristigen Pflege der Obstwiese beitragen möchte, kann sein ungenutztes Mobiltelefon für den guten Zweck bei der Naturschutzjugend Essen/Mühlheim abgeben. Grundsätzlich stehen die Früchte der Bäume in der Reifezeit den Besuchern zur freien Verfügung. Wie wär’s also mit einem leckeren Apfelkuchen oder Pflaumenmus? Auf dem Boden suchen wir uns die besten Äpfel heraus, um uns den Beginn der gemütlichen Jahreszeit zu versüßen.

Spielplatz im Stadtpark Rolandhalde

Spielplatz im Stadtpark Rolandhalde

Ein bisschen Zeit nehmen wir uns danach noch, um auf den Bänken in der Sonne zu sitzen und in den klaren Herbsthimmel zu schauen. Kinder schaukeln und rutschen auf dem Spielplatz. Für die Größeren gibt es gegenüberliegend einen Basketballkorb und zwei Fußballtore auf einer weiteren Grünfläche. Im Stadtpark Rolandhalde haben Kinder noch die Chance Freiraum in unmittelbarer Wohnungsnähe kreativ zu nutzen und dabei etwas über Umweltschutz zu erfahren. Die Kombination aus Industrielandschaft und Erlebnispark wird beim Anblick des Spielplatzes Rolandhalde deutlich und stellt, neben zahlreichen Spielflächen, auch offene Bereiche für die Naturentwicklung bereit. Familienfreundlich und idyllisch hat der Regionalverband Ruhr das Projekt Stadtpark Rolandhalde umgesetzt und somit einen weiteren Erholungsraum geschaffen, der die Entwicklung der Industriekultur effizient begleitet und vorantreibt. Die ökologische Kleingartenanlage im Stadtpark Rolandhalde beweist außerdem, dass biologische Vielfalt nicht nur kennzeichnend für tropische Gebiete oder die Tiefen der Meere ist, sondern auch im heimischen Emscher Landschaftspark existiert.