Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Industrienatur im Emscher Landschaftspark: Das Naturschutzgebiet Beversee

Industrienatur im Emscher Landschaftspark: Das Naturschutzgebiet Beversee

Neben abwechslungsreichen Erlebnisorten der Industriekultur hat der Emscher Landschaftspark viele spannende Standorte der Industrienatur zu bieten. Die interessantesten Flächen sind in der Route Industrienatur zusammengefasst, einem der zahlreichen Erlebniswege im regionalen Park der Metropole Ruhr. Gemäß dem Motto „Neue Vielfalt auf alten Brachen“ könnt ihr auf der Route Industrienatur eine einzigartige Naturmischung aus heimischen und exotischen Pflanzen und Tieren entdecken. Mit der Schließung von Zechen, Kokereien und Hüttenwerken im Ruhrgebiet wurden viele ehemalige Industrieareale sich selbst überlassen. Nach und nach eroberte sich daher die Natur diese Flächen in der Metropole Ruhr zurück. Moose, Farne und Birken begannen, auf den ausgelaugten Böden zu wachsen, Vögel, Amphibien und kleine Säugetiere richteten sich zwischen den Überresten der Werkanlagen ihr Zuhause ein. Auf diese Weise entstanden auf den alten Brachen viele neue Lebensräume im Emscher Landschaftspark. Tatsächlich leben einige Pflanzen und Tiere, darunter auch seltene und gefährdete Arten, nahezu ausschließlich auf den Industriebrachen unter deren eigenen, ganz speziellen Bedingungen. Für die biologische Vielfalt in der Metropole Ruhr sind die Brachen daher enorm wichtig, so dass einige von ihnen mittlerweile längst unter Naturschutz stehen.

Rundwege Naturschutzgebiet Beversee Bergkamen

Rundwege
Naturschutzgebiet Beversee
Bergkamen

Eine dieser Brachen ist das Naturschutzgebiet Beversee in Bergkamen, in dem wir uns heute auf Entdeckungsreise begeben. Das Naturschutzgebiet befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Datteln-Hamm-Kanal, einer seiner Zugänge liegt gegenüber von der Marina Rünthe am Hafenweg. Diesen wählen wir auch aus für unsere kleine Wanderung. Bereits an der Straße steht eine große Infotafel, die uns alle wichtigen Hintergründe zum Naturschutzgebiet Beversee erklärt. Wir erfahren, dass das Naturschutzgebiet seit 1985 in der Obhut des Regionalverbandes Ruhr (RVR) liegt und rund 100 Hektar groß ist. Der Beversee, nach dem es benannt ist, ist durch den Kohlenbergbau und damit verbundene Bergsenkungen entstanden und bietet mit seinen Feuchtgebieten einen besonders schützenswerten Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, insbesondere als Rast- und Brutstätte für Wasservögel wie Kormorane, Graureiher, Zwergtaucher oder Spießente. Über einen breiten bequemen Weg laufen wir an einer Schranke vorbei hinein ins Naturschutzgebiet und folgen dem Weg geradeaus in den Wald hinein. Es ist ganz ruhig und friedlich hier, außer fröhlichem Vogelgezwitscher und gelegentlichem Rascheln in den Büschen ist kaum etwas zu hören. Nach etwa 100 m gelangen wir an eine Kreuzung, an der uns Wegweiser Möglichkeiten einer Rundwanderung präsentieren. Wir entscheiden uns für die Helmut July Rundwanderung und folgen dem Weg weiter geradeaus. Durch die Bäume können wir bereits jede Menge Wasser erahnen, der Beversee scheint nicht allzu weit entfernt von uns zu sein. Immer wieder entdecken wir rechts und links im Wald kreisförmige Vertiefungen, kleine Krater, die zum Teil mit Wasser gefüllt sind. Hierbei handelt es sich um zahlreiche Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg, die sich im gesamten Naturschutzgebiet finden lassen und ideale Lebensbedingungen für Amphibien wie Molche, Frösche und Kröten bieten, die sich insbesondere in sonnigen Trichtern sehr wohl fühlen. Ein mit Wasser gefüllter Trichter befindet sich direkt neben uns am Weg und wir betrachten ihn eine Weile, um einen Molch oder einen Frosch aufzuspüren, aber wir entdecken nur Wasserläufer und viele grüne Wasserlinsen. Es weht ein leichter Wind hier im Wald, der für eine erfrischende Abkühlung bei unserer kleinen Sommerwanderung sorgt. Der Weg verläuft zum größten Teil eben und gerade und schlägt nur gelegentlich eine leichte Kurve ein. Es ist angenehm hier zu laufen, mehrere Bänke am Wegrand laden zu einer Pause ein. Verschiedene, zum Teil in kräftigen Farben blühende Pflanzen stehen dicht zusammen und bieten Nahrung für zahlreiche Insekten wie Bienen und Schmetterlinge, die sich zwischen den Blüten umhertreiben.

Sperrtor Datteln-Hamm-Kanal Bergkamen

Sperrtor
Datteln-Hamm-Kanal
Bergkamen

Der Weg steigt an, wir laufen ein Stück bergauf und – stehen tatsächlich am Wasser. Es ist allerdings nicht der Beversee, der sich vor uns in der Sonne erstreckt, sondern der Datteln-Hamm-Kanal. Ein Wegweiser weist nach links und wir folgen ihm und laufen am Kanalufer entlang. Wir begegnen Joggerinnen und Jogger, Radfahrerinnen und Radfahrer und Spaziergängerinnen und Spaziergänger, die das wunderbare Sommerwetter für Sport und Bewegung nutzen. Die Aussicht auf den Kanal ist herrlich und zeigt den für die Metropole Ruhr typischen Gegensatz von Industrie und Natur: Am Ufer tummeln sich zwischen Sommerblumen Libellen und Heuschrecken, die munter vor sich hin zirpen, auf der anderen Kanalseite erhebt sich eindrucksvoll das Kraftwerk Bergkamen, davor spannt sich ein Sperrtor über die große Wasserstraße. Kurz bevor wir das Sperrtor erreichen führt uns der Weg nach links vom Kanal weg zu einer Kreuzung. Natürlich befindet sich auch an dieser Stelle ein Wegweiser, der uns zuverlässig die richtige Richtung zeigt und uns verrät, dass sich in rund 1 km Entfernung die Aussichtsplattform des Naturschutzgebietes befindet. Wir kommen dem Beversee also näher! Es geht scharf nach links weiter, der Weg bringt uns zurück in den Wald und wird nach und nach schmaler. Riesige Farne, die zum Teil größer sind als wir, säumen den Wegrand. Wir überqueren immer wieder kleine Bachläufe, vorbei an weiteren Kratern mit und ohne Wasser und genießen die Ruhe und die warme Sommerluft. An der nächsten T-Kreuzung halten wir nach weiteren Wegweisern Ausschau, die uns diesmal nicht nur verraten, wie wir weiter zur Aussichtsplattform gelangen, sondern auch, wer Helmut July war, nach dem die Rundwanderung, auf der wir uns gerade befinden, benannt ist: Ein Naturschützer aus Bergkamen, „der durch seine Naturschutzarbeit u.a. maßgeblich zum Erhalt und zur Sicherung des Naturschutzgebietes Beversee beigetragen hat.“

Uferpromenade Marina Rünthe Bergkamen

Uferpromenade
Marina Rünthe
Bergkamen

Laut Wegweiser sind es nur noch 300 m bis zur Plattform. Wir laufen eine langgezogene Linkskurve, der Weg wird noch ein wenig schmaler und dann stehen wir schließlich direkt am Beversee, der sich buchstäblich vor unseren Füßen in seiner ganzen Pracht vor uns ausbreitet. Eine Infotafel erklärt uns, dass der Beversee ein nährstoffreicher See von hoher ökologischer Bedeutung ist, der hauptsächlich durch den Beverbach mit Wasser gespeist wird und mit seinen geschützten Uferzonen Lebensraum für eine reiche Tier- und Pflanzenwelt bietet, die im Kreis Unna selten geworden ist. Wir schauen uns aufmerksam um und entdecken Wasser- und Sumpfpflanzen in voller Blüte, wunderschöne Teichrosen, schillernde Libellen, Schwäne, Enten und Wasserhühner und Schnecken mit spindelförmigen Häusern. In sanften Wellen bewegt sich das klare Wasser vor unseren Füßen, außer Vogelgezwitscher und leisem Plätschern ist nichts zu hören. Wir lassen uns auf eine Bank zur Rast nieder und genießen eine Weile den Ausblick auf den See und die blühende Industrienatur, bevor wir unsere Rundwanderung weiter fortsetzen. Der Weg führt nach wie vor ein Stück am Beversee entlang, so dass wir durch die Bäume immer wieder noch einmal einen Blick auf das Wasser und die prächtigen Teichrosen werfen können. Schließlich gerät der Beversee außer Sicht und wir befinden uns wieder mitten im Wald. An der nächsten Kreuzung weist uns ein Wegweiser den Weg nach links, der an einer großen Wiese vorbei führt. Ein kleiner Greifvogel hockt am Rand der Wiese auf einem Ast und hält konzentriert nach Beute Ausschau. Wir überqueren eine kleine Holzbrücke und gelangen wieder auf den großen Hauptweg, über den wir das Naturschutzgebiet Beversee betreten haben. Von hier sind es nur noch wenige Meter zurück bis zur Straße und zur Marina Rünthe, wo wir im Hafencafé unsere heutige Wanderung mit Kakao und Kuchen entspannt ausklingen lassen.

Tipp: Das Naturschutzgebiet Beversee ist einfach und bequem mit dem Fahrrad zu erreichen. Sowohl die Route der Industriekultur per Rad mit dem Emscher Park Radweg als auch die Römer Lippe Route führen in unmittelbarer Nähe am Naturschutzgebiet vorbei. Falls ihr also demnächst im nordöstlichen Teil der Metropole Ruhr auf Tour seid, begebt euch doch auch einmal auf Entdeckungsreise durch die Industrienatur im Emscher Landschaftspark. Wir wünschen euch viel Spaß dabei! :-)