Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Herbstspaziergang durch die Industrienatur über die Brache Vondern

Herbstspaziergang durch die Industrienatur über die Brache Vondern

Brücke über den Rhein-Herne-Kanal

Brücke über den Rhein-Herne-Kanal

Heute machen wir uns auf den Weg in den Emscher Landschaftspark, um einen schönen Tag an der frischen Luft zu verbringen. Unser Ziel ist die Brache Vondern in Oberhausen, über die wir einen gemütlichen Herbstspaziergang durch die Industrienatur in der Metropole Ruhr machen.

Nahe der Burg Vondern befand sich die Wetterschachtanlage der Zeche Oberhausen, die im Jahr 1902 als Zeche Vondern selbstständig wurde.  Zusätzlich ging 1906 eine Kokerei auf dem Gelände der Zeche in Betrieb. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde die Zeche Vondern 1932 geschlossen. Das Industriegelände veränderte sich in den 1940er und 1950er Jahren stark. Die Schächte wurden verfüllt und die Industriegebäude abgerissen. Seit Mitte der 1970er Jahre verläuft über dem nördlichen Teil des ehemaligen Zechengeländes die Autobahn A42. Die A42 führt als Erlebnisstraße durch die neue urbane Landschaft des Emscher Landschaftsparks und verbindet verschiedene Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Industriekultur im Park wie den Landschaftspark Duisburg-Nord, die Schurenbachhalde in Essen oder den Nordsternpark in Gelsenkirchen. Im Zuge der Sanierung der A42 musste aus Sicherheitsgründen viel Grün an den Seiten der Autobahn beseitigt werden. Gemäß den Sicherheitsanforderungen wurde das Grün gezielt parkartig umgestaltet und in Form gebracht, um die freie Sicht auf Sehenswürdigkeiten im Emscher Landschaftspark zu ermöglichen. Die A 42 wurde so zur Parkautobahn, von der aus man verschiedene Wahrzeichen des Emscher Landschaftsparks bewundern kann, wie zum Beispiel das Tetraeder in Bottrop.

Emschersäule in der Brache Vondern

Emschersäule auf der Brache Vondern

Auf einem Großteil des ehemaligen Zechengeländes befindet sich heute die Brache Vondern. Hier hat sich die Natur ihren Platz auf dem Areal wieder zurückerobert und nach und nach die industriell geprägten Flächen besiedelt. Über Jahrzehnte hat sich dabei eine besondere Mischung aus Pflanzen und Tieren an die zum Teil schwierigen Lebensbedingungen gut angepasst, ein neuer junger Lebensraumtyp, den man allgemein als Industrienatur bezeichnet.

Wir fahren zunächst zum RVR-Informationszentrum Emscher Landschaftspark Haus Ripshorst in Oberhausen. Hier angekommen parken wir unser Auto und folgen dem Fußweg über den Innenhof von Haus Ripshorst in Richtung Brache Vondern. Wir überqueren die geschwungene Fuß- und Radwegebrücke über den Rhein-Herne Kanal. Ein blaues Band führt von Haus Ripshorst durch die Brache Vondern bis hin zur Burg Vondern. Dieses blaue Band ist eine spezielle blaue Pflasterung, die die Besucher zu verschiedenen Kunstwerken auf der Brache Vondern führt. Denn um das Gelände der Brache Vondern für Besucher attraktiver zu machen, haben mehrere Künstler aus der Metropole Ruhr verschiedene Kunstwerke für die Brache entwickelt und gestaltet. Diese laden dazu ein, einen Kunstspaziergang über die Brache zu unternehmen. Kunstwerke im öffentlichen Raum, teils mit historischem Hintergrund, machen die Brache zu einem interessanten Ausflugsziel im Emscher Landschaftspark.

Durchblicksmauern in der Brache Vondern

Durchblicksmauern auf der Brache Vondern

Von der Brücke aus sehen wir schon das erste Kunstwerk, die „Emschersäule“ von Hermann EsRichter. Diese Säule soll die neue kulturelle Nutzung der Umgebung und der Industrienatur illustrieren. Mit ihren blauen Kacheln sticht die „Emschersäule“ aus der Umgebung hervor und macht auf die Umgestaltung des „Neuen Emschertals“ aufmerksam. Nachdem wir die Säule eine Weile betrachtet haben, folgen wir der blauen Pflasterung auf dem Boden, über eine weitere Brücke und gelangen auf die Brache Vondern. Hinter Bäumen und Büschen versteckt, entdecken wir die „Durchblicksmauern“ von Guido Berndsen. Diese Betonmauern sind so konzipiert, dass Betrachter verschiedene Blickwinkel auf die Brache bekommen. Die Enge zwischen den Mauern soll die Enge des Emscherbettes verdeutlichen. Weiter geht es zu dem „Brachenthron“ von Will Brands. Aus Fundstücken wurde hier, mit Hilfe von Bürgern aus der Region, ein Hügel errichtet. Hoch über der Brache thront der Sitz aus Stein. Wir setzen uns auf den Thron, um ein wenig auszuruhen. Von hier aus kann man die Brache überblicken und die Industrienatur bewundern. In der Ferne sehen wir schon den roten „Stufenturm“ des Künstlers Hartwig Kompa. Mit der Signalfarbe Rot erinnert das Kunstwerk an den rotgefärbten Himmel, der früher über dem Ruhrgebiet sehr häufig zu sehen war. Dieses Kunstwerk finden wir sehr beeindruckend, da es durch die Größe  und die starke Farbe aus der Ferne, sowie aus der Nähe, den Betrachter anzieht und fasziniert. Wir spazieren weiter durch die Brachenlandschaft und kommen zur Autobahnunterführung, durch die man zu der historischen Burg Vondern gelangt – das blaue Band weist weiterhin den Weg.

Brachenthron in der Brache Vondern

Brachenthron auf der Brache Vondern

Wir entscheiden uns, ein wenig länger auf der Brache zu verweilen und schauen über die einzigartige Landschaft. Ganz viele unterschiedliche Pflanzen haben hier ihren Platz gefunden. Birken und Weiden reihen sich an außergewöhnliche Pflanzen aus aller Welt, wie zum Beispiel die Traubenkirsche aus Nordamerika. Eine bunte Landschaft, die an manchen Stellen sogar einer Steppe ähnelt. Bei Nässe bilden sich kleine Wasserbecken auf der Brache, die vielen Tieren als lebenswichtige Tränke dienen. Wir beobachten ein Eichhörnchen, wie es einen Baum hochsaust. Viele Leute gehen hier mit ihren Hunden spazieren und genießen die Natur.

Auf unserem Rückweg treffen wir Martha und ihre Enkelin Anna, die während der Herbstferien oft zusammen mit ihrem Labrador Eddie hier spazieren gehen. Sie sind ganz begeistert von der Brache Vondern im Emscher Landschaftspark und verbinden ihren Spaziergang gern mit einem Gang am Rhein-Herne-Kanal. Martha erzählt uns: „Durch Eddie, meinen Hund, bleibe ich fit. Ich gehe täglich mehrmals mit ihm an die frische Luft, aber am besten ist es natürlich, wenn meine Enkelin Anna mich begleitet.“

Stufenturm in der Brache Vondern

Stufenturm auf der Brache Vondern

Wir laufen ein Stück gemeinsam und kommen zurück zu der Brücke, die uns wieder auf die andere Seite des Rhein-Herne-Kanals führt. Hier lassen wir noch einmal unseren Blick über die Landschaft schweifen, über den Zauberlehrling bis zum Gasometer. Der Zauberlehrling stellt einen tanzenden Strommast dar, der 2013 im Rahmen der Emscherkunst entwickelt wurde. Ein besonders gefragtes Ausflugsziel ist der Gasometer in Oberhausen, der einer der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur ist. Er wurde nach seiner Stilllegung 1988 in eine ausgefallene Ausstellungshalle umfunktioniert und trägt nun zu der neuen Kulturlandschaft in der Metropole Ruhr bei.

Zurück am Auto angekommen lernen wir Ralf kennen, der sich für eine Joggingtour aufwärmt. Er ist erst vor kurzem nach Oberhausen gezogen und möchte nun nach und nach interessante Orte in der Metropole Ruhr kennenlernen. Deshalb hat es ihn heute zum Haus Ripshorst gezogen, von hier aus beginnt er zu joggen. Die Brache mit ihren verschiedenen Kunstwerken liegt auf seinem Weg, denn er möchte den Emscher Park Weg (XE) ein Stück entlang joggen. Wir sind begeistert von der außergewöhnlichen Erfahrung im Emscher Landschaftspark und werden die Brache Vondern auf jeden Fall bald wieder besuchen.