Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Grüne Hauptstadt Europas Essen 2017:  Emscherkunst-Skulptur „Warten auf den Fluss“ auf der Emscher-Insel in Essen

Grüne Hauptstadt Europas Essen 2017: Emscherkunst-Skulptur „Warten auf den Fluss“ auf der Emscher-Insel in Essen

Die Emscher-Insel ist ein besonderer Landschaftsraum in der Metropole Ruhr, der sich von Oberhausen bis Castrop-Rauxel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal erstreckt. Zu dieser etwa 34 km langen und 11 km² großen Insel im Herzen des Emscher Landschaftsparks geht heute unsere Reise. Hier werden wir heute spannende Einblicke in den Emscherumbau bekommen. Der ökologische Umbau der 80 Kilometer langen Emscher dreht sich um den Wandel von einer offenen Abwasserkloake zu einem naturnahen Fluss. Das Projekt wird unter anderem von der EMSCHERGENOSSENSCHAFT und dem Regionalverband Ruhr (RVR) als auch den anliegenden Kommunen mit getragen. Das früher sogenannte verbotene Land auf der Emscher-Insel ist bereits im Zuge der Internationalen Bauausstellungen (IBA) Emscher Park zu einem Symbol für eine nachhaltige Entwicklung der urbanen Wasserwirtschaft geworden. Heute ist die Emscher-Insel ein Ort für neues Freizeiterleben und Schauplatz für kulturelle Events. Die Emscher-Insel ist nun durch eine 44 Kilometer lange Insel-Tour erschlossen, die teils mit eigens dafür angefertigten orangen Wegpfeilern zu einer spannenden Erlebnistour einlädt. Dabei fahrt oder spaziert ihr vorbei an herrlichen Parkanlagen, beeindruckenden Aussichtspunkten und inspirierenden Kunstwerken der EMSCHERKUNST.

Im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 stand das Holzkunstwerk „Warten auf den Fluss“  im Rahmen der EMSCHERKUNST.2010 das erste Mal in Essen auf der Emscher-Insel. Anlässlich der Grünen Hauptstadt Europas Essen 2017 kehrt es nun nach einer sieben jährigen Reise durch die Metropole Ruhr an ihren Ursprungsplatz zwischen der Schurenbachhalde und dem Nordsternpark in Gelsenkirchen zurück. Auf unserer Fahrt zum Kunstwerk entdecken wir ein  blau-grünes Willkommensschild, das die Stadt Essen als Grüne Hauptstadt Europas 2017 ausweist. Diesen Titel hat sich die Stadt Essen mit ihrem hohen Umweltstandard und ehrgeizigen Zielen für den Umweltschutz und einer nachhaltigen Entwicklung verdient. Die Stadt Essen repräsentiert auf diese Weise den Strukturwandel in der Metropole Ruhr und die Entwicklung von einer Kohle- und Stahlstadt zu einer der grünsten Stadt in NRW. Zu diesem Anlass finden das ganze Jahr über Events und Aktionen zum Thema statt.
Endlich sind wir angekommen an dem kleinen Parkplatz an der Schurenbachhalde, in dessen Nähe „Warten auf den Fluss“ uns erwartet. Im Jahr 2010 hat der erste Teil der Triennale EMSCHERKUNST begonnen. Der Publikumsliebling „Warten auf den Fluss“, der von der Rotterdamer Künstlergruppe Observatorium entworfen wurde, zog dann zur EMSCHERKUNST.2013 nach Oberhausen-Holten auf das Holtener Feld und für die EMSCHERKUNST.2016 schließlich nach Castrop-Rauxel Henrichenburg in die Nähe des Wasserkreuzes von Emscher und Rhein-Herne-Kanal.

Gastraum Warten auf den Fluss Emscher-Insel Essen

Gastraum Warten auf den Fluss
Emscher-Insel
Essen

Seit letztem Samstag (04.06.) steht das Kunstwerk der Künstlergruppe Observatorium wieder an seinem ursprünglichen Ort zum Bestaunen, Verweilen oder Übernachten. Wir schauen uns etwas suchend um, doch dann sehen wir die 38 Meter lange Zickzack-Brücke am Ende des Weges, gut abgeschirmt von den umstehenden Sträuchern. Wir halten kurz inne und sind beeindruckt von dem Kunstwerk, das nicht aus Zufall seinen Platz hier gefunden hat, auch wenn das unser erster Eindruck war. Der Zickzack-Verlauf der Holzpanelen symbolisiert den neuen Flusslauf der Emscher, wie er bis 2020 fertig gestellt sein soll. Als wir die Brückenskulptur umrunden, sehen wir an einer  Seite die Hochleitungen, den Emscherdeich, Sträucher und zwei Parkwege. Die Brücke selbst ist durch drei längliche Pavillons unterteilt, die jeweils große Fensterfronten an den Seiten haben. An den Enden können wir leicht über eine kleine Treppe auf die etwa ein Meter hohe Skulptur steigen. Als wir über die schweren Holzbohlen gehen, spähen wir links und rechts durch die offenen Türen in die hier gelegenen Räume. Auf der linken und rechten Seite liegen jeweils Matratzen. Insgesamt können hier vier Personen in einem Raum übernachten. Von innen können wir deutlich den Holzgeruch riechen und auch der Blick durch die Fensterfront wirkt deutlich anders als unser Eindruck bei unserem Rundgang. Am Eingangsbereich, der am dichtesten am Parkweg liegt, stehen zwei Männer, die gerade in ein Gespräch mit anderen Besuchern und Besucherinnen der EMSCHERKUNST verwickelt sind. Als die anderen Besucher weiter neugierig über die Holzpanelen spazieren, die übrigens aus gebrauchtem Industriegerüstholz aus dem Rotterdamer Hafen gefertigt sind, treten wir näher und werden herzlich von den beiden Volunteers der Grünen Hauptstadt Europas Essen 2017 begrüßt. Andreas erzählt uns mehr über den Aufbau der Skulptur: „Die drei Pavillons, die ihr hier seht, sind so ausgerichtet, dass sich von jeder Seite ein neues Panorama auftut. Die Personen, die sich in den jeweiligen Räumen befinden, können sich gegenseitig jedoch nicht sehen.“ Auf unsere Frage, warum die Brücke im Zickzack verläuft, antwortet er: „Dieser Formverlauf stammt aus der asiatischen Gartenarchitektur und trägt dazu bei, dass die Gäste sowohl intime Räume als auch immer neue Aussichten haben.“Andreas führt uns durch die restlichen Räume von „Warten auf den Fluss“. Hier gibt es neben den beiden Gasträumen eine Küche, ein Bad und zwei Aufenthaltsräume. Die Übernachtungen könnt ihr über die offizielle Seite des Kunstwerks „Warten auf den Fluss“ buchen. Andreas erzählt uns noch mehr über die Ursprungsidee des Kunstwerks der EMSCHERKUNST: „ Die Breite des Zickzack-Weges hier ist genauso breit wie der Emscherflusslauf, der hier einmal entlang führen wird. Bis dahin ist sie als gebauter Vorschlag gedacht. Jetzt ist die Skulptur quasi noch eine „schlafende Brücke“, die Aufenthaltsräume sollen jedoch dem „produktiven Warten“ dienen.“ Andreas, der die Brückenskulptur schon seit 2010 engagiert mit betreut, berichtet uns von den Kommentaren der Gäste, die 2010, 2013 und 2016 in „Warten auf den Fluss“ übernachtet haben: „Egal in welcher Stadt „Warten auf den Fluss“ stand, die Brückenskulptur ist jedes Mal zu einem Begegnungsort geworden. Komplett ruhig ist es eher selten hier. Die Künstlergruppe Observatorium war recht überrascht über diese Reaktion. Aber es zeigt auch gleichzeitig, wie sehr die Bewohner und Bewohnerinnen der Metropole Ruhr sich mit der Natur in ihrer Umgebung und der Stadt identifizieren.“ Wir bedanken uns bei Andreas für die vielen Informationen und schreiten noch einmal mit einem ganz neuen Blick über die schweren Holzbohlen. Dabei können wir uns gut vorstellen, wie wir hier mitten in der Industrienatur übernachten und nachts den Geräuschen der im Gebüsch raschelnden Kaninchen und Fröschen lauschen.

Bramme für das Ruhrgebiet Schurenbachhalde Essen

Bramme für das Ruhrgebiet
Schurenbachhalde
Essen

Wir treten den Rückweg an und sehen ein Schild, das uns zurück zur Schurenbachhalde leitet. Am Fuß der Halde blicken wir die lange Treppe hinauf, die uns den schnellsten Aufstieg auf die Schurenbachhalde verspricht. Von hier aus ist die auf dem Haldenplateau stehende 15 Meter hohe Walzstahlplatte noch nicht zu sehen. Die Stahlskulptur „Bramme für das Ruhrgebiet“ auf dem von Richard Serra gestalteten Haldenplateau ist eine der künstlerisch gestalteten Landmarken in der Metropole Ruhr. Die Schurenbachhalde selbst gehört zu den Panoramen der Route der Industriekultur. Bis 1986 wurde sie von den Zechen in Altenessen und der Zeche Zollverein zur Lagerung von Abraum genutzt. Als wir etwas außer Atem am Haldentop ankommen, stehen wir in einer kargen Mondlandschaft. Aus der Ferne scheint die Bramme noch klein, doch je näher wir über das Abraumgestein auf die Stahlskulptur zu laufen, desto größer und beeindruckender wird sie. Vom Haldenplateau haben wir  einen großartigen Ausblick auf den Emscher Landschaftspark und weitere seiner Landmarken, wie auf die rote Doppelbogenbrücke im Nordsternpark in Gelsenkirchen, oder das Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop. Wir schauen uns noch einmal um und nehmen die besondere Atmosphäre in uns auf. Danach treten wir den Rücktritt über die Treppe an.
Es war ein schöner erlebnisreicher Tag im Emscher Landschaftspark. Ihr solltet dem Kunstwerk der EMSCHERKUNST „Warten auf den Fluss“ unbedingt einen Besuch abstatten. In den Sommermonaten ist das Kunstwerk auch Ort für verschiedene spannende Veranstaltungen und Aktionen der Künstler. Alle Informationen dazu findet ihr unter:

Warten auf den Fluss

Die Veranstaltungen sind auch Teil des Erlebnisprogramms von Unter Freiem Himmel 2017 im Emscher Landschaftspark. Viele weitere tolle Veranstaltungen findet ihr unter:

Unter freiem Himmel 

Viel Spaß bei eurem nächsten Ausflug im Emscher Landschaftspark!