Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Glühweinfahrt auf dem KulturKanal in Duisburg

Glühweinfahrt auf dem KulturKanal in Duisburg

Die Vorweihnachtszeit im Emscher Landschaftspark hat begonnen und alle Jahre wieder strömen die Menschen auf die Weihnachtsmärkte und Adventsbasare. Für viele gehört zu einem Weihnachtsmarktbesuch eine Tasse duftender Glühwein fest dazu, entsprechend groß ist das Angebot an verführerischen Heißgetränken in der Ruhrmetropole und den damit verbundenen winterlichen Veranstaltungen. Wir lassen uns heute bei der Glühweinfahrt auf dem KulturKanal in Duisburg vom Glühwein in einen dicken Mantel weihnachtlicher Vorfreude hüllen und entfliehen für ein paar Stunden dem Weihnachtsstress bei einem genussvollen und informativen Abend auf dem Fahrgastschiff „Rheinfels“.

Der Rhein-Herne-Kanal ist einer der bedeutendsten industriellen Wasserstraßen des Ruhrgebiets und Hotspot  für Mensch, Kultur und Freizeit in der Metropole Ruhr. Er führt mitten durch den Emscher Landschaftspark, den größten Regionalpark Europas, und demonstriert die Geschichte des Wandels von der Schlagader des Kohletransports in den KulturKanal. Zur „RUHR.2010“ war er eines der ganz großen Kulturhauptstadt-Projekte und wurde unter dem Motto der Kulturhauptstadt Europas „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ erstmalig zu einem vernetzenden und verbindenden Element. Seitdem spielt der KulturKanal eine wichtige Rolle in der Freizeit vieler Menschen: Es wird spaziert, campiert, geangelt und Rad gefahren. Ursprünglich industriellen Transporten vorbehalten, wird der Rhein-Herne-Kanal immer mehr von der Fahrgastschifffahrt erobert.

Steiger "Schifferbörse" am Duisburger Hafen

Steiger “Schifferbörse” am Duisburger Hafen

Alle man an Bord, es geht los! Auf dem KulturKanal wird es auch in dieser kalten Jahreszeit warm, wenn man nur das richtige Getränk in den Händen hat! Wir genießen einen entspannten Abend bei einer besonders stimmungsvollen Hafenrundfahrt in Duisburg und freuen uns auf drei gemütliche Stunden voller Sehenswürdigkeiten und lebhafter Gespräche. An diesem kalten Winterabend weht uns der eisige Wind an der Anlegestelle „Ruhrort Schifferbörse Duisburg“ um die Ohren und wir können es kaum abwarten, uns von innen und außen aufzuwärmen. Dort wo heute Hafenrundfahrtschiffe anlegen, befand sich 1753 eine Schiffswerft in der Ruhrmündung. Östlich davon vertiefte man seit 1716 das erste, geschützte Hafenbecken, welches vom Flussbett abzweigt. Beide Ruhrufer, bis zur Mündung in den Rhein, wurden als Lagerplätze für Kohle genutzt. Die Flussmündung wurde im Verlauf der Jahre mehrfach nach Süden verlegt, um Raum für Kanalzufahrten zu immer neuen Hafenbecken zu schaffen. Ruhrort und die Schifferbörse liegen deshalb seit 1868 nicht mehr an der Ruhr, sondern am Hafenkanal, der auch als Punkt auf der Themenroute „Stadt und Hafen“ der Route der Industriekultur verzeichnet ist. Heute markiert der Steiger Schifferbörse den südlichen Beginn der Dammstraße, auf der man zu damaligen Zeiten die Frachten zwischen Schiffern und Verladern, sowie die Schlepperlöhne aushandelte. Vom Hauptsitz der Schifferbörse, gestaltet als Renaissance-Fachwerkgebäude, hatten die Börsenmitglieder eine freie Aussicht über die Ruhrmündung und den Rhein. Nach einigen Neurestaurierungen und Erweiterungen ab 1951 ist das Haus jetzt größer und umschließt einen mit Glas überdachten Innenhof. Im Verlauf der Jahre wurden in dem Gebäude Büros untergebracht, zeitweilig die städtische Jugendmusikschule und schließlich ein Restaurant mit Biergarten. Die Institution “Schifferbörse” nutzt nach wie vor die oberen Sitzungsräume, auch wenn dort keine Frachten mehr verhandelt werden. Trotzdem steht die Gutachterkommission immer noch bei Fragen der Handelsbräuche und Gepflogenheiten in der Binnenschifffahrt als Beratungsstelle zur Verfügung.

An Bord des Fahrgastschiffes entdecken wir die ersten Passagiere, die vor Abfahrt noch schnell einen Blick über die beleuchteten, vor Anker liegenden, Schiffe werfen. Die Tickets erhalten wir ebenfalls hier auf der „Rheinfels“, die von Fahrgästen auch liebevoll „das Wohnzimmer auf dem Wasser“ genannt wird. Das weiße Fahrgastschiff ist 25m lang, 5,2m breit und kann bis zu 100 Personen befördern. Heute sind wir eine große Gruppe von über 50 Leuten, die es sich auf zwei Etagen bequem gemacht haben. Innen ist alles weihnachtlich geschmückt, angenehm warm und es ertönt leise Musik. Wir sichern uns eine Ecke von einem Gruppentisch mit Couchecke direkt hinter der Steuerkabine des Schiffsführers und bestellen schon einmal die erste Runde Glühwein. Bevor wir ablegen, nutzen wir die Zeit und erkunden ein bisschen die „Rheinfels“. Eine Wendeltreppe führt uns unter Deck, wo sich weitere Sitzecken und gemischte Gruppen befinden, die sich aufgeregt unterhalten. Auf der linken Seite gibt es eine kleine Bar vor der auf einem Tisch zwei große Glühweinspender aufgestellt sind. Wie das duftet! Glühwein ist ein Getränk, das in der Regel aus Rotwein zusammen mit verschiedenen Mulling-Gewürzen und Rosinen gemacht wird. Es kann heiß oder kalt serviert werden und muss als Punsch nicht unbedingt alkoholisch sein. Wieder zurück an unserem Sitzplatz, steht das dampfend-süße Heißgetränk schon auf unserem Tisch bereit und der erste Schluck ist köstlich! Unser Schiffsführer beginnt mit einer kurzen, amüsanten Einführung über den Duisburger Hafen und die Schifferbörse während wir ablegen.

Blick auf die "Five Boats" im Duisburger Innenhafen

Blick auf die “Five Boats” im Duisburger Innenhafen

Wir erfahren, dass der Duisburger Hafen über 21 Hafenbecken und eine 180 Hektar große Wasserfläche verfügt. Neun Containerterminals mit 17 Portalkränen sorgen dafür, dass wertvolle Güter, wie Baustoffe und Mineralöle, vom Wasser aufs Land und anschließend auf die Schiene und Straße gelangen. Wissenswert ist außerdem, dass der Wasserstand des Rheins in diesem Jahr mit 1,70 Metern seinen niedrigsten Stand erreichte und somit voraussichtlich mehr Schiffe für einen ausgeglichenen Transport eingesetzt werden müssen. Für Schiffsbegeisterte könnte dies jedoch eine Chance sein, noch mehr Verkehr in heimischen Duisburger Hafenbecken zu Gesicht zu bekommen. Die Friedrich-Ebert-Brücke, die wir nun unterqueren, stellt das 635 Meter lange, befahrbare Bindeglied zwischen den Duisburger Stadtteilen Ruhrort und Homberg über dem Rhein dar. Der Eisenbahnhafen in Ruhrort und sein linksrheinisches Pendant in Homberg entstanden 1852 im Zuge der Einrichtung eines Rheintrajekt-Verkehrs zwischen den Bahnlinien der Köln-Mindener und der Ruhrort–Krefeld–Kreis Gladbacher Eisenbahn. Das künstlich angelegte Uferbecken des Ruhrorter Eisenbahnhafens dient heute vorwiegend dem Sportbootverkehr. Eine 2003 angelegte Promenade längs des Nordufers, mit einem Ausguck in Form eines Schiffsbugs, führt zur Deichstraße und dem „Museum der Deutschen Binnenschifffahrt“, wo auch ein Modell des Homberg-Ruhrorter Rheintrajektes bewundert werden kann. Im Duisburger „Museum der Deutschen Binnenschifffahrt“, das durch ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) entstand, lässt sich die Schifffahrts-Geschichte von der Steinzeit bis zur Gegenwart multimedial nachvollziehen. Wir fahren weiter, vorbei an der bei Nacht beleuchteten, spektakulären modernen Architektur der „Five Boats“, ein Bürokomplex mit fünf sechsgeschossigen Baukörpern in Schiffsform. Vorgabe für das vom britischen Architekten Nicholas Grimshaw entworfene gläserne Wellaluminiumgebäude war es, möglichst vielen Büros eine Anbindung an das Wasser mit entsprechender Aussicht auf den Innenhafen zu ermöglichen. Ein Stückchen weiter dahinter können wir auch das Schwanentor, eines der ersten vier Stadttore Duisburgs, erkennen. Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist am Schwanentor noch ein Turmrest erhalten. Unterhalb der Brücke befindet sich der Steiger Schwanentor, der ebenfalls als Anleger für Fahrgastschiffe genutzt wird. Kurz hinter dem Schwanentor drehen wir wieder und fahren bei sanftem Tempo zurück zur Schifferbörse.

Gute Laune bei der Glühweinfahrt auf der "Rheinfels"

Gute Laune bei der Glühweinfahrt auf der “Rheinfels”

Nach ein, zwei, fünf Glühwein ist die Stimmung auf dem Höhepunkt und wir beginnen ein interessantes Gespräch mit der gleichermaßen gut gelaunten Gruppe von Männern und Frauen die neben uns sitzt. Ein paar von ihnen sind Mitglieder im Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt, der seinen Hauptsitz in Duisburg hat. Als Wirtschaftsverband vertritt dieser die gemeinsamen Interessen von Unternehmen in der Güterschifffahrt und in der Fahrgastschifffahrt gegenüber Politik, Verwaltung und sonstigen Institutionen. Wir erfahren, dass die Binnenschifffahrt eine langjährige Tradition in Duisburg besitzt und sich zu einem internationalen Logistikstandort entwickelt hat. Der Duisburger Hafen „duisport“ ist die Handels- und Verkehrsdrehscheibe der Rhein-Ruhr-Region. Von Duisburg aus gehen Waren aus der Metropole Ruhr in alle Welt, vor allem über die Nordseehäfen in Antwerpen und Rotterdam. Unser informativer Gesprächspartner war selber Mitglied einer Frachtschiffbesatzung und einige Male am Steuer, um Güter sogar bis nach Australien zu liefern. Laut eigener Aussage ist das keine leichte Aufgabe, denn es gibt immer viel zu beachten bei der Korrespondenz mit anderen Schiffen auf niedriger und hoher See. Über Funk muss jeder nautische Fachausdruck mit entsprechender Bedeutung sitzen, damit es nicht zu Kollisionen kommt. An dieser Stelle frischen wir unsere „Seemannssprache“ wieder auf mit Begriffen wie unter anderen „Backbord“ (linke Seite des Schiffes in Fahrtrichtung) und „Steuerbord“ (rechte Seite des Schiffes in Fahrtrichtung). Eine Gastronomie Empfehlung bekommen wir abschließend auch noch dazu: Das „R(h)einblick Café“ liegt direkt neben dem „Homberg-Ruhrorter Rheintrajektanstalt” Hebeturm, Wahrzeichen Duisburg-Hombergs, das ebenfalls als Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur verzeichnet ist. In den Hebetürmen konnten Mitte des 19. Jahrhunderts Eisenbahnwaggons auf einer Aufzugsplattform vom Niveau der Gleisanlagen auf das Deck der Fähre gesetzt werden, um auf dem anderen Ufer wieder hinauf befördert zu werden. Die Aufzüge wurden hydraulisch betrieben und transportierten bereits im ersten Betriebsjahr 1856 über 47.000 Waggons. Bis zum Bau der Hochfelder Eisenbahnbrücke im Jahre 1874, bildete die „Homberg-Ruhrorter Trajektanstalt“ ein wichtiges Mittel zur Überquerung des Rheins und zur Verbindung des Ruhrgebiets mit dem Gladbacher und Aachener Wirtschaftsraum. Erhalten blieb über die Jahre nur der Turm auf der Homberger Rheinseite, der momentan für Wohnzwecke genutzt wird. Gleich nebenan stellt das „R(h)einblick Café“ mit seiner Dachterrasse und dem Biergarten heute einen beliebten Anlaufpunkte für Duisburger Freiluft- und Hafenfans dar.

Bereichert um ein vielfältiges Geschichtswissen über den Duisburger Hafen und das Schifferleben legen wir nach unserer drei stündigen Glühweinfahrt über den Rhein in bester Vorweihnachtsstimmung wieder am „Steiger Schifferbörse“ an. Wenn Ihr den Duisburger Hafen in der Metropole Ruhr nicht nur sehen, sondern auch erleben wollt, empfehlen wir Euch wärmstens eine der facettenreichen Erkundungstouren oder Themenfahrten auf dem KulturKanal per Fahrgastschiff. Das Angebot ist groß und reicht von historischen Fahrten über Bordfesten bis zu Schlagerpartys, Ausflugstouren oder Nachtfahrten. Heute Abend wurde uns bei winterlicher Wohlfühl-Atmosphäre lebhaft vor Augen geführt, dass die Binnenschifffahrt nicht allein als malerische Darstellung längst vergangener Epochen stattfindet. Vielmehr leitet sie den wirtschaftlichen Erfolg einer dynamischen Ruhrgebiets-Branche aus einer Jahrhunderte alten Tradition her und lässt uns das Duisburger Hafenleben im Emscher Landschaftspark aus einer neuen Perspektive vom Wasser aus erleben.