Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
GeoRoute Lippe – Auf den Spuren der Industrienatur im Emscher Landschaftspark/Bergkamen

GeoRoute Lippe – Auf den Spuren der Industrienatur im Emscher Landschaftspark/Bergkamen

Bei bestem Sommerwetter machen wir uns bereit für einen besonderen Ausflug im Emscher Landschaftspark. Unsere Wanderschuhe stehen schon parat, um geschnürt zu werden und der Rucksack mit Proviant ist gepackt. Unsere Reise geht in den Osten der Metropole Ruhr, um bei einer Wanderung die Industrienatur und Industriekultur in Bergkamen zu erleben. Wir parken voller Vorfreude unser Auto vor dem Westfälischen Sportbootzentrum – Marina Rünthe. Hier startet ein 15km langer Teilabschnitt der insgesamt 300km langen GeoRoute Lippe. Die GeoRoute Lippe läuft hier am Datteln-Hamm-Kanal entlang, über die Halde Großes Holz, durch das Naturschutzgebiet Beversee und endet schließlich wieder an der Marina Rünthe. Als Startpunkt ist die Marina Rünthe ein perfekter Ort, um sich auf die Geschichte der Industriekultur in Bergkamen einzustimmen, denn die Marina Rünthe wurde bis zur Schließung der Zeche Werne als Verladehafen genutzt und bis 1995 weiter als Werkshafen für Steinkohle, Baustoffe, Getreide und Mineralöle genutzt.

Weizenfeld Ökologiestation des Kreises Unna Bergkamen

Weizenfeld
Ökologiestation des Kreises Unna
Bergkamen

Wir sehen uns erst einmal in Ruhe im größten Sportboothafen von Nordrhein-Westfalen um. Die GeoRoute Lippe startet an der gegenüberliegenden Kanalseite. Von hier haben wir einen hervorragenden Blick auf die Bootsanleger und die Boote, die im Wasser hin und her wiegen. Unser Weg führt uns am Kanal entlang bis zu einem großen Kraftwerk. Hier biegen wir rechts in den von dichten Bäumen gesäumten Schotterweg ein. Über uns lacht die Sonne vom Himmel und wir genießen das warme Sommerwetter. Am Ende des Weges angelangt, können wir schon auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Ökologiestation des Kreises Unna sehen. Die Ökologiestation des Kreises Unna liegt zwar nicht direkt auf der GeoRoute, aber wir statten ihr trotzdem einen Besuch ab. Auf dem denkmalgeschützten ehemaligen Gutshof „Schulze-Heil“ von 1864 findet ihr mehrere Institutionen und Verbände des Umwelt- und Naturschutzes unter einem Dach. Hier könnt ihr an spannenden Veranstaltungen und Führungen rund um die lokale Industrienatur teilnehmen und im eigenen Musterschweinestall und den Fleischzerlegebetrieb mehr über die lokale Produktion erfahren. Neugierig erkunden wir auch die angrenzenden Pfade hinter der Ökologiestation. Dabei fällt uns sofort die aus Holz errichtete Aussichtsplattform auf, von der wir einen fantastischen Panoramablick auf die grünen Wälder und Wiesen haben und auf einen kleinen vorgelagerten Tümpel schauen. Eine Infotafel informiert uns darüber, dass hier das Naturschutzgebiet „Lippeaue von Werne bis Heil“ liegt. Das Naturschutzgebiet ist Teil des Emscher Landschaftspark und schließt das Überschwemmungsgebiet der Lippe von der Lippebrücke bis Bergkamen-Heil ein. Hier haben viele geschützte Tiere und Pflanzen ihr Zuhause.
Anschließend kehren wir auf die GeoRoute auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurück und machen einen kleinen Schlenker nach links zurück in Richtung Datteln-Hamm-Kanal. Unser Weg ist gesäumt von Weizenfeldern und dichten Baumgruppen, in deren Schatten wir entspannt entlang spazieren. Am Kanal angelangt, laufen wir noch einige Schritte am Wasser entlang bis wir die Kanalbrücke überqueren und unser nächster Anlaufpunkt, die Bergehalde Großes Holz, vor uns liegt. Am Fuß der Halde sehen wir eine kleine Gruppe Wanderer stehen mit der wir ins Gespräch kommen.  Ein Mitglied der Wandergruppe erzählt uns über ihre Vorhaben: „Wir sind gerade auf dem Weg, unsere Wanderung auf dem Emscher Park Weg (XE) zu beginnen. Für heute haben wir uns nur einen Teilabschnitt der 129 km langen Strecke vorgenommen.“ Ulrich, ein Wanderer der Gruppe, schwärmt von ihrem letzten Ausflug: „Letztes Mal sind wir am Tetraeder in Bottrop gestartet und über den Wanderweg XE bis zur Brache Vondern in Oberhausen und zum Haus Ripshorst gewandert. Das war ein tolles Erlebnis!“
Nachdem wir uns von der Gruppe  verabschiedet haben, verschaffen wir uns per Infotafel einen Überblick über die Serpentinenwege der Halde Großes Holz, die auch Standort der Route Industrienatur ist. Die Route Industrienatur führt euch an 19 verschiedene Standorte in der Metropole Ruhr, an denen ihr eine einzigartige Naturvielfalt und interessante Industriebrachen erkunden könnt.

Baumplateau Halde Großes Holz Bergkamen

Baumplateau
Halde Großes Holz
Bergkamen

Der Weg der GeoRoute Lippe führt uns im Zickzack-Weg hinauf, entlang des blauen Parkbandes, das aus blau blühenden Stauden und Sträuchern besteht und das eines der besonderen Gestaltungsmerkmale der Halde Großes Holz darstellt. Die Farbe Blau setzt sich mit den über die Halde verteilten blau leuchtenden Leuchttürmen fort und begegnet uns immer wieder bei unserem Aufgang. Die Form der Leuchttürme ist an die Architektur des in der Nähe befindlichen Förderturms Monopol angelehnt. Den Serpentinenweg geschafft, gelangen wir zum Aussichtspunkt Bastion, in dessen Mitte auch einer der acht Meter hohen blauen Leuchte steht. Rechts von uns liegt die Adener Höhe, von der aus ihr von 150 Metern (ü.NN) einen herrlichen Blick über die Metropole Ruhr habt. Wir verweilen hier unten und genießen den Ausblick und spazieren dann weiter durch den aufwändig gestalteten Korridorpark zu dem Gräserfeld und dem Baumplateau. Alles um uns herum leuchtet zu dieser Jahreszeit in einem satten Grün und wir können uns nur noch schwer vorstellen, wie die Halde aussah, bevor die Industrienatur sie erobert hat. Einzig die noch nicht fertiggestellte Naturarena erinnert an die Bergbauvergangenheit hier in der Metropole Ruhr. Wir laufen weiter in Richtung Naturschutzgebiet Beversee, an dessen Zugang uns sogleich eine Infotafel begegnet. Hier wird erklärt, dass der Beversee ein Bergsenkungssee ist, der durch das Absacken der Erdoberfläche aufgrund der vom Bergbau ausgekohlten unterirdischen Hohlräume entstanden. Auf dem seit 1990 geschützten ca. 100 ha großen Naturschutzgebiet leben viele verschiedene ungewöhnliche Pflanzen und Tiere, wie z.B. der Graureiher. Wir halten einen Moment inne und lauschen dem lebhaften Vogelgesang und dem Rascheln im Wald.  An einer Wegkreuzung stoßen wir auf Wegweiser, an der wir entweder die Abzweigung für den großen Rundweg oder die Helmut July Rundwanderung nehmen können. Wir entscheiden uns für den großen Rundweg, um den See mit seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt von allen Seiten kennen zu lernen. Dann können wir auch die schönen Wasserpflanzen wie die Gelbe Teichrose vom Ufer aus sehen. Hier am See begegnen wir Tina und Bernd, die gerade ihre Fahrräder mit reichlichen bepackten Satteltaschen abstellen. Sie legen wie wir gerade eine Rast ein. Als wir nachfragen, wo sie hinradeln, berichtet Tina: „ Wir haben eine Tour über die Römer-Lippe Route geplant. Insgesamt verläuft sie ja auf 400 km am Wasser entlang von Detmold bis Xanten, aber wir fahren heute nur ein kleines Stück davon. Bei der Planung war ich vollauf begeistert von der tollen Kombination aus Wassererlebnis und Römerkultur.“ Ihr Begleiter Bernd stimmt mit Begeisterung zu: „Eine Radtour durch den Emscher Landschaftspark ist die beste Freizeitidee bei diesem sommerlichen Wetter. Nächstes Mal suchen wir uns wieder einen Abschnitt auf dieser Route aus.“ Schließlich verabschieden wir uns und laufen gemächlich den letzten Abschnitt der GeoRoute Lippe zurück zur Marina Rünthe.
Die GeoRoute Lippe in Bergkamen ist eine Wanderroute mit vielen abwechslungsreichen Panoramawegen, die ihr auch als ungeübte Wanderinnen und Wanderer begehen könnt. Für unseren nächsten Besuch im Emscher Landschaftspark satteln wir auf jeden Fall unsere Drahtesel, um auch den Emscher Park Radweg in diesem wunderschönen Stück Industrienatur im Osten der Metropole Ruhr zu erkunden!