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Emscherlandschafts Park
Geocaching zwischen Kohle und Stahl auf der Zeche Zollverein Essen

Geocaching zwischen Kohle und Stahl auf der Zeche Zollverein Essen

Geheimnisvolle Orte mit Ruhrgebietscharakter erkunden und dabei noch etwas über Industriekultur lernen? Beim Geocaching zwischen Kohle und Stahl auf dem Gelände der Zeche Zollverein Essen werden Abenteuerlustige und Naturbegeisterte bestimmt nicht enttäuscht, denn die Industrienatur des Emscher Landschaftsparks wird hierbei zum Spielplatz für Entdecker*innen. Die GPS-basierte Schnitzeljagd lockt uns heute auf das UNESCO Welterbe-Gelände der einst größten, aktiven Bergwerksanlage.

Treffpunkt für Besuchergruppen am Forum mit Blick auf das Doppelbock-Fördergerüst auf Schacht XII

Treffpunkt für Besuchergruppen am Forum mit Blick auf das Doppelbock-Fördergerüst auf Schacht XII

Bei unserer Ankunft strahlt die Sonne auf das rostbraune Fördergerüst von Schacht XII und viele Besuchergruppen finden sich vor den Rolltreppen zum Informationszentrum zusammen. Wir fahren zunächst einmal hoch, um uns rund um das Thema Geocaching beraten zu lassen. Der Blick vom Panoramadach der ehemaligen Kohlenwäscherei über die Zeche Zollverein ist malerisch. Eine abgestimmte Mischung aus Industriearchitektur und kniehohem Waldwuchs. Wir können es kaum erwarten die verborgenen Sehenswürdigkeiten und die Artenvielfalt der Industrienatur zu erforschen.

Im Informationszentrum wird uns dann erklärt, dass es beim Geocaching darum geht, bestimmte Orte anhand von geografischen Koordinaten ausfindig zu machen. Besucher*innen haben so die Möglichkeit individuell oder unter Führung das Zechengelände und dessen Geschichte hautnah zu erfahren. Ist man erstmal bei einem Standort angekommen, so gilt es eine Frage zu beantworten oder ein Rätsel zu lösen. Die verschiedenen Lösungsteile der richtigen Antworten ergeben letztendlich hintereinander gesetzt eine Zielkoordinate. Größere Gruppen können als Team miteinander oder in mehreren Teams gegeneinander spielen. Sie werden mit GPS-Geräten ausgestattet, die Auskunft über Richtung und Entfernung zum nächsten Zielort geben. Insgesamt liegen über zwölf Stationen auf dem Zechengelände verteilt, an denen jeweils eine Teamaufgabe gemeistert werden kann. Für jede korrekt gelöste Aufgabe werden Punkte verteilt, dessen Summe dann ausgerechnet wird. Das Team mit der höchsten Punktesumme gewinnt.

Für eine Testrallye erhalten wir einen Fragebogen zu acht vorgegebenen Koordinaten. Startpunkt ist Parkplatz C, der in unmittelbarer Nähe zu den Kokerei Anlagen liegt. Anstelle eines GPS- Geräts benutzen wir online einen Koordinaten Umrechner, um zur ersten Herausforderung zu gelangen. Mit einer genauen Landkarte wäre die Entdeckungsreise natürlich genauso gut möglich! Wir laufen das erste Stück auf der insgesamt 3,5 Kilometer langen Ringpromenade entlang den Kohlewagenschienen. Die Natur hat sich an dieser Stelle auf dem ehemaligen Güterweg ausgebreitet, denn überall wuchert das noch grüne Gras über die braun angelaufenen Schienen und wir können sogar einen kleinen Vogel entdecken, der sich schnell ins Dickicht zurückzieht. Ab und zu weichen wir Fahrradfahrern und Joggern aus, die ebenfalls das strahlend warme Wetter für Freizeitaktivitäten im Freien nutzen.

Das Geocaching führt uns über den Denkmalpfad Zollverein und somit entlang dem Weg der Kohlenverarbeitung. Darum wundert es uns auch nicht, dass sich die erste Frage auf das Zeitalter der Kohleentstehung bezieht. Einige Infotafeln befinden sich nur ein paar Schritte weiter und bieten uns Antwortmöglichkeiten. Das war leicht zum Aufwärmen, aber wir wollen doch schnell weiterziehen und mehr entdecken. Als nächstes geht es wieder zurück zur Kokerei.

Die nächste Frage bezieht sich nun konkret auf unseren Aufenthaltsort und die Technik der Öfen, die wir vor uns bewundern können.

Ausblick auf die Kokerei

Ausblick auf die Kokerei

Wir lassen den Blick also über die Backstein-Würfel Gebäude und die rechteckigen Fenster schweifen. Schornsteine ragen hoch vor uns auf, direkt daneben das Sonnenrad mit vierzehn Gondeln. Ein idyllischer Anblick, fast wie auf einem historischen Jahrmarkt. In Gedanken versuchen wir mechanische Abläufe zu rekonstruieren. Wir drehen eine Runde um die Kokerei und erkennen, dass diese in zwei Seiten gegliedert ist. Eine Seite für die Koksproduktion und die andere mit Silos und Tanks für die Weiterverarbeitung. Das Alltagsleben der Zechenarbeiter und Koker wird uns durch gigantische Maschinen, Förderwagen und Bunker veranschaulicht. 12.000 Tonnen Kohle wurden hier am Tag befördert und zu Koks verarbeitet, bis das Steinkohlebergwerk Zollverein schließlich im Jahre 1986 stillgelegt wurde.

Wir zählen Rohrleitungen, Bohrlöcher und Fensterscheiben; suchen nach Gebäudenamen auf Schildern und lernen “Püttausdrücke”. Das alles tun wir im strammen Pfadfindermarsch über das Zechengelände und treffen dabei Besuchergruppen, die sich auf verschiedenen Sprachen führen lassen. Seit Dezember 2009 laden innovative Führungen und virtuelle Extras zahlreiche Besucher dazu ein, die Technik auf dem 100 Hektar großen Gelände aktiv zu entdecken. Wer nicht einfach nur den Denkmalpfad entlang wandern und die umliegende Industrienatur bewundern möchte, hat neben dem Geocaching die Möglichkeit sich das Spätschichtleben von ehemaligen Bergmännern näher bringen zu lassen, an spielerischen Wettbewerben teilzunehmen oder eine bequeme E-Bus Geländerundfahrt zu machen. Hier wird Industriegeschichte noch verständlich vermittelt und uns wird beim Suchen und Finden bewusst, warum die Zeche Zollverein als ehemals leistungsstärkster Industriekomplex in die UNESCO Welterbe Liste aufgenommen wurde. Seit 2010 ist das Welterbe Zollverein Erkennungszeichen für die Industriekultur des Ruhrgebiets mit dem übergeordneten Ziel außergewöhnliche Kultur- und Naturgüter sinnvoll in das öffentliche Leben einzubinden.

Außenansicht des Ruhr Museums auf Zeche Zollverein

Außenansicht des Ruhr Museums auf Zeche Zollverein

Im Skulpturenwald zwischen Zeche und Kokerei machen wir eine Wildnis Expedition. Die hellen Granit-Skulpturen von Künstler Ulrich Rückriem verstecken sich zwischen Birkenwäldern und sind gar nicht so leicht auszumachen. Hier verbindet sich moderne, minimalistische Kunst mit Industriearchitektur und spiegelt die Eingriffe der Schwerindustrie in die regionale Natur wider. Die Kunst- und Kulturlandschaft Zollverein ist ebenfalls Teil der Route der Industriekultur des Regionalverbandes Ruhr, die insgesamt achtzehn Ankerpunkte auf der wiederbelebten Zeche verzeichnet. Eine Zeitreise in die Vergangenheit des Ruhrgebiets kann man als Besucher im Ruhr Museum unternehmen. In der Dauerausstellung „Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte des Ruhrgebiets“ wird gezeigt und erklärt, dass die außergewöhnliche Bergwerkarchitektur für den Wandel einer ganzen Region von der Entstehung der Kohle bis hin zur modernen Ruhrmetropole steht.

Nach eineinhalb Stunden sind wir schließlich alle Stationen abgelaufen und bewegen uns auf die Zielkoordinate zu, die wir uns mit Hilfe des Aufgabenblattes zusammengerechnet haben. Unser letztes Reiseziel zu verraten wäre natürlich ein klarer Regelverstoß unter Forschern*innen und denjenigen, die ebenfalls eine Entdeckungstour auf Zollverein planen! Dieses Abenteuer haben wir jedoch vorerst gemeistert und sind stolz darauf, nicht nur mehr Einblicke in die Geschichte der Kohle erhalten, sondern auch etwas für unsere körperliche und geistige Fitness getan zu haben. Der Reiz liegt vor allem darin, sich mit realen Industrieobjekten auseinander zu setzen und so die Verbindung zwischen Natur und Technik spielerisch zu erleben. Das Geocaching auf der Zeche Zollverein in Essen bietet eine ausgefallene Möglichkeit einfach mal aus dem Haus zu kommen, die sonnigen Herbsttage und dazu den industriellen Ruhrgebietscharme zu genießen.