Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Frühlingsspaziergang durch das Dorf Flierich

Frühlingsspaziergang durch das Dorf Flierich

Neben neuen Parks und Gärten, Industriekultur und Industrienatur, Halden und Landmarken und hunderten Kilometern Freizeitwegen umfasst der Emscher Landschaftspark auch bäuerliche Kulturlandschaft. Denn im Ruhrgebiet lagen Zechen, Kokereien, Hütten und landwirtschaftlich genutzte Flächen häufig nicht weit voneinander entfernt, so dass ihr heute neben ehemaligen Industrieanlagen überall in der Metropole Ruhr auch noch kleine Dörfer um die Stadtzentren herum finden könnt. Eines dieser Dörfer ist Flierich im Kreis Unna, das zu der Gemeinde Bönen gehört und mit als ihr ältester Teil gilt. Wir machen uns heute auf zu einem Frühlingsspaziergang durch das Dorf, das idyllisch zwischen Feldern, Wiesen, Wald und Weiden an der Seseke liegt.

Landmarke „Blauer Stuhl“ Bönen-Flierich

Landmarke „Blauer Stuhl“
Bönen-Flierich

Evangelische Dorfkirche Bönen-Flierich

Evangelische Dorfkirche
Bönen-Flierich

Als wir den Ortseingang passieren, fällt uns ein riesengroßer blauer Stuhl ins Auge, der als Landmarke weithin sichtbar ist. Das zwölf Meter hohe Kunstwerk befindet sich allerdings auf privatem Gelände und ist nicht für die Öffentlichkeit freigegeben, so dass wir es leider nicht genauer unter die Lupe nehmen können. Daher wählen wir als erste Station für unseren Spaziergang die evangelische Dorfkirche, die im späten 12. Jahrhundert erbaut und dem Heiligen Michael geweiht wurde. Über einen schmalen Fußweg betreten wir den charmanten kleinen Kirchplatz und damit den Ortskern von Flierich. Die denkmalgeschützte, sandsteinfarbige Kirche, in der nicht nur Gottesdienste, sondern auch viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden, erhebt sich inmitten des Platzes und ist von mehreren schwarz-weißen Fachwerkhäusern umgeben, eine für das Mittelalter typische Rundbebauung. Wir fühlen uns direkt in eine alte Zeit zurück versetzt und betrachten fasziniert das reizvolle Ensemble, das friedlich vor uns liegt. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel auf den Kirchplatz herunter, der mit einer gepflegten grünen Wiese und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einlädt. Gut gelaunt flanieren wir einmal um die Kirche herum, vorbei an hübschen Fachwerkhäusern mit Sprossenfenstern und grünen Fensterläden. Vor den meisten Häusern stehen prächtige Blumenkübel mit blühenden Pflanzen, gemütliche Bänke und kleine Tische. Einige der Bewohnerinnen und Bewohner haben es sich vor ihrem Haus mit Liegestühlen auf der Wiese gemütlich gemacht und genießen das wunderbare Frühlingswetter.

Historisches Backhaus Bönen-Flierich

Historisches Backhaus
Bönen-Flierich

Neben dem Gemeindehaus führt ein kleiner Fußweg zu unserer nächsten Station. Wir schlendern über den Weg an einem gemütlichen Biergarten vorbei zum Dorfplatz, wo sich neben dem Dorfbrunnen das historische Backhaus befindet, das Teil der Themenroute 10 „Sole, Dampf und Kohle“ der Route der Industriekultur ist. Backhäuser, die im Prinzip überbaute Backöfen sind, hatten früher in vielen Dörfern eine wichtige Funktion, da in den meisten Haushalten kein eigener Backofen vorhanden war. An bestimmten Tagen wurden sie daher aufgeheizt, so dass die Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit hatten, hier ihre Brote zu backen. Das Fliericher Backhaus ist ein hübscher schmaler Fachwerkbau von 1900, den der örtliche Heimatverein „Kerspell Fle-ik“ vor dem Abriss rettete, an seinem ursprünglichen Standort abtrug und am Dorfplatz wieder aufbaute und restaurierte. Auch heute wird im Backhaus noch zu festen Terminen Brot im Holzofen gebacken wird. Neben der Backstube beherbergt es ein kleines Heimatmuseum, das einen spannenden Einblick in die Geschichte des Dorfes Flierich gibt. Eine kleine Tafel neben der Eingangstür verrät uns, dass das Backhaus vom Standesamt Bönen darüber hinaus auch als Trauzimmer für Hochzeiten genutzt wird.

Vom Backhaus machen wir uns zu unserer letzten Station auf unserem Spaziergang auf, die ein wenig außerhalb von Flierich liegt. Wir laufen die Dorfstraße entlang, kommen an schönen Gärten vorbei und stellen fest: Selbst der öffentliche Nahverkehr verbreitet hier das Flair einer vergangenen Zeit! Denn auch das Wartehäuschen an der Dorfbushaltestelle ist ein kleiner hübscher Fachwerkbau, der sich nahtlos in das mittelalterliche Gesamtbild des Ortes einfügt. Kein Wunder, dass Flierich im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ 1993 auf Landesebene als „Golddorf“ ausgezeichnet wurde und auf Bundesebene die Silbermedaille erhielt. Es ist wirklich wunderschön hier!

Ehemaliger Wetterschacht VI Zeche Königsborn Bönen-Flierich

Ehemaliger Wetterschacht VI
Zeche Königsborn
Bönen-Flierich

Nach wenigen hundert Metern Fußmarsch wird es komplett ländlich um uns herum und weite Wiesen und Felder erstrecken sich zu unserer linken und rechten Seite. Ein Wegweiser kündigt den Schacht-VI-Weg an, einen kurzen, rund 1 km langen Radweg, und wir folgen dem Weg nach rechts an blühenden Wiesen vorbei in ein kleines Waldgebiet hinein. Nach ca. 350 m erreichen wir eine kleine Grünanlage, die umgeben von Bäumen mit Sitzbänken zur Rast einlädt. An diesem idyllischen Ort, an dem sich heute viele Schmetterlinge tummeln, wurde 1950 der Schacht VI „Friedrich“ der Zeche Königsborn geteuft und 1952 in Betrieb genommen. Als reiner Wetterschacht hatte er lediglich ein kleines Strebengerüst zur Befahrung mit einem Kübel. Aufgabe des Schachtes war es, das schlechte „Wetter“, also giftige und explosiven Gase, die beim Steinkohleabbau unter Tage entstehen, abzusaugen und für gutes „Wetter“, also frische sauerstoffreiche Luft, im Bergwerk zu sorgen. 1981 wurde die Zeche Königsborn schließlich geschlossen und der Wetterschacht VI im Zuge der Schließung verfüllt. Heute ist das ehemalige Industriegelände renaturiert und nur ein Teufkübel auf der runden Schachtabdeckung und eine Sonnenuhr in der Wiese erinnern hier an die Bergbauvergangenheit des Dorfes Flierich.

Auf unserem Rückweg zum Dorfplatz, wo wir unseren Spaziergang im Biergarten gemütlich ausklingen lassen wollen, begegnen wir vielen gut gelaunten Radfahrerinnen und Radfahrern, die uns freundlich grüßen und das wunderbare Frühlingswetter für eine ausgiebige Radtour durch den Emscher Landschaftspark nutzen. Denn Flierich liegt direkt am Seseke-Weg, der von Bönen zum größten Teil an der Seseke und an Kunstwerken der Outdoor-Ausstellung „ÜBER WASSER GEHEN“ entlang nach Lünen führt und spannende Ausblicke auf die einzelnen Schritte des Gewässerumbaus und die neue naturnahe urbane Flusslandschaft im regionalen Park der Metropole Ruhr eröffnet. Falls ihr also demnächst mit euren Rädern auf dem Seseke-Weg unterwegs seid, schaut euch das Dorf Flierich doch selbst einmal an. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! :-)