Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Foto-Hotspot im Emscher Landschaftspark: Der Alsumer Berg in Duisburg

Foto-Hotspot im Emscher Landschaftspark: Der Alsumer Berg in Duisburg

Der Berg ruft! Daher wollen wir heute hoch hinauf auf einen der spektakulären Aussichtspunkte im Emscher Landschaftspark, der mit zu den Panoramen der Route der Industriekultur gehört. Von welchem wir sprechen? Die Rede ist vom Alsumer Berg in Duisburg, einer ehemaligen Schutthalde am Rhein, die sich rund 70 m über NN erhebt und mittlerweile zu einer attraktiven Grünfläche mit einem außergewöhnlichen Panoramablick auf die Metropole Ruhr umgestaltet worden ist.

Unsere Fahrt führt uns in den Nordwesten der Stadt Duisburg in den Stadtteil Bruckhausen. Schon bei der Anfahrt fällt uns auf, dass eine raue aktive Industriekulisse hier die Landschaft prägt. Wir stellen das Auto auf einem kleinen Parkplatz am „Alsumer Steig“ am Fuße des Berges ab und schauen uns erst einmal neugierig um. Neben uns, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ragt der Kühlturm der Kokerei Schwelgern in den blauen Himmel. Es ist nicht gerade leise, Signale ertönen, man hört Maschinengeräusche und es riecht – na ja, ehrlich gesagt, nicht so besonders toll. Aber das Schauspiel, was nun direkt vor unseren Augen beginnt, ist absolut beeindruckend. Offensichtlich wurde gerade eine Ladung glühender Koks in den Löschturm gebracht, denn innerhalb von wenigen Sekunden steigt dichter weißer Dampf auf und legt sich wie eine Portion Zuckerwatte um den dunklen Turm. Die Wolke wird größer und größer, sie ist so dicht, dass wir den Löschturm kaum noch erkennen können. Schließlich fängt sie an, sich ganz langsam aufzulösen, bis der Himmel über der Kokerei wieder strahlend blau ist. Das war ja mal eine eindrucksvolle Begrüßung!

Rheinaue am Alsumer Berg Alsumer Berg Duisburg

Rheinaue am Alsumer Berg
Alsumer Berg
Duisburg

Wir kehren der Kokerei Schwelgern den Rücken zu und machen uns auf zum Rad- und Fußweg, der vom Parkplatz aus um den Alsumer Berg herumführt. Krasser kann ein Gegensatz kaum sein: Während wir eben noch völlig von der Industrie mit ihren Fertigungsgeräuschen vereinnahmt wurden, betreten wir nun ein Landschaftschutzgebiet, in dem munteres Vogelgezwitscher erklingt. Unterhalb des Weges fließt die Alte Emscher und mündet in den Rhein, auf den sich jetzt ein wunderbarer Ausblick vor uns auftut. Große Schiffe ziehen auf dem majestätischen Fluss vorbei, in den Rheinauen gehen Leute mit ihren Hunden spazieren, fahren mit dem Rad, picknicken auf der Wiese oder angeln. In der Ferne entdecken wir die Halde Rheinpreußen, unverwechselbar erkennbar am „Geleucht“, einer vom Künstler Otto Piene gestalteten riesigen Grubenlampe, die als künstlerische Landmarke in der Metropole Ruhr weithin sichtbar die Halde ziert. Auf der anderen Rheinseite erstrecken sich weite Weiden, Wiesen und Felder, die einen reizvollen Kontrast zu den aktiven Industriewerken bilden.

Wir laufen weiter den Weg entlang, der zu unserer Linken mit Bäumen gesäumt ist, hinter denen sich der Alsumer Berg erhebt, und zu unserer Rechten eine freie Sicht auf den Rhein bietet. Radfahrerinnen und Radfahrer kommen uns entgegen, Spaziergängerinnen und Spaziergänger ruhen sich auf Bänken am Wegesrand aus. Unterhalb von uns entdecken wir in den Rheinwiesen eine kleine  Ruine, die wie ein Mini-Schloss aussieht und im Volksmund als Duisburger „Mäuseturm“  bezeichnet wird. Bei dem Gebäude handelt es sich wohl um ein altes Pumpenhaus, das einst Kühlwasser für die anliegenden Industrieanlagen hochpumpte und schließlich den neuen Pumpstationen weichen musste, deren Türme wir dahinter am Rheinufer sehen. Nach insgesamt rund 700 m Fußweg erreichen wir die Stelle, wo es hinauf auf den Alsumer Berg geht. Nebenan befindet sich die Kläranlage Duisburg-Alte Emscher, die 1988 in Betrieb genommen wurde. Seitdem säubert sie häusliche und gewerbliche Abwässer auf biologische Weise, indem Bakterien den Schmutz im Wasser zu unschädlichen Stoffen zerlegen bzw. „dort, wo es brodelt und blubbert, Millionen von Bakterien das fressen, was Duisburger Einwohner und Industriebetriebe in die Abwasserkanäle schicken“, wie uns eine Infotafel der Emschergenossenschaft anschaulich erklärt.

Blick von der Aussichtsplattform West Alsumer Berg Duisburg

Blick von der Aussichtsplattform West
Alsumer Berg
Duisburg

Auch zum Alsumer Berg gibt es hier eine Infostele, die uns die spannende Geschichte dieses Erlebnisortes im Emscher Landschaftspark erzählt und uns verrät, was ihn so einzigartig macht. Der Berg ist nämlich auf den Überresten des Duisburger Stadtteils Alsum errichtet, einem ehemaligen Schiffer- und Fischerdörfchen an der Emscher, die zu der Zeit noch hier in den Rhein mündete. Ab 1892 wurde der Hafen des Dorfes als Kohlenverladehafen genutzt, der allerdings 1925/26 bei einem Hochwasser im Rhein unterging. Das Hafenbecken wurde verfüllt, aber auch weitere Teile von Alsum drohten aufgrund des Kohleabbaus in Folge von Bergsenkungen immer weiter im Rhein zu versinken. Als das Örtchen im Zweiten Weltkrieg dann noch fast völlig zerstört wurde, wurde es anschließend gar nicht wieder aufgebaut, sondern die restlichen Bewohnerinnen und Bewohner in den 1950er Jahren umgesiedelt. Schutt und Kriegstrümmer wurden auf der Fläche der ehemaligen Siedlung abgeladen und zu einer Halde aufgetürmt – dem Alsumer Berg. Mittlerweile ist weder etwas von dem ehemaligen Fischerdörfchen Alsum noch von der ehemaligen Schuttdeponie zu sehen. Stattdessen führt ein breiter asphaltierter Weg zwischen grünen Bäumen und Sträuchern hinauf in ein attraktives Naherholungsgebiet. Wir wagen uns an den Aufstieg und teilen uns unsere Kräfte gut ein, denn der Weg verläuft gerade und relativ steil bergauf, außerdem liegt er zu dieser Tageszeit voll in der Sonne und wir geraten ein wenig ins Schwitzen. Links und rechts sind wir vom Grün umgeben, hinter dem sich die nebenliegenden Werksanlagen von ThyssenKrupp Steel mehr erahnen als sehen lassen, allerdings sind die Fertigungsgeräusche der Industrieanlage deutlich zu hören. Entlang des Weges sind Bänke aufgestellt, die zur Rast einladen. Schmetterlinge flattern um uns herum und begleiten uns bei unserem Aufstieg. Der Weg macht eine Kurve, es wird schattig und wir genießen die kleine Abkühlung.

Blick von der Aussichtsplattform Nord Alsumer Berg Duisburg

Blick von der Aussichtsplattform Nord
Alsumer Berg
Duisburg

Nach rund 500 m haben wir es schließlich geschafft und stehen am ersten Aussichtspunkt, der Aussichtsplattform West, die wie eine kleine Terrasse mit Sitzbänken angelegt ist und ein fantastisches Panorama bietet. Der Rhein mit dahinterliegenden Feldern, Weiden und vereinzelten Höfen, typische Niederrheinkulisse, sieht aus wie ein Postkartenidyll, während die Industrieanlagen an seinem Ostufer, die Kraftwerke Walsum und Voerde, einen eher derberen Charme versprühen. Ein wirklich sehr reizvolles Motiv! Nachdem wir eine Weile ausgeruht und die Aussicht genossen haben, spazieren wir weiter zum nächsten Aussichtspunkt, der Aussichtsplattform Nord. Sie ist ähnlich angelegt wie die erste Plattform, allerdings erwartet uns hier ein völlig anderes Bild: Schwerindustrie pur! Die sogenannte Hamborner Ofengruppe, bestehend aus der Kokerei und dem Hochofenwerk Schwelgern, liegt direkt vor uns, und wieder werden wir Zeuge des atemberaubenden Schauspiels, das wir bereits am Parkplatz erlebt haben: Weißer Dampf steigt aus dem dunklen Löschturm der Kokerei in den blauen Himmel, wird immer dichter und dichter, bis der Turm hinter der großen weißen Wolke kaum noch zu sehen ist, und löst sich schließlich langsam wieder auf. Auch aus dem Kühlturm des Kraftwerks Walsum, das im Hintergrund zu sehen ist, tritt Dampf aus, die Werkanlagen arbeiten auf Hochtouren. Wir verstehen auf Anhieb, warum der Alsumer Berg als Hotspot für Fotografinnen und Fotografen aus ganz Europa gilt, die besonders an klaren Tagen zum Sonnenaufgang und -untergang hierher pilgern. Denn auch wir haben unsere Kameras gezückt, machen ein Bild nach dem anderen von der einmaligen Industriekulisse und können uns kaum losreißen von dem faszinierenden Panorama. Die Aussichtsplattform Nord befindet sich übrigens auf dem Gipfel des Alsumer Bergs. Ein kleines Gipfelkreuz markiert ihn und erinnert gleichzeitig an die bewegte Geschichte dieses Erlebnisortes im regionalen Park der Metropole Ruhr.

Endlich haben wir alle Bilder im Kasten und ziehen weiter, denn schließlich wartet ja noch eine dritte Aussichtsplattform auf uns. Es ist der Aussichtspunkt Süd-Ost, an dem wir Manfred treffen, der ebenfalls fleißig dabei ist, Fotos zu machen. „Was für ein Panorama!“ strahlt er. „Sowas siehsse auch nur hier im Ruhrgebiet!“ Die Aussichtsplattform ist zweigeteilt: Auf der einen Seite sind gemütliche Bänke aufgestellt, von denen man einen herrlichen Blick auf das Postkartenidyll mit Rhein, vorbeiziehenden Schiffen, Feldern, Weiden und Bauernhöfen werfen kann. Auf der anderen Seite wieder Sicht auf Schwerindustrie pur mit dem Werksgelände von ThyssenKrupp Steel. Wir kommen uns vor, als würden wir uns zwischen zwei völlig verschiedenen Welten hin und her bewegen und erleben einmal mehr die breite Vielfalt des Emscher Landschaftsparks.

Blick von der Aussichtsplattform Süd-Ost Alsumer Berg Duisburg

Blick von der Aussichtsplattform Süd-Ost
Alsumer Berg
Duisburg

Manfred ist mit dem Fahrrad auf der Route der Industriekultur per Rad unterwegs und erzählt uns, dass die nächste Station auf seiner Tour die Emschermündung in Dinslaken ist. Wir wünschen ihm eine gute Fahrt und empfehlen ihm, auf jeden Fall noch eine Rast am Hof Emschermündung einzulegen. Angefüllt mit wunderbaren, vielfältigen Eindrücken machen auch wir uns schließlich an den Abstieg. Wenn ihr demnächst ebenfalls eine Radtour auf der Route der Industriekultur per Rad durch den nordwestlichen Teil des regionalen Parks der Metropole Ruhr unternehmt, plant doch einfach den Alsumer Berg auch als Station mit ein. Die Aussicht ist wirklich spektakulär und neben den aktiven Industriewerken werdet ihr viele Erlebnisorte des Emscher Landschaftsparks entdecken, wie den Landschaftspark Duisburg-Nord oder die Halde Haniel in Bottrop. Vergesst allerdings eure Kameras nicht! Ihr werdet sie mit Sicherheit gut gebrauchen können. :-)