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Exkursion durch das Hundertwasserhaus in Essen

Exkursion durch das Hundertwasserhaus in Essen

Heute nehmen wir an einer Führung durch das kunterbunte, in den Grugapark eingebettete, Hundertwasserhaus teil. Mitten in der Metropole Ruhr ist in Essen ein ganz besonders schönes Haus des Künstlers Friedensreich Hundertwasser zu finden. Dieses wurde im Auftrag der Ronald McDonald Kinderhilfe gebaut und gibt den Familien schwer kranker Kinder ein Zuhause auf Zeit in Kliniknähe.

Zugang zum Hundertwasserhaus Grugapark Essen

Zugang zum Hundertwasserhaus
Grugapark Essen

Durch den Grugapark erreichen wir das im dichten Grün der Bäume gelegene für Hundertwassers Stil typische knallig-bunte Haus. Schon der Straßenname „Unterm Sternenzelt“ in dem sich die Einrichtung befindet, lädt zum Träumen ein. Im Foyer werden wir nett von der Leitung der Führung in Empfang genommen und treffen zum ersten Mal auf die anderen Teilnehmer. Während wir auf die Nachzügler warten, nutzen wir die Zeit um das Haus von außen zu bestaunen.

Vorhof des Hundertwasserhauses  Grugapark Essen

Vorhof des Hundertwasserhauses
Grugapark Essen

Es ist gelb und wird von dicken, schwarz eingerahmten roten, geschwungenen Linien durchzogen, die die allesamt unterschiedlich großen Fenster ummanteln. In der Mitte prangt ein großer, schwarzer Zwiebelturm mit goldener Kuppel in die Höhe. Der Anblick verzaubert uns. Bevor wir mit der eigentlichen Besichtigung des Hundertwasserhauses beginnen, lauschen wir gemeinsam mit den anderen Teilnehmern einer kleinen Präsentation, die uns Einblicke in das Wirken der McDonalds Kinderhilfe gibt und in der wir zudem auch etwas über Friedensreich Hundertwassers Arbeiten und Ansichten erfahren.

Wir lassen uns ins Innere des Hauses führen und stellen schnell fest, dass das Gebäude nicht nur eine fröhlich-bunte Fassade hat, sondern uns auch hier drinnen knallige Farben entgegenleuchten. Als erstes dürfen wir uns ein wenig in den Gemeinschaftswohnräumen umsehen. Ein großer Spielbereich für Geschwisterkinder, eine offene Küche, ein Fernsehzimmer und eine Bibliothek geben den Familien Raum abzuschalten und haben das Ziel ihnen möglichst viel Stress vom belastenden Alltag zu nehmen. Die Einrichtung befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Universitätsklinikum und ermöglicht es den Familien so gut wie es geht bei ihren Kindern zu sein. Es konnte sogar wissenschaftlich erwiesen werden, dass Nähe Heilungsprozesse fördert. Wir erfahren von der Leitung der Führung, dass viele Eltern an diesem Ort durch die Möglichkeit mit anderen Familien beisammen zu sein und durch die bunte, außergewöhnliche Atmosphäre viel Kraft für den Alltag ziehen können. Sobald sie das Hundertwasserhaus betreten geht es ihnen gleich ein kleines Stückchen besser. Das können wir uns gut vorstellen, denn so gut wie alles im Haus regt zum Träumen und Fantasieren an. Große, dunkle Flecken auf dem Boden des Gemeinschaftraums werden zu Pfützen, auf die man lieber nicht treten soll, wenn man keine nassen Füße möchte. Schaut man an die Decke findet man statt karger, weißer Wand vereinzelt kleine, blaue Wölkchen. Überhaupt schaut alles nett und freundlich aus. Das Haus ist rund, geschwungen und gebogen (Hundertwasser war nämlich Feind gerader Linien) und versprüht durch die unterschiedlich großen und farbigen Mosaiksplitter einen ganz bemerkenswerten Charme. Es gibt eine Menge außergewöhnlicher Kleinigkeiten zu entdecken, die alle ihren Teil zu dieser ganz besonderen Atmosphäre beitragen. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns hierbei die Griffe, denn jeder Fenstergriff und jede Klinke ist unterschiedlich. Ebenso genial finden wir auch den Pflanzenvorhang. Vor den Fenstern sind an einer Stange auf unterschiedlichen Höhen kleine Regale montiert, auf denen Gewächse und Pflanzen stehen. Die Regale lassen sich wie Fensterläden bewegen, sodass je nach Laune Privatsphäre geschaffen oder Tageslicht hineingelassen werden kann, ohne dass die Fenster mit massiven Vorhängen beschwert sind.

Es geht weiter und wir erklimmen eine Treppe, deren Stufen sich leicht biegen, nach oben. Wir haben nämlich das Glück eine der für die Familien bestimmten Wohnungen anzusehen, da es zurzeit eine nicht bewohnte Wohnung gibt. Die Wohnungen sind simpel und fröhlich eingerichtet und verfügen über einen terassenähnlichen Balkon mit Blick in den Innenhof. Uns gefällt das Badezimmer, das wir besichtigen besonders gut, da hier die bunten Mosaikstückchen hervorragend zur Geltung kommen. In die Dusche gelangt man, in dem man an der spiralförmig angelegten Wand entlangläuft, – so kann man sich die Vorhänge im Bad sparen. Als Nächstes geht es noch ein Stück höher in den großen Turm des Hauses. Über eine von unten über und über mit Spiegelstückchen besetzte Wendeltreppe gelangen wir in den Turm. Die kleinen Splitter bringen bei bestimmtem Lichteinfall besonders schöne Reflexionen an die Wand. Vor unseren Augen entfaltet sich ein Rückzugsort, eine kleine Oase, an dem man seine Gedanken schweifen lassen und sich von der Außenwelt verstecken kann. Hier oben werden außerdem regelmäßig Wellnessbehandlungen angeboten, um die Eltern zu verwöhnen und sie auf andere Gedanken zu bringen.

Die letzte Station der Exkursion führt uns in den Innenhof des Hauses. Hier entfaltet sich uns eine ganz neue Perspektive auf das Hundertwasserhaus. Der Turm erinnert an einen großen Torso, der seine Arme (die Wände rechts und links des Turms) schützend um die Bewohner des Hauses legt. Beim Anblick auf das Haus fällt uns auf, dass einige Bäume aus dem Haus heraus wachsen. Auch sind der Innenhof und Teile des Daches begrünt und bepflanzt. Der österreichische Künstler Hundertwasser sorgte sich nämlich um die Umwelt und gab durch die Dachbegrünung der Natur das wieder, was man ihr durch den Bau des Hauses weggenommen hatte. Egal wo wir hinsehen, überall sind kleine Spielereien zu finden. So sind zum Beispiel in die Geländer und Tore des Hauses die Werkzeuge der Handwerker miteingearbeitet, – wirklich klasse, dass es immer was zu entdecken gibt!

Wir sind am Ende der Führung angelangt, bedanken uns und verabschieden uns von den anderen Teilnehmern. Heute haben wir viele neue Eindrücke gewonnen und eine Menge über Hundertwasser und die McDonalds Kinderhilfe gelernt. Es bietet sich an die Exkursion mit einem Spaziergang durch den Grugapark zu verknüpfen. Neben einem wunderschönen botanischen Garten zum Durchwandern und viel Platz zum Ausruhen, Grillen und Spielen finden hier auch regelmäßig Veranstaltungen statt. Natürlich ist auch die im Emscher Landschaftspark liegende Zeche Zollverein immer einen Besuch wert. Ebenso unweit entfernt befindet sich das Museum Folkwang, ein Essener Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen. Aber noch mal ein Fazit zu unserer Exkursion: Wir sind fasziniert von Hundertwassers Kunst und dem Engagement aller Beteiligten der Ronald McDonald Kinderhilfe und können euch eine Führung durch das bunte Haus wärmstens ans Herz legen.