Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Ruheoase im Emscher Landschaftspark: Emscher-Klärpark in Oberhausen

Ruheoase im Emscher Landschaftspark: Emscher-Klärpark in Oberhausen

Ihr sucht einen entspannten Rückzugsort im Emscher Landschaftspark, an dem ihr in Ruhe abschalten könnt? Dann haben wir hier für euch einen echten Geheimtipp: Den Emscher-Klärpark in Oberhausen! Er liegt ein wenig versteckt in einem Wohngebiet und ist zu bestimmten Öffnungszeiten öffentlich zugänglich. Die kleine Anlage ist von einem hübschen filigranen Zaun mit grauen Längsstreben umgeben, der wellenförmig den Park umschließt. Wir betreten den Emscher-Klärpark von der Sühlstraße aus durch ein offenes Tor. Anschließend folgen wir einem schmalen Weg nach rechts zwischen Bäumen, Sträuchern und Büschen entlang, der an großen Tafeln mit farbenprächtigen Bildmotiven vorbeiführt, die auf die hier im Park ansässigen Unternehmen und Netzwerke aus der Branche Garten- und Landschaftsbau verweisen. Am Ende des Weges empfängt uns eine Infotafel, die uns die Geschichte des Klärparks erzählt. Denn die heutige Ruheoase in der Metropole Ruhr war zwischen 1958 und 1996 eine Kläranlage, die das Schmutzwasser der rund 70.000 Menschen aus den Essener Stadtteilen Borbeck und Frintrop reinigte. Schließlich traf diese ehemalige Kläranlage Läppkes Mühlenbach mit ihrem 20 m hohen Faulturm und 2.260 m³ großen Klärbecken das gleiche Schicksal wie das der vielen anderen Kläranlagen in der Metropole Ruhr: Sie wurde durch den Bau und Einsatz der vier modernen Großkläranlagen in Dortmund, Bottrop, Duisburg und Dinslaken, die mittlerweile das Abwasser des gesamten Emschergebiets allein reinigen, ersetzt und stillgelegt. Nach ihrer Stilllegung wandelte sich die Kläranlage Läppkes Mühlenbach 2003 zu einem Park, in dem heute im ehemaligen Klärbecken Seerosen blühen und der Faulturm als Ort der Kunst mit Aussichtsplattform begeistert.

Faulturm Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach Oberhausen

Faulturm
Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach
Oberhausen

Wir biegen nach links ab und laufen am ehemaligen Maschinenhaus, in dem sich heute moderne Büros befinden, vorbei zu einem großen gepflasterten Platz. Vor uns erhebt sich der runde graue Faulturm. Seine Tür steht weit offen und wir treten über eine kleine Treppe mit wenigen Stufen neugierig ein. Sofort wird eine Klanginszenierung in Gang gesetzt und um uns herum hören wir plätscherndes Wasser, das sanft rauscht und gluckert. So hat es sich wohl früher üblicherweise an dieser Stelle angehört! In der Mitte des Turms, umgeben von einem Geländer, füllt eine Installation von Alexander Rüdiger Titz den Raum aus. Sie ist an der Decke des Turms befestigt und besteht aus roten Entwässerungsrohren von unterschiedlicher Breite und Länge, die nach unten hängen und sich immer weiter verzweigen. Während die Rohre mit der Klanginszenierung an die Schmutzwassermengen erinnern, die die Kläranlage Läppkes Mühlenbach tagaus tagein passiert haben, verweist die Struktur der Rohre auf das Wurzelgeflecht von tropischen Pflanzen, die dem Kunstwerk seinen passenden Namen verleihen: Mangrove. Denn der Mangroven-Baum ist insbesondere für seine Stelzenwurzeln bekannt, mit denen er sich an das Leben in schlammigen Buchten mit stark wechselnden Wasserständen angepasst hat. Ist der Wasserstand niedrig, liegen seine Wurzeln frei und halten ihn sicher an seinem Standort fest. Ist der Wasserstand hoch, versorgen seine Wurzeln ihn mit Sauerstoff und bewahren ihn so vor dem Ertrinken. Zwar werden im Emscher Landschaftspark keine tropischen Mangroven wachsen, doch werden sich im Zuge des Emscher-Umbaus heimische Schwarz-Erlen mit ihren Stelzenwurzeln am ökologisch verbesserten blauen Fluss ansiedeln und in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Tier- und Pflanzenwelt im Neuen Emschertal sein.

Um die Installation führt eine Galerie herum, auf der wir das Kunstwerk von allen Seiten betrachten. Beim Blick über das Geländer solltet ihr allerdings schwindelfrei sein: Es geht unter der Installation nämlich einige Meter in die Tiefe. Ein am unteren Ende des Turms angebrachter Strahler setzt den Turm zusätzlich mit rot-gelbem Licht in Szene. An den Innenwänden des Faulturms hängen verschiedene Infotafeln, die uns interessante Einblicke in den Emscher-Umbau und die Wasserwirtschaft in der Metropole Ruhr geben. Jetzt kennen wir auch die kleinsten und fleißigsten Mitarbeiterinnen der Kläranlagen, die wirklich jeden Tag 24 Stunden rund um die Uhr arbeiten: die Bakterien! Diese kleinen Helferinnen machen aus stinkendem Klärschlamm geruchsarmen Schlamm, der anschließend getrocknet und unter anderem in der Landwirtschaft weiter verwendet wird.

Alexander R. Titz: Installation "Mangrove", 2003 Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach Oberhausen

Alexander R. Titz: Installation “Mangrove”, 2003
Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach
Oberhausen

Aussicht vom Faulturm auf Gasometer Oberhausen Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach Oberhausen

Aussicht vom Faulturm auf Gasometer Oberhausen
Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach
Oberhausen

Wir verlassen den Faulturm mit seiner eindrucksvollen Installation über einen zweiten Ein- und Ausgang und stehen vor einer Treppe, die rechts um den Turm herum auf eine Aussichtsplattform führt. Die Stufen sind aus Lochgitter, daher solltet ihr auch hier für den Aufstieg unbedingt schwindelfrei sein! Während drinnen im Faulturm noch das gluckernde, sprudelnde Wasser zu hören ist, steigen wir Stufe um Stufe die Treppe hinauf. 58 Stufen sind es insgesamt – dann stehen wir oben auf dem Dach des Faulturms, von dem wir einen wunderbaren Panoramablick auf die charmante kleine Parkanlage werfen können. Ein leichter Wind weht hier, der uns angenehm erfrischt und abkühlt. Dichtes Grün ist zu sehen, am Horizont ragt der Gasometer Oberhausen in die Höhe, einer der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur, der sich vom Gasspeicher der Gutehoffnungshütte zu einer außergewöhnlichen Ausstellungshalle und markanten Landmarke in der Metropole Ruhr gewandelt hat. Wir genießen noch eine Weile die Aussicht, dann steigen wir wieder hinunter vom Faulturm und folgen dem Weg vom Turm in den Park hinein. Gemütlich schlendern wir unter Bäumen entlang, die angenehmen Schatten spenden, und drehen eine kleine Runde durch die Anlage. Es ist so friedlich und ruhig hier. Überall sind Bänke aufgestellt, die zur Rast einladen. Radfahrer und Radfahrerinnen, die den Park zur Durchfahrt auf ihrer Radtour durch den Emscher Landschaftspark nutzen, legen hier ebenso eine wohlverdiente Pause ein wie Spaziergänger und Spaziergängerinnen, die das herrliche Sommerwetter zu Fuß genießen.

Zwischen den modernen und erweiterten Bürogebäuden führt ein Durchgang mit einer Treppe nach unten. Vor uns breitet sich das ehemalige Klärbecken aus, das als idyllischer Seerosenteich in der Sonne liegt. Wir laufen um das Becken herum zu einem Steg, der über den Teich führt. Hierbei handelt es sich um die festgestellte Räumerbrücke, die an die industrielle Vergangenheit des Parks erinnert. Sie bewegte sich früher langsam durch das Klärbecken und brachte den stinkenden Klärschlamm an die tiefste Stelle des Beckens, von wo aus er weiter in den Faulturm zu den fleißigen kleinen Bakterien-Mitarbeiterinnen gepumpt wurde, die daraus wieder sauberen Schlamm machten  – ihr erinnert euch? Heute führt die Räumerbrücke als attraktive Aussichtsplattform über den Teich und bietet uns einen wunderbaren Blick auf die Uferpflanzen und das Wasser. Frösche quaken unter uns im Schilf und hüpfen zwischen den Seerosen umher. Ein Laubfrosch hat es nicht so eilig. Stocksteif und ohne Bewegung hockt er gut getarnt auf einem Seerosenblatt und lässt sich von uns beobachten, während wenige Meter neben ihm im Wasser Goldfische langsam durch den Teich schwimmen oder einfach nur träge an der Oberfläche stehen. Schmetterlinge und Libellen schwirren durch das Schilf, darunter flitzen Wasserläufer auf dem Wasser umher. Wir laufen über die Räumerbrücke hin und her und halten immer wieder an einer anderen Stelle an, weil wir etwas Neues rund um das Becken entdecken.

Seerosenteich Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach Oberhausen

Seerosenteich
Emscher-Klärpark/Kläranlage Läppkes Mühlenbach
Oberhausen

Als wir die Brücke verlassen, laufen wir noch ein Stück um das mit einer grünen Hecke umgebene Klärbecken herum und steigen eine Treppe hinauf auf die höher gelegene Parkebene. Der Emscher-Klärpark besteht nämlich aus mehreren Ebenen, die verschiedenen Perspektiven auf den Park eröffnen. So steigen wir anschließend ein paar Stufen hinauf auf eine Steganlage, die sehr bewachsen ist und uns laut Infotafel und Übersichtsplan zu einem „Blick in die Wildnis“ einlädt. Und so ist es: Eine Aussichtsplattform gewährt uns einen Panoramablick auf üppiges, dicht gewachsenes Grün, das sicherlich vielen Tieren einen geschützten Rückzugsort bietet. Der Emscher-Klärpark ist insgesamt ein wunderschöner Rückzugsort, in dem auch ihr einfach mal durchatmen und entspannen könnt. Ein gutes Buch lesen, ein kleines Sonnenbad nehmen, sich ein wenig die Beine vertreten, ein wenig ungestört für sich sein: Für all das bietet sich die ehemalige Kläranlage Läppkes Mühlenbach als Geheimtipp im Emscher Landschaftspark ideal an! Als Erlebnisort in einer neuen, naturnah gestalteten urbanen Flusslandschaft ist sie damit ein wichtiges Symbol für einen erfolgreichen Emscher-Umbau, wie etwa auch der nur wenige Kilometer entfernt liegende BernePark in Bottrop.

An den Emscher-Klärpark schließt direkt der Gehölzgarten Ripshorst mit dem RVR-Besucherzentrum Emscher Landschaftspark Haus Ripshorst an, der sich nach einem Besuch der ehemaligen Kläranlage für einen Spaziergang oder die Weiterfahrt mit dem Rad durch den Park der Metropole Ruhr anbietet. Da uns unsere kleine Entdeckungsreise durch den Emscher-Klärpark durstig gemacht hat, legen wir zum Abschluss unseres heutigen Ausflugs im Emscher Landschaftspark noch eine kleine Erholungspause im RVR-Besucherzentrum Emscher Landschaftspark Haus Ripshorst ein, wo wir bei Kaffee und Wasser auf der großzügigen Terrasse unsere kommenden Ausflüge durch den Emscher Landschaftspark planen. Inspirationen dazu liefert uns die multimediale Ausstellung im Besucherzentrum, die uns interaktiv über weitere spannende Erlebnisorte des Emscher Landschaftsparks informiert. Einige der Orte befinden sich hier in unmittelbarer Nähe und bieten sich nach einem Besuch im Emscher-Klärpark ebenfalls für weitere Entdeckungen an, wie die Brache Vondern, die sich nur wenige Meter entfernt auf der Emscher-Insel befindet, oder der Gleispark Frintrop mit seiner faszinierenden Industrienatur, der ebenfalls ganz in der Nähe liegt.

Falls ihr lieber ausgedehnte Radtouren durch den Emscher Landschaftspark macht oder auf kilometerlange Wanderungen geht: Auch dann lohnt es sich, dem Emscher-Klärpark einen Besuch abzustatten. Denn sowohl der Emscher Park Radweg als auch der Emscher Park Weg (XE) laufen ganz in der Nähe des Parks entlang, ebenso der Rhein-Herne-Kanal als Erlebnispassage des Emscher Landschaftsparks, der unmittelbar hinter dem Park entlang führt.

Geöffnet hat die ehemalige Kläranlage Läppkes Mühlenbach zu folgenden Zeiten: Februar – Oktober: 7.00 – 20.00 Uhr, November – Januar: 8.00 – 18.00 Uhr. Der Faulturm ist bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Park und in den Faulturm ist frei. Wir wünschen euch gute Erholung bei eurer Ruhepause im Emscher-Klärpark! :)