Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Ein Tag der Pflaumen und Bienen am Emscherquellhof

Ein Tag der Pflaumen und Bienen am Emscherquellhof

Die Pflaumensaison ist eingeläutet! Daher widmet sich der monatliche Obsttag am Emscherquellhof heute der blauen Frucht. Seit Juni steht jeder zweite Sonntag des Monats am schneeweißen Fachwerkhof unter dem Motto einer heimischen Frucht, sei es die Erdbeere, die Kirsche oder der Apfel. Der Emscherquellhof bietet aber vor allem dauerhaft Wissenswertes über seine Namensgeberin, die Emscher, und deren  ökologische Umgestaltung und Renaturierung. Der Emscherumbau ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas und in seiner Vielschichtigkeit einzigartig. Es geht dabei zum einen um die reine Verbesserung der Gewässergüte, welche durch Kläranlagen und Abwasserkanäle realisiert wird. Zum anderen, wird der Emscher ein natürlicher Verlauf zurückgegeben, um der reichen Pflanzen- und Tierwelt am Ufer ein neues Zuhause bieten zu können. Bereits jetzt machen zudem die neuen Parks und Radwege innerhalb des Emscher Landschaftsparks und Neuen Emschertals die neue urbane  Flusslandschaft zu einem spannenden Erholungs- und Erlebnisraum.

Den Emscherquellhof ganz im Osten des Emscher Landschaftsparks gibt es bereits seit 1801, als er von zwei Bauernfamilien im damals typischen Stil eines Westenhellweghofes errichtet wurde. Von der damaligen Gebäudeansammlung stehen heute noch das Haupthaus mit ehemaligen Stallungen und das frühere Backhaus. Durch aufwendige Restaurierungsarbeiten konnten das alte Fachwerk erhalten werden, sowie kleinere und größere Details ganz nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Dadurch versprüht das Gebäude seinen authentischen Charme. Gelegen auf einer leichten Erhöhung, überblickt der Hof stolz die umliegenden idyllischen Felder und Wiesen am Rande der Gemeinde Holzwickede und führt uns die ländlichen Seiten der Metropole Ruhr vor Augen.

Hofeinfahrt zum Emscherquellhof Holzwickede

Hofeinfahrt zum Emscherquellhof Holzwickede

Als Station bei einer gemütlichen Fahrradtour ist der Emscherquellhof über Wirtschaftswege an  den Feldern entlang gut zu erreichen. Zu Fuß ist es aus der Gemeinde ein etwa halbstündiger Spaziergang bis zum Hof. Autofahrer und Autofahrerinnen finden Parkplätze direkt vor den Toren des Gehöfts. Wir haben uns für die Fahrradtour entschieden und durchqueren zunächst das belebte Holzwickede, dessen Gemeindezentrum heute auch auf Grund eines Pfarrgemeindefestes gut besucht ist. Von dort aus sind es nur wenige Minuten bis zum Emscherquellhof, dessen weiße Fachwerkwände von Weitem bereits kurz zu sehen sind, bevor sie wieder hinter dichtem Grün verschwinden.  Zusammen mit anderen Radfahrern und Radfahrerinnen erreichen wir die Hofeinfahrt am frühen Nachmittag. Schirme und Bänke sind bereits vor dem großen Hauptgebäude aufgestellt. Zuerst wollen wir  natürlich die Emscherquelle selbst erkunden und wählen den kleinen Pfad, der in ein Wäldchen am Rande des Hofes führt. Jeweils ein paar Schritte voneinander entfernt sind in den Weg silberne Metallplatten eingelassen, auf denen weise Worte von bekannten Größen der letzten Jahrhunderte eingraviert sind. So soll Elias Canetti gesagt haben: „Das Wasser ist niemals einsam“, während  von Isaac Newton folgendes Zitat stammen soll: „Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ist ein Ozean.“ Weitere weise Sätze von Konfuzius bis Goethe begleiten uns auf unserem Weg zum Emscherquellteich, bis wir eine kleine Plattform erreichen. Von dieser Plattform aus überblickt man den ruhigen Emscherquellteich, an dessen anderem Ufer der Hof angrenzt.  Der Teich ist eine kleine Oase der Ruhe. Man kann sich kaum vorstellen, dass aus ihm ein über 80 km langer Fluss entspringt, der durch die gesamte Metropole Ruhr fließt.

Die Quelle speist diesen Teich unterirdisch aus der Richtung des Hofes und die Emscher fließt als Bach um das Gelände herum. Auf der Plattform ist eine Tafel aufgestellt, die uns von der Sage der Emscherfee Emrizza Amberhus erzählt. Die Jungfrau Emrizza war eine geizige Kauffrau, die mit Nichts und Niemandem teilen wollte. Im Alter erschien ihr eine Gestalt und warnte sie vor der Strafe für ihr Handeln im Jenseits, sodass sie fortan all ihr Hab und Gut der Kirchengemeinde schenkte. Nach ihrem Tod wurde sie zur Heilsbringerin: Der Teich wurde von den Bauern oft als Löschteich benutzt. Emrizza erschien einen Tag vor einem erneuten Brand über dem Teich und warnte so die Bauern, wodurch sie großes Unglück verhinderte.

Flugloch eines Bienenstocks am Emscherquellhof Holzwickede

Flugloch eines Bienenstocks am Emscherquellhof Holzwickede

Uns ist Emrizza glücklicherweise heute nicht erschienen, wir brauchen uns also keine Sorgen machen und können unseren Weg zum Pflaumen- und Bienenfest auf dem Emscherquellhof fortsetzen. Der Platz vor dem ehemaligen Schafstall lädt mit Bänken, Tischen und Sonnenschirmen zu einer Kaffee- und Kuchenpause ein, doch zunächst widmen wir uns den fleißigen Insekten, ohne die wir gar kein Obst ernten könnten. Der 125 jährige Imkerverein Dortmund-Kurl informiert die Besucher und Besucherinnen über das Imkern, die Biene und den Honig. Uns erzählt Anja Hering von ihrem außergewöhnlichen Hobby. Zusammen mit ihrem Mann ist sie vor ein paar Jahren in die Imkerei eingestiegen und wirbt mit ihren Kollegen und Kolleginnen nun begeistert für diese nachhaltige und wichtige Arbeit. „Wir versuchen regelmäßig, andere davon zu überzeugen, mit dem Imkern anzufangen, denn junger Nachwuchs wird immer gebraucht“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. „Es ist zwar viel Arbeit, aber diese Arbeit macht uns so viel Spaß, dass wir gerne neben unseren eigentlichen Berufen noch viele Jahre Honig machen wollen.“ Die Herings produzieren pro Ernte etwa 20 Kilo Honig, im Frühjahr den etwas helleren Rapshonig und gegen Ende des Sommers den goldenen Lindenhonig. „Einmal hatten wir sogar Tannenhonig, der war so dunkel, dass wir dachten, wir würden Altöl anrühren!“ berichtet uns Anja lachend. Das Honigmachen ist vom Prinzip her ganz einfach: „Wenn wir die Rahmen mit den Waben aus den Bienenstöcken entnehmen, müssen wir zunächst das Wachs entfernen, mit denen die Bienen den Honig in der Wabe einschließen. Dann können die Rahmen wie in einer Waschtrommel geschleudert werden, sodass der Honig heraus tropft. Schließlich wird er dreimal gesiebt und dann über eine Woche lang regelmäßig gerührt, bevor er abgefüllt werden kann.“ Ihre Gläser aus den diesjährigen Ernten bieten die beiden heute zum Verkauf an. Aber nicht nur das, sie machen auch Kerzen aus dem Bienenwachs oder stellen mit den Besuchern und Besucherinnen vor Ort eine reichhaltige Handcrème aus dem Naturprodukt her. Den Herings ist auch der Emscher Landschaftspark gut bekannt, denn Anjas Ehemann ist begeisterter Mountainbiker und seine Lieblingsstrecke ist die des 24h Stunden Rennens im Landschaftspark Duisburg-Nord, dessen Industriekultur für ihn den wahren Reiz der Route ausmacht.

Kuchentheke am Pflaumen-und Bienentag im Emscherquellhof Holzwickede

Kuchentheke am Pflaumen-und Bienentag im Emscherquellhof Holzwickede

Nachdem wir all dieses Wissen aufgesogen haben, steigt uns der Geruch von frischem Kaffee in die Nase und wir machen uns auf den Weg in den großen ehemaligen Schafstall. Dort können wir die lange Kuchentheke nicht übersehen und wissen gar nicht, wo wir mit Probieren anfangen sollen. Die Auswahl reicht vom klassischen Pflaumenkuchen auf Hefeteig, mit oder ohne Streusel, über Pflaumensandkuchen, Pflaumentörtchen oder heiße Waffeln mit Pflaumenkompott, bis hin zu Sweeties aus Rührteig und Pflaumenkompott. Am liebsten würden wir gleich alles ausprobieren. Pflaumensandkuchen ist neu für uns, sodass wir davon gleich ein Stückchen probieren müssen, natürlich mit Zimtsahne. Dazu einen frisch gebrühten Kaffee und wir setzen uns an einen der einladenden Tische draußen vor dem Gebäude. Der Kuchen ist einfach köstlich und wir genießen die Sonnenstrahlen. Anschließend machen wir noch eine kleine Erkundungstour über das Gelände. Wir begegnen einem weiteren Kollegen von Anja, der gerade mit Kindern eine Bienenführung macht undlernen unter anderem etwas über den Körperbau der Biene und warum sie sterben muss, nachdem sie einen Menschen gestochen hat. Unübersehbar sind die großen weißen Würfelgerüste des schwedischen Künstlers Henrik Håkansson, die hinter dem Hof aufgestellt wurden und Platz für sieben Bienenvölker und ihren jeweiligen Stock in Form einer großen Holzkiste bieten.

Bienenstöcke am Emscherquellhof Holzwickede

Bienenstöcke am Emscherquellhof Holzwickede

Bevor wir wieder den Heimweg antreten, beobachten wir noch ein wenig das geschäftige Treiben an den Fluglöchern, den Eingängen zu den Bienenstöcken und das Kommen und Gehen der fleißigen Tierchen. Längst nicht so wendig und fix wie die Bienen, steigen wir mit dem Bauch voller leckerem Pflaumenkuchen wieder aufs Rad und lassen uns den leichten Hügel entspannt hinunterrollen und freuen uns schon auf den nächsten Ausflug im Emscher Landschaftspark.