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Ein Ausflug zum Besucherstollen im LWL-Industriemuseum

Ein Ausflug zum Besucherstollen im LWL-Industriemuseum

Ihr wollt in die Zeit zurückreisen und hautnah erfahren wie die Bergarbeiter damals gearbeitet haben? Dann seid ihr hier genau richtig: In der Zeche Nachtigall in Witten des LWL-Industriemuseum gibt es echte Steinflöze zu bestaunen und nebenbei erhaltet ihr einen Einblick, wie die Bergleute damals gearbeitet haben. Wir haben uns die Atmosphäre unter Tage ebenfalls nicht entgehen lassen.

Das Ruhrgebiet ist besonders für den Kohleabbau bekannt und Museen sowie Industriedenkmäler prägen dieses Bild von damals. Bereits im 16. Jahrhundert sind die ersten Stollenbergwerke zu verzeichnen. Das Muttental bei Witten hat damals schon viel Kohle abgebaut und kann somit als „Wiege des Ruhrbergbaus“ bezeichnet werden. Zunächst wurde die Kohle in waagerechten Stollen abgetragen und erst später ging es in die Tiefe. Ende letzten Jahres sind jedoch die letzten Stunden des Kohleabbaus gezählt, denn alle Steinkohlebergwerke müssen ab dem 21. Dezember 2018 schließen. Umso wichtiger sind Museen, wie das in Witten, um einen Einblick in die Arbeitswelt der Bergarbeiter zu erhalten.

Doch beginnen wir am Anfang: Ausgestattet mit einem Helm, damit wir uns nicht verletzen, beginnt die etwa einstündige Führung zunächst mit einer Einführung und vielen Daten und Fakten. Die Zeche Nachtigall besteht aus drei Schächten„Neptun“„Hercules“ und „Catharina“„Neptun“ ist der Name einer bekannten Gottheit des fließenden Wassers und des Meeres in der römischen Mythologie. Dieser Schacht wurde 1832 in der Zeche Nachtigall als ersten Tiefbauschacht errichtet, der zwar langersehnt, aber dennoch ein wages Experiment war. „Hercules“ war der Hauptförderschacht und gleichzeitig der tiefste und größte Schacht mit 449 Metern. „Hercules“ ist der lateinische Name für „Herakles“, der in der griechischen Mythologie als Halbgott und Held angesehen wurde. Der Schacht „Catharina“ wurde als dritter Schacht im Jahr 1850 begonnen und galt als Förderschacht für die Kohle. Durch den Ausbau des dritten Schachtes zählte die Zeche Nachtigall nun als eine der größten Schachtanlage in dieser Zeit.

Nach der kurzen Einführung machen wir uns auf den Weg in den Besucherstollen, der uns zunächst an einer schweren Gittertür vorbeiführt. Wir betreten den dunklen Gang, der nur mit Lampen an den Wänden ausgestattet ist. Kalter Wind kommt uns entgegen und wir hören ein Rauschen. Der Experte, der diese Führung durch den Besucherstollen leitet, erklärt uns, dass dieses Rauschen von der Durchlüftungsanlage kommt. Wir befinden uns auf dem Hauptweg des Stollens, der jeweils am Ende und am Anfang eine Gittertür hat. Deshalb auch der starke Windzug.

Der Abbau des sogenannten „schwarzen Goldes“ wurde schon vor 300 Jahren an den Hängen der Ruhr zu Tage gefördert. Um nicht so tief gelegene Flöze zu erreichen, trieb man waagerechte Stollen in einen Berg und förderte somit die Kohle per Handarbeit. Um an tiefer gelegene Kohle zu gelangen, wurden „Unterwerksbauten“ angelegt. Das Bergwerk, das wir besuchen, wurde 1990 als Schaubergwerk ausgebaut, dennoch bekommt man einen Einblick, wie die Bergarbeiter damals Kohle abgebaut haben. Auf dem Gleisbett, der Bereich zwischen den beiden Gleisschienen, gehen wir tiefer hinein. Immer wieder halten wir an Stellen und erfahren interessante Geschichten zu der Arbeit der Bergmänner. Nach einigen Stopps gehen wir bis ans Ende des Besucherstollens. Dort verlassen wir diesen kurz und sehen, dass der Stollen durch einen Berg aus Gestein führt. Weit oben im Gestein sehen wir eine Schicht von Kohle. Doch wie entsteht eigentlich Kohle? Zunächst waren es Pflanzen und Bäume, die abgestorben sind und im Boden versanken. Darüber wuchsen dann neue Pflanzen und Bäume. Aus den abgestorbenen Pflanzen entstand eine Schicht aus Torf. Verschiedene Schichten wie zum Beispiel Sand oder Geröll bedeckten diese. Durch das schwere Gewicht wurde diese Erdschicht zu Braunkohle gepresst. Durch immer höheren Druck und Hitze wurde die Braunkohle dann schließlich zu Steinkohle.

Außerdem lernen wir auf der Führung, dass die Bergarbeiter eine andere Sprache haben und auch ihr Arbeitsgerät anders benennen. So geht ein Bergmann nicht durch den Stollen, sondern er fährt. Zum Beispiel bedeutet „einfahren“ somit, dass sich die Bergleute in das Bergwerk begeben, wohingegen „ausfahren“ bedeutet, dass sie dieses wieder verlassen.

Das Gezähe der Bergmänner

Das Gezähe der Bergmänner

Die Arbeitsutensilien heißen nicht Werkzeug, sondern Gezähe.  Die Mitarbeiter des Museums begrüßen sich mit dem typischen Bergmannsgruss „Glück auf“. Sprichwörter wie „Schicht im Schacht“ haben sich in unserer heutigen Alltagssprache verfestigt. In der Bergmannssprache bedeutet dies so viel wie das Ende eines Arbeitstags. Doch auch heute benutzen wir das Sprichwort noch.

Als wir den Hauptweg im Stollen verlassen, hört der Windzug plötzlich auf. Eine hohe Luftfeuchtigkeit kommt uns entgegen und es riecht etwas modrig und muffig. An den Wänden sammelt sich das ganze Wasser und gelegentlich hört man einen Tropfen auf dem Boden ankommen. Auf dieser Strecke, die Flözstrecke oder auch Abbaustrecke genannt wird, bemerken wir auch, dass von hier das Rauschen kommt, dass wir direkt zu Anfang gehört haben. Hier befindet sich eine Durchlüftungsanlage, die Luft in diesen Gang bringt, der eine Sackgasse ist. Diese Luft kommt aus dem Hauptweg, den wir zuvor entlang gelaufen sind. Es herrscht eine andere Temperatur und unsere Hände werden langsam wieder wärmer, die zuvor durch den starken Windzug sehr kalt geworden sind. Am Ende dieser Sackgasse erreichen wir die Stelle, wo die Kohle abgebaut wird. In der Wand ist ein kleiner Schacht, gestützt durch kleine Holzstämme. Wir erfahren, dass in diesem kleinen Schacht die Arbeiter damals mit ihrem schweren Gezähe die Kohle abgebaut haben. Zum Glück ist der Gang mit Lampen ausgestattet. Doch um einen Einblick in den wirklichen Arbeitsplatz der Bergmänner zu bekommen, schaltet der Mitarbeiter des LWLs für kurze Zeit das Licht aus. Es ist stockfinster und man kann nichts mehr erkennen. Mit seiner Lampe verdeutlicht er uns, wie viel Licht die Arbeiter zur Verfügung hatten, indem er vor seiner hellen Taschenlampe seine Hand hält und sie dadurch nur noch sehr schwaches Licht abgibt. Das hat uns gezeigt unter welchen Bedingungen damals Kohle abgebaut wurde.

Der Schacht, in dem die Bergleute gearbeitet haben

Der Schacht, in dem die Bergleute gearbeitet haben

Mit schwachem Licht, schwerem Werkzeug in einem kleinen Schacht in der Wand mit einer Steinschicht über und unter ihnen.  Da ist es ganz klar, dass die Arbeiter unter typischen Krankheiten litten, wie die sogenannte Staublunge oder Probleme mit den Schultern oder den Knien. Hinzu kommt, dass die Luft dort unten, trotz der Belüftung sehr schlecht und feucht war.

Kurze Zeit später machen wir uns wieder auf den Weg nach draußen und sind, obwohl wir weniger als eine Stunde in dem Stollen waren, froh wieder draußen zu sein. Die schlechte und feuchte Luft, die Dunkelheit und das nicht aufrechte Gehen hat uns doch mehr zugesetzt als wir dachten. Ein erleichterter Seufzer macht uns bewusst, wo wir gerade waren und unter welchen Bedingungen damals gearbeitet werden musste.

Der Besucherstollen der Zeche Nachtigall ist im Übrigen nicht nur für Führungen geöffnet, sondern auch für Hochzeitszeremonien. Dafür gibt es einen extra Wagen, in den sich das Brautpaar reinsetzen kann und dann durch den Stollen zu dem Raum geschoben wird, wo sie sich dann trauen lassen können.

Doch mit der Führung durch den Besucherstollen ist es nicht vorbei, wir konnten ebenfalls den Anfang des Schachtes „Hercules“ in einem anderen Gebäude sehen. Dieser wurde damals in Handarbeit ausgegraben und reichte 449 Meter in die Tiefe. Nun ist er mit Wasser gefüllt und man kann nicht mal erahnen, wo sich der Boden befindet. In den Anfängen sind die Bergarbeiter immer mit einer Leiter den Schacht runter klettert. Natürlich war es nicht eine einzig lange Leiter, sondern mehrere, die durch Plattformen verbunden waren. Der tägliche Abstieg dauerte ca. 1 Stunde, der Aufstieg sogar 1 ½ Stunden. Wir stellen uns vor, nach stundenlanger Arbeit tief unten im Bergwerk, bei fast kompletter Dunkelheit und schwerer körperlicher Arbeit den langen und wahrscheinlich auch gefährlichen Rückweg aus dem Schacht wieder anzutreten, der ebenfalls wieder körperlich sehr anstrengend ist.

Wir verlassen das Gelände des Industriemuseums mit vielen neuen Eindrücken und machen uns wieder auf den Rückweg. Die Zeche Nachtigall hat uns zurück in die Zeit gebracht und uns einen Einblick gegeben, wie damals in Bergwerken gearbeitet wurde. Falls euch dieses zusagt, dann schaut doch auch mal hier beim Geocaching auf der Zeche Zollverein in Essen vorbei. Das UNESCO Welterbe-Gelände zählte zu der größten und aktivsten Bergwerksanlage und bei dieser GPS-basierten Schnitzeljagd könnt ihr das Gebiet genauer erkunden. Hier geht es zum Artikel der Zeche Zollverein in Essen.