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Duisburger Akzente: Fotoausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

Duisburger Akzente: Fotoausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt

„Umbrüche“ sind das Thema der 38. Duisburger Akzente. Das mehrwöchige Kulturfestival erzählt 2017 verschiedene Geschichten von tiefgreifenden Veränderungen und fragt mit Ausstellungen, Theaterstücken, Vorträgen, Filmabenden, Lesungen, Konzerten, Kabarett und weiteren Kunstaktionen an verschiedenen Spielorten in Duisburg nach den Hintergründen, Ursachen und Wirkungen. Im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, einem der Ankerpunkte der Route der Industriekultur und selbst ein spannender Ort des Umbruchs im Emscher Landschaftspark, wird im Rahmen der Duisburger Akzente die Fotoausstellung „Vom Zweibeiner zum Tausendfüßler – Das Revier hat sich in 150 Jahren gewandelt“ gezeigt, die sich mit dem Strukturwandel und den Veränderungen der letzten Jahrzehnte in Duisburg auseinandersetzt. Dabei wird insbesondere auch die Entwicklung des Landschaftsparks Duisburg-Nord thematisiert, einem der außergewöhnlichen Erlebnisorte im Emscher Landschaftspark, der aufgrund seiner Vielfältigkeit zu einem Symbol für die neue Landschaft in der Metropole Ruhr geworden ist. Grund genug, um uns heute zum Museum der Deutschen Binnenschifffahrt aufzumachen und die Ausstellung zu besuchen.

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Duisburg

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt
Duisburg

Die Sonne scheint strahlend hell, als wir in die Apostelstraße einbiegen und von wehenden Fahnen empfangen werden, die vor dem Museum an hohen Masten im leichten Frühlingswind flattern. Mit neugierigem Interesse nehmen wir das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt erst einmal von außen genau unter die Lupe. Die wunderschöne Architektur ist vom Späthistorismus und Jugendstil geprägt. Kunstvolle Verzierungen schmücken die Fassade, geschwungene Giebel und große Bogenfenster mit Sprossen in apart-verspielter Anordnung machen das Museum zu einem der schönsten Kulturorte im Emscher Landschaftspark. Das Museumsgebäude hat seine ganz eigene Geschichte des Umbruchs: Direkt neben dem Hüttenwerk „Phoenix“ wurde es zwischen 1908 und 1910 ursprünglich als Ruhrorter Badeanstalt errichtet, als Hygienemaßnahme, um den Arbeitern ein „Bad nach der Schicht“ zu ermöglichen. Das ist auch heute sowohl von außen, als auch von innen noch offensichtlich: Über dem Museumseingang steht in einem hübsch geschwungenen Giebel in großen Lettern „Städt. Badeanstalt“, in dem ehemaligen Herrenschwimmsaal und heutigem Ausstellungsbereich ist ein niederländischer Lastensegler von 1903 unter vollen Segeln in dem gefliesten ehemaligen Schwimmbecken aufgestellt, das immer noch als solches gut erkennbar ist. 1985 wurde die Badeanstalt geschlossen. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park wurde das Gebäude saniert und zu dem neuen Domizil des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt umgebaut. 1998 zog das Museum in die ehemalige Ruhrorter Badeanstalt ein und zählt seitdem zu einem der bedeutendsten Orte der Industriekultur in der Metropole Ruhr.

Ausstellung „Vom Zweibeiner zum Tausendfüßler“ 38. Duisburger Akzente Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Duisburg

Ausstellung „Vom Zweibeiner zum Tausendfüßler“
38. Duisburger Akzente
Museum der Deutschen Binnenschifffahrt
Duisburg

Wir nehmen die wenigen Stufen zur Eingangstür des Museums hinauf und betreten das Gebäude. Im Foyer weisen uns zwei freundliche Mitarbeiterinnen den Weg nach links in den Vortragssaal, wo die Sonderausstellung „Vom Zweibeiner zum Tausendfüßler – Das Revier hat sich in 150 Jahren gewandelt“ mit Fotos der Künstlerinnen Mari Marquardt und Sabine Grefe im Rahmen der diesjährigen Duisburger Akzente präsentiert wird. Die Ausstellung zeigt Augenblicke und Momente von urbanen Lebensräumen im Umbruch und ist in sechs Themenbereiche eingeteilt, die mit verschiedenen Bildserien beleuchtet werden: 1) Vom Zweibeiner zum Tausendfüßler – Landschaftspark Duisburg-Nord, 2) Abriß – Bruckhausen, 3) HKM Duisburg Tor 7, 4) Bruckhausen, 5) Güterbahnhof – Duisburg und 6) Landschaftspark Duisburg-Nord bei Nacht. Die Serien zu den Themen „Landschaftspark Duisburg-Nord“ und „Bruckhausen“ sind in je sechs Bilder gegliedert, die als Großformate in Einzelrahmen in zwei Reihen zu je drei Bildern an zwei gegenüberliegenden Wänden vis-à-vis angebracht sind. Schwarze schlichte Rahmen und weiße Passpartouts bringen die Fotos einprägsam zur Geltung. Die Bilder zu den übrigen Themen sind zu je vier Bildern in länglichen Querrahmen angeordnet, die je nach Thema in der Anzahl variieren. Interessiert betrachten wir die Fotos, die verschiedene Motive des Wandels aus Duisburg präsentieren. In den Serien „Abriß – Bruckhausen“ und „Bruckhausen“, die sich mit der Entwicklung im Duisburger Stadtteil Bruckhausen auseinandersetzen, begegnen wir beispielsweise verlassenen, verfallenen Treppenhäusern, Bauruinen, die sich im Umbau befinden, leerstehende Häuser und Hallen mit verschlossenen Türen, deren Fenster mit Holzbrettern vernagelt oder mit geschlossenen Gardinen und Rollläden versehen sind. Karge, vernachlässigte Außenfassaden mit abgeblättertem Putz, Fenster mit eingeschlagenen Scheiben, Baustellen mit Schutthalden und zerstörerischen Baggern illustrieren den Niedergang eines Lebensraums, der schon nahezu aufgelöst und vergangen ist. Neben dem Niedergang wird aber auch die Kraft des Umbruchs in den Bildern deutlich, die Hinwendung zum Neuen, die Vitalität, die mit der Veränderung einhergeht. Scheinbar zufällig in die Bilder geratene Schilder oder gesprayte Schriftzüge auf den verfallenden Mauern wie „Wir wehren uns!“, „Bruckhausen kämpft!“ oder „Wir werden dich nie vergessen!“ stehen symbolhaft für den Abschied, für die Auseinandersetzung mit dem Vergangenen, aber auch für den Blick nach vorn, für eine Perspektive, für eine Zukunft, die in den Fotos durch eine bunte Farbigkeit von einzelnen Artefakten zum Ausdruck gebracht wird. Diese Stilmittel ziehen sich auch in den übrigen Bildserien fort: Verwitterte, verfallene Orte werden durch Farbe und Licht neu belebt, das Zusammenspiel von Licht und Schatten und die Lichtsymbolik werten die verlassenen Lebensräume auf, lassen sie wieder lebendig werden, ebenso wie die künstlerischen Graffiti, die den Niedergang ästhetisch in Szene setzen. Am eindrucksvollsten wird das in den Bildserien zum Landschaftspark Duisburg-Nord deutlich. Das ehemalige Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich, ebenfalls ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur, begeistert heute als vielfältiger Park mit abwechslungsreichen Sport- und Freizeitangeboten, zahlreichen Veranstaltungen und einer faszinierenden Industrienatur. In den beiden Bildserien der Fotografinnen Mari Marquardt und Sabine Grefe wird die Vielfältigkeit des Landschaftsparks Duisburg-Nord deutlich. Eindrucksvolle Aufnahmen der kargen, kalten Industrieanlagen der ehemaligen Hütte als verlassener Ort werden ästhetisch-inszenierten Motiven der formvollendeten Industriearchitektur und Fotos von Lichtkunst gegenübergestellt, die den Landschaftspark heute in bunte Farben taucht, ihn künstlerisch gestaltet, mit ihm spielt und neu zum Leben erweckt. In der Serie „Landschaftspark Duisburg-Nord bei Nacht“ kommt die Lichtsymbolik als Stilmittel besonders gut zum Ausdruck: Auf fünf Fotos erstrahlt der Park in der dunklen Landschaft in bunten Farben als neu gestalteter lebendiger Ort und Symbols des Aufbruchs, denen eine trübe, farblose Aufnahme der kargen Industriekulisse gegenübergestellt ist. Die Bildserien illustrieren auf diese Weise die verschiedenen Gesichter des Landschaftsparks Duisburg-Nord, die verschiedenen Perspektiven auf den Park und machen den Wandel und die Entwicklung des Ortes zu einer der beliebtesten Erlebnis- und Erholungsoasen im Emscher Landschaftspark eindrucksvoll sichtbar.

Wir sind begeistert von den wunderbaren Fotos und bekommen sofort Lust, dem Landschaftspark Duisburg-Nord einen Besuch abzustatten. Ein Tipp für euch: Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt und der Landschaftspark Duisburg-Nord liegen nur wenige Kilometer auseinander und sind beide direkt an den Emscher Park Radweg angeschlossen. Vielleicht habt ihr bei sonnigem Wetter ja Lust auf eine Radtour, um die beiden spannenden Orte der Industriekultur im Emscher Landschaftspark selbst zu besuchen? Es lohnt sich auf jeden Fall! :-)