Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Die Kultur Ruhr GmbH: Nutzung ehemaliger Industriegebäude und -flächen als Spielorte für Kunst, Musik und Kultur im Emscher Landschaftspark

Die Kultur Ruhr GmbH: Nutzung ehemaliger Industriegebäude und -flächen als Spielorte für Kunst, Musik und Kultur im Emscher Landschaftspark

Der Emscher Landschaftspark ist Kulturlandschaft!

Und mitten im Emscher Landschaftspark, genauer gesagt im Westpark Bochum, sitzt seit diesem Jahr auch die Kultur Ruhr GmbH. Erstmalig 1998 als Instrument der sogenannten „Regionalen Kulturpolitik“ für das Ruhrgebiet in den Grenzen des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (heute Regionalverband Ruhr) gegründet, entstand die Kultur Ruhr GmbH in ihrer heutigen Form 2011 auf Anregung der Internationalen Bauausstellung Emscher Landschaftspark (IBA Emscher Park).

ChorWerk Ruhr Teil der Kultur Ruhr GmbH

ChorWerk Ruhr
Teil der Kultur Ruhr GmbH

Denn eine der Kernideen der IBA Emscher Park ist die Darstellung von Kunst aus verschiedenen Genres im Zusammenspiel mit der Natur und dem örtlichen Industrieerbe. Es soll mit neuen Ideen und Projekten im u.a. sozialen und kulturellen Bereich Impulse für den wirtschaftlichen Wandel der Metropole Ruhr als alte Industrieregion gesetzt werden. Genau dieser Aufgabe hat sich die Kultur Ruhr GmbH angenommen und bespielt inzwischen mit den vier Programmsäulen Ruhrtriennale, ChorWerk Ruhr, Tanzlandschaft Ruhr und Urbanen Künste Ruhr zahlreiche Orte der Industriekultur im Emscher Landschaftspark (u.a. Jahrhunderthalle Bochum/Westpark Bochum, Landschaftspark Duisburg-Nord, Ringlokschuppen Mülheim/MüGa-Park, Zeche Zweckel in Gladbeck, UNESCO Welterbe Zollverein in Essen, LWL-Industriemuseum Zeche Zollern) mit Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Installationen, Konzerten und allerlei neuen Formen der Kunst. Mit den zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen in und an ehemaligen Industriegebäuden und –flächen wie u.a. Maschinenhallen, Kraftzentralen und Kauen werden diese so zu Festivalhäusern für neue Formen der künstlerischen Auseinandersetzung, welche sich in außergewöhnlichem Gewand präsentieren und nebenbei ihre ganz eigene Geschichte vom Ruhrgebiet erzählen.

Die Kultur Ruhr GmbH weiß es die Einzigartigkeit des industriellen Erbes der Region mit aktuellen Entwicklung der internationalen Kunstszene gezielt und szenisch zu verbinden und schafft hiermit einen elementaren Bestandteil der Kulturmetropole Ruhr.

Westpark Bochum Bochum

Westpark Bochum
Bochum

Der neue Standort der Kultur Ruhr GmbH ist ebenso beeindruckend, wie ihre künstlerische Arbeit. Denn der Westpark liegt mitten im Herzen von Bochum und ist eine ehemalige Industriebrache, die die Firma Krupp im Jahr 1988 an diesem Standort hinterlassen hat. Er wurde in eine wunderschöne grüne Oase mit attraktiven Freizeitaktivitäten umgestaltet. Die zahlreichen Grünflächen im Westpark bieten den Besuchern und Besucherinnen Gelegenheiten in wunderschöner Industrienatur Sport zu treiben oder einen Spaziergang entlang der Wasserwege zu unternehmen. Der Westpark ist außerdem Teil eines stadtübergreifenden Radwegenetzes. Das Herzstück des Parks ist die Jahrhunderthalle mit ihrer beeindruckenden Stahlkonstruktion.

Die Halle gehört zu den Ankerpunkten der Route der Industriekultur und ist Veranstaltungsort für zahlreiche und vielfältige Kunstausstellungen, Preisverleihungen und Events wie die beispielsweise die Ruhrtriennale, den Urbanen Künsten Ruhr und „Urbanatix“.  Hoch über der Halle steht der aus fast allen Teilen des Parks sichtbare grüne Wasserturm, der eine Landmarken-Funktion hat.

Die Jahrhunderthalle Bochum als Spielort der Ruhrtriennale Westpark Bochum Bochum

Die Jahrhunderthalle Bochum als Spielort der Ruhrtriennale
Westpark Bochum
Bochum

Wie bedeutsam die Jahrhunderthalle Bochum für die kulturelle Landschaft der Metropole Ruhr ist, zeigt unter anderem die dreijährige Intendanz von Johan Simons, welche in diesem Jahr endet, und mit zahlreichen außergewöhnlichen Aufführungen künstlerisches Leben in die beeindruckenden Stahlkonstruktionen des Ankerpunktes der Industriekultur brachte. Allein bei der diesjährigen Ruhrtriennale boten uns 700 Künstler und Künstlerinnen aus 29 Ländern mit 41 Produktionen zahlreiche Augenblicke zum Staunen. Und auch für die neue Intendanz von Stefanie Carp mit Christoph Marthaler als Chef-Regisseur für die Ruhrtriennale 2018-2020 dürfen wir uns wieder auf ein fulminantes Fest der Künste mit vielen künstlerischen Uraufführungen, Neuinszenierungen und Deutschlandpremieren aus den Bereichen Musiktheater, Schauspiel, Musik, Tanz und Installation freuen.

Welche Aufgaben die Kultur Ruhr GmbH hat, welche besonderen Kriterien bei der Auswahl der außergewöhnlichen Spielorte entscheidend sind und wieso die ehemaligen Industriegebäuden und -flächen der Industriekultur der Metropole Ruhr die perfekten Spielorte für die Veranstaltungen der Ruhrtriennale, dem ChorWerk Ruhr, der Tanzlandschaft Ruhr und der Urbanen Künste Ruhr sind, hat uns Alexander Kruse, der Pressesprecher der Kultur Ruhr GmbH erklärt. Außerdem hat er uns verraten, welchen Stellenwert der zentrale Sitz der Kultur Ruhr GmbH mitten im Emscher Landschaftspark hat und was sein persönlicher Lieblingsort im Emscher Landschaftspark ist.

Sieben Fragen an Alexander Kruse, Pressesprecher der Kultur Ruhr GmbH

1) Was sind die zentralen Aufgaben der Kultur Ruhr GmbH und worin liegt die Bedeutung der Arbeit der Kultur Ruhr GmbH für die Metropole Ruhr im gesamten und für den Emscher Landschaftspark im speziellen?

Die Kultur Ruhr GmbH ist die Dachorganisation von Ruhrtriennale, Urbane Künste Ruhr, ChorWerk Ruhr und Tanzlandschaft Ruhr. Diese vier Programmsäulen produzieren und vermitteln Kunst- und Kulturprojekte für die gesamte Region und darüber hinaus. Die Kultur Ruhr GmbH leistet also einen wichtigen Beitrag zur Kulturlandschaft im Ruhrgebiet und macht das Leben in der Region somit bunter und spannender.

Eingang Kultur Ruhr GmbH Westpark Bochum

Eingang Kultur Ruhr GmbH
Westpark Bochum

2) Welche Bedeutung haben die Jahrhunderthalle Bochum und der Westpark Bochum für die Veranstaltungen der Kultur Ruhr GmbH?

Der neue Standort im Bochumer Westpark hat mehrere Vorteile: Vor allem ist es nun möglich, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ruhrtriennale, Urbane Künste Ruhr und ChorWerk Ruhr gemeinsam unter einem Dach sitzen und sich weitaus besser austauschen können. Auch die Nähe zur Jahrhunderthalle – eine unserer wesentlichen Spielstätten – ist für die Arbeitsabläufe im Proben- und Aufführungsbetrieb sehr praktisch. Und nicht zuletzt ist der Westpark einfach ein schöner Ort – sowohl in der Freizeit als auch zum Arbeiten.

3) Welche Spielorte im Emscher Landschaftspark wurden in diesem Jahr von euch mit der Ruhrtriennale 2017 bespielt und wie bzw. nach welchen Kriterien wählt ihr die einzelnen Spielorte aus?

2017 gehörten neben der Jahrhunderthalle Bochum unter anderem der Landschaftspark Duisburg-Nord und das UNESCO-Welterbe Zollverein zu den wichtigsten Spielorten. Die Auswahlkriterien sind sehr vielfältig. Neben den künstlerischen Aspekten spielen natürlich immer auch logistische Überlegungen eine Rolle.

4) Im nächsten Jahr beginnt die neue Intendanz von Stefanie Carp mit Christoph Marthaler als Chef-Regisseur für die Ruhrtriennale 2018-2010. Was macht Frau Carp und Herrn Marthaler zur optimalen Besetzung und auf welche Neuerungen dürfen wir uns in der neuen Intendanz freuen?

Stefanie Carp hat bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr gesagt, dass die Ruhrtiennale Konventionelles nicht vertrage, das Festival verlange nach “Experimenten im großen Format”. Wir dürfen also sehr gespannt sein, welche Experimente sie und Christoph Marthaler uns in den kommenden drei Jahren präsentieren.

5) Worin liegen die Besonderheiten der Nutzung von ehemaligen Industriegebäuden und -flächen der Industriekultur als Spielorte? Wie bringt ihr diese ehemaligen Industrieflächen in Einklang mit neuen Formen der Kunst oder ist gerade der Widerspruch von alt und neu von elementarer Bedeutung?

Für die Urbanen Künste Ruhr gilt diese Feststellung nur bedingt, da hier eher der öffentliche Stadtraum im Fokus steht. Trotzdem spielen die ehemaligen Industriestätten für die Kultur Ruhr GmbH eine übergeordnete Rolle, denn sie sind nicht nur imposante Relikte einer vergangenen Ära, sondern bieten auch in ihrer neuen Funktion als Kulturorte sehr wichtige Identifikationspunkte. Darüber hinaus erlauben sie im künstlerischen Bereich fast schon grenzenlose Aufführungsmöglichkeiten, die ein herkömmlicher Theaterraum nicht bieten kann.

6) Warum sollte man unbedingt eine Veranstaltung der Kultur Ruhr GmbH besuchen?

Von der Waschkaue zum Zentrum für zeitgenössischen Tanz: PACT Zollverein ist der Zusammenschluss von des Choreografischen Zentrums NRW und der Tanzlandschaft Ruhr.

PACT Zollverein ist der Zusammenschluss des Choreografischen Zentrums NRW und der Tanzlandschaft Ruhr

Es gibt kaum eine Region, die den Strukturwandel so stark mit Impulsen für Kunst und Kultur verknüpft wie das Ruhrgebiet. Das belegen nicht nur die außergewöhnlichen Aufführungsorte von Ruhrtriennale und Co., sondern auch die Projekte von Urbane Künste Ruhr, die sich oft mit den Wandlungsprozessen in der Region auseinandersetzen. Unsere Programme sind somit einzigartig und in dieser Form nur hier zu erleben. Darüber hinaus plädiere ich dringend dafür, nicht nur eine Veranstaltung zu besuchen, sondern mindestens vier – von der Ruhrtriennale über die Urbanen Künste Ruhr und ChorWerk Ruhr bis hin zu einer Aufführung aus dem Programmbereich der Tanzlandschaft Ruhr bei PACT Zollverein.

 

7) Welcher ist dein Lieblingsort im Emscher Landschaftspark und wieso?

Schwer zu sagen, es gibt so viele außergewöhnliche Orte im Emscher Landschaftspark. Wenn ich mich für einen entscheiden muss, ist es wahrscheinlich die Schurenbachhalde in Essen, wo Richard Serra seine Landmarke Bramme für das Ruhrgebiet“ installiert hat. Ein fast schon unwirklicher Ort, der zugleich sehr rau und sehr idyllisch wirken kann und damit das Ruhrgebiet ganz gut auf den Punkt bringt.