Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Die Horizontastronomie im Landschaftspark Hoheward

Die Horizontastronomie im Landschaftspark Hoheward

Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, was die beiden riesigen Bögen auf der Halde Hoheward im Emscher Landschaftspark zu bedeuten haben? Auf dem Gipfel der Halde Hoheward treffen sich im wahrsten Sinne Himmel und Erde: Die Bögen gehören zum Horizontobservatorium, eine der bekanntesten Landmarken im Emscher Landschaftspark, die am Horizont der Metropole Ruhr kaum zu übersehen ist. Die Idee zu den beiden Beobachtungsstationen auf der Halde Hoheward wurde vom Initiativkreis Horizontastronomie im Ruhrgebiet e.V. entwickelt. Wir haben mit Dr. Burkard Steinrücken, dem Vorstandsvorsitzenden des Initiativkreises Horizontastronomie im Ruhrgebiet e.V. und Institutsleiter der Westfälischen Volkssternwarte und dem Planetarium Recklinghausen, gesprochen und viele interessante Informationen in einem Interview zur Horizontastronomie im Landschaftspark Hoheward erhalten.

Astronomie im Emscher Landschaftspark selbst erleben klingt sehr spannend. Doch was können wir eigentlich unter Horizontastronomie verstehen? Die Horizontastronomie beschäftigt sich mit den Auf- und Untergängen der Gestirne am Horizont, die bei Sonne und Mond in ständig wechselnden Richtungen erfolgen, wie uns Dr. Steinrücken zu Beginn erklärt. Wie wir alle wissen, geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter, allerdings immer an einer anderen Stelle am Horizont zwischen zwei Grenzrichtungen, die man die Sonnenwendrichtungen nennt. Jahreszeitlich wechselnde Richtungen des Sonnenauf- und -untergangs, also elementare Veränderungen am Himmel, können demnach mit einfachen Horizontbeobachtungen verfolgt werden. Die Horizontastronomie auf der Halde Hoheward soll uns anregen, grundlegende Himmelserscheinungen selber zu beobachten und zu erleben, die Veränderung von Tag zu Nacht oder von Sommer zu Winter. Mit der Horizontastronomie gehen wir zur Natur zurück, was sicherlich auch spirituelle Anreize bietet.

Auf der 160 Hektar großen und 100 Meter hohen Halde wurden zwei große Beobachtungsstationen errichtet, das Horizontobservatorium und die Sonnenuhr. Aber warum wurde die Halde Hoheward im Emscher Landschaftspark als Standort einer Station gewählt?

Dr. Burkard Steinrücken erklärt uns: „Es gibt genau zwei Gründe. Zum einen kann man von der Halde Hoheward aus den ganzen Horizont beobachten. Hier in der Metropole Ruhr haben wir durch die dichte Bebauung selten einen freien Blick auf den Horizont. Der Bergbau in unserer Region hat dafür gesorgt, dass Halden aufgeschüttet wurden. Von diesen künstlich erschaffenen Bergen haben wir wieder freie Sicht auf den Himmelsrand. Zum anderen ist die Halde Hoheward ein Tafelberg und hat ein Gipfelplateau, das ideal ist, um dort große Beobachtungsstationen zu errichten. Die grundlegende Idee für die Errichtung der Beobachtungsstationen ist die Vermittlung elementarer astronomischer Zusammenhänge.“

Die Landmarke im Emscher Landschaftspark hat übrigens keine Bedeutung für die wissenschaftliche Grundlagenforschung, denn der Wissenschaft sind längst die Einzelheiten der Bewegung von Sonne, Mond und Sternen bekannt. Für die moderne Forschung benötigt man große Teleskope und die Hilfe der Technik. Somit hat die Halde Hoheward ihre Bedeutung im Rahmen der astronomischen Allgemeinbildung, einer Freizeitgestaltung in der Natur und für den Tourismus.

Abschließend gab es auch noch einen Tipp vom Experten, wann es sich am meisten lohnt die Halde Hoheward zu besuchen. „Am schönsten ist es auf der Halde bei Sonnenuntergang im Frühjahr oder im Sommer, sobald die Sonne am Horizont versinkt“, findet Dr. Steinrücken. „Wenn wir uns merken, an welcher Stelle die Sonne an dem einen Tag am Horizont versunken ist, stellen wir fest, dass sie am nächsten Tag an einer etwas anderen Stelle im Emscher Landschaftspark versinkt. Ist Vollmond, kann man dabei eine ganz besondere Konstellation erleben: Bei Vollmond steht der Mond der Sonne genau gegenüber und steigt, während die Sonne untergeht, in der genau entgegengesetzten Richtung langsam auf.“ Das ist Horizontastronomie pur!

Kurz nach der Eröffnung des Horizontobservatoriums ist an der Verbindungsstelle der beiden Bögen ein Riss in der Schweißnaht aufgetreten. Daher könnt ihr die Innenfläche des Observatoriums zurzeit leider nicht betreten, da sie aufgrund von Gutachtertätigkeiten und den damit zusammenhängenden Baumaßnahmen gesperrt ist. Aber auch wenn das Horizontobservatorium aktuell nicht als Beobachtungsinstrument genutzt werden kann, ein Besuch lohnt sich allemal! Denn es zeigt euch nämlich auch die Position der Erde im Weltraum, die Himmelskugel mit ihren wichtigsten Großkreisen sowie die Lage der Gestirnsbahnen über der Metropole Ruhr. Die Sonnenuhr mit dem fast neun Meter hohen Obelisk ist nach wie vor frei begehbar.

Wenn ihr außerdem wissen wollt, wie Astronomie und Steinkohle eigentlich zusammenhängen, solltet ihr unbedingt einmal die Ausstellung „Neue Horizonte- auf den Spuren der Zeit“ in der Lohn- und Lichthalle der Zeche Ewald besuchen, präsentiert vom Besucherzentrum Hoheward. Erweitert euren Horizont auf einer interaktiven Entdeckungsreise mit zahlreichen Ausstellungsstücken zum Anfassen und Ausprobieren rund um Energie, Jahreszeiten und Planeten sowie dem Horizontobservatorium und der Sonnenuhr. Es lohnt sich!