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Emscherlandschafts Park
Die Halde Haniel im Emscher Landschaftspark: Kreuzweg, Totems und BergArena

Die Halde Haniel im Emscher Landschaftspark: Kreuzweg, Totems und BergArena

Kreuzweg mit Blick auf Zeche Prosper-Haniel, Halde Haniel, Bottrop

Kreuzweg mit Blick auf Zeche Prosper-Haniel
Halde Haniel
Bottrop

Wie ihr alle wisst, sind in Folge der Montanindustrie durch die Aufschüttung von Bergematerial, Schlacke, Trümmern und Bauschutt zahlreiche Halden im Ruhrgebiet entstanden. Mittlerweile dienen viele dieser einst „verbotenen Berge“ als grüne Orte zur Naherholung im Emscher Landschaftspark und bieten einen vielfältigen Landschaftsraum mit Industrienatur und Industriekultur. Wir sind heute auf der Halde Haniel unterwegs, die zu den Panoramen der Route der Industriekultur gehört. Am Fuß der Halde befindet sich die Zeche Prosper-Haniel, die bis zu ihrer Schließung am 21.12.2018 das letzte, noch aktive Steinkohlebergwerk in ganz Deutschland ist und mit deren Bergematerial die Halde Haniel an der Stadtgrenze von Bottrop und Oberhausen aufgeschüttet worden ist. Mit einer Höhe von 130 Metern gehört sie zu den höchsten begehbaren Halden in der Metropole Ruhr und hat als spannender Erlebnisort im Emscher Landschaftspark ihren Besucherinnen und Besuchern einiges zu bieten, das wir heute entdecken wollen.

Warm eingepackt mit Mützen, Schal und dicken Jacken starten wir unseren Spaziergang auf die Halde Haniel über den Kreuzweg. Der Kreuzweg ist ein ganz besonderer Weg auf das Haldenplateau, der von der Ordensfrau und Künstlerin Tisa von der Schulenburg und dem Künstler Adolf Radecki geschaffen und 1995 eingeweiht wurde. Anhand von 15 verschiedenen Stationen stellt er nicht nur die Passion Christi dar, sondern fungiert gleichzeitig auch als Bergbaulehrpfad, der den Bezug zwischen Bergbau und Kirche veranschaulicht. Besonders eindrucksvoll geht es jedes Jahr am Karfreitag auf dem Kreuzweg zu. Dann kommen rund tausend Gläubige aus dem gesamten Ruhrgebiet hier zusammen, darunter der Ruhrbischof und der Werksleiter der Zeche Prosper-Haniel, um gemeinsam in einer Prozession auf die Halde zu ziehen. Da wir schon früh unterwegs sind, haben wir das Areal noch ganz für uns alleine. Wie angenehm es ist, einfach nur der Stille zu lauschen und die mit Raureif überzogene Industrienatur zu betrachten. Die erste Kreuzwegstation, an der wir bei unserem Aufstieg vorbei kommen, trägt die Überschrift „Pilatus wäscht seine Hände“ und bezieht sich auf die Verurteilung Jesu Christi zum Tode. Ein Teufkübel, mit dem beim Bau eines Schachtes früher anfallendes Gestein hochgefördert wurde, stellt einen Bezug zum Bergbau her, während ein Zitat von Kardinal Franz Hengsbach, dem ersten Bischof von Essen, eine Relation zur Gegenwart herstellt, die zur Einkehr und zum Nachdenken anregt.

Spurlattenkreuz, Halde Haniel Bottrop

Spurlattenkreuz,
Halde Haniel,
Bottrop

Die nächste Station trägt den Titel „Jesus nimmt sein Kreuz auf sich“. Passend dazu ist ein Gleitbogen errichtet worden, der im Bergbau zum Streckenausbau gebraucht wurde und eine hohe Stabilität vorweist. Trotzdem kann er sich biegen, wenn er zu sehr belastet wird. Das Zitat zu dieser Station stammt aus der Enzyklika „Laborem Exercens“ von Papst Johannes Paul II.: „Arbeitslosigkeit verletzt fast immer die Würde dessen, den sie trifft, und droht sein Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen“. Wir deuten es so, dass man sich nicht von Belastungen erdrücken lassen und auf Schwächere Rücksicht nehmen soll. Wir laufen weiter auf dem Kreuzweg entlang, der übrigens sehr gut ausgebaut ist. Auf dem Schotterweg, der sich die Halde hochschlängelt, kommt man zügig voran. Die einfach zu findenden Stationen sind mal in kürzeren, mal in längeren Streckenabschnitten hintereinander am Wegesrand aufgestellt. Die fünfte Station mit dem Namen „Simon von Cyrene“ wird durch einen Reibungstempel mit Van-Wersch-Kappe dargestellt. Dieser diente im Bergbau dazu, die Decke des Schachtes zu stützen. Das Zitat von Papst Johannes Paul II. an dieser Station gefällt uns besonders gut: „Solidarität – das ist für die Bevölkerung des Ruhrgebiets kein Fremdwort! Verantwortung füreinander und Verantwortung vor Gott ist hier durchaus noch gelebte und bewährte Wirklichkeit“. An Station 11 „Annagelung“ lernen wir einen Walzenkörper kennen. Mit Walzenkörpern wurde früher die Kohle aus dem Flöz herausgeschnitten. Es ist sehr beeindruckend, solch ein großes Werkzeug in der Industrienatur vorzufinden, genau diese Bezüge zum Bergbau machen den Kreuzweg auf der Halde Haniel auch so einmalig. Das dazugehörige Zitat „Unser Glaube aber ist stark, die Hoffnung groß und hoffentlich die Liebe so brennend heiß, daß sie Berge versetzen kann” stammt von Gottfried Könzgen und wir interpretieren es so, dass nichts wirklich ausweglos ist, egal ob es so erscheinen mag. Am allermeisten beeindruckt uns die Zwölfte Station mit der Überschrift „Jesus stirbt am Kreuz“. Wusstet ihr, dass Papst Johannes Paul II. am 02. Mai 1987 auf der Halde Haniel in Bottrop zu Besuch war? Wir erfahren es an dieser Station, an der wir auch ein Kreuz aus Spurlatten vorfinden, das anlässlich des Papstbesuchs von Auszubildenden des Bergwerks Prosper-Haniel angefertigt wurde und 1992 auf der Halde Haniel aufgestellt worden ist. Das Zitat zu dieser Station stammt erneut von Kardinal Franz Hengsbach und lautet: „Wer zu diesem Kreuz aufblickt, ist in seinem Leiden, in seiner Not, in seinen Ängsten nicht allein. Wer zu diesem Kreuz aufblickt, darf mit seinem Kreuz zu dem gehen, der selbst das Kreuz des Lebens kennen gelernt, getragen und durchlitten hat.“ Ein schönes tröstliches Angebot, finden wir.

Totems, Halde Haniel, Bottrop

Totems,
Halde Haniel,
Bottrop

Oben auf der Halde angekommen erstreckt sich ein atemberaubendes Panorama vor unseren Augen. Wir befinden uns buchstäblich auf dem Dach des Ruhrgebiets. Da der Himmel wolkenfrei ist, können wir mehrere künstlerisch gestaltete Landmarken des Emscher Landschaftsparks erkennen, wie das Tetraeder auf der Halde Beckstraße in Bottrop, die „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra auf der Schurenbachhalde in Essen oder das Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward in Herten/Recklinghausen, die wie auch die Schurenbachhalde spannende Orte der Route Industrienatur sind. Hier oben weht uns der Wind kräftig um die Ohren, aber die fantastische Aussicht macht das alles wieder wett. Wir laufen noch ein Stück weiter und gelangen zu einer auffälligen Landmarke auf dem höchsten Punkt der Halde Haniel: Die Installation „Totems“ des baskischen Künstlers  Agustín Ibarrola, die im Rahmen der RuhrTriennale 2002 errichtet worden ist. Ibarrola wollte mit dieser Landmarke „scheinbare Gegensätze von Industrieraum und Natur“ zusammenbringen, was ihm unserer Meinung nach mit den Totems ziemlich gut gelungen ist. Die buntbemalten Bahnschwellen bieten einen außergewöhnlichen Kontrast zu der spannenden Industrienatur der Halde Haniel. Wir verweilen ein wenig hier oben und genießen den Blick auf die Metropole Ruhr. Plötzlich gerät etwas Buntes in unser Blickfeld. Wir drehen uns um und sehen einen Jungen, der mit seinen Eltern einen Drachen steigen lässt. Was für eine gute Idee, das müssen wir demnächst auch unbedingt mal ausprobieren.

Als wir uns umdrehen, entdecken wir hinter den Totems ein Amphitheater. Es ist die BergArena, die im Jahr 1999 eröffnet wurde. In der Arena, die bis zu 800 Menschen fassen kann, wurden schon mehrere berühmte Stücke, wie „Jedermann” (1999), „Ein Sommernachtstraum” (2001), „Dreigroschenoper” (2002) oder „Cabaret” (2003) inszeniert.

Amphitheater BergArena, Halde Haniel, Bottrop

Amphitheater BergArena,
Halde Haniel,
Bottrop

Da uns langsam ein wenig kalt wird, machen wir uns wieder auf den Rückweg. Denn wir wollen noch einen kleinen Abstecher zur Halde Beckstraße mit ihrer Landmarke, dem Tetraeder machen, wenn wir schon einmal in Bottrop sind. Wir haben das Tetraeder zwar schon unzählige Male besucht, finden es aber immer wieder einen Ausflug wert. Auch von hier haben wir einen wunderbaren Panoramaausblick auf die Metropole Ruhr.

Also, wenn ihr mal wieder einen Ausflug macht, warum dann nicht zu den Halden nach Bottrop? Uns hat es hier sehr gut gefallen und wir können euch die Halde Haniel für einen Ausflug nur wärmstens empfehlen.