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Emscherlandschafts Park
Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen und die Fotoausstellung „Schicht im Schacht – Leben ohne Kohle“

Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen und die Fotoausstellung „Schicht im Schacht – Leben ohne Kohle“

Unser heutiger Ausflug führt uns in den Wissenschaftspark Gelsenkirchen, der sich mitten im Herzen des Ruhrgebiets befindet. Der Wissenschaftspark ist eines der größten Projekte der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA Emscher Park), und unter dem Motto „Arbeiten im Park“ wurde das Gelände der ehemaligen Zeche Rheinelbe und des Gussstahlwerkes umgewandelt. Der Wissenschaftspark bietet somit heutzutage viele neue Perspektiven für eine gekennzeichnete Stadt vom Niedergang der Montanindustrie wirtschaftlich wie städtebaulich. Wir schauen uns an wie aus Kohle und Stahl „sanfte Technologien“ entstanden sind und besuchen zum Abschluss unseres Ausfluges die dazu passende Fotoausstellung „Schicht im Schacht – Leben ohne Kohle“. Wie geht das eigentlich, das Ruhrgebiet ohne Kohle? Wir finden es heraus.

Das Gelände des Wissenschaftsparks war einst Kohle und Stahl beheimatet. Im Jahre 1861 wurde das Gussstahlwerk errichtet und prägte bis 1985 die Gelände in unmittelbarer Nähe des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs. Die Gebrüder Strassburger strukturierten die einstige Nagelschmiede zur Eisengießerei um.  Über ein Jahrhundert lang wurde hier Stahl verarbeitet, gegossen und geformt. Doch das Ende traf 1985 ein, die Fabrikanlagen wurden abgerissen abgesehen von dem Verwaltungsgebäude. Das Gelände umfasst etwa sieben Hektar und zusammen mit der im Süden angrenzenden Fläche der ehemaligen Zeche Rheinelbe sogar rund 27 Hektar.

Die Kohleförderung der Zeche Rheinelbe begann im Jahre 1861 und wurde 1928 eingestellt. Trotzdem wurde die Kokerei bis Ende der 1970er Jahre weiter betätigt und letztendlich Mitte der 1980er komplett abgerissen. Dennoch blieben hierbei glücklicherweise einige Gebäude erhalten, so blieben bis heute im Norden das große Maschinenhaus, die Telefonzentrale, das Trafohaus und das Casino bestehen. Im Süden des Geländes befindet sich die denkmalgeschützte Gasanstalt. Seit 1989 dient das Maschinenhaus als Sitz der Gesellschaft Internationale Bauausstellung Emscher Park GmbH (IBA Emscher Park).  Die zehn darauffolgenden Jahre bestimmten die IBA in Zusammenarbeit mit der Stadt Gelsenkirchen die weitere Entwicklung des Geländes, welches mit den zwei Halden etwa 60 Hektar umfasst.

Mittlerweile hat sich die einstige Industrie umgewandelt, und wenn wir das Gelände heute betreten lässt sich nur noch an den Überbleibseln der einstigen Industriekultur erkennen, wie es hier früher einmal ausgesehen haben könnte. Das Schachtgelände wurde nach und nach überbaut, und ist noch anhand der Maschinenhalle und der Werkstätten zu erkennen. Diese werden heute als Hotel, Ateliers und Firmensitze genutzt. Inzwischen kann man auf dem Werksgelände Industrienatur, Kunst und Kultur hautnah erleben. Wir schreiten über das Werksgelände und entdecken den Skulpturenwald, dieser zieht sich über das komplette Gelände. Nach einem kleinen Marsch sind wir an einem unglaublich beeindruckenden Aussichtspunkt angekommen. Von der markanten Himmelstreppe aus, einer Landmarke auf der Kuppe der Halde Rheinelbe II, haben wir einen wundervollen Ausblick über das Ruhrgebiet. Trotz der eisigen Temperaturen erstrahlt die Metropole Ruhr unter der Sonne her. Nach der Erkundungstour über das Gelände, machen wir uns auf in das Gebäude des Wissenschaftsparks.

Park neben dem Wissenschaftspark

Park neben dem Wissenschaftspark

Auf dem Weg dorthin laufen wir noch durch den anliegenden Park mit dem angelegten See hindurch, welcher über eine Brücke hinüber zum Wissenschaftspark führt. Der Park ist eine kleine Naherholung und perfekt für eine Pause zum Durchatmen.

Bevor wir Eintreten schauen wir uns das Gebäude noch einmal von außen an und bestaunen die nicht aufhören wollende Glasfassade.

300 Meter lange Glasfassade im Wissenschaftspark

300 Meter lange Glasfassade im Wissenschaftspark

Orientierungswechsel  und Aufbruch in neue Arbeitsfelder: Hier im Wissenschaftspark treffen sich die Experten zu aktuellen Themen, vor allem in den Branchen Energie, Gesundheit, IT und Kreativwirtschaft. Die preisgekrönte Architektur bietet den Rahmen für den Austausch von Ideen rund um neue gesellschaftliche und technologische Entwicklungen. Somit bietet der Wissenschaftspark auch grandiose Möglichkeiten für spezielle Veranstaltungen, wie Messen, Kongresse, Seminare und Ausstellungen. Als eines der eindrucksvollsten Architekturschöpfungen im Rahmen IBA Emscher Park, ist auf dem Flachdach ein photovoltaisches Solarkraftwerk, das die zentralen Gebäudeeinheiten versorgt. Außerdem ist es das größte Solarkraftwerk seiner Art weltweit. Deshalb wird Gelsenkirchen zu recht „Solarstadt“ genannt. Auf dem Dach wurde eine der größten Solarstromkraftwerke errichtet. Damit zeigte der Wissenschaftspark erstmalig, dass die Gewinnung von Solarstrom auch in Ballungsräumen und in unseren Breitengraden ohne Flächenvernichtung sinnvoll ist. Diese „Pionieranlage“ sorgte jahrelang international für Aufsehen.

Wir befinden uns nun im Wissenschaftsparksgebäude, heutzutage arbeiten hier eine Vielzahl an Forschungs-, Entwicklungs- und Dienstleistungsunternehmen. Dadurch, dass die Sonne draußen erstrahlt, leuchtet das Gebäude auf. Denn durch die Glasfassade dringt erstaunlich viel Licht ein. Wir schreiten durch das Gebäude und begeben uns zur Fotoausstellung, auf einem endlos erscheinenden Gang verteilt sind die eindrucksvollen Fotografien zu bestaunen.

Aus der Fotoausstellung "Schicht im Schacht - Leben ohne Kohle"

Aus der Fotoausstellung “Schicht im Schacht – Leben ohne Kohle”

Die Ausstellung weist einen aktuell bezogenen Blick auf die Region und ihre Hinterlassenschaften. Mit der Schließung des Bergwerks Prosper – Hainel in Bottrop, endet der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet. Die Fotografien verdeutlichen die Bedeutung des einst wichtigsten Arbeitgeber und Motor des wirtschaftlichen Aufschwungs im Ruhrgebiet.  „Schicht im Schacht – Leben ohne Kohle“ richtet einen neuen Blick auf die Region und ihre Hinterlassenschaften. Die Fotografische Langzeitarbeit und ein mehrjähriges Projekt der Folkwang Universität der Künste schufen diese Ausstellung. Diese Arbeiten zeigen das Leben rund um den Bergbau bezogen auf die gesellschaftlichen und kulturellen Aspekte. Drei AbsolventInnen zeigen eine fotografische Bestandsaufnahme der lebendigen Bergbauvergangenheit aus unterschiedlichen Perspektiven. Den Alltag der einstigen Bergarbeitersiedlung in der heutigen Zeit wurde von Sarah Blümel fotografiert. Eine andere Perspektive von Vladimir Wegener, er inszenierte Berghalden im Prozess der Rekultivierung. Zuletzt nahm Natalie Richter Objekte im Spannungsfeld zwischen Arbeit und Kunst in den Blick. Die Exposition setzt sich kunstvoll mit den Überbleibseln des Bergbaus und den Spuren, die dieser hinterlassen hat. Außerdem wurden durch die Arbeiten des Fotografen Thomas Pflaum die Ausstellung ergänzt. Er beschäftigt sich mit den zentralen Fragestellungen: „Wie geht es weiter nach der Schließung der letzten Zeche, wenn die Transformation einer ganzen Region vollzogen sein muss?“ und „Reichen alte Zechen als aufgehübschte Orte, die sich vor allem an Touristen und die Freizeitgesellschaft adressieren, für ein „Leben ohne Kohle?“.  Antworten auf diese Fragen sind in den eindrucksvollen Bildern zu finden. Ein Besuch hierher lohnt sich aus vielerlei Hinsicht.

Wo früher noch Stahl gegossen und geformt wurde, werden hier heute neue innovative Impulse gesetzt. Statt großer Maschinen und Industrieflair finden wir hier heute einen neuen Gebäudekomplex  und können Industrienatur, Kunst und Industriekultur direkt am Wissenschaftspark erleben. Doch in Gelsenkirchen kann man noch viel mehr erleben. Für Kunst und Kultur interessierte, wie wäre es mit einem Besuch im Nordstern Museum? Falls es mal an die frische Luft gehen möchte mit Spaßfaktor, dann wäre ein Klettergang im Nordsternpark genau das richtige!