Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Das Aquarius Wassermusem: Eine Quelle des Wissens im Emscher Landschaftspark

Das Aquarius Wassermusem: Eine Quelle des Wissens im Emscher Landschaftspark

Es ist die Grundlage allen Lebens. Es ist Erfrischung, Transportweg und Freizeitort. Wasser ist mehr als nur ein Molekül, denn für uns ist es lebenswichtig. Im Emscher Landschaftspark spielt Wasser natürlich auch eine ganz zentrale Rolle. Nicht nur in Form der Emscher, sondern auch durch den Rhein-Herne Kanal, der als Transportweg und gleichzeitig und Herzstück des Kultur Kanals eine vielseitige Erlebnispassage am Wasser in der Metropole Ruhr bietet. Immer noch gibt es Vieles, das wir nicht über Wasser wissen. Das Aquarius Wassermuseum , welches unsere Kenntnisse auffrischen soll, ist einer der 25 Ankerpunkte der Route der Industriekultur und sehr gut über die Route der Industriekultur per Rad und den RuhrtalRadweg zu erreichen.

Der Wasserturm, der das Museum beherbergt, liegt direkt neben dem Styrumer Schloss und an beidem vorbei verläuft ein Radweg, über den sowohl die Route der Industriekultur per Rad als auch der RuhrtalRadweg führt. Der RuhrtalRadweg ist durch seinen malerischen Verlauf entlang des Flusses  einer der beliebtesten Radfernwege in Deutschland und verbindet die Ruhrquelle im Sauerland mit der Mündung in Duisburg, wo die Ruhr an der Rheinorange, der 25 m hohen Skulptur von Lutz Frisch, in den großen Strom übergeht. Die Route der Industriekultur per Rad hingegen verknüpft in einem 700 km langen Radwegenetz bedeutende Ankerpunkte der Industriekultur, atemberaubende Panoramen und historische Arbeitersiedlungen der Metropole Ruhr.

Das Aquarius Wassermuseum im alten Mülheim-Styrumer Wasserturm befindet sich ganz im Westen des Emscher Landschaftsparks, nicht weit von der Mündung der Ruhr in den Rhein. Es ist vor allem interaktiv und vermittelt seit 25 Jahren wissenschaftliche Sachverhalte über das Wasser der Metropole Ruhr anschaulich und verständlich für Groß und Klein. Den Turm selber gibt es schon viel länger. Er steht seit 1892 an seinem heutigen Platz und ist als Zeuge der Industriegeschichte des Ruhrgebiets ein wichtiger Standort der Industriekultur im Emscher Landschaftspark. Erbaut von August Thyssen wurde er 1912 von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) übernommen. Das Wasser wurde mit gewaltigen Dampfpumpen in den Behälter gepumpt und von da aus an Industrieanlagen und private Haushalte geleitet. Unter dem Wasserbehälter lagen im Turm drei Wohnungen, in denen die Mitarbeiter und ihre Familien mehrere Jahrzehnte lang lebten. Es kam jedoch die Zeit, in der die Wasserversorgung modernisiert wurde und der Wasserturm als Wasserspeicher kaum noch benötigt wurde. Da auch seine bauliche Substanz im Laufe der Zeit sehr gelitten hatte,  wurde der Wasserturm 1982 geschlossen. Glücklicherweise wurde er nicht abgerissen, sondern wurde zunächst aufwendig in Stand gesetzt und schließlich nach nur zwei Jahren Bauzeit 1992 als Aquarius Wassermuseum für die Öffentlichkeit geöffnet. In diesem Jahr feiert das Museum sein 25 jähriges Bestehen und überzeugt mit 14 Themenbereichen.

Von außen sieht man dem Turm sein Alter gar nicht an. Vor der Tür informieren drei graue Brammen der Route der Industriekultur über die Geschichte des Wasserturms und die Bedeutung der Ruhr für die Region. Imposant ragt über uns der etwa 50 m hohe Turm auf. Der breite Kopf des Turms ist heutzutage rund herum mit großen Glasscheiben verkleidet. Direkt an den Turm wurde ein gläserner Aufzugschacht gebaut, welcher das Foyer des Museums mit der Turmspitze verbindet.

Wir haben das Glück, den Weg nach oben heute in Begleitung von Museumsmitarbeiterin Beate te Kloot antreten zu können. Sie kennt sich natürlich ganz besonders gut im Aquarius und in der Umgebung aus. Zusammen fahren wir mit dem gläsernen Aufzug hinauf. Für das letzte Stück bis zum Wassertank auf 35 m Höhe muss man umsteigen in einen Aufzug im Innern des Turmes. So kommen wir mitten im Wassertank an, dessen Behälterwand immer noch erhalten ist. Der Tank wirkt zwar groß, aber die 500.000 Liter Wasser, die er mal getragen haben soll, können wir uns trotzdem kaum vorstellen. Aus dem Tank hinaus führt uns Beate zur Fensterfront, die übrigens auch von außen über eine Treppe erreicht werden kann. „Durch die Lage und Höhe des Turms und natürlich auch durch das wunderbare Wetter heute, hat man von hier oben einen grandiosen Blick“, schwärmt Beate und wir können ihr nur zustimmen. „Man sieht weit in die Ferne zum Beispiel bis zum Rhein, aber gleichzeitig kann man die Details, wie die Reiher hier unten am Wasser bestaunen“. Am Horizont erspähen wir mühelos weitere Landmarken des Emscher Landschaftsparkswie das Tetraeder in Bottrop oder den Gasometer in Oberhausen. „Viele Leute sind noch immer überrascht, wie grün es im Ruhrgebiet ist, wenn sie diesen Ausblick genießen“, erklärt Beate noch, bevor wir die Plattform verlassen. Der ganze Turm ist nur bedingt barrierefrei zugänglich. So kommt man mit den Aufzügen ohne Probleme bis zur Aussichtsplattform, doch bereits das erste Themenfeld kann nur über eine Treppe erreicht werden. Doch bevor wir die erste Themenplattform im Turm betreten, wartet das erste interaktive Spiel auf uns. An der obersten Station im Turm geht es darum, auf dem Display den Wasserturm durch Rohre mit Wohnhäusern zu verbinden. Ohne die Hilfe von Beate wären wir wohl gescheitert und hätten den einen oder anderen virtuellen Rohrbruch verursacht. Mitmachstationen wie diese gibt es in der Ausstellung viele und sie sind bei weitem nicht nur ein Spaß für Kinder, sondern vermitteln auch größeren Besuchern und Besucherinnen auf interaktive Weise Dinge, die sie noch nicht wussten oder mal gewusst haben.

Interaktiver Globus Aquarius Wassermuseum Mühlheim-Styrum

Interaktiver Globus im Aquarius Wassermuseum Mühlheim-Styrum

Die eigentliche Ausstellung beginnt mit einem multimedialen Einstieg in das Thema Wasser. Hier werden, eingerahmt von einer einzigartigen künstlerischen Installation, verschiedene Videos über Wasser, seine Bedeutung und seine Verwendung gezeigt. Durch die stimmigen Licht- und Toneffekte fühlt man sich gleich in die Filmsequenzen hineinversetzt. Auf der nächsttieferen Etage werden wir zunächst von einem großen Globus überrascht. „Drückt man auf einen der Punkte auf der Erdkugel, wird das zugehörige Video mit dem Beamer an die Wand geworfen“, führt uns Beate vor. Natürlich müssen wir das gleich selber ausprobieren und tippen zufällig auf einen Punkt auf der arabischen Halbinsel, welcher den Umgang mit Wasser in den Vereinigten Arabischen Emiraten thematisiert. Als nächstes lernen wir die Geschichte des französischen Forschers Antoine Laurent de Lavoisier kennen, der als erster herausfand, dass Wasser kein Element ist, sondern eine chemische Verbindung aus den Elementen Wasserstoff und Sauerstoff. Es folgen viele weitere spannende Stationen, die wir nun ohne Beate auf eigene Faust erkunden. Dabei geht es beispielsweise um das Ruhrtal, den Brunnen als Treffpunkt für Mensch und Tier oder um Trinkwasser. Besonders interessiert uns eine Station über die Entwicklung der Bedeutung von Wasserwegen in der Metropole Ruhr. An dieser Station auf Ebene 9 steht den Besuchern und Besucherinnen ein interessantes Filmarchiv zur Verfügung, in dem die Geschichte Mülheims, die Entwicklung der Ruhr vom Transportweg bis zum Erholungsgebiet und die Geschichte des Ruhrgebiets von den „Schlotbaronen“ bis zum „Modernen Revier“ erzählt wird.

Multimediale Reise entlang der Ruhr Aquarius Wassermuseum Mühlheim-Styrum

Multimediale Reise entlang der Ruhr Aquarius Wassermuseum Mühlheim-Styrum

An der letzten Station im Erdgeschoss treffen wir Beate wieder, der diese Station besonders am Herzen liegt. „Hier geht es darum, die Menschen zum Nachdenken zu bewegen.“ In der Mitte dieser Ebene ist ein großes künstliches Buffet aufgebaut und auf interaktiven Bildschirmen können wir unseren Wasserfußabdruck berechnen und herausfinden, wie viel virtuelles Wasser zum Beispiel für ein Glas Milch verbraucht wird. „Besonders viel Wasser wird für Fleisch im Laufe der Produktion aufgewendet, so sind es für ein Kilo Rindfleisch im Schnitt 16.000 Liter Wasser. Darüber sollten wir mal nachdenken“, findet Beate.

Leider war dies schon die letzte Station im Aquarius Wassermuseum und wir machen uns daher auf zu unserem nächsten Ausflugsziel im Emscher Landschaftspark,  dem MüGa-Park, der vom Wasserturm aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln in kurzer Zeit zu erreichen ist. Vor 25 Jahren fand hier die Landesgartenschau statt. Seitdem ist das Gelände ein Erlebnis- und Erholungsort für Groß und Klein. Von der imposanten Stadthalle aus erreicht man zuerst einen kleinen Teich, der mit seinen Seerosen und den umrankten Pavillons zum Verweilen einlädt. Vor unseren Füßen watschelt ein Schwarm kanadischer Wildgänse entlang und beobachtet uns skeptisch. Von überall her hört man das beruhigende Plätschern der zahlreichen Fontänen im Park, noch bevor wir die erste zu Gesicht bekommen. Die freien Grünflächen laden zu einem Picknick oder einfach nur zum Entspannen ein, wie wir vor Ort erleben können. Bei unserem Spaziergang laufen wir auf eine wunderschöne gemauerte Bahnbrücke zu, unter der sich die Natur frei und wild ausgebreitet hat. Hier findet das Leben statt, denn wir werden umschwirrt von fleißigen Bienchen und Schmetterlingen, die sich die bunten Blumen und Sträucher zu Nutze machen.

Fleißige Biene im MüGa-Park Mühlheim an der Ruhr

Fleißige Biene im MüGa-Park Mühlheim an der Ruhr

Schließlich wird auch unser Spieltrieb geweckt, als wir uns am Wasserspielplatz wiederfinden. Wir können es einfach nicht lassen das Wasser, wie es von einem Wasserfall in einem Becken landet, mit Spiralen und Pumpen über den kleinen Platz zu befördern. Wir denken zurück an den Besuch im Aquarius und die dort erklärten  physikalische Phänomene, die wir hier im Park nachempfinden können.

Eine weitere Attraktion  im MüGa-Park ist die Camera Obscura. Dieses Gemäuer war ebenfalls ursprünglich ein Wasserturm und beherbergt heute die größte begehbare Dunkelkammer der Welt. Mittels eines kleinen Lochs dringen Sonnenstrahlen in den komplett verdunkelten Raum und projizieren so ein Live-Abbild der Umgebung auf eine für die Besucher und Besucherinnen zugängliche Projektionsoberfläche.

Der Besuch des Aquarius Wassermuseums und der des MüGa-Parks haben uns wieder einmal völlig neue, vor allem wissenschaftliche Seiten des Emscher Landschaftsparks gezeigt. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, bewusst mit Wasser umzugehen und bei unseren nächsten Ausflügen in den Emscher Landschaftspark werden wir daran zurückdenken.