Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Botanik im Emscher Landschaftspark: Frühlingsspaziergang durch den Rombergpark in Dortmund

Botanik im Emscher Landschaftspark: Frühlingsspaziergang durch den Rombergpark in Dortmund

Teichanlage Rombergpark

Teichanlage
Botanischer Garten Rombergpark
Dortmund

Die ersten Osterglocken im Emscher Landschaftspark blühen bereits und das frühlingshafte Wetter lässt es überall im Ruhrgebiet grünen und sprießen. Das sehen wir als perfekte Gelegenheit, um diese Woche eine Grünfläche der besonderen Art im regionalen Park der Metropole Ruhr zu entdecken. Wir machen uns auf den Weg in den Dortmunder Süden zum Botanischen Garten Rombergpark im Stadtteil Brünninghausen. Auf 65 ha kann man hier eine Vielfalt an Bäumen, Sträuchern und Stauden bestaunen, die sich gegenseitig in ihren prachtvollen Formen und Farben übertreffen. Und so starten wir an diesem herrlichen Frühlingsmorgen zu einer Weltreise durch die Botanik Nordamerikas bis Asiens, durch Moorlandschaften und Kräutergärten, bis hin zu Pflanzenschauhäusern mit tropischen Temperaturen.

Bekannt ist der Botanische Garten, der 1820 im Auftrag der Adelsfamilie Romberg als englischer Garten angelegt wurde, vor allem für seine umfangreiche Gehölzsammlung, denn hier wachsen rund 4.500 verschiedene Ziergehölzarten aus ganz Europa. Mit dieser Sammlung im Osten der Metropole Ruhr trägt der Botanische Garten Rombergpark zum Artenschutz und zur Arterhaltung verschiedener vom Aussterben bedrohter Pflanzen aus aller Welt bei und bietet dabei einen einzigartigen Erlebnis- und Erholungsort.

Vom Dortmunder Hauptbahnhof aus erreichen wir mit der U-Bahn schnell und einfach die Haltestelle „Rombergpark“. Bereits nach wenigen Metern erblicken wir am Eingang des Parks das Torhaus des ehemaligen Wasserschlosses Brünninghausens, das als einziges Gebäude der Anlage den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hat. Überall riecht es nach Frühling. Gut gelaunte Besuchergruppen schlendern bereits durch den Park, freuen sich an den ersten Frühlingsblüten oder machen es sich an einer der Teichanlagen mit hübscher Aussicht gemütlich.

Durch die Baumkronen der 1822 gepflanzten Allee aus Linden strahlt die Sonne und wir gelangen tiefer in den Park. Wir umrunden den großen Teich und erreichen den östlichen Teil des Gartens. Der Wegesrand ist gesäumt mit Infotafeln, die uns interessantes Wissen über die verschiedenen Biotope des Parks mit ihren Tieren und Pflanzen vermitteln. So erfahren wir zum Beispiel, dass Europa ursprünglich vollständig von Wald bedeckt war und dass es erst seit dem Mittelalter mit dem Aufkommen von Ackerbau und Landwirtschaft zur Rodung und somit zu freiliegenden Flächen wie Wiesen gekommen ist. Auf einer weiteren Tafel lernen wir etwas über das komplexe Zusammenspiel in einem Ökosystem. Wusstet ihr zum Beispiel, dass von einer Wiesenpflanze bis zu 12 Tiere und eine noch weitaus größere Zahl von Mikroorganismen abhängig sind?

"Roter Bach" Rombergpark

“Roter Bach”
Botanischer Garten Rombergpark
Dortmund

Bei unserem Spaziergang durch den Rombergpark fällt uns direkt der Bach ins Auge, der neben dem Hauptweg dahin plätschert: Sein Bett ist rostrot und leuchtet uns bereits von weitem entgegen. Fasziniert betrachten wir diese besondere Färbung und wollen natürlich sofort wissen, was es damit auf sich hat. Eine Infotafel klärt uns auf und wir erfahren, dass der Bach seinen Ursprung in eisenockerhaltigen Zuflüssen hat. Auf seinem Weg bis in den Park schwemmt er das rostrote Eisen also mit sich und sorgt hier für eine Attraktion.

Wir überqueren die große Talwiese, die sich längs über den Rombergpark erstreckt, und gelangen in wenigen Minuten zu den Pflanzenschauhäusern, die auf einer Fläche von 1.000 m² exotisches und tropisches Grün aus aller Welt für uns bereit halten. Im erstem Haus gibt es Farne, so weit das Auge reicht, in allen erdenklichen Formen und Größen. Plötzlich blicken wir direkt in das Gesicht eines Dinosauriers, der sich wie schon zu Urzeiten im dichten Gebüsch der Palmfarne versteckt, von denen er sich ernährt hat. So alt ist diese Pflanzenart also schon. Im tropischen Haus tropft es von der Decke und wir fühlen uns bei rund 30 Grad schlagartig wie im Regenwald. Wir laufen vorsichtig auf dem Weg durch die verschiedenen Kletterpflanzen und tropischen Gewächse hindurch und versuchen, zumindest einen der hier frei laufenden Leguane zu finden. Aber die sind so gut getarnt und versteckt, dass wir leider keinen zu Gesicht bekommen. Stattdessen entdecken wir eine Schildkröte, die gemütlich ihre Kreise im Teich zieht. Im Kakteenhaus bestaunen wir die meterhohen Sukkulenten und eine vielfältige Sammlung seltener Orchideen- Arten. Hier treffen wir Gisela, die schon seit vielen Jahren Mitglied im Förderverein des Botanischen Gartens ist. Sie zeigt uns ihre Lieblingspflanze, die tiefblaue Orchidee „Vanda Blue Magic“. „Das ist eine sehr seltene Orchidee. Sie mag viel Licht und fühlt sich in hohen Baumkronen am wohlsten. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie so selten ist, denn sie lässt sich sehr schlecht in Töpfen aufziehen”, erklärt uns Gisela. Zahlreiche dieser schönen Pflanzen schmücken auch das anliegenden „Café Orchidee“, in dem wir es uns anschließend bei einer heißen Tasse Schokolade gemütlich machen.

Pflanzenschauhaus Rombergpark

Pflanzenschauhaus
Botanischer Garten Rombergpark
Dortmund

Als nächstes erkunden wir das Bienenlehrhaus. Denn der Rombergpark ist Standort des Lehrbienenbestands des Kreisimkervereins Dortmund. Der Verein engagiert sich, den Menschen die Bedeutung der Bienen in unseren Ökosystemen ins Gedächtnis zu rufen und gibt Informationen und Tipps zur Bienenerhaltung. Jeden Sonntag sind die Türen des Hauses für Interessierte geöffnet. Hier könnt ihr zum Beispiel an Schulungen rund ums Imkern teilnehmen oder einfach euer Wissen über das kleine Insekt vertiefen oder auffrischen.

Auch das Schulbiologische Zentrum der Stadt Dortmund setzt sich für ein positives Naturverständnis ein und fördert durch vielfältige Themen wie „Leben im Boden“ oder „Ökologie der Fließgewässer“ den Unterricht im Grünen für Schulklassen.

Wir spazieren weiter und gelangen schließlich in die Mooranlage, die als weltweit größte künstlich angelegte Moor-Heide bekannt ist. Der gesamte Bereich ist von einem Zaun umgeben, Sandwege führen uns durch diesen Teil des Parks hindurch. Das Mitbringen von Hunden ist hier übrigens untersagt, denn die Moorlandschaft ist nicht ganz ungefährlich: Wer hier den Weg verlässt, begibt sich mitunter in große Gefahr. Die Anlage dient als Experimentierfeld und versucht, das in Jahrtausenden gewachsene ökologische System „Moor“ nachzustellen. In der Mitte des Moorbeckens befindet sich das sogenannte Moorauge. Anhand des Moorauges kann man den aktuellen Wasserspiegel ablesen, der ein wichtiger Bestandteil des gesamten Experiments ist, denn Entstehung und Erhalt des Moores sind eng mit seinem Wasserhaushalt verknüpft. Wir sind beeindruckt von dem Pflegeaufwand, der in dieses Experiment investiert wird und lesen gespannt die angebrachten Infotafeln über dieses Projekt im sogenannten „Nur-Dach-Haus“, eine nachgebaute Hütte ehemaliger Moorsiedler und -siedlerinnen.

Unsere kleine Weltreise durch den Botanischen Garten neigt sich dem Ende zu und wir spazieren zurück zur Linden-Allee, die uns zum Ausgang führt. Wir werfen einen letzten Blick über die schöne Teichanlage und ihre fröhlichen Wasservögel und sind beeindruckt von Flora und Fauna aus aller Welt, die inmitten des Emscher Landschaftspark ein so wunderbares Erlebnis bieten.

Übrigens: Der Botanische Garten Rombergpark hat mehrere Spielplätze und ist daher mit seinen kinderwagenfreundlichen Wegen auch ein tolles Ausflugsziel für die ganze Familie. Falls ihr den Rombergpark mit dem Rad besuchen wollt, könnt ihr ihn einfach und bequem über den Emscher Weg erreichen, der nur wenige Hundert Meter vom Park entfernt an der Emscher entlang führt.