Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Besuch im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Besuch im Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna

Der Emscher Landschaftspark, wie wir ihn heute kennen, steht dafür unterschiedliche Freiräume miteinander zu verbinden. In über 20 Jahren wurden durch den Emscher Landschaftspark 20 Städte der Metropole Ruhr durch Grünflächen und Erholungsgebiete miteinander vereint.  Einen ganz besonderen und außergewöhnlichen Raum im Emscher Landschaftspark schauen wir uns heute an: „Das Zentrum für Internationale Lichtkunst“ im Osten des Ruhrgebiets, genauer gesagt in Unna.

Bevor das Zentrum für Internationale Lichtkunst erstrahlte und Unna im Bereich Kunst und Kultur bereicherte, befand sich die Lindenbrauerei auf diesem Gelände. Diese ist Ankerpunkt der Route der Industriekultur und bedeutendes Industriemerkmal. Mit Beginn der Entwicklung der Kohle und Stahlindustrie, begann auch die Zeit der Brauereiwirtschaft. Unna gehört sogar zu den ältesten Gewerbezweigen der Bierbrauerei. Die ehemalige Braustätte der Linden Brauerei wurde ab 1859 in mehrere Brauabschnitten errichtet und produzierte bis 1979 die Linden Biere. Einige Gebäude der Lindenbrauerei stehen unter Denkmalschutz, das ehemalige Sudhaus, das Kesselhaus das Schlandergebäude sowie der Schornstein.

Werfen wir einen Blick auf heute: Wir befinden uns nun vor dem Museum, und Christiane Hahn, die Pressesprecherin des Zentrums der internationalen Lichtkunst, erläutert uns, dass die Lindenbrauerei heute noch eine bedeutende Rolle bei der Identifikation mit der Stadt für die Bürgerinnen und Bürger Unnas spielt. Denn der Standort befindet sich mitten in der Innenstadt, die Stadtbibliothek, der I-Punkt der Stadt Unna, die VHS, das Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei mit Hausbrauerei, das Theater Narrenschiff und natürlich das Zentrum für Internationale Lichtkunst befinden sich hier auf relativ engem Raum beieinander und bedienen Besucher aller Welt mit abwechslungsreichen Attraktionen zum Thema Kultur.

Heutzutage ist es ein soziokulturelles Kultur- und Bildungszentrum mitten im Emscher Landschaftspark. In den Veranstaltungsstätten der ehemaligen Lindenbrauerei finden regelmäßig Ausstellungen und Konzerte statt. Seit 2002 wird in der kleinen Heimbrauerei  neben dem Lichtkunstzentrum Bier gebraut und ein Stück Braukultur lebt weiter im Emscher Landschaftspark. Dieses könnt Ihr nebenan in der Gastronomie dem Schlander genießen. Währenddessen werden einem nicht nur Speisen und Getränke angeboten, regelmäßige Ausstellungen zum Thema Bier kann man dort auch bewundern. Die Lindenbrauerei ist Teil der Route der Industriekultur und beherbergt seit 2001 das Zentrum für Internationale Lichtkunst. Der Leiter der Bauausstellung  „Emscher Park“, Karl Ganser, gründete 2001 die Sammlung des Zentrums für Internationale Lichtkunst. Zusätzlich wurden seit 2004 zahlreiche Gebäude zur Erweiterung der Kultur- und Bildungsangebote eröffnet.

Wir können Elemente der ehemaligen Lindenbrauerei  im Zentrum für Internationale Lichtkunst noch heute  von außen betrachten.

Das Wahrzeichen des  internationalen Zentrums für Lichtkunst die "Fibonacci-Reihe" von Mario Merz.

Das Wahrzeichen des internationalen Zentrums für Lichtkunst die “Fibonacci-Reihe” von Mario Merz.

Ganz besonders ins Auge sticht der 52 Meter hohe Schornstein, welcher auch gleichzeitig das Wahrzeichen des Zentrums ist. Er trägt die Fibonacci-Reihe (mathematische Zahlenfolge, die sich mit der vorausgehenden addiert) und wurde von dem Lichtkünstler Mario Merz entworfen. Wir nehmen an einer Führung teil, bei welcher man 90 Minuten in die Welt der strahlenden Lichtkunst eintauchen. Bevor die Führung überhaupt startet kann man das erste Werk schon betrachten. Der sogenannte Verbindungspunkt zwischen der  ehemaligen Brauerei und dem Zentrum darüber. Es lässt sich tief hinunter blicken in die Ausstellung von Jan van Munster und es lässt uns nur vermuten wie tief und wie groß die Fläche unter uns ist. Unter dem Zentrum gibt es eine Fläche von insgesamt 2.600 qm auf der Lichtkunstwerke ausgestellt werden.

Lichtgeschwindigkeit "11,5 m/s" von Brigitte Kowanz

Lichtgeschwindigkeit “11,5 m/s” von Brigitte Kowanz

Bevor wir hinunter in den Keller gehen, betrachten wir noch die Lichtgeschwindigkeitsausstellung von Brigitte Kowanz. Sie hat neunzehn Neonzahlen, welche im Rhythmus einer imaginären Uhr aufleuchten, erschaffen. Damit verdeutlicht Sie in welchem Zeitraum das Licht die Strecke von 11,5 Metern durchmisst. Jetzt geht es hinunter in den Keller. Jeder einzelne Ausstellungsraum ist individuell gestaltet, deshalb sind die Lichtinstallationen eigens für den Raum angepasst. In diesen Räumen haben dreizehn der international renommiertesten LichtkünstlerInnen eine dauerhafte Lichtinstallation eingerichtet.

Nun sind wir auf dem Weg nach unten und hängen Augenblicke später unter der Decke. Wir befinden uns über dem Kunstwerk von Joseph Kosuth, auf einem Steg. Dieser Steg verdeckt absichtlich Teile der Lichtschrift. Er fordert uns somit auf über den Steg zu schreiten und uns intensiv mit dem Zitat von Heinrich Heine auseinander zu setzen. Ist man erst einmal über den Steg geschritten kommt man direkt am nächsten Raum an. Wir betreten diesen Raum mit einer Leichtigkeit, denn die Installation von Mischa Kuball hat Dynamik, es scheint als würden sich die Wände wölben. Die Projektion auf die Diskokugeln erfüllt den ganzen Raum. Am Ende des Raumes laufen wir unter einem bekannten Verbindungspunkt, „Ich“ von Jan van Munster her. In blauer Leuchtschrift hat er das „Ich“ in zehn verschiedenen“ Sprachen zum Leuchten gebracht. Der zu Beginn endlos langer Tunnel ist in Wahrheit nur ca. zehn Meter tief. Der Blick von unten ist wieder ein ganz anderer als von oben, denn aus der oberen Perspektive schien es als hätte der Tunnel keinen Boden. Aus der Perspektive von unten sieht man die wahren Maße und wir stellen mit Erstaunen fest, welch eine schöne Illusion der Künstler geschaffen hat. Danach begeben wir uns in die aktuelle Wechselausstellung „Excess“ von Bernadi Roig. In diesem kargen Raum stehen Abdrücke von echten Tieren und Menschen. Ganz in weiß gestaltet sind die Skulpturen wie auch das Licht. Mit Sound und Videoübertragung erhält jeder Besucher einen ganz eigenen Eindruck. Der Teil der wohl am meisten heraus sticht, ist die Kopf über hängende Kuh, aus ihrem offenen Magen ragen zahlreiche Leuchtstäbe heraus die wahrscheinlich ihre Gedärme dar stellen sollen. Der Künstler lässt und darüber im Dunkeln wie seine Interpretation lautet. Nach dieser intensiven Beleuchtung schauen wir uns den nächsten Raum an. Zu der Ausstellung von Keith Sonnier nutzt er das Licht als Mittel der Raum Strukturierung. In dem Farbenrhytmus Rot, Violett und Blau schweben Neonröhren durch das zwei geteilte Tonnengewölb. Wenn es regnet befindet sich am Boden einsickerndes Grundwasser. Die Neonleuchtstäbe wirken wie Tränen an der Decke und der blaue Raum wirkt zwar kühler als der Rote, aber ist zwei Grad wärmer diese Tatsache hat uns überrascht uns. Der Künstler schafft so eine plastische Atmosphäre.

Im Mittelpunkt stehen ganz klar die kunstvollen Lichtwerke wie in keinem anderen Museum weltweit. Durch das alte Gebäude der Lindenbrauerei und dem neuen Zentrum wird in Unna ein unfassbar interessanter Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft geschaffen. Jeder kann sich somit auf Vielfalt von Atmosphären gespannt machen.

Das Zentrum für Internationale Lichtkunst sieht sich als Museum und als Kompetenzzentrum bezogen auf die „Lichtkunst“. Außer den Dauer- und Wechselausstellungen gibt es noch zahlreiche Programme an den man teilnehmen kann : Workshops, Symposien und ausstellungsbegleitende Programme und eine Vernetzung mit unterschiedlichen kulturellen Institutionen. Das Angebot für Kinder, und Jugendliche ist groß. Für Kitas und Schulen werden Programme angeboten, bei denen Kinder alles von Experimenten bis zur Schatzsuche erleben können. Wer möchte kann seinen Geburtstag in zehn Metern Tiefe feiern! Neben dem Programm für Familien und Kinder gibt es auch Aktivitäten wie die „Skate-Light-Night“, hier bietet sich die mobile Skateanlage ideal für die kleinen Skateprofis an. Oder bei gutem Wetter während der Abenddämmerung der „Skyspace” im Zauber der Dämmerung“. Dort kann man während der Sonnenuntergangsstunde im Skyspace des Third Breath von James Turell eineinzigartiges und farbenprächtiges Lichtspiel beobachten. Natürliches und künstliches Licht zeigen sich in einem Zusammenspiel miteinander und lassen den Himmel zu einer Farbfläche mutieren.

Das Museum versucht eine Plattform für Internationale Lichtkunst zu schaffen, an der zukünftige Generationen profitieren und weiterhin wettbewerbsfähig bleiben. Im Jahr 2015 starteten Sie die Initiative mit der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft, und verliehen erstmalig den „International Light Art Award“.

Ein längeres Projekt  entlang der Route der Industriekultur dem sich das Museum bereits seit 2002 widmet ist das Projekt „Hellweg- ein Lichtweg“. Dieses modulare, sich ständig erweiterndes Kunstprojekt ist unter der künstlerischen Gesamt Leitung von Matthias Wagner. Durch dieses Projekt wird deutlich, dass die Lichtkunst ein kultureller Schwerpunkt Unnas ist. Ziel und Umsetzung sind Lichtkunstwerke im öffentlichen Raum in der gesamten Hellwegregion. Diese reicht von Lippstadt bis Schwerte und von Hamm bis Unna. Diese atemberaubenden Werke können wir uns auf einer organisierten Lichtreise mit Reiseleitung anschauen. Diese finden natürlich bei Nacht statt damit die volle Schönheit der Werke zur Geltung kommen. In Unna können Sie neben dem Wahrzeichen des Zentrums für Lichtkunst, auch das „Ensemble Friedrichsborn“ welches am Eingang des Kurparks liegt bestaunen. Dieses Gebäude wird vertikal beleuchtet, welches die historische Architektur und Holzgestaltung der ehemaligen Windpumpe betont.

Nicht vor allzu langer Zeit war das Gebäude der Lindenbrauerei, einer der traditionsreichsten Braustätten im Revier bis hin zum Ende der Traditionsmarke.  Betrachten wir diesen Standort nun Jahre nach der Schließung, stellen wir fest, dass die Lindenbrauerei ein pulsierendes Kultur und Bildungszentrum ist. Der Anker wird noch tiefer gesetzt  durch regelmäßige Kultur Events und die Gastronomie der Lindenbrauerei mit der Kneipe „Schlander“. Letztendlich verbindet das Zentrum für Internationale Lichtkunst die neue Kultur der Metropole Ruhr mit der historischen Industriegeschichte des Ruhrgebiets. Wenn Ihr Lust habt und mehr vom Emscherlandschafts Park entdecken wollt, besucht doch mal die Ökologiestation des Kreises Unna.