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Emscherlandschafts Park
Besuch im Schlosspark Strünkede in Herne

Besuch im Schlosspark Strünkede in Herne

Das Wasserschloss Strünkede in Herne lädt uns heute zu einem Rundgang durch Kunst, Kultur und Stadtgeschichte ein! Wir erkunden den prächtigen Barockbau aus dem 16. Jahrhundert und die umfangreichste Sammlung zur Kulturgeschichte des Emscher Raums.

Das Emschertal-Museum mit seinen drei Standorten Wasserschloss Strünkede, Heimat- und Naturkunde-Museum Wanne-Eickel und Städtischer Galerie im Schlosspark Strünkede zählt mit zu den größten Regionalmuseen der Metropole Ruhr. Als eines der schönsten Schlösser im Ruhrgebiet stellt das Schloss Strünkede ein beliebtes Ausflugsziel im Emscher Landschaftspark dar und führt uns durch die Ur- und Frühgeschichte der Adelsfamilie Strünkede und die Stadtgeschichte Hernes der vergangenen Jahrhunderte bis hin zur Gegenwart. Das Wasserschloss Strünkede in seiner heutigen Form entstand im 15. und 16. Jahrhundert als Anbau eines dreigeschossigen Wohnturms aus früheren Zeiten. Historisches Zeugnis ist das Wappen der Adelsfamilie von Strünkede, welches bereits seit 1263 überliefert ist. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Schloss Sitz der freiherrlichen Familie von Strünkede und wurde im Laufe der Jahre durch einen Nordostflügel und einen Südwestflügel erweitert. Seit 1938 sind die kultur- und stadtgeschichtlichen Sammlungen des Emschertal-Museums dort beheimatet.

Sandsteinstatue von Jobst von Strünkede und Familie im Emschertal-Museum Schloss Strünkede

Sandsteinstatue von Jobst von Strünkede und Familie im Emschertal-Museum Schloss Strünkede

Glitzerndes Wasser, eine weitläufige Grünfläche und viele Bäume umgeben das gelbe Schloss mit den roten Dachziegeln, das seine stilgerechte Farbe während einer umfangreichen Restaurierung in den Jahren 1975-80 nach der Analyse alter Putzreste erhielt. An diesem sonnigen Winternachmittag laufen wir über die Steinbrücke auf das barocke Schlosstor zu, welches uns den Zugang auf den Schlossinnenhof eröffnet. Hierüber gelangen wir zum Museumseingang. Kaum sind wir drinnen, eröffnet sich uns im ersten Ausstellungsraum die Familiengeschichte der Schlossfamilie Strünkede. Neben dem Familienstammbaum, Ritterrüstungen, Waffen und Wappen entdecken wir eine große Sandsteinstatue, die uns Jobst von Strünkede und seine Familie vorführt. Dieser ließ die Burgfestung im Jahre 1591 zum Schloss umbauen, das bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als Wohnsitz seiner Nachkommen diente. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts vollzog die Familie Strünkede in der Blütezeit des westfälischen Landadels einen steilen Aufstieg von einer lokalen Elite bis hin zur Bekleidung der höchsten Gerichtsämter im Dienste der Herzöge von Kleve-Mark. Die einzelnen Biografien dieser Strünkeder werden hier im Turmzimmer des Schlosses für uns durch Portraits, Heiratsurkunden und weitere historische Dokumente veranschaulicht. Die adelige Familie Strünkede prägte nicht nur über Jahrhunderte das Leben in Burg und Schloss, sondern als Grundherr auch den Alltag der Menschen im nahegelegenen Dorf Haranni, das sich zur heutigen Großstadt Herne in unserer Ruhrmetropole entwickelt hat.

Auf den nächsten Etagen, die über breite Wendeltreppen verbunden sind, erleben wir den Herner Alltag verschiedenster Epochen vom Barock bis hin zum Biedermeier, der für uns durch Möbel, Stadtzeichnungen, Textilien und wertvolle Schmuckstücke lebendig wird. Die aktuelle, kulturhistorische Ausstellung befasst sich unter anderem mit dem Bergbau im mittleren Ruhrgebiet und stellt für uns den Arbeitsalltag der Zechenarbeiter in Form von Zeichnungen und Cartoons dar. Darüber hinaus entdecken wir im Dachgeschoss einen großen Bereich zu “Keramik und Glas”, in dem rund 200 Objekte aus der “Heide-Ulrike-Hapke-Stiftung” gezeigt werden, sowie faszinierende Urexponate, wie Knochenskelette von einem Riesenhirsch und Steinzeitmammut.

Nach diesem beeindruckenden Schlossrundgang begeben wir uns wieder nach draußen in den Schlosspark. Beim Verlassen des Schlosses fällt uns sofort die kleine Schlosskapelle schräg gegenüber ins Auge. Sie ist Hernes ältestes Gebäude, errichtet im gotischen Stil im Jahre 1272 von Bernd Strünkede. Zur Schlosskapelle gehören im Innern das Kreuzrippengewölbe, Reste mittelalterlicher Wandmalereien und der spätgotische Eingang auf der Südseite. In ihr befindet sich die Grabstätte von Jobst von Strünkede und seines Vaters Reynar, die 1529 und 1535 ihre letzte Ruhestätte vor dem Altar fanden, sowie die Grabplatte von Margaretha von Asbeck, der Frau von Jobst. Heute wird sie immer noch gerne für Hochzeiten und Taufen genutzt und ist nach Vereinbarung für Besichtigungsgruppen zugänglich. Ein junges Brautpaar mit Familie hat sich auch an diesem Sonntag vor der Kapelle für ein Fotoshooting vor der romantisch-historischen Kulisse zusammengefunden.

Städtische Galerie Herne im Schlosspark Strünkede

Städtische Galerie Herne im Schlosspark Strünkede

Noch ein paar Schritte weiter, entdecken wir eine Gründerzeitvilla, die einen anderen Teil des Emschertal-Museums darstellt: die Städtische Galerie. Hier finden wir den städtischen Kunstbesitz und es werden uns abwechselnd zeitgenössische Ausstellungen, speziell von Künstlern aus dem Ruhrgebiet, gezeigt. Derzeit befindet sich eine Kunstausstellung des polnischen Malers Krzysztof Gruse vor Ort, der seit 2000 in einem Atelier in Bochum arbeitet. In seiner Malerei bedient sich Gruse verschiedener Formen und Techniken, die mit einer gezielten Bildanordnung unterstrichen werden. Seine Ausstellung „Sitzen und Schauen“ in der Städtischen Galerie Herne präsentiert ältere und neuere Werke des Künstlers, die melancholische Bildwelten, Figürliches, Gegenständliches genauso wie Abstraktes zeigen und somit ein Panorama zwischen Gegenwart und Erinnerung, zwischen Traum und Realität, eröffnen. Auf den oberen Stockwerken des Hauses befinden sich Gemälde der Klassischen Moderne, Werke des Naturalismus und Expressionismus, sowie bildhauerische Arbeiten von Ruhrgebietskünstlern. Außerdem gibt es über 4000 Handzeichnungen aus Nachkriegszeiten (ab 1945) und einen großen Bereich mit Karikaturen und kritischen Grafiken zu bewundern. Auch internationale Kunstschöpfer sind hier vertreten, denn unter den druckgraphischen Erzeugnissen befinden sich sogar Arbeiten von Pablo Picasso und Marc Chagall, die die Stadt Herne in den 1950er und 1960er Jahren erwarb.

Außenansicht des Schollbrockhauses und der Galerie Schollbrockhaus im Schlosspark Herne

Außenansicht des Schollbrockhauses im Schlosspark Herne

Da wir nun bei unserem Ausflug durch Kunst und Geschichte erst einmal genug über die Stadt Herne erfahren haben, wollen wir uns noch bei einem gemütlichen Spaziergang durch den Schlosspark entspannen. Im Wasser und auf den Wiesen tummeln sich die Wildgänse, Kinder spielen auf dem zur Straße gewandten Spielplatz und Hundebesitzer*innen laufen gemütlich ihre Runden. Beim Schlendern an der frischen, kalten Luft bekommen wir Durst auf einen heißen Kaffee und freuen uns als das Schollbrockhaus vor uns auftaucht. Als 200 Jahre alter Fachwerkbau und ehemalige Strünkeder Kornmühle im Herner Norden wurde das Schollbrockhaus in den 1980er Jahren vor dem Abriss gerettet und aufwändig saniert. Das Gebäude des Schollbrockhauses befindet sich auf dem Standort der bereits seit 1316 überlieferten Schlossmühle und hat seinen Namen von der Familie Schollbrock, die das Haus einst bewohnte. Als ein wesentlicher Bestandteil des Schlossensembles befinden sich dort momentan, in direkter Nachbarschaft zum Schloss Strünkede gelegen, die Räumlichkeiten der Galerie Schollbrockhaus und ein Café. Neben Kunstausstellungen, Vorträgen und Lesungen werden hier ganzjährig Töpferei-, Mal- und Zeichenkurse angeboten.

Passend zur Weihnachtszeit gibt es auch ein festliches Kulturprogramm im Schloss Strünkede. Führungen, Konzerte und Kreativworkshops im Museum locken zum Verweilen, Stöbern, Feiern oder Entspannen. Familien erwartet  hier zu jeder Jahreszeit ein abwechslungsreiches Familien- und Kinderprogramm mit Ferienaktionen, Kunstprojekten und Veranstaltungen zu den jeweiligen Sonderausstellungen. Einst im alten Westfalen beheimatet, ist Schloss Strünkede heute Teil der modernen Metropole Ruhr. Im Emschertal-Museum Schloss Strünkede erfahren Besucher*innen Stadt- und Schlossgeschichte und können im weitläufigen Schlosspark Kunst und gastronomische Highlights genießen. Für Fahrradfans lässt sich das Schloss Strünkede besonders gut per Emscher Park Radweg besichtigen. Über eine nahegelegene Brücke führt dieser dann weiter zum Stadthafen Recklinghausen, von dem man einen ausgezeichneten Blick auf den Rhein-Herne-Kanal hat. Wer neben Hernes Regionalgeschichte, Kunst und Erholung, auch noch Industriekultur  erleben möchte, der kombiniert den Ausflug durch das idyllische Emschertal am besten noch mit einem Abstecher zum Umspannwerk Recklinghausen. Hier wird die technische Entwicklung der letzten 150 Jahre durch die Dauerausstellung „Strom und Leben“ exemplarisch veranschaulicht und Beispiele aus Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und Haushalt zeigen, wie der Strom Alltag und Arbeitswelt grundlegend veränderte. Den Schlosspark Strünkede werden wir spätestens ab Mai wieder besuchen, wenn es wieder Theater für Kinder oder Erwachsene, Konzerte, Open-Air-Kino und Feste beim Strünkeder Sommer gibt!