Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Besuch auf dem Hof Emschermündung

Besuch auf dem Hof Emschermündung

Heute zieht es uns ganz in den Westen des Emscher Landschaftsparks. Genauer gesagt, in den Nordwesten, denn wir sind unterwegs nach Dinslaken zur Emschermündung. Von ihrer Quelle am Emscherquellhof in Holzwickede fließt die Emscher rund 80 Kilometer durch den regionalen Park der Metropole Ruhr, bevor sie hier in den Rhein mündet. Nur einen Katzensprung von der Mündung entfernt liegt der charmante Hof Emschermündung, den wir heute besuchen.

Die ehemalige Hofanlage stammt aus dem Jahr 1911. 2013 wurde sie von der Emschergenossenschaft renoviert und zu einem Ort des informellen Lernens, Erlebens und Erfahrens ökologischer Zusammenhänge in der Metropole Ruhr umgestaltet. Neben der Emschergenossenschaft findet ihr die NABU Kreisgruppe Wesel, den Imkerverein Dinslaken, sevengardens, Wasserfrosch Naturerlebnis und die VHS Dinslaken-Voerde-Hünxe auf dem Hof mit vielen attraktiven Angeboten. Ein gemütliches Café mit einer schönen Terrasse bietet an bestimmten Tagen Frühstück sowie Kaffee und Kuchen an, außerdem könnt ihr euch im Cafébereich allgemein über den Emscherumbau im Emscher Landschaftspark informieren.

EMSCHERKUNST.2013 Begehbare Installation „Gedankenfluss“ Hof Emschermündung Dinslaken

EMSCHERKUNST.2013
Begehbare Installation „Gedankenfluss“
Hof Emschermündung
Dinslaken

Wir betreten den Hof Emschermündung durch das Eingangstor und schauen uns direkt neugierig um. Links vom Gebäude entdecken wir inmitten einer großen Wiese eine Art umzäuntes Pflanzenbeet. Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass es sich hierbei um eine Pflanzenkläranlage handelt, also um ein ökologisches Klärsystem in mehreren Stufen, bei dem die Selbstreinigungskraft der Natur genutzt wird, um Abwässer ohne künstliche Belüftung zu säubern. Eine Mischung aus Sumpfpflanzen wie Schilf oder Binsen und Bakterien, die sich an den Wurzeln der Pflanzen ansiedeln, klären das Wasser biologisch auf einfache und nachhaltige Weise. Eine sehr gute Sache, finden wir! Wir drehen weiter unsere Runde über den Hof und gelangen dabei zum „Gedankenfluss“. Schüler und Schülerinnen des Otto-Hahn-Gymnasiums haben diese begehbare Installation zur EMSCHERKUNST.2013 entwickelt, um an den Emscherumbau und die Renaturierung der Emscher zu erinnern. Der Erlebnispfad ist rund 10 m lang und 2 m breit und in 5 Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt sind verschiedene Fundstücke zu sehen, die die Schüler und Schülerinnen aus der Emschermündung gesammelt haben: Treibgut, alte Taue, ein kaputter Autoreifen, hier kommt so einiges zusammen. Behutsam laufen wir über das Strandgut zum nächsten Abschnitt. Es geht über groben und feinen Kies weiter über Sand, Rindenmulch und Erde bis zu einer Wiese mit gelben Blumen – Sinnbild eines ökologischen Prozesses mit der Rückführung in natürliche Kreisläufe. Da die Installation als Barfußpfad konzipiert ist, begeben wir uns noch einmal auf den „Gedankenfluss“, ziehen diesmal aber vorher die Schuhe aus. Intensiv spüren wir die einzelnen Abschnitte unter unseren Sohlen und genießen es, als unsere nackten Füße schließlich auf die warme Blumenwiese am Ende des Pfades treten. Neben der Installation führt ein schmaler Weg weiter über das Hofgelände. Wir ziehen unsere Schuhe wieder an und folgen ihm zu einer umzäunten Streuobstwiese, eine alte Kulturform des Obstanbaus, bei der die Bäume vereinzelt und „verstreut“ auf dem Gelände stehen. Eine Infotafel verrät uns, dass bereits 20 Obstbäume hier angepflanzt worden sind. Insgesamt sollen es mal 40 werden. Der Weg schlängelt sich abenteuerlich und verwunschen weiter, durch Hecken hindurch und an kleinen begehbaren Baumhütten entlang, die wie Indianerzelte aussehen. Es macht Spaß, sich klein zu machen und in die Hütten zu krabbeln. Schließlich endet der Weg an einem kleinen Rastplatz, der mit Tisch und Bänken zu einer Pause einlädt.

Bienenstöcke Hof Emschermündung Dinslaken

Bienenstöcke
Hof Emschermündung
Dinslaken

Als wir unsere Entdeckungsreise fortsetzen, hören wir nach wenigen Schritten ein emsiges Summen, das immer lauter wird. Bienen! Hunderte von Bienen! Geschäftig fliegen die fleißigen Tierchen in einem großen Getümmel um insgesamt drei Bienenstöcke des Imkervereins Dinslaken herum. Es ist ein Kommen und Gehen: Während eine Biene mit Vorräten von ihrem Sammelflug zurückkommt, macht sich eine andere Biene auf, um Pollen und Nektar zu sammeln. Schautafeln an den Bienenstöcken erklären uns, welche Bienenwesen zu einem Volk gehören, was Bienen außer Honig alles sonst noch so produzieren und wie ein Imker arbeitet. Es ist sehr beeindruckend, so viele der kleinen Insekten auf einem Haufen herumschwirren zu sehen und wir haben gewaltigen Respekt vor den Bienenstöcken. Aber die Bienen lassen sich durch unsere Anwesenheit zum Glück nicht stören und setzen unbeirrt ihre Arbeit fort.

Natur- und Kräutergarten Hof Emschermündung Dinslaken

Natur- und Kräutergarten
Hof Emschermündung
Dinslaken

Wir schauen ihnen noch einen Moment bei ihrem geschäftigen Treiben zu, bevor wir die Einladung der „Offenen Gartenpforte“ der NABU Kreisgruppe Wesel annehmen und den hübschen, blühenden Natur- und Kräutergarten am Hof Emschermündung betreten. Hier gibt es jede Menge zu sehen und zu bestaunen: einen niederrheinischen Steingarten, eine Auen- und Wildblumenwiese, ein Insektenhotel, eine Rigole (künstlich geschaffenen Mulde, in der Regenwasser versickert) mit Vogeltränke. Besonders gut gefällt uns die Trockenmauer, die die Mitte des Gartens ziert. Steine liegen hier „trocken“, ohne Mörtel übereinander. Die Fugen sind nicht verfüllt, sondern bepflanzt und bieten sowohl einen Unterschlupf für Insekten als auch eine warme, trockene Bleibe für Amphibien und Reptilien. Wir durchstreifen jeden Winkel der wunderschön gestalteten Anlage, bevor wir uns zum anliegenden Kunstwerk „sevengardens“ begeben. Als interaktives Projekt werden hier Färbergarten und ihre Produkte genutzt, um Menschen mit Hilfe der Kultur zu ermöglichen, sich an wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und politischen Prozessen im Rahmen eines globalen Netzwerkes zu beteiligen.

Emschermündung Dinslaken

Emschermündung
Dinslaken

Gegenüber von „sevengardens“ lädt die Terrasse des Cafés zu einem entspannten Sonnenbad ein und wir genießen das Licht und die Wärme der Sonnenstrahlen, während wir uns ein leckeres Stück Kuchen und einen Kakao mit Sahne gönnen. Gestärkt machen wir uns anschließend auf zur Emschermündung, die sich nur wenige Hundert Meter entfernt vom Hof Emschermündung befindet. Dazu begeben wir uns auf den Emscher Weg, einen der attraktiven Rad- und Wanderwege im Emscher Landschaftspark, der uns hier allerdings nicht an der Emscher entlang führt, sondern durch ein ruhiges Wohnviertel mit schönen Häusern und hübschen Vorgärten. Die Sonne scheint träge vom Himmel und wir laufen gemütlich die Straße entlang, während uns gut gelaunte Radfahrer und Radfahrerinnen entgegen kommen. Nach ca. 500 m führt uns der Emscher Weg nach rechts hinauf auf den Deich in ein Naturschutzgebiet. Als wir oben ankommen ist es jedoch nicht die Emscher, die wir als erstes erblicken, sondern es ist der Rhein, der breit und majestätisch unter uns liegt. Große Schiffe ziehen über das Wasser und wir laufen die letzten Meter auf dem Deich entlang, bis wir schließlich an der Emschermündung stehen. Über ein rund sechs Meter hohes Bauwerk stürzt die Emscher wasserfallartig in den Rhein. Noch bildet das Bauwerk eine ökologische Barriere zwischen den beiden Flüssen, die Fische und andere Tiere nicht überwinden können, aber auch hier ist der Emscherumbau bereits im vollen Gange, wie die große eingezäunte Baustelle zeigt. Denn 2014 hat die Emschergenossenschaft mit der Umgestaltung der Emschermündung begonnen, die weiter Richtung Norden verlegt werden und zu einem neuen, naturnahen Mündungsbereich umgebaut werden soll. Wenn wir in einigen Jahren an diese Stelle zurück kommen werden, wird uns hier eine natürliche Auenlandschaft mit neuen Rad- und Wanderwegen in der Metropole Ruhr erwarten, die es zu entdecken und erkunden gilt. Wir freuen uns jetzt schon sehr darauf! :-)