Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Ostpol des Emscher Landschaftsparks: Der Förderturm in Bönen

Ostpol des Emscher Landschaftsparks: Der Förderturm in Bönen

Für uns geht es heute an den östlichen Rand der Metropole Ruhr, und mit Rand meinen wir auch wirklich Rand. Wir besuchen nämlich die ehemalige Zeche Königsborn 3/4 in Bönen, deren Förderturm eine der östlichen Begrenzungen des Emscher Landschaftsparks ist. Die Gemeinde Bönen mit ihren 18.000 Einwohnern gehört zum Kreis Unna und ist eine ehemalige Bergarbeitersiedlung. Ihr kennt Bönen ja schon von unseren früheren Ausflügen, wie beispielsweise von unserem Besuch der Outdoor-Ausstellung ÜBER WASSER GEHEN im Sesekegebiet entlang des Seseke-Wegs oder von unserem Besuch bei der 2. Nacht der Lichtkunst im Rahmen des Kulturprojekts „Hellweg – ein Lichtweg“.

Ostpol: Yellow Marker, Förderturm Bönen

Ostpol: Yellow Marker
Förderturm
Bönen

Die Zeche Königsborn 3/4 war von 1929 bis 1981 in Betrieb. Zu ihren erfolgreichsten Zeiten arbeiteten dort etwa 4.000 Menschen. Ihr Architekt Alfred Fischer schwamm beim Bau der Zeche gegen den Strom und entschied sich nicht für einen Förderturm aus Stahl, sondern für ein geschlossenes Gebäude aus Stein, das zum Vorbild für viele moderne Fördertürme werden sollte. Insbesondere das vertikale Design und die durchgängig rechteckigen Formen waren im Steinkohleabbau so vorher nicht üblich. Seit 1990 steht der Förderturm unter Denkmalschutz und wurde nicht, wie der Rest der Anlage, abgerissen. Um die Pflege und den Erhalt kümmert sich seit 2003 eine Bürgerstiftung, die von der Gemeinde Bönen und dem Städte-Netzwerk NRW unterstützt wird. In dem 55 Meter hohen Turm könnt ihr in der obersten Ebene die alte Fördermaschine, eine Treibscheibe und eine Krahnbahn besichtigen. Außerdem gibt es im oberen Teil noch zwei Balkone, von denen ihr einen wunderbaren Panoramaausblick auf die Hellwegregion und den östlichen Teil des Ruhrgebiets genießen könnt.

Wir sind gerade dabei, uns den Förderturm von allen Seiten anzusehen und ein paar Fotos zu machen, als sich ein großer Hund aufgeregt zu uns gesellt und uns um die Beine streicht. Es ist Balu, der mit seinem Herrchen Dieter eine Gassirunde über den Seseke-Weg zum Gelände der ehemaligen Zeche gemacht hat und seinen Spaziergang dort fortsetzt. Dieter ist ein waschechter Bönener, der uns spannende Dinge über den Förderturm erzählen kann, denn er hat selbst viele Jahre lang dort gearbeitet. „Ich habe bis 1980 jeden Tag hier gearbeitet, danach wurde die Zeche geschlossen. Was mich sehr traurig gemacht hat war, dass alle Tagesanlagen abgerissen wurden. Das alte Verwaltungsgebäude wäre ein tolles Rathaus für Bönen gewesen. Der Förderturm wurde noch einige Zeit nach der Zechenschließung als Wasserspeicher genutzt, das hat ihn zum Glück vor dem Abriss bewahrt. Mittlerweile kümmert sich die Bürgerstiftung Förderturm Bönen um seine Pflege”, erzählt er uns. „Wenn ihr den Turm auch mal von innen besichtigen wollt, könnt ihr eine Führung bei der Bürgerstiftung buchen, die kann ich nur empfehlen.“ Wir freuen uns sehr über diesen Tipp und werden ihn auf jeden Fall für kommende Ausflüge im Hinterkopf behalten.

Ostpol: Yellow Marker, Förderturm, Bönen

Ostpol: Yellow Marker
Förderturm
Bönen

Wir laufen um den Förderturm und entdecken die sogenannten „Yellow Marker“. Das ist eine Lichtinstallation von Mischa Kuball, die aufgrund des Designs und ihrer Lage am östlichen Rand des Emscher Landschaftsparks im Jahr 2000 am Förderturm in Bönen angebracht wurde und eine virtuelle Brücke vom Ostpol zum Westpol des regionalen Parks der Metropole Ruhr schlagen soll. Als Westpol gilt der 80km von Bönen entfernte, 75m hohe Förderturm der Schachtanlage Rossenray in Kamp-Lintfort an der westlichen Grenze der Metropole Ruhr. An beiden Türmen sind an zwei gegenüberliegenden Seiten horizontal verlaufende Lichtrohre angebracht, die nachts gelb leuchten. Sie symbolisieren eine virtuelle Klammer des Emscher Landschaftsparks und dienen als östliche und westliche Begrenzungspunkte seiner Landmarkenkunst. Das Ganze ist so konzipiert, dass das gelbe Licht beider Landmarken genau auf derselben Höhe endet. Somit lässt sich eine gedachte horizontale Brücke über das gesamte Ruhrgebiet ziehen. Wahnsinn! In der Mitte schneidet die gedachte Brücke die 50m hohe Stahlskulptur „Bramme für das Ruhrgebiet“ von Richard Serra auf der Schurenbachhalde in Essen, die zu den Panoramen der Route der Industriekultur gehört und ein spannender Standort der Route Industrienatur ist. Was den Förderturm der ehemaligen Zeche Königsborn außerdem zu einem lohnenswerten Ausflugsziel macht, sind ein kleiner Landschaftspark auf dem Gelände der ehemaligen Zeche, sowie eine Mountainbike-Arena.

Landschaftspark Förderturm Bönen

Landschaftspark
Förderturm
Bönen

Uns hat es hier heute sehr gefallen und wir haben Lust bekommen, uns auch bald mal wieder andere wunderbare Lichtinstallationen im Emscher Landschaftspark anzuschauen, wie die Installation „Nachtzeichen“ auf der Halde Rungenberg in Gelsenkirchen, die nächtliche Beleuchtung des Tetraeders auf der Halde Beckstraße in Bottrop oder die Illumination der begehbaren Großskulptur Tiger and Turtle in Duisburg. Macht euch doch auch mal abends auf und entdeckt die Metropole Ruhr von ihrer lichtkünstlerischen Seite!