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Ausflug zum Heimatmuseum im Helfs Hof

Ausflug zum Heimatmuseum im Helfs Hof

Heute reisen wir in die Vergangenheit zurück und besuchen das im Wattenscheider Stadtteil Sevinghausen gelegene Helfs Hof Heimatmuseum, in dem Exponate zur stadtgeschichtlichen Dokumentation Wattenscheids und alte Haushaltsgeräte ausgestellt sind. Mitten im Ruhrgebiet starten wir vom Bahnhof Essen-Steele aus und fahren mit der Buslinie 363 bis zur Haltestelle Vienhovenweg. Wir steigen aus und sind ganz erstaunt, als wir uns am Rande einer Landstraße wiederfinden. Um uns herum erstrecken sich weite, grüne Felder, die der Wind kräftig durchpustet. Einem schmalen Trampelpfad folgend treten wir einen etwa fünf-minütigen Fußweg mitten durch die Wiesen an. Versteckt in der Naturidylle kommt das Bauerngut Helfs Hof zum Vorschein.

Zugang zum Heimatmuseum Helfs Hof Wattenscheid

Zugang zum Heimatmuseum Helfs Hof
Wattenscheid

Als wir den Vorgarten betreten, werden wir direkt von einem älteren Herrn, dem Museumswart, lieb in Empfang genommen. Auf das alte Vierständer-Fachwerkhaus zeigend, erklärt er uns, dass Teile des Hofes eine knapp tausend-jährige Geschichte hinter sich haben. Die Kellergewölbe beispielsweise stammen aus dem 11. Jahrhundert. Das Haupthaus, in dem heute ein Großteil der Exponate des Museums steht, hat seine ursprüngliche Form aus dem 16. Jahrhundert bewahrt. Wir sind begeistert und lassen uns ins Innere führen.

1968 wurde das Bauerngut von der (damals noch selbstständigen) Stadt Wattenscheid aufgekauft und in regionaler Initiative zum Museum umgebaut, welches schließlich im Jahre 1974 eröffnete. Auf einer Ausstellungsfläche von rund 200 Quadratmetern befindet sich eine Sammlung bäuerlicher Haushaltsgegenstände aus verschiedenen Jahrhunderten. Von Spinnrädern, über Kessel und Töpfe, bis zu einer alten Brotschneidemaschine – allerlei Gegenstände dokumentieren das bäuerliche Leben. In den im ganzen Museum verteilten Dokumenten und Zeitungsausschnitten kann man etwas über die mehr als tausend-jährige Geschichte des Ortes erfahren.

Im Mittelalter, erzählt uns der Museumswart, verlief der Hellweg, eine wichtige Durchgangsstraße für den Handel, direkt am Helfs Hof vorbei. Übrigens hat dieser daher auch vermutlich seinen Namen. Zudem soll der Hof zu den sogenannten Galgenhöfen gehört haben, erzählt er weiter, denn unweit vom Bauernhof wurden Hinrichtungen durchgeführt. Der hier ansässige Bauer war für die Zubereitung der Henkersmahlzeit zuständig und stellte die Leiter für die Prozedur. Ganz schön unheimlich was sich früher hier so abgespielt hat, finden wir. Doch entgegen der bewegten Geschichte des Hofes, fühlen wir uns hier sehr wohl und die Umgebung wirkt beschaulich und freundlich.

Wir verlassen das Haupthaus und treten gemeinsam in den Vorgarten. Auch hier gibt es einige Exponate aus vergangenen Zeiten zu bestaunen. So sind im Hof zwei große Kirchenglocken aufgestellt, die aus der evangelischen Friedenskirche in Wattenscheid stammen und von 1880 bis 1955 im Einsatz waren.

Kirchenglocken der evangelischen Friedenskirche Wattenscheid

Kirchenglocken der evangelischen Friedenskirche
Wattenscheid

Direkt daneben befindet sich ein Kriegsbunker aus Zeiten des zweiten Weltkrieges. Der Eingang ist zugemauert und ermöglicht es demnach nicht den Bunker zu besichtigen. Der Museumswart erzählt uns, dass der Bunker für die Leute des Helfs Hof und zwei weitere Bauernhöfe ausgelegt war und rund 50 Personen in ihm Platz finden würden. Wir sind wirklich beeindruckt und lassen uns auf einer Bank im Vorhof nieder um unseren Wissenszufluss ein wenig sacken zu lassen. Die idyllische Lage und Ruhe laden zum Verweilen oder auch zu einem kleinen Picknick ein.

Und sogar heiraten kann man hier: Von März bis Oktober ist es möglich in dem zum Trauzimmer umgewandelten Haupthaus Eheschließungen durchzuführen. In der direkten Umgebung liegt außerdem die Kirche Herz Jesu und die Pilgerkapelle St. Bartholomäus, die man, wenn man möchte, mit der Besichtigung des Helfs Hof verknüpfen kann. Toll spazieren gehen kann man in dem im Emscher Landschaftspark gelegenen Westpark Bochum. Schwingt man sich auf den Drahtesel kann man in einer guten viertel Stunde an der Zeche Holland sein und diese besichtigen. Ebenso kann man seine Zeit auch prima im Wattenscheider Stadtpark verbringen und die unterschiedlichsten Vögel in dem vor Ort gelegenen Vogelpark bestaunen. Wem wir Lust auf eine Erkundungstour durch das alte Bauerngut gemacht haben, der hat die Möglichkeit dies donnerstags bis sonntags zwischen 11 Uhr bis 17 Uhr zu tun. Der Eintritt ist frei. Der Helfs Hof ist auf jeden Fall einen Besuch wert und ein echter Geheimtipp für alle, die Inspiration für ihren nächsten Ausflug in der Metropole Ruhr suchen!