Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
Ausflug zum Erin-Park in Castrop-Rauxel

Ausflug zum Erin-Park in Castrop-Rauxel

Ein Ausflug nach Irland ohne das heimatliche Ruhrgebiet zu verlassen? Der Erin-Park in Castrop-Rauxel macht es möglich! Wir erleben die grüne Insel ganz nah bei uns im Emscher Landschaftspark.

Auf der ehemaligen Zeche Erin, die ihren Namen der keltischen Bezeichnung für Irland verdankt, begann 1867 die Steinkohleförderung. Unter dem irischen Zechengründer William Thomas Mulvany wurde das Gelände fortlaufend erweitert, sodass bald Schacht III, mit dem heute noch existierenden Hammerkopfturm im Stadtteil Schwerin, in Betrieb genommen wurde. Auf dem Gelände von Schacht I und II entstand einige Jahre später der Hauptförderschacht VII. Das damalige Dorf Castrop entwickelte sich mit der Zeche schnell zu einer Industriestadt. Aufgrund der guten Kokskohle wurde gleich eine Kokerei mit Bienenkorböfen errichtet, der Beginn der später immer wieder modernisierten Erin-Kokerei. Tonnenweise wurde der Koks auf Güterwagen abtransportiert, 1913 vermeldete die Kokerei eine Rekordproduktion von 210.000 Tonnen. Dennoch verursachten Schachtexplosionen und Überschwemmungen wiederkehrende Rückschläge.

Förderturm auf Schacht VII im Erin-Park

Förderturm auf Schacht VII im Erin-Park

Nach 116 Jahren wurde Zeche Erin schließlich im Jahre 1983 stillgelegt und präsentiert sich uns heute als grünes Naherholungs- und Gewerbegebiet in der Ruhrmetropole. Der 68 Meter hohe, grüne Förderturm von Schacht VII bildet mit dem charakteristischen „ERIN“ Schriftzug das Eingangstor zum Park und gleichzeitig ein bedeutendes Industriedenkmal der Route der Industriekultur. Nach der Restaurierung ist er heute Wahrzeichen eines neuen Dienstleistungs- und Gewerbezentrums auf dem ehemaligen Zechengelände. Wir blicken über eine von Bachläufen und Hügeln durchzogene Grünfläche, die zum Spazieren einlädt und gleichzeitig Platz für wirtschaftliche Projekte bietet. Als eines der Paradebeispiele für die Umsetzung des Leitthemas „Arbeiten im Park“ der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA), ist hier eine 20 Hektar große Parkanlage für Unternehmen entstanden. Im Zuge der Zechenschließung verloren 3.800 Menschen ihre Arbeit, doch das Mulvany Center mit zahlreichen Büroflächen erinnert uns heute noch an den Zechengründer und das tägliche Über- und Untertagehandwerk der dort angestellten Bergmänner.

Da der Erin-Park ganz im Zeichen seiner irischen Tradition entworfen werden sollte, wurde 1992 in Castrop-Rauxel ein internationaler Wettbewerb mit Beteiligung irischer Landschaftsarchitekten durchgeführt. Die Veranstaltung sollte dazu beitragen, Ideen zu sammeln, um den Erin-Park möglichst naturgetreu umzusetzen. Als Gestaltungsvorbilder dienten irische Landschaftszeichnungen, sodass aufgeschüttete, grasüberzogene Deponien den hügeligen Norden imitieren und eine Teichlandschaft die Gewässer des Südens. Bei unserem Spaziergang durch den Erin-Park bewundern wir die idyllische Hügel- und Steinlandschaft. Wir erklimmen eine der Deponien, um einen Gesamtüberblick über den Park zu bekommen. Der Himmel ist bewölkt und ein einsamer Vogel umkreist den Teich.
Der Ausblick über üppige Wiesen und karge Hochebenen ist friedlich. Der Herbstwind weht uns um die Ohren und wir ertappen uns dabei nach Schafen Ausschau zu halten. Jetzt fehlen nur noch Fish & Chips bei einem kühlen Bier im nächsten Pub. Von hier oben beobachten wir ein paar Hundebesitzer und Hundebesitzerinnen, die sich das nordische Feeling nicht entgehen lassen wollen. Außerdem genießen wir die grandiose Aussicht auf den gegenüberliegenden Förderturm und die Stadt Castrop-Rauxel.

Teichlandschaft im Erin-Park

Teichlandschaft im Erin-Park

Wolken ziehen auf und es wird bald dunkel im Erin-Park. Am Abend verwandelt sich das Industriedenkmal in eine illuminierte Landmarke im Rahmen des „Nacht-Tag-Panorama“ der Künstler Georg Kiefer und Manfred Walz. Förder- und Hammerkopfturm werden dabei stimmungsvoll angestrahlt und zur späteren Stunde wird der Erin-Park zu einem beliebten Hotspot für Hobbyfotografen und Fotografinnen. Das Besondere an dieser Illumination im Emscher Landschaftspark ist, dass sie naturschonend errichtet wurde und somit die nachtaktiven Tiere nicht stört. Die Industrienatur im Erin-Park bietet vielen Kleintieren, Insekten und Pflanzen unterschiedlicher Arten neue Lebensräume. Wasserabhängige Tiere haben in den Teichen des Parks ein sicheres Zuhause gefunden. Im Sommer gibt es hier vor allem am Flieder einige Schmetterlinge zu sehen und auch an den Gewässern ruhen sich die bunten Flattermänner und ein paar Schwäne gerne aus. Im Winter und Frühjahr kann man mit etwas Glück einen dort lebenden Eisvogel oder Zaunkönig vor die Linse bekommen.

Der Erin-Park in Castrop-Rauxel ist ein sehenswertes Naherholungsgebiet in der Ruhrmetropole mit industrieller Vergangenheit von Zeche und Kokerei zwischen Wasser und grünen Hügeln. Durch abwechslungsreiche Landschaftsoberflächen, konzipiert nach irischer Vorlage, üppige Bodengewächse und eine Vielzahl von heimischen Kleintieren unterscheidet sich dieses ehemalige Industriegebiet von anderen Parkanlagen im Emscher Landschaftspark. Kombiniert werden kann der Besuch mit einem Abstecher zur Halde Schwerin, wo Besucher und Besucherinnen die große, stählerne Sonnenuhr des Künstlers Jan Bormann begehen können. Für Technikinteressierte ist das nur wenige Kilometer weiter nord-östlich liegende Schiffshebewerk Henrichenburg ein Muss, denn hier wird im Industriemuseum die Geschichte des Hebewerks und der schwimmenden Arbeitswelt wieder lebendig. Außerdem lohnt sich auch immer wieder ein Ausflug zum mittelalterlichen Wasserschloss Bladenhorst, welches über den Emscherpark-Radweg am Rhein-Herne-Kanal leicht erreichbar ist.