Metropoleruhr
Emscherlandschafts Park
„Arbeiten im Park“: Das Bottroper Gründer- und Technologiezentrum Arenberg

„Arbeiten im Park“: Das Bottroper Gründer- und Technologiezentrum Arenberg

Rund 150 Jahre lang war das Ruhrgebiet untrennbar mit der Steinkohle verbunden – und das spiegelt sich noch heute im Landschaftsbild der Metropole Ruhr wieder. Kein Wunder, denn schließlich wurden zur Verarbeitung des „schwarzen Goldes“ zahlreiche Zechen, Kokereien, Hochöfen und Fabriken gebaut, welche jahrzehntelang Herz und Ader des Ruhrgebiets und Arbeitsplatz für hunderttausende Menschen war. In Bottrop findet heute sogar immer noch Steinkohleabbau statt: die Zeche Prosper-Haniel ist eine der letzten aktiven Steinkohle Zechen im Ruhrgebiet. Doch auch hier endet „die Schicht“ im Jahr 2018. Und mit dem Ende des Steinkohle-Abbaus und der Stilllegung der zahlreichen bedeutenden Anlagen, kam der Beginn der großen Leerstände, Brachflächen und ungenutzten Industrieanlagen – und die Arbeitslosigkeit für viele Menschen.

Zeche Arenberg-Fortsetzung BGT Bottrop

Zeche Arenberg-Fortsetzung
BGT
Bottrop

Um dem entgegen zu wirken, mussten neue Konzepte und Ideen für die bestehenden Orte her. Denn Infrastruktur, Gebäude und Platz gab es bei den Industriebrachen ausreichend. Hier hat die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park in den 90ern angesetzt und wertvolle Impulse gegeben, welche auch heute noch effektiv nachwirken. Unter dem Leitthema „Arbeiten im Park“ wurden in der Metropole Ruhr an 22 Standorten mitten in der Stadt oder in unmittelbarer Nachbarschaft neue Gründer- und Technologiezentren, Dienstleistungsparks und Gewerbegebiete entwickelt. Sie schafften zahlreiche neue Arbeitsplätze, indem sie Raum für Existenzgründungen, expandierende Unternehmen, Wissenschaft und Forschung bereithielten. Voraussetzung für diese Neunutzung von Industriebrachen war allerdings ein Grünflächenanteil von rund 50 Prozent. Wenn ihr euch mal den Emscher Landschaftspark aufmerksam anseht, werdet ihr merken, dass viele der neuen Gewerbegebiete in öffentliche Parkanlagen eingebettet sind, die vielfältige Möglichkeiten der Naherholung und für Freizeitaktivitäten in der Metropole Ruhr bieten.

Gelände Halde Beckstraße und Umgebung Bottrop

Gelände Halde Beckstraße und Umgebung
Bottrop

Heute stellen wir euch eines der wunderbaren Beispiele vor, die unter dem Leitbild “Arbeiten im Park” im Rahmen der IBA Emscher Park entwickelt und realisiert wurden: Das Gründer- und Technologiezentrum Arenberg an der Halde Beckstraße, welche gekrönt ist von einer der wohl bekanntesten Landmarken des Emscher Landschaftsparks – dem Tetraeder – in Bottrop.

Die etwa 78 Meter hohe Halde Beckstraße, welche ihren Namen von der vorbeiführenden Beckstraße erhielt und oft auch nach ihrer Landmarke „Tetraeder-Halde“ benannt wird, ist die derzeit sechsthöchste Bergehalde in der Metropole Ruhr und als „Haldenerlebnis Emscherblick“ inzwischen Kult. Den Emporstieg auf die Halde erlebt man – dank der vielen Bäume, Gebüsche und bewachsenen Hängen, wie einen Spaziergang durch einen Park mit viel wunderbarer Industrienatur. Selbst wenn man den asphaltierten Weg entlang geht, fühlt man sich wie in einer grünen Oase.

Tetraeder Halde Beckstraße Bottrop

Tetraeder Halde Beckstraße Bottrop

Die Halde wird von der, im Jahr 1994 von Wolfgang Christ entworfenen, Landmarke Tetraeder geschmückt. Hierbei handelt es sich um ein etwa 60 Meter hohes Stahlgerüst in Form einer dreiseitigen Pyramide bzw. Vielflächners, welches auf vier acht Meter hohen Betonsäulen ruht. Diese Landmarke ist zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeit in Bottrop geworden und ein sehr beliebtes Fotomotiv. Auch von anderen Aussichtspunkten in der Metropole Ruhr ist die eindrucksvolle Landmarke gut sichtbar und wer sich wagt den Tetraeder zu erklimmen wird mit einem beeindruckenden Ausblick über den Emscher Landschaftspark belohnt. Bei klarem Wetter schaut man bis Duisburg mit seinen Stahlwerken, erkennt die “Arena auf Schalke” und weitere Landmarken in der Region. Hier wird eindrucksvoll sichtbar, dass die Metropole Ruhr einer der größten und vor allem auch grünsten Ballungsräume Europas ist.

Am Fuße der Halde Beckstraße liegt das Gelände der ehemaligen Zeche Arenberg-Fortsetzung. Sie galt einst als Musterzeche im Ruhrgebiet und ihre Gebäude als Vorzeigegebäude hinsichtlich der Innenarchitektur ihrer Zeit. Die Bergwerksinhaber manifestierten mit beispielhafter Industriearchitektur ihre gesellschaftliche Stellung und ihr Verantwortungsbewusstsein für die städtebauliche Gestaltung. Hier wurde 1912 die erste Kohle gefördert und eine Kokerei erbaut. Jedoch schon nach drei Jahren wurde der Untertagebetrieb der Zeche stillgelegt. 1970 wurde die Zeche noch einmal von der RAG reaktiviert, 1981 jedoch final stillgelegt und hiermit einhergehend bedauerlicherweise auch das Fördergerüst abgerissen.

1991 rückte die Zeche Arenberg-Fortsetzung und ihr Gelände dann im Rahmen der IBA Emscher Park wieder in den Fokus, denn das gesamte Zechengelände sollte einer neuen Nutzung zugeführt werden. Bis zum Jahr 2003 wurden die zahlreichen Anregungen aus einem Architektenwettbewerb umgesetzt und die Arenberg-Fortsetzungwurde dank der IBA Emscher Park wieder eine mustergültige Anlage. Denn auf dem Areal, welches umfriedet von der alten renovierten Zechenmauer ist, ist hier u.a. das Bottroper Gründer- und Technologiezentrum (BGT), welches klein- und mittelständischen Unternehmen und speziell Jungunternehmer auf ihrem Weg zum Erfolg unterstützt, entstanden.

Lohnhalle BGT Zeche Arenberg-Fortsetzung Bottrop

Lohnhalle BGT
Zeche Arenberg-Fortsetzung
Bottrop

Keimzelle hierfür ist das Ensemble der erhaltenen, denkmalgeschützten Tagesanlagen: Lohnhalle, Waschkaue, Schlosserei/Schmiede, Lokschuppen und Pförtnerhaus, welche aus technischer, architekturgeschichtlicher und städtebaulicher Sicht eine große Bedeutung für die Industriekultur der Metropole Ruhr haben. Von den restaurierten Gebäuden im Stil des Historismus mit Jugendstilelementen verdient es vor allem auch Lohnhalle besonders hervorgehoben zu werden. Sie ist ein typisches Beispiel für die Industriearchitektur der wilhelminschen Ära. Im Jahre 2001 wurde auch der Lokschuppen nach jahrelangem Leerstand restauriert und mit neuem Leben gefüllt und ist heute eine renommierte Eventlocation der Stadt Bottrop.

Wie genau es zu der Entstehung dieses neuen Ortes der Arbeit in der Metropole Ruhr gekommen ist, welcher Impuls den Ausschlag zu dieser Entwicklung gab und wie der Weg von der Stilllegung der Zeche bis zum Gewerbepark letztendlich verlaufen ist, haben uns Christina Kleinheins vom Stadtplanungsamt Bottrop und Stephan Patz von der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Bottrop mbh, welche das Bottroper Gründer- und Technologiezentrum im Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung verwaltet, erklärt.

6 Fragen an Christina Kleinheins vom Stadtplanungsamt Bottrop und Stephan Patz, Geschäftsführer der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Bottrop mbH

1) Was war das Besondere an dem Ensemble der Zeche Arenberg-Fortsetzung, dass es im Rahmen der Internationalen Bauaustellung Emscher Park (IBA) erhalten worden und nicht wie viele andere vollständig Anlagen abgerissen worden ist?

Ein besonders wichtiger Punkt für die Neunutzung der ehemaligen Industriebrache war unter anderem der hohe architektonische Wert der sogenannten Musterzeche bzw. Musteranlage Zeche Arenberg-Fortsetzung. Durch das bestehende Ensemble von Lohnhalle, Waschkaue, Schlosserei/Schmiede, Lokschuppen und Pförtnerhaus, welche alle denkmalgeschützte Gebäude sind, ist hier ein wesentlicher Wert für die technischer, architekturgeschichtlicher und städtebaulicher Sicht erkannt worden. Das Fördergerüst wurde bedauerlicherweise bereits vor der IBA Emscher Park abgerissen und ist somit nicht erhalten geblieben. Dennoch stellten die gut erhaltenen Anlagen einen wichtigen Faktor für die Neunutzung dar. Auch die gute Anbindung und Lage waren wichtige Faktoren.

2) Wie ist es zur Umnutzung des ehemaligen Zechengeländes gekommen? Wie verlief der Weg von der Stilllegung der Anlage bis zum heutigen Gewerbegebiet? Welche Besonderheiten bietet der Standort am Fuße der Halde Beckstraße mit dem Tetraeder dem Bottroper Gründer- und Technologiezentrum im Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung?

Im Zeitraum von ca. 1910 bis 1930 galt die Zeche Arenberg-Fortsetzung als Musterzeche. Nachdem die gesamte Schachtanlage nun 1930 stillgelegt wurde, lag das Gelände zunächst eine lange Zeit brach. Im Zuge der IBA Emscher Park entstand dann die Idee auf dem Gelände ein Gründerzentrum anzusiedeln. Der Gewerbepark selbst wurde mit Mitteln des Landesstrukturfonds unter der Regie LEG im Rahmen der IBA Emscher Park entwickelt und rund acht Jahre später fertig gestellt. Am Aufbau des Gründerzentrums beteiligte sich auch die landeseigene Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (GIB), welche ihren Sitz in der Lohnhalle hat. Das Gründer- und Technologiezentrum (BGT) befindet sich in den Räumen der restaurierten Lohnhalle und Waschkaue der Zeche. Hier stehen ganze 1.000 Quadratmeter Nutzfläche für Jungunternehmen und Existenzgründer zur Verfügung und die jungen Unternehmen werden beim Aufbau ihres Unternehmens unterstützt. Das Angebot wurde ergänzt durch einen Neubau für gewerbliche Räume und Büros in flexibler und einfacher Bauweise.

3) Was sind Voraussetzungen für Unternehmen, sich im Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung anzusiedeln? Welche besonderen Voraussetzungen gibt es für die Ansiedlung im Bottroper Gründer- und Technologiezentrum (BGT)?

Die Ateliers in der Alten Schmiede sind mit Mitteln der NRW.Bank öffentlich gefördert worden mit einer Zweckbindung für so genannte Start-Up-Unternehmungen. Bei den Mietern sollte es sich also um Neugründungen handeln. Vor jeder der Neuvermietung muss – bis zum Ende der Zweckbindung, welche Ende 2017 ausläuft – die Zustimmung zur Vermietung durch die NRW.Bank einzuholen. Dies ist auch stets so von uns gehandhabt worden. Während die Belegung anfänglich schwierig war und es einige Leerstände gab, hat sich die Objekt nunmehr endgültig etabliert und ist seit mehreren Jahren vollvermietet.

4) Projekten der IBA Emscher Park unter dem Leitthema „Arbeiten im Park“ wurde eine Einbettung der neuen Gewerbe- und Dienstleistungsparks in einen öffentlichen Park vorgeschrieben. Wie sieht diese Einbettung für das Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung, welches am Fuß der Halde Beckstraße liegt, konkret aus?

Das Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung ist durch seine Lage direkt an der Halde Beckstraße mit dem Tetraeder als Landmarke eng mit dem Emscher Landschaftspark verbunden. Zusätzlich wurde bei der Gestaltung der öffentlichen Flächen viel Wert auf eine Begrünung gelegt. Große Bäume wurden erhalten, die Stellplätze mit Rasengittersteinen angelegt und ein zentraler Platz mit Wasserbecken als Aufenthaltsort und Treffpunkt gestaltet.

5) Welche Bedeutung hat der Standort Gewerbegebiet Arenberg-Fortsetzung am Fuß der Halde Beckstraße mit der Landmarke Tetraeder im Emscher Landschaftspark für die Stadt Bottrop und ihre Umgebung heute?

Durch die Umnutzung von teilweise denkmalgeschützten ehemaligen Zechengebäuden und die Lage mit “Tetraederblick” hat der Standort einen hohen Bekanntheitsgrad. Dies wird natürlich auch dadurch befördert, dass mit der ehemaligen Lohnhalle und dem Lokschuppen zwei architektonische Highlights für Veranstaltungen zur Verfügung stehen, die zahlreichen Besucherinnen und Besuchern bekannt sind.

6) Und Christina, welcher ist dein Lieblingsort im Emscher Landschaftspark?

Mein Lieblingsort im Emscher Landschaftspark ist der Bernepark in Bottrop. Die Verwandlung eines Ortes, der als Kläranlage für die Öffentlichkeit absolut unzugänglich war, in eine Parkanlage mit Kunst und Gastronomie finde ich hier besonders eindrucksvoll. Die Mischung aus “Pantoffelgrün” für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Ebel und einem überregional bekannten Anlaufpunkt für Fahrradtouren oder große Festivals wie der ExtraSchicht macht den besonderen Charme des Parks aus.